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Ben Bernanke: Seine Deflationsängste und die Probleme mit dem Goldstandard

In einer Vorlesung aus dem Jahr 2004 legt Fed-Präsident Bernanke seine Sichtweise über die Ursachen der Großen Depression in den 30er-Jahren dar. Daraus ergeben sich klare Anhaltspunkte für die aktuelle US-Notenbankpolitik. Außerdem findet man darin ausführliche Ausführungen Bernankes zum Goldstandard. Eine Analyse.

“Money, Gold, and the Great Depression”, lautet der Titel einer Vorlesung, die Ben Bernanke im Jahr 2004 an der Washington and Lee University in Lexington, Virgina hielt. Der Präsident des amerikanischen Notenbanksystems Federal Reserve referiert über die Entstehung der Großen Depression in den 30er-Jahren. Er erklärt, welche Fehler die Währungshüter seinerzeit gemacht hätten und wie man das Debakel möglicherweise hätte verhindern können.

Geld drucken, was das Zeug hält
Basis seiner Theorie sind im Wesentlichen die Lehren zweier Ökonomen, auf die Bernanke große Stücke hält: Milton Friedman und Anna J. Schwartz (u.a. Buchautoren von „A Monetary History of the United States“, 1867-1960). Liest man den Vortag heute, so wird einem schnell klar, warum die aktuelle Geldpolitik der USA auf niedrige Zinsen und hohe Liquidität zur Bekämpfung vor allem einer amerikanischen Urangst setzt: Deflation.

Die Argumente Bernankes, eigentlich die seiner eigenen Lehrer, klingen aus seiner Sicht plausibel und vor dem Hintergrund der aktuellen Krise nur allzu bekannt.
– Banken(-System) retten
– Leitzinsen senken
– Geldmenge ausweiten
– Staatsanleihen subventionieren (Zinsen senken)

Die möglichen Folgen, sagen wir Nebenwirkungen, der geforderten Therapie werden jedoch in keinem Wort behandelt. Was ist mit den Gefahren einer Geldwertdestabilisierung in der anderen Richtung, also (Hyper-)Inflation? Darauf erhält man keine Antwort.

Der ungeliebte Goldstandard
Bernanke befasst sich in dem Vortrag auch umfassend mit dem Goldstandard. Er gesteht sogar ein, dass der Goldstandard zwischen 1870 und 1914 sehr erfolgreich war. Später sei er es nicht mehr gewesen.

Ursache oder Zufall: Das Federal Reserve System wurde 1913 ins Leben gerufen. Auf diese Parallelität geht Bernanke in seinen Ausführungen freilich nicht ein. Dafür liefert er seine Erklärungen für das Scheitern den Goldstandards zwischen 1914 und 1938.

1) Kriegsfinanzierung
Wegen der ausfallenden internationalen Zahlungsströme und des gestörten Welthandels sowie dem Bedürfnis an mehr finanzieller Flexibilität bei der Kriegsfinanzierung sei der Goldstandard nach 1914 aufgehoben worden.

2) Kriegsfolgen
Die großen westlichen Staaten strebten nach dem Ersten Weltkrieg die Rückkehr zum Goldstandard an, allen voran Großbritannien. Die enormen Kriegszerstörungen, die Staatsschulden, das daniederliegende Bankensystem und die in vielen Ländern folgenden Inflation hätten laut Bernanke den wiedereingeführten Goldstandard enormem Druck ausgesetzt, der so vor 1914 nicht bestanden habe.

3) Fehlende internationale Führerschaft
In Kooperation mit anderen Zentralbanken hätte Großbritannien vor 1914 als Leader des Goldstandards Ungleichgewichte und Spannungen im System ausgeglichen: z.B. durch den Goldverleih, wenn andere Staaten im Goldstandard-System Liquidität benötigten. Diese Führerschaft habe weder von der jungen Federal Reserve noch von den wirtschaftlich und finanziell ruinierten Briten ausgefüllt werden können.

4) Fehlendes Vertrauen
Dem wiedereingeführten Goldstandard habe es gegenüber dem Vorkriegssystem an Vertrauen seitens der Finanzmärkte gemangelt. Die Marktteilnehmer hätten gegen die Währungen, zunächst das Britische Pfund, gewettet und z.B. Großbritannien so aus dem Goldstandard gedrängt.

Kritik
Die einseitige Aufhebung der Gold-Dollar-Bindung durch die USA im Jahr 1971 – die US-Zentralbank kam der Verpflichtung nicht mehr nach, Dollar jederzeit in Gold zu tauschen – findet in Bernankes Vortrag keinerlei Erwähnung.

Er stellt jedoch fest: “Wenn es aufgrund des Festhaltens am Goldstandard zu einer Verringerung der Geldversorgung kam, dann lag hierin der prinzipielle Grund für wirtschaftliche Depression. Länder, die den Goldstandard früher verließen, sollten die schlimmsten Depressionsfolgen umgangen und den Erholungsprozess früher wieder begonnen haben.”

Es ist einer der Hauptvorwürfe der Geldlenker: Goldstandard führt zu Deflation.

Was dabei gerne verschwiegen wird: Mangelnde staatliche Haushaltsdisziplin, angestachelt durch das generöse Geldangebot der Geldmonopolisten (Fed-Antagonisten), die gerne gleich beide Kriegsseiten finanzieren, sprengen den Goldstandard. Der Goldstandard scheiterte immer dann, wenn er aufgeweicht wurde. Zum Beispiel durch die Reduzierung der Golddeckung.

Und: Ohne “Druckerpresse” hätte kein großer Krieg der Geschichte stattgefunden.

Ein Vertrauensverlust gegenüber dem Goldstandard, wie ihn Bernanke beschreibt, muss man deshalb als mangelndes Vertrauen der Investoren gegenüber der (Geld-)Politik verstehen, die ihn umsetzt, nicht gegenüber dem Goldstandard selbst.

Und schließlich: Das Zinseszins-System, also der Geldverleih gegen Gebühr, führt zu einer chronischen Geldverknappung, da dieses Geld aus der Realwirtschaft abgezogen wird. Der Zinseszins-Effekt sprengt durch exponentiell ansteigende Schulden früher oder später jedes Geldsystem, auch den Goldstandard.

Fazit
Der Goldstandard als natürlicher Wächter der Ausgabendisziplin einer realwirtschaftlich orientieren Geld- und Wirtschaftspolitik scheiterte zuletzt immer aus den gleichen Gründen. Die Regierungen wollen mit ungezügelter Ausgabenpolitik auf Wählerfang gehen oder Kriege führen, die sie sich nicht leisten können. Die Banken besitzen als Monopolisten im Fiat Money System – im wahrsten Sinne des Wortes – die Lizenz zum Gelddrucken. Mehr noch: Sie besitzen die Macht über alle jene, die in ihrem Monopoly zu Schuldnern werden. Der Goldstandard ist von diesen Eliten schlichtweg nicht gewollt.

Ausblick
Der Goldstandard in seiner ureigenen Form: Geld 1:1 gegen Gold (und Silber) eintauschbar, ehrlich, moralisch und transparent, wirtschafts- und wohlstandsfördernd, verlangt nach gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein der politischen Führung, die auch noch über ein hohes Maß an Moral und Ethik verfügen muss.

Denn der Staat kann in einem solchen System nur dann über seine Verhältnisse leben, wenn er das Volk von Steuererhöhungen überzeugen kann. Schulden aus dem Nichts sind nicht mehr möglich.

Insofern liegt das Schicksal des Geldes theoretisch in unseren eigenen Händen, solange es noch demokratische Wahlen und unkäufliche Politiker gibt. Dabei muss es gar kein 100-prozentiger Goldstandard sein. Jede Form der – auch nur partiellen – Währungsdeckung (Teil-Golddeckung, Handelswechsel) wäre besser als das aktuelle hochinflationierende Fiat-Money-System.

Link: “Money, Gold, and the Great Depression”, Vorlesung von Ben Bernanke am 2. März 2004.

Literatur-Tipps:
„Der Dollar-Crash“, von Ellen Brown (2008)
„Die Kreatur von Jekyll Island“, von G. Edward Griffin (2006)


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Eingetragen von am 11. Aug. 2010. gespeichert unter Banken, Fed, Hintergrund, Inflation, Marktkommentare, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

3 Kommentare für “Ben Bernanke: Seine Deflationsängste und die Probleme mit dem Goldstandard”

  1. Es gibt keinen Zinseszins bei Schulden, ausser wenn die Zinsen nicht bezahlt, sondern aufgeschuldet werden.
    Während eines Jahres steigt die Verschuldung nur linear. Man leiht sich 1000€ zu 10% Zins. Dann zahlt man jedes Jahr 100€ Zins, da gibts keine exponentielle Steigerung.
    Ein Goldstandard führt zu Deflation, da die weltweite Wirtschaftsleistung so hoch ist, dass nicht genügend Gold verfügbar ist um das benötigte Geld zu decken.
    Eine Geldschöpfung aus dem Nichts gibt es nicht. Das Geld kann nur auf der Passiv-Seite geschöpft werden und muss durch einen realen Wert gedeckt sein. Staatsanleihen beispielsweise sind solche realen Werte.

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  2. Gibt es sehr wohl. Der Schuldner muss die Zinszahlungen ebenfalls refinanzieren, da sie beim Kredit nicht mit eingebracht werden. Darauf entfallen dann erneut Zinsen.
    Der Goldstandard führt nicht zur Deflation, wenn das Zins(eszins)system gleichzeitig abgeschafft wird. Dann braucht man nämlich kein Wirtschaftswachstum.
    Geldschöpfung aus dem Nichts gibt es sehr wohl. Da das geschöpfte Geld eben nicht durch reale Werte gedeckt wird, sondern lediglich durch andere Geld-Forderungen = künstliche Verlängerung der Zentralbankbilanz. Diese Geldforderungen werden im Zweifel nur deshalb existent, weil sie von den Staaten ausgegeben und der Zentralbank aufgekauft werden = Ausdehnung der Geldmengenbasis.

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  3. @Jogi
    Die Zinsen werden mit der Wertschöpfung bezahlt. Der Zins sorgt für einen intakten Geldkreislauf und der richtigen Allokation des Geldes. Somit gibt es keinen Wachstumszwang durch das System.

    Politisch ist aber ein Wachstumszwang erwünscht. Politiker wollen gewählt werden und müssen dem Volk gefallen. Das Volk hat Angst vor Arbeitslosigkeit, bei exponentiell wachsender Bevölkerung braucht es halt entsprechendes Wachstum, damit alle eine Job kriegen. Die Notenbanken streben deshalb 2% Inflation an. Das bedeutet, dass die Geldmenge stärker wächst als die produzierten Dienstleistungen/Güter. Das ist politisch gewollt und kein Fehler im System.
    Im Moment ist es so, dass es viel mehr produzierte Dienstleistungen/Güter gibt als Gold. Ein Goldstandard hätte zur Folge, dass sehr viel Geld vernichtet werden müsste, was zwangsweise zur Deflation führt. Ein 10-20% Goldstandard wäre aber sicherlich nicht schlecht, um die Politiker zu zügeln. Ich hege aber Bedenken bei der poltischen Machbarkeit.

    Geldschöpfung funktioniert nur durch reale Werte, Staatsanleihen sind genauso reale Werte wie Gold oder andere Rohstoffe. Es wird kein Geld aus dem Nichts geschöpft, sondern es werden Staatsanleihen als Gegenleistung für Geld akzeptiert.

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