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Deutsche Goldreserven weiter schleierhaft

Einmal im Quartal veröffentlicht der World Gold Council Zahlen zu den weltweiten Goldreserven. Die Erhebung erfolgt durch den Branchendienstleister GFMS. Gemeldet werden die Goldbestände durch die Zentralbanken. Doch diese Angaben sind oft irreführend. Ein aktuelles Beispiel liefert die Deutsche Bundesbank. Und erneut stellt sich die Frage: Wie viel echtes Gold schlummert wirklich in den Zentralbank-Tresoren?

Im ihrem aktuellen Monatsbericht März hat die Deutsche Bundesbank neue Zahlen zu den deutschen Goldreserven im Rahmen ihrer Zahlungsbilanz 2009 veröffentlicht.

Im Report heißt es: „Neben den in der Zahlungsbilanz erfassten transaktionsbedingten Veränderungen kam es im Berichtsjahr bei den Währungsreserven zu weiteren Anpassungen, die gemäß den internationalen Standards nicht in der Zahlungsbilanz ausgewiesen werden. So haben die Währungsreserven der Bundesbank durch die übliche Neubewertung zu Marktpreisen deutlich an Wert gewonnen (18 Mrd.). Ausschlaggebend war hier die Höherbewertung des Goldbestandes um 15 ½ Mrd. € auf nun 84 Mrd. €.“

So, da wir jetzt seit langem einmal wieder konkrete Angaben zu den „Goldbeständen“ der Bundesbank haben, rechnen wir auch gleich einmal genau nach.

Wie viele Tonnen Gold entsprechen 84 Mrd. Euro?

Am letzten Handelstag 2009 kostete die Feinunze im Londoner Vormittags-Fixing € 766,40. Es ergibt sich also folgende Rechnung:

84 Mrd. / Aktueller Marktpreis (766,40 Euro/Unze) = 109.603.340 Unzen
= 3.408.663.883 Gramm
= 3.408,66 Tonnen Gold.

Toll, das entspricht bis auf die Nachkommastellen genau der Goldmenge, die der World Gold Council per Ende September 2009 als deutsche Goldreserven meldete. Alles in Butter, oder?

Im Bundesbank-Bericht taucht das Edelmetall noch einmal auf, nämlich in „Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion“.

Dahinter verbergen sich laut Bundesbankbericht: „Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber allen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Währungsunion. […] Ab Januar 2001 werden alle Monatsendbestände zu Marktpreisen bewertet.“

Am Jahresende 2009 wurden die unter Auslandspositionen angegebenen „Gold und Goldforderungen“ mit 83.939.000.000 Milliarden Euro ausgewiesen. Es handelt sich also mehr oder weniger um den gleichen Betrag und die gleiche Goldmenge: Rund 3.408 Tonnen.

Wenn man die Zahlen vergleicht, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass die deutsche Position „Gold und Goldforderungen“ aus der EU-Bilanz den offiziellen Goldreserven des World Gold Council entspricht.

Welche Schlüsse kann man daraufhin ziehen?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1. Die von World Gold Council / GFMS für Deutschland gemeldeten Goldbestände sind gar keine reinen physischen Goldbestände, sondern entsprechen der Bilanzposition „Gold und Goldforderungen“. Damit wäre in den offiziellen „Goldreserven“ grundsätzlich also auch Papiergold enthalten (Gold-Swaps, Gold-Leasing-Geschäfte).

2. Die Deutsche Bundesbank hat gar keine „Goldforderungen“, sondern tatsächlich nur echtes Gold in ihrer Bilanz. Das hieße, man hätte nie Gold verliehen oder verleast. Aber warum heißt die Bilanzposition dann „Gold und Goldforderungen“ und nicht einfach „Gold“.

Es ist schwer zu glauben, dass sich die Bundesbank in den vergangenen Jahren nicht in Gold-Swap- oder Verleihgeschäften involviert war. Schließlich waren Geschäfte dieser Art über Jahre hinweg gängige Notenbank-Praxis.

Wir haben eine Anfrage an die Pressestelle der Deutschen Bundesbank gerichtet, um mehr zu erfahren. Bislang haben wir keine Antwort erhalten.

Die Zentralbanken halten sich bekanntermaßen äußerst bedeckt, was ihre Gold-Positionen angeht. Man muss sich immer wieder fragen, warum.

Denn Gold oder Goldforderungen, das ist ein ganz gewaltiger Unterschied. Echtes Gold kann nie Pleite gehen, deswegen handelt es sich ja um eine wichtige Währungsreserve. Wenn nichts anderes mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wird, Gold ist immer ein gern gesehenes Tauschmittel. Goldforderungen sind dagegen nichts anderes als Schuldverschreibungen, die jederzeit ausfallen können.

Ist das offizielle Zentralbank-Gold nun echtes Gold? Oder sind doch ein paar klitzekleine, physisch nicht vorhandene Papiergoldbestände mit dabei? Solange die Zentralbanken zu diesem Thema schweigen, darf weiter spekuliert werden.


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Eingetragen von am 6. Apr. 2010. gespeichert unter Banken, Deutschland, EZB, Gold, Hintergrund. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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