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Ex-BIZ-Banker: „Geld- und Fiskalpolitik haben keine Wirkung auf die Realwirtschaft“

In einem aktuellen Zeitungs-Interview äußert sich der ehemalige Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich William White ausgewöhnlich kritisch über die Maßnahmen von Politik und Notenbanken in der aktuellen Krise.

Man erlebte es zuletzt immer wieder: Im Amt verfolgen sie strikt ihr ideologisches Programm. Erst wenn sie in Rente gehen, trauen sie sich, ihre eigene Meinung kundzutun. Und diese steht häufig im Gegensatz zu den Interessen des ehemaligen Arbeitsgebers. So war es bei Ex-Finanzminister Peer Steinbrück („Haircut in Griechenland ist unvermeidlich“) und im gleichen Licht erscheinen auch die aktuellen Äußerungen von William White, dem ehemaligen Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die gerne als die Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet wird. Vielleicht ist es aber auch einfach eine versteckte Warnung an seine Investorenfreunde.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeine vertritt White Ansichten, für die man ihm zu BIZ-Zeiten vermutlich einen Maulkorb verpasst hätte. Es geht um die aktuelle Zentralbankpolitik, Währungskriege und die Schuldenkrise.

Angesprochen auf die Erfolgschancen einer möglichen zweiten Runde des Quantitative Easing durch die amerikanische Fed, äußert er sich außergewöhnlich kritisch. In Japan habe eine solche Politik zu einer gewissen Stabilität geführt, aber dann relativiert er: „Ich fürchte allerdings, die Geldpolitik hatte keinerlei Einfluss auf das Konsumverhalten und damit auf die Realwirtschaft“.

Seiner Meinung nach liege das Grundproblem der Wirtschaft nicht in einer zu geringen Liquiditätsversorgung, sondern an mangelnder Nachfrage. „Wenn die Verbraucher im Rahmen einer Finanzkrise mit zu hohen Schulden belastet sind, dann kann man ihnen das Geld umsonst anbieten, aber sie werden es nicht annehmen. Sie sind nicht in der Stimmung, um sich für den Konsum stärker zu verschulden, sondern wollen Schulden abbauen“. Man könne ein Pferd zur Tränke führen, aber nicht zu saufen zwingen.

Zudem hält er die Ausgabenpolitik der Staaten für nicht mehr wirkungsvoll. White: „Die Leute wissen aus Erfahrung, dass die Staatsausgaben auf Pump von heute die Steuern von morgen sind“.

Und er warnt: Die Inflationserwartungen könnten „urplötzlich“ außer Kontrolle geraten und die Zinsen deutlich steigen lassen.

Das gesamte FAZ-Interview mit William White lesen Sie hier.


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Eingetragen von am 22. Okt. 2010. gespeichert unter Banken, Inflation, Konjunktur, News, Politik. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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