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US-Banken besitzen „Wettscheine“ im Rekordwert von 244 Billionen Dollar

Der unregulierte amerikanische Markt für Finanzderivate stieg im ersten Quartal um 12,7 Prozent. Er erreichte damit ein neues Rekordniveau.

Es sind vor allem Zinswetten und Devisen-Spekulationen, aber auch auf die Entwicklung von Kredit-Papieren, Aktien und Rohstoffen setzen die großen US-Banken Billionen-Beträge. Diese Geschäfte werden „Over the Counter“ („über den Ladentisch“) abgeschlossen. Es sind also Verträge zwischen zwei Parteien, die nicht über die Börse und damit an den Regulierungsbehörden vorbei laufen.

Einmal im Quartal geben die US-Geschäftsbanken allerdings im Rahmen des sogenannten OCC-Berichts (Office of the Comptroller of the Currency) Auskunft über ihr Engagement im Handel mit Derivaten. Und das nimmt mittlerweile eine unvorstellbare Größenordnung an.

Derivate-Volumens seit 1996 (US-Geschäftsbanken)

Entwicklung des nominalen Derivate-Volumens seit 1996 (US-Geschäftsbanken); Quelle: OCC.

 

Im ersten Quartal 2011 stieg der Nominalwert aller von US-Banken gehaltenen Finanzderivate auf ein neues Rekordhoch von 244 Billionen US-Dollar (+10 Prozent gegenüber Q1 2010 und +5,5 Prozent gegenüber Q4 2010; amerk.: Trillions!). Nicht in diesen Zahlen enthalten sind die Derivate-Geschäfte der US-Notenbank.

Die am stärksten vertretenen Basiswerte (Anteil In Klammern)

Zinsderivate: 199,53 Billionen US-Dollar (81,7%)
Devisen: 26,71 Billionen US-Dollar (10,9%)
Kreditderivate: 14,89 Billionen US-Dollar (6,11%)
Aktien: 1,47 Billionen US-Dollar (0,60%)
Rohstoffe: 1,37 Billionen US-Dollar (0,56%)

Die am stärksten vertretenen Derivate-Instrumente (Anteil in Klammern)
Swaps: 152,74 Billionen US-Dollar (62,6%)
Futures + Forwards: 39,08 Billionen US-Dollar (16%)
Optionen: 37,27 Billionen US-Dollar (15,3%)
Kreditderivate: 14,89 Billionen US-Dollar (6,1%)

Vereinfachtes Beispiel für ein (Gold-)Swap-Geschäft: Bank A vereinbart mit Bank B, dass A heute eine Million Unzen Gold an B zu einem Preis von 1.500 Dollar pro Unze überträgt und diese Menge in einem Monat zum Preis von 1.450 Dollar von B zurückkauft. Es handelt sich also um ein Art Verleih-Geschäft. Der Nominalwert beträgt 1,5 Milliarden Dollar. Der Ertrag für den „Verleiher“ beträgt 50 Millionen Dollar. Ob sich das Geschäft für den „Leihenden“ lohnt, hängt vom Goldpreis am Ende der Vertragslaufzeit ab. Hierin besteht das vornehmliche Risiko bei diesem Geschäft. Es kann beträchtlich sein. Bank A setzt sich dagegen ebenfalls einem Risiko aus.  Bank B könnte nicht in der Lage sein, das Gold am Laufzeitende zu liefern (z.B. wegen Pleite).

Interessant in diesem Zusammenhang ist die sogenannte „Credit Exposure“, also das Kreditrisiko der US-Geschäftsbanken im  Zusammenhang mit Derivate-Geschäften. Es betrug im ersten Quartal angeblich 353 Milliarden US-Dollar (-6% gegenüber Vorquartal).

Die von US-Geschäftsbanken im ersten Quartal 2011 erzielten Erlöse aus dem Derivate-Geschäft  werden mit 7,4 Milliarden Dollar beziffert. Das waren 10 Prozent weniger als im ersten Quartal 2010 aber 113 Prozent mehr als im Vorquartal.

Bemerkenswert ist weiterhin auch die Marktkonzentration. Die vier größten US-Geschäftsbanken teilen diesen Markt zu 94 Prozent unter sich auf.

Die größten US-Derivate-Händler (Anteil in Klammern)
JP Morgan Chase: 79,46 Billionen US-Dollar (32,6%)
Citibank: 54,12 Billionen US-Dollar (22,2%)
Bank of America: 52,50 Billionen US-Dollar (21,5%)
Goldman Sachs: 44,87 Billionen US-Dollar (18,3%)

Gold-Derivate
Im Segment der Gold-Derivate ist JP Morgan weiterhin der mit Abstand größte Akteur. Im 1. Quartal reduzierte der Bankenriese sein Papier-Gold-Engagement aber deutlich um 32 Prozent oder 52,17 Milliarden auf 111,66 Milliarden Dollar. Die US-Tochter der britischen Investment-Bank HSBC ist mit einem Nominalwert von 24,34 Milliarden US-Dollar auf Platz zwei unter den amerikanischen Haltern von Gold-Derivaten. Anders als in einem separat von uns veröffentlichten  Bericht dargestellt, war HSBC auch schon im vierten Quartal mit einem Milliarden-Betrag in diesem Markt involviert. Genaue Daten gehen aus dem OCC-Bericht allerdings nicht hervor, da nur die nur größten fünf US-Geschäftsbanken (gemessen am Nominalvolumen aller gehaltenen Derivate) namentlich genannt werden. Im 4. Quartal 2010 fiel HSBC nicht unter die Top-5.

Der Nominalwert aller von US-Banken gehaltenen Gold-Derivate (Futures, Optionen, Swaps) fiel im 1. Quartal um 29 Prozent auf 137,08 Milliarden Dollar. Die Top-5-Banken verringerten ihr Engagement um 17 Prozent.

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Eingetragen von am 28. Jun. 2011. gespeichert unter Banken, Hintergrund, News, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

2 Kommentare für “US-Banken besitzen „Wettscheine“ im Rekordwert von 244 Billionen Dollar”

  1. 666LadyGaga666

    Ist doch alles kein Problem.

    Steigt halt langfristig genauso exponentiell wie die Staatsverschuldung bzw. die Geldmengenausweitung :)

    Willkommen in der 5. Dimension !

  2. Hihi, ich finde es witzig, dass sich Banken einfach so quasi gegenseitig unendlich viel Geld leihen können um damit irgendwelche Wetten abzuschließen. Das Geld ist nicht wirklich geliehen, sondern wird erschaffen durch die Kreditvergabe. Diese so geschöpfte Geld jagt ja keinen Gütern oder Dienstleistungen hinterher, solange es sich nur zwischen den Banken bewegt – also keine Inflationsgefahr. Es wird ja auch wieder zerstört in dem Moment indem die Kredite zurück bezahlt werden.

    Aber wehe wenn da mal eine Bank wegbricht, dann kann das Geld nicht mehr abgesaugt werden und schwappt in die Realwirschaft. Dann gute Nacht

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