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US-Banken trennen sich massiv von Risiken eines steigenden Goldpreises

Es ist wie das Kommen und Gehen der Jahreszeiten. Wenige amerikanische Großbanken – allen voran JP Morgan – bauen an der Warenterminbörse COMEX über Monate hinweg Gold-Short-Positionen auf, um dann beträchtliche Anteile davon auf einen Schlag einzudecken. Anfang August fiel dieser Prozess besonders heftig aus.

Der aktuelle CFTC-Report zur Beteiligung von Banken an den Termingeschäften der COMEX zeigt, dass insgesamt vier US-Banken sich per 3. August 2010 von 21 Prozent ihrer Futures-Kontrakte getrennt haben, mit denen sie auf einen fallenden Goldpreis gewettet hatten.

Massiv Shorts glattgestellt
Für Händler, ist die so genannte Short-Eindeckung besonders vorteilhaft, wenn der Goldpreis möglichst niedrig gegenüber dem im Vertrag vereinbarten Basispreis steht und umso unvorteilhafter, je höher Gold notiert. Nachdem der Kurs des Edelmetalls seit Anfang Juli um 5 Prozent gefallen ist – Kritiker gehen davon aus, dass die Banken dabei tatkräftig mitgeholfen haben – sah man nun wohl den richtigen Zeitpunkt gekommen. Short-Positionen wurde durch den Abschluss von Kaufkontrakten „glattgestellt“.

Anders ausgedrückt: Die Banken haben den gedrückten Goldpreis genutzt, um sich von Risiken eines steigenden Goldpreises zu befreien.

Die konkreten Zahlen
Anfang August befanden sich 127.614 Short-Futures-Kontrakte in den Büchern von vier US-Banken. Das waren 33.764 oder 20,92 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Plastischer in Mengen ausgedrückt: Es wurden Vorwärtsverkäufe im Umfang von 105 Tonnen Gold aufgelöst, so viel wie seit mehreren Jahren nicht mehr innerhalb eines solchen Zeitraumes.

Dennoch halten die US-Banken am Futures-Markt weiterhin einen hohen Anteil an Short-Kontrakten. Anfang August entfielen 24,60 Prozent aller Terminverträge an der COMEX auf die Short-Wetten dieser US-Banken (Vormonat: 27,9%).

Entsprechend hoch ist Verhältnis von Short- zu Long-Kontrakten dieser Institute. Die Ratio ist jedoch im Vergleich zum Vormonat stark von 6,82:1 auf nun 4,38:1 gefallen. Das heißt auf eine Long-Wette kommen 4,38 Short-Wetten. Insgesamt haben die US-Banken aktuell weiterhin 396,87 Tonnen Gold in ihren Handelsbüchern, die sie über Futures auf Termin verkauft haben. Dagegen stehen künftige Kaufverpflichtungen im Volumen von nur 90,58 Tonnen.

Auch die Summe aller Futures-Verträge an der COMEX ist um 10,19 Prozent zurückgegangen. Es wurde also entsprechend weniger Gold an der COMEX auf Termin gehandelt.

Abb.: Gold-Short-Wetten der US-Banken Anfang August drastisch reduziert

Silber
Die gleichen Verhältnisse wie bei Gold, herrschen auch im Terminhandel mit Silber. Hier fiel die Anzahl der von US-Banken gehaltenen Short-Futures innerhalb der letzten vier Wochen von 31.803 auf 27.765 Kontrakte. Ein Minus von 12,6 Prozent. Unter dem Strich hielten die US-Banken an der COMEX Verkaufspapiere im Umfang von 4.317,45 Tonnen Silber. Zum Vergleich: Die Weltjahresproduktion beträgt bei Silber rund 20.000 Tonnen.

Hintergrund
US-Banken spielen am Warenterminmarkt eine dominante Rolle. Mit großvolumigen Vorwärtsverkäufen (Short-Futures und -Optionen) besteht für sie die Möglichkeit, Kurse an der Warenterminbörse kurzfristig stark zu drücken. Durch Arbitrage-Geschäfte zwischen Spot- und Terminmarkt korrespondieren die Kurse auf beiden Märkten eng miteinander. Terminmarktgeschäfte haben also auch entscheidenden Einfluss auf den Preis für Gold zur sofortigen Lieferung (Spot Price).

Banken betreiben mit Warentermingeschäften Eigenhandel, bauen damit aber auch Gegenpositionen zu anderen Derivate-Geschäften auf, bei denen sie als Kontrahenten ihrer Kunden auftreten. Man spricht in diesem Zusammenhang von so genannten Bullion Banken.

Die starke Short-Konzentration bei Gold und Silber, dominiert von diesen wenigen Banken, wird von Kritikern seit langem als marktbeherrschend und manipulativ angesehen. Man geht davon aus, dass weniger große US-Häuser die Vormachtstellung am Terminmarkt nutzen, um den Gold- und Silberpreis zu drücken. Derzeit finden von Seiten der US-Kartellbehörde Untersuchungen zur Rolle der Großbank JP Morgan auf dem Terminmarkt statt. Insbesondere geht es um mögliche Marktmanipulationen auf dem Silbermarkt.

Short- und Long-Position werden als zwei Seiten eines Kontraktes gezählt. Entscheidend für die Bezeichnung „long“ oder „short“ aus Sicht des jeweiligen Händlers ist, wer den Handel initiiert hat. Alle laufenden Kontrakte an der COMEX bezeichnet man als Open Interest.

Die Aktivitäten der US-Banken am Terminmarkt sorgen immer wieder zu zeitweiligen Rücksetzern beim Goldpreis. Den kontinuierlichen Kursanstieg über die vergangenen zehn Jahre hinweg könnten diese Termingeschäfte allerdings nicht verhindern.


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Eingetragen von am 9. Aug. 2010. gespeichert unter Gold, News, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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