Gold unter Druck: Warum der Terminmarkt noch keine Panik signalisiert

Das Open Interest bei Gold-Futures fällt auf den niedrigsten Stand seit 2009. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach physischer Gold-Auslieferung an dere COMEX deutlich an.

Open Interest bei Gold-Futures fällt auf den niedrigsten Stand seit Jahren
Am Gold-Terminmarkt ist die Zahl offener Kontrakte auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Goldreporter-Auswertung gefallen. Der Goldpreis rutschte am Freitag unter die wichtige 200-Tage-Linie.

Gold-Open-Interest bricht weiter ein

In der vergangenen Woche haben sich noch mehr Händler aus dem Geschäft mit Gold-Futures zurückgezogen. Laut den aktuellen CoT-Daten mit Stichtag 2. Juni 2026 sank der Open Interest gegenüber Vorwoche um weitere 8 Prozent auf nur noch 326.052 Kontrakte. Damit wurde der niedrigste Wert seit Beginn der wöchentlichen Goldreporter-Auswertung im Jahr 2009 erreicht.

Immer mehr Händler verlassen den Gold-Terminmarkt – doch neue Leerverkäufer drängen bislang nicht nach.

Bemerkenswert: Trotz des kräftigen Goldpreis-Einbruchs am Freitag (-3 %) nahm die Zahl offener Kontrakte bis zum Wochenschluss nur geringfügig zu. Der Open Interest stieg um lediglich 0,7 Prozent auf 328.219 Kontrakte. Von einer breiten Rückkehr spekulativen Kapitals an den Terminmarkt kann also bislang keine Rede sein.

Gold-Futures: Swap Dealers stocken Short-Positionen auf 

Werfen wir einen Blick auf die Veränderungen in den Poitionen der größten Händlergruppen. Innerhalb der großen Händlergruppen kam es dennoch zu deutlichen Umschichtungen. Die Netto-Short-Position der Commercials erhöhte sich um 11 Prozent auf 206.345 Kontrakte. Maßgeblich verantwortlich waren die Swap Dealers, zu denen auch große Banken zählen. Sie weiteten ihre Netto-Verkaufspositionen um 12 Prozent aus.

Parallel dazu stieg die Netto-Long-Position der großen Spekulanten um 14 Prozent auf 176.020 Kontrakte. Die Zunahme verteilte sich dabei relativ gleichmäßig auf die einzelnen Untergruppen.

CoT-Daten Gold: Open Interest und Händlerpositionen an der COMEX per 2. Juni 2026
Die CoT-Daten zeigen einen deutlichen RĂĽckgang des Open Interest bei Gold-Futures. Gleichzeitig reduzierten Commercials und Spekulanten ihre Netto-Positionen (Quelle: CME Group).

Wer die Bewegung angestoßen hat, lässt sich aus den Daten nicht eindeutig ableiten. In einem Szenario könnten Swap Dealers das Managed Money mit niedrigeren Preisangeboten zum Aufbau von Long-Positionen animiert haben.

Open Interest sowie Netto-Positionen von Commercials und spekulativen Marktteilnehmern am Gold-Terminmarkt (Verlauf 24 Monate, Stand: 2. Juni 2026).
Open Interest sowie Netto-Positionen von Commercials und spekulativen Marktteilnehmern am Gold-Terminmarkt (Verlauf 24 Monate, Stand: 2. Juni 2026).

Optimismus im Optionshandel hält an

Trotz der jĂĽngsten Kursverluste bleibt die Stimmung im Optionshandel ĂĽberraschend positiv. Im Handel mit Gold-Optionen ist die Put/Call-Ratio gegenĂĽber Vorwoche auf 0,443 gestiegen. Damit entfielen 226 Calls auf 100 Puts (Vorwoche: 2,26:1). Der Optimismus hat damit etwas nachgelassen, befindet sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau.

COMEX-Lagerbestände schrumpfen weiter

Auch bei den COMEX-Goldbeständen setzte sich der Abbau fort. Die gesamten Lagerbestände gingen zuletzt um rund 50.000 Unzen auf 28,23 Millionen Unzen zurück.

Noch stärker fiel der Rückgang bei den zur Auslieferung verfügbaren Registered-Beständen aus. Diese sanken um 260.000 Unzen auf 15,26 Millionen Unzen.

Da gleichzeitig das Open Interest ebenfalls zurückging, blieb die physische Deckung des Gold-Futures-Handels mit rund 86 Prozent auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.

Hohe Nachfrage nach physischer Lieferung

Auffällig ist, dass der Rückgang des (Papier-)Goldpreises die Abträge auf physische Lieferung stark gestiegen sind. Für eine Auslieferung Ende Juni liegen bereits 28.791 Delivery Notices vor, was rund 90 Tonnen Gold entspricht.

Damit wurde das Niveau des Vormonats bereits deutlich übertroffen. Im Mai waren lediglich 8.838 Auslieferungsanträge registriert worden. Schon jetzt zeichnet sich der stärkste Liefermonat seit Februar ab.

Fazit: Preisrutsch noch ohne neue Short-Welle

Der Goldpreis verlor am Freitag nach starken US-Arbeitsmarktdaten rund 3 Prozent und fiel unter seinen 200-Tage-Durchschnitt. Damit bestätigte sich das von Goldreporter Ende Mai beschriebene Risiko einer Ausweitung der Korrektur.

Interessant ist jedoch, dass der Preisrutsch bislang nicht von einem massiven Neuaufbau spekulativer Short-Positionen begleitet wurde. Zwar erhöhten die Swap Dealers ihre Netto-Short-Positionen bereits vor dem Kursrückgang spürbar. Gleichzeitig spricht das weiter gesunkene Open Interest jedoch gegen eine breit angelegte Baisse-Spekulation.

Für die kommenden Wochen dürfte deshalb vor allem eine Frage entscheidend sein: Bleibt der Goldpreis unter der 200-Tage-Linie und lockt dadurch neue Leerverkäufer an den Markt – oder handelt es sich lediglich um eine weitere Bereinigungsphase innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends?

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6 Kommentare

  1. Man kann schon davon ausgehen, dass zumindest die Grossbanken oder die BIZ ein Interesse daran haben, dass neue Leerverkäufer angelockt werden. Nicht umsonst wurde ohne irgend welchen anderen Anlass mit massiven Investitionen der Kurs unter die 200 Tage Linie gedrückt.
    Alles zum Schutz des Fistmoneys, des Dollars ind auch des Euro. Da halten die BrĂĽder zusammen.
    Ob man das abgewanderte Gold jemals wieder zurĂĽckbekommt ? Wahrscheinlich nicht. Jedenfalls nicht mehr zu den heutigen Preisen.
    Ein hoher Goldpreis über 6.000 ist zwar für uns ganz nett, aber ein Zusammenbruch einer Währung schlimmer, als es sich so manche vorstellen können.
    Denn, weder Geld noch Gold kann man essen. Sagte mal einer der Indianerhäuptlinge vor seiner Hinrichtung.
    Also, sehen wir das ganze eher gelassen und nutzen unsere Chancen fĂĽr die die Zukunft.

  2. Nach starken Us-Arbeitsmarktdaten…….
    Wie war das bisher noch mal ?
    1.) Die Zahlen sind ganz ganz grob geschätzt/geraten.
    Aber ganz sicher nicht von neu eingesetzten Parteibuch-Beamten (war da nicht neulich ein wichtiger Personalaustausch… ? ) im Regierungssinn manipuliert, das wäre ja VT.
    2.) In der Vergangenheit wurden die Zahlen später regelmäßig zusammengestrichen.

    Wie ist denn die logische Wirkungskette ?
    1.) Arbeitsmarkt stark, dann kann
    2.) Die Fed ja die Zinsen erhöhen und damit
    3.) Die Zinslast der US-Regierung, der völlig überschuldeten Commercials und Privatbürger ins Unbezahlbare steigern, als Folge
    4.) Bricht das wirtschaftliche Paradies aus und man soll Staatsanleihen kaufen und kein Gold.

    Fazit: ok, alles logisch.

    BauchgefĂĽhl: der Juni wird lustig.
    (Wenn man Zyniker ist)

    • @Blackwood
      Ich halte es mit Isaac Newton, welche im 16 Jh vor der Kammer im britischen Unterhaus (?) sagte:
      „Meine Herren, ich habe wahrlich nichts gegen das Papiergeld, wenn die Obrigkeiten klug und weise handeln und mit nahezu göttlicher Voraussicht gesegnet sind.
      Doch bis es soweit ist, rate ich zum Gold“
      Ähnliches sagte auch Benjamin Franklin, Socrates, Archimedes…Sogar Rothschild äusserte sich so.
      Und natĂĽrlich auch Andre Kostolany.
      „Meine Familie lieb ich sehr, aber Gold und Silber noch viel mehr“
      Und neuerdings auch China, Indien, viele Zentralbanken und letztlich auch die FED bzw. das US Schatzamt.
      Sind die alle blöd gewesen oder sind die das immer noch ?
      Alle hinaus nach Stadelheim oder wie ?
      Denn, wie doch fast alle Menschen wissen, steht die Erde im Mittelpunkt des Universums und ist eine Scheibe.
      Und deshalb braucht man kein Gold, denn es ist zu schwer und verbiegt diese Scheibe bis sie bricht.

      • Kostolany war nun wahrlich kein Gold-Fan. Von ihm stammen eher Zitate wie “Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln.“

      • @Maruti
        Ziemlich locker wie Sie hier schreiben. Manipulationen
        von Kartellen ,wie immer die sich auch zusammensetzen,
        ist bei den PreisstĂĽrzen in Minuten gut denkbar.
        Man wird es niemals wissen. Aber es betrifft vermutlich nicht
        nur den Papiermarkt. Im Internet findet man Berichte von einem
        Goldverkauf der ZB Indiens von 12 Milliarden $, bzw. 83 Tonnen, zur
        Abmilderung der Ă–lpreise. Wird aber offiziell bestritten.
        Genauso wenig werden wir erfahren, welche Mengen Gold die
        Golfstaaten verkaufen mussten, um ihre wirtschaftlichen Ausfälle
        zu kaschieren. Das alles ist Kaffeesatzleserei in einem Forum auf
        der untersten Stufe der Nahrungskette.

  3. @Soylent Green
    Kostolany war der Börsenguru seiner Zeit.
    Er hatte so manche SprĂĽche auf Lager, ironisch, sarkastisch, zynisch.
    Hier noch einige meiner Sammlung:
    „Aktionäre sind dummdreist. Dumm, weil sie Aktien kaufen und dreist weil sie damit auch noch Geld verdienen wollen“
    „Gold aber gehört in jedes Aktiendepot, das sagte er auch.
    Geld alleine macht nicht glücklich, es gehören schon Aktien, Immobilien und Edelmetalle dazu“
    Und er besass selber einiges an Gold, wie die Medien nach seinem Ableben berichteten.
    Apropos Gold:
    Heute gibt es den Krügerrand um 1.000 Euronen günstiger. Das ist doch mal was. Wäre das an der Tanke, gäbe es lange Schlangen.
    Ăśbrigens, wie gesagt, Gold ist kein Trade, kein Investment, sondern eine Versicherung.
    Keiner muss eine Versicherung irgendeiner Art haben.
    Es ist freiwillig, kostet Geld, verdienen tut man damit auch nichts, und essen kann man sie auch nicht.
    Aber ähnliches gilt auch für einen Fallschirm.
    Keiner braucht ihn, aber wenn man ihn brauchen wĂĽrde und ihn nicht hat, dann braucht man ihn auch nie wieder.

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