Derivatevolumen steigt auf Rekordhoch – JP Morgan dominiert Edelmetalle

US-Banken hielten im ersten Quartal 2026 Derivate im Rekordwert von 296,5 Billionen USD. JP Morgan kontrolliert 62 Prozent der Edelmetall-Derivate.

JP Morgan Chase vor Finanzhochhäusern mit steigender Derivategrafik und dem Rekordwert von 296,5 Billionen US-Dollar.
Das Derivatevolumen der US-Banken erreichte im ersten Quartal 2026 den Rekordwert von 296,5 Billionen US-Dollar. JP Morgan hielt davon das größte Einzelportfolio.

Derivatemarkt erreicht historischen Höchststand

Das Derivatevolumen der US-Banken ist im ersten Quartal 2026 auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Vier Institute kontrollieren fast 80 Prozent des Marktes. Bei Edelmetall-Derivaten ist die Konzentration noch deutlich größer.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Derivatevolumen der US-Banken stieg im ersten Quartal 2026 auf den Rekordwert von 296,5 Billionen US-Dollar.
  • JP Morgan dominiert den Edelmetall-Markt mit rund 62 Prozent aller gemeldeten Edelmetall-Derivate.
  • Das Kreditrisiko bleibt trotz deutlichen Anstiegs unter dem Niveau der Finanzkrise, die Marktkonzentration birgt jedoch systemische Risiken.

Nach Angaben der US-Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) belief sich der Nominalwert sämtlicher Derivate zum 31. März 2026 auf 296,5 Billionen US-Dollar. Das waren 88,4 Billionen US-Dollar beziehungsweise 42,5 Prozent mehr als im Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Volumen um 41 Prozent. Damit erreichte der Derivatebestand der erfassten US-Banken ein historisches Hoch.

Der Nominalwert entspricht allerdings nicht dem tatsächlich gefährdeten Kapital. Er dient in erster Linie als Bezugsgröße für Zahlungen aus Swaps, Optionen und Termingeschäften.

Entwicklung des Derivatevolumens der US-Geschäftsbanken von 2000 bis zum ersten Quartal 2026 mit Rekordhoch bei Zinsderivaten.
Das Derivatevolumen der US-Geschäftsbanken stieg im ersten Quartal 2026 auf den Rekordwert von 296,5 Billionen US-Dollar. Den größten Anteil machten Zinsderivate aus.

JP Morgan mit den meisten Derivaten

Unter den einzelnen US-Geschäftsbanken hielt JP Morgan Chase mit 62,57 Billionen US-Dollar das größte Derivateportfolio. Knapp dahinter folgte Goldman Sachs mit 60,44 Billionen US-Dollar.

Bank Derivate-Nominalwert
JP Morgan Chase 62,57 Billionen USD
Goldman Sachs 60,44 Billionen USD
Citibank 55,96 Billionen USD
Morgan Stanley 55,56 Billionen USD
Bank of America 28,17 Billionen USD
Wells Fargo 20,01 Billionen USD

Die vier größten Banken kamen zusammen auf 234,5 Billionen US-Dollar und kontrollierten damit 79,1 Prozent des gesamten Derivatemarktes der erfassten US-Banken.

Zinsprodukte dominierten das Geschäft. Ihr Nominalvolumen stieg um fast 50 Prozent auf 203,2 Billionen US-Dollar. Das entsprach 68,5 Prozent aller Derivate. Es folgten Devisenderivate mit 75,3 Billionen US-Dollar.

JP Morgan beherrscht Edelmetall-Derivate

Besonders hoch ist die Konzentration im Edelmetallsektor. US-Banken hielten zum Quartalsende Edelmetall-Derivate im Nominalwert von insgesamt 820,35 Milliarden US-Dollar.

Davon entfielen allein 509,41 Milliarden US-Dollar auf JPMorgan Chase. Das entsprach einem Marktanteil von rund 62 Prozent.

Mit deutlichem Abstand folgte die Citibank mit 235,56 Milliarden US-Dollar beziehungsweise knapp 29 Prozent. Goldman Sachs meldete dagegen nur 680 Millionen US-Dollar und Morgan Stanley 181 Millionen US-Dollar.

JP Morgan hielt damit mehr als doppelt so viele Edelmetall-Derivate wie die Citibank. Beide Banken zusammen vereinten rund 91 Prozent des gesamten gemeldeten Edelmetallmarktes auf sich.

Dabei waren die Geschäfte überwiegend kurzfristig ausgerichtet. Rund 771 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 94 Prozent der Kontrakte hatten eine Laufzeit von weniger als einem Jahr.

Aus den Daten geht allerdings nicht hervor, ob die Banken netto auf steigende oder fallende Goldpreise setzen. Die ausgewiesenen Volumen umfassen Kundenpositionen, Absicherungsgeschäfte sowie Long- und Short-Kontrakte. Ein großes Derivateportfolio ist deshalb nicht automatisch mit einer entsprechend hohen ungedeckten Short-Position gleichzusetzen.

Entwicklung der Edelmetall-Derivate US-amerikanischer Banken nach Laufzeiten von 2001 bis zum ersten Quartal 2026.
Das Nominalvolumen der Edelmetall-Derivate US-amerikanischer Banken erreichte Anfang 2026 rund 820 Milliarden US-Dollar. Der überwiegende Teil der Kontrakte hat eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr (Quelle: OCC).

Historisches Hoch bei Derivaten

Mit 296,5 Billionen US-Dollar erreichte das gesamte Derivatevolumen der US-Banken im ersten Quartal 2026 einen neuen Rekordstand. Dabei ist der sprunghafte Anstieg vor allem auf das stark ausgeweitete Geschäft mit Zinsderivaten zurückzuführen.

Auch das ausgewiesene Edelmetall-Volumen liegt auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Bei langfristigen Vergleichen dieser Unterkategorie ist allerdings eine methodische Änderung zu beachten.

Seit Einführung des regulatorischen Berechnungsverfahrens SA-CCR im Jahr 2022 werden Goldderivate als Edelmetall-Derivate ausgewiesen. Zuvor waren Teile des Goldgeschäfts den Devisenderivaten zugerechnet worden. Dadurch sind ältere Zahlen zum Edelmetall-Segment nur eingeschränkt mit den heutigen Angaben vergleichbar.

Unabhängig davon ist die aktuelle Marktkonzentration eindeutig: JP Morgan ist mit Abstand der wichtigste Akteur im US-Edelmetall-Derivatehandel.

Kreditrisiken steigen

Entscheidender als das Nominalvolumen sind die tatsächlichen Forderungen zwischen den Vertragspartnern.

Der positive Bruttomarktwert der Derivate stieg im ersten Quartal um 33,2 Prozent auf 2,95 Billionen US-Dollar. Durch rechtlich anerkannte Verrechnungsvereinbarungen konnten die Banken den Großteil ihrer Forderungen und Verpflichtungen gegeneinander aufrechnen.

Nach diesem sogenannten Netting verblieb ein aktuelles Nettokreditrisiko von 325 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorquartal entsprach dies einem Anstieg um 84,1 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 34,8 Prozent. Die Verrechnung reduzierte das Bruttorisiko um 88,9 Prozent.

Trotz des deutlichen Anstiegs liegt das Kreditrisiko noch weit unter dem historischen Höchststand. Ende 2008 erreichte es während der Finanzkrise 804 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 lag es bei rund 40 Prozent dieses Niveaus.

Zusätzlich hielten die Banken Sicherheiten im Umfang von 139,6 Prozent ihrer Nettokreditforderungen. Ein großer Teil bestand aus Bargeld und US-Staatsanleihen.

Risiken bei Zins- und Bankenkrisen

Die Zahlen liefern kein unmittelbares Signal für eine bevorstehende Bankenkrise. Das System ist durch Netting, Sicherheiten und regulatorische Kapitalanforderungen besser abgesichert als vor der Finanzkrise.

Dennoch bestehen erhebliche systemische Risiken. Sie ergeben sich vor allem aus der hohen Marktkonzentration und der Abhängigkeit von wenigen großen Händlerbanken.

Bei starken Zinsbewegungen können sich die Marktwerte von Swaps und Optionen innerhalb kurzer Zeit verändern. Betroffene Marktteilnehmer müssen dann zusätzliche Sicherheiten hinterlegen. Können Banken, Fonds oder Versicherer diese Nachschussforderungen nicht erfüllen, wird aus einem Marktpreisrisiko zunächst ein Liquiditäts- und schließlich ein Kreditrisiko.

Bei einer Bankeninsolvenz werden Forderungen und Verpflichtungen zwar grundsätzlich miteinander verrechnet. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Netting-Vereinbarungen rechtlich durchsetzbar sind, Sicherheiten verfügbar bleiben und offene Positionen auf andere Marktteilnehmer übertragen werden können.

Der Ausfall einer großen Derivatebank könnte deshalb erhebliche Folgen für zahlreiche Gegenparteien und die Marktliquidität haben.

Besondere Risiken am Goldmarkt

Im Edelmetallsektor ist das Nominalvolumen deutlich kleiner als bei Zinsderivaten. Dafür ist die Konzentration wesentlich höher.

JP Morgan und Citibank kontrollieren gemeinsam mehr als 90 Prozent der gemeldeten Edelmetall-Derivate. Gleichzeitig wurden lediglich 19,2 Prozent dieser Kontrakte zentral gecleart. Der überwiegende Teil verblieb im bilateralen OTC-Markt.

Sollte einer der beiden Hauptakteure ausfallen oder seine Handelsaktivitäten stark reduzieren, könnte die Liquidität im Edelmetall-Derivatemarkt kurzfristig sinken. Denkbar wären steigende Absicherungskosten, größere Geld-Brief-Spannen und Schwierigkeiten bei der Übertragung offener Positionen.

Fazit

Das Derivatevolumen der US-Banken ist im ersten Quartal 2026 auf den Rekordwert von 296,5 Billionen US-Dollar gestiegen. Gleichzeitig konzentriert sich der Markt weiterhin auf wenige Großbanken.

Bei sämtlichen Derivaten liegt JP Morgan knapp vor Goldman Sachs. Im Edelmetall-Sektor ist die Führungsposition dagegen eindeutig: JP Morgan hält mit 509 Milliarden US-Dollar rund 62 Prozent des Marktes und mehr als doppelt so viel wie die Citibank.

Das tatsächliche Nettokreditrisiko liegt weiterhin deutlich unter dem Krisenhoch von 2008. Es ist zuletzt jedoch um fast 35 Prozent gestiegen. Solange Netting, Sicherheiten und Liquiditätsversorgung funktionieren, erscheint das Risiko beherrschbar.

Problematisch könnte eine Kombination aus starken Zins- oder Goldpreis-Bewegungen, hohen Nachschussforderungen und dem Ausfall eines großen Marktteilnehmers werden. Die OCC-Zahlen signalisieren keine akute Bankenkrise. Sie zeigen jedoch einen Derivatemarkt auf Rekordniveau und eine erhebliche Abhängigkeit von wenigen systemrelevanten Instituten.

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2 Kommentare

  1. Buffet hat mal gesagt, diese Derivate sind die finanziellen Atombomben.
    Hat er recht ? Ich fürchte, er hat.
    Der Silberkurs durch massive Balkonwürfe von JP Morgan
    ( Man erinnere sich, vor 6 Monaten kaufte JP Morgan Umengen an Silber und ging zugleich short) auf weiterer Talfahrt.
    Für eine um 100 Euro gekaufte Silbermünze bekommt einer zur Zeit weniger als 50 Euro.
    Um diesen Verlust auszugleichen, muss der Ankaufskurs ! um über 100% steigen und der Silberkurs selber noch weiter darüber und nochmals weiter, wenn man die Inflation dazurechnet.
    Da kann man nur sagen, Glückwunsch.

  2. diese so genannte Netting, ist eine Milchmädchenrechnung, long und short gegeneinander aufrechnen ist reine Theorie und fern von jeder Praxis. Schon bei einer mittlere Panik auf der Börse verschwinden nämlich die Geldkurse völlig und vor allem die aus dem Geld shorts hängen in der Luft.

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