Gold-Futures jetzt rund um die Uhr handelbar: Folgen für den Goldpreis

Die CME Group öffnet den US-Goldhandel erstmals auch am Wochenende. Noch gilt das nur für den 1-Unzen-Future. Goldreporter analysiert die Folgen für die Goldpreis-Bildung.

Goldmünze mit 1OZ-Prägung vor globaler Börsenkulisse
Die 1OZ-Prägung steht für den kleinen Gold-Future, der nun auch am Wochenende gehandelt werden kann.

Neuheit bei Gold-Futures 

An der US-Terminbörse COMEX ist erstmals ein Gold-Future auch am Wochenende handelbar. Seit dem 24. Juli 2026 kann der sogenannte 1-Ounce Gold Future (1 Unze Gold) mit dem Kürzel 1OZ praktisch rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche gehandelt werden. Damit reagiert die CME Group laut eigenen Aussagen auf die wachsende Nachfrage nach kleineren und jederzeit verfügbaren Handelsinstrumenten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 1OZ-Gold-Future wird nun auch am Wochenende gehandelt.
  • Sein direkter Einfluss auf den Goldpreis bleibt zunächst gering.
  • Bei Wochenendkrisen kann er zum ersten Preisindikator werden.

Goldhandel erstmals auch am Wochenende

Die großen COMEX-Gold-Futures GC (100 Unzen) und MGC (10 Unzen) werden schon seit Langem nahezu 24 Stunden am Tag elektronisch gehandelt. Allerdings endet deren Handelswoche weiterhin am Freitagnachmittag in den USA und beginnt erst wieder am Sonntagabend.

Die entscheidende Neuerung beim 1OZ-Kontrakt ist deshalb nicht der nächtliche Handel, sondern die Öffnung am Wochenende. Lediglich kurze Wartungsfenster unterbrechen den Betrieb: montags bis freitags jeweils für zwei Minuten sowie samstags für zwei Stunden.

Der Anfang 2025 eingeführte Kontrakt bildet eine Feinunze Gold ab. Damit entspricht er einem Zehntel des Micro-Gold-Futures MGC und einem Hundertstel des klassischen GC-Kontrakts. Der 1OZ-Future ist allerdings nicht physisch lieferbar. Er wird in bar abgerechnet und orientiert sich bei der Abrechnung am 100-Unzen-Gold-Future.

Mehr zum laufenden Marktgeschehen: Goldpreis aktuell – Übersicht und Live-Daten

Schaubild zum Vergleich des täglichen Handelsvolumens von GC-, MGC- und 1OZ-Gold-Futures in Unzen
Der 1OZ-Future kam selbst in seinem bislang stärksten Monat nur auf eine Größenordnung von etwa 0,3 Prozent des kombinierten GC- und MGC-Volumens, gemessen in Unzen.

Starker Start in den Wochenendhandel

Nach Angaben der CME wurden am ersten Handelswochenende knapp 15.000 Kontrakte umgesetzt. Das entsprach einem Nominalwert von rund 60 Millionen US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 wechselten durchschnittlich etwa 87.000 1OZ-Kontrakte pro Handelstag den Besitzer.

Gemessen in Unzen bleibt das Volumen jedoch überschaubar. Die 87.000 täglich gehandelten Kontrakte entsprechen 87.000 Unzen Gold. Allein beim klassischen GC-Future werden laut CME täglich umgerechnet knapp 27 Millionen Unzen umgesetzt. Der 1OZ-Handel erreicht damit bislang nur gut 0,3 Prozent dieses Volumens. Selbst im bisherigen Rekordmonat März waren es durchschnittlich rund 116.500 Unzen pro Tag.

Im regulären Wochenhandel wird die Preisbildung deshalb weiterhin vom großen COMEX-Future, vom Londoner außerbörslichen Goldhandel und von den übrigen internationalen Handelsplätzen bestimmt. Der kleine 1OZ-Kontrakt dürfte diesen Märkten überwiegend folgen.

Neuer Goldpreis für das Wochenende

Anders sieht es zwischen Freitagabend und Sonntagabend aus. In dieser Zeit sind die großen Gold-Futures und der Londoner Goldmarkt geschlossen. Der 1OZ-Future ist dann eines der wenigen regulierten Goldinstrumente, über das Anleger unmittelbar auf neue Ereignisse reagieren können.

Kommt es am Wochenende beispielsweise zu einer militärischen Eskalation, einer Bankenkrise oder einer überraschenden politischen Entscheidung, kann sich die erste Reaktion nun bereits im 1OZ-Kurs zeigen. Bislang mussten Marktteilnehmer auf die Wiedereröffnung der großen Märkte warten.

Der Wochenendkurs könnte dadurch einen Teil der früher typischen Kurslücke zum Wochenauftakt vorwegnehmen. Öffnen GC, MGC und der asiatische Goldhandel später wieder, dürften professionelle Händler mögliche Preisunterschiede durch Arbitrage rasch ausgleichen.

Der 1OZ-Future wird den internationalen Goldpreis am Wochenende damit zunächst eher anzeigen als dauerhaft bestimmen.

Vorsicht vor dünner Liquidität

Allerdings können die Wochenendkurse stärker schwanken als während der regulären Handelszeiten. Wenn nur wenige Kauf- und Verkaufsaufträge im Orderbuch liegen, reichen bereits vergleichsweise kleine Transaktionen für deutliche Kursbewegungen.

Möglich sind dann größere Geld-Brief-Spannen, abrupte Ausschläge und kurzfristige Abweichungen vom letzten Spotpreis. Ein am Samstag angezeigter Goldpreis muss deshalb nicht zwangsläufig dem Kurs entsprechen, zu dem der liquide Weltmarkt am Sonntagabend oder Montagmorgen tatsächlich eröffnet.

Die Aussagekraft des Wochenendpreises hängt entscheidend davon ab, wie viele Händler und Market Maker dauerhaft am 1OZ-Handel teilnehmen.

Mehr Privatanleger, aber keine physische Nachfrage

Die geringe Kontraktgröße senkt die Eintrittsschwelle für Privatanleger. Statt eines Nominalwerts von mehreren Hunderttausend US-Dollar beim klassischen GC-Future bewegt ein 1OZ-Kontrakt beim aktuellen Goldpreis lediglich rund 4.000 US-Dollar. Aufgrund der Sicherheitsleistung müssen Händler davon nur einen Bruchteil als Kapital hinterlegen.

Das erleichtert kurzfristige und gehebelte Spekulationen. Bei hoher Beteiligung könnten dadurch Momentum, Stop-Loss-Bewegungen und schnelle Reaktionen auf Nachrichten zunehmen.

Eine unmittelbare Nachfrage nach Münzen oder Barren entsteht dadurch jedoch nicht. Da der Kontrakt finanziell abgerechnet wird, müssen bei steigenden Umsätzen keine entsprechenden Goldmengen physisch ausgeliefert werden.

1oz-Kurs verfolgen: Die CME Group veröffentlicht auf ihrer Internetseite fortlaufende Kurse des rund um die Uhr gehandelten Gold-Futures. Die Daten sind mindestens zehn Minuten verzögert. Hier geht es zur Kursübersicht.

Goldreporter-Fazit

Der 24/7-Handel mit dem 1OZ-Future verändert den Goldmarkt zunächst weniger durch sein Volumen als durch seine zeitliche Verfügbarkeit. Erstmals existiert auch am Wochenende ein regulierter COMEX-Preis für Gold.

Unter der Woche bleibt der Einfluss auf den allgemeinen Goldpreis angesichts des geringen Volumens überschaubar. Bei überraschenden Wochenendereignissen kann der 1OZ-Kontrakt jedoch zum ersten sichtbaren Preisindikator werden und die Eröffnung der größeren Goldmärkte vorwegnehmen.

Damit erhält der Goldmarkt faktisch einen Wochenendpreis. Wie belastbar dieser ist, wird sich allerdings erst zeigen, wenn mehr Erfahrungen mit Handelsvolumen, Liquidität und Kursschwankungen vorliegen.

Mehr zum Thema: COT-Daten Gold – aktuelle Daten zum Gold-Futures-Handel und Einordnung

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2 Kommentare

  1. Danke für den ausführlichen Artikel zu den Hintergünden. Meine Erstmeldung vor zwei bis drei Wochen war da inhaltlich noch wenig belastbar.

    Vielleicht hätte man noch die Kryptocoins wie PAX Gold oder Tether Gold erwähnen können, die ebenfalls Wochenendpreise von Gold abbilden können.

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