Goldpreis-Prognosen: Banken senken Erwartungen – bleiben aber bullish

Die Banken werden beim Goldpreis kurzfristig vorsichtiger. Langfristig sehen HSBC, Bank of America und J.P. Morgan jedoch weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial.

Aktuelle Goldpreis-Prognosen von HSBC, Bank of America und J.P. Morgan im Vergleich
HSBC, Bank of America und J.P. Morgan haben ihre Erwartungen an den Goldpreis angepasst. Vor allem die Prognosen für den Jahresdurchschnitt wurden gesenkt.

Großbanken korrigieren ihre Goldpreis-Ziele

Mehrere Großbanken haben ihre Goldpreis-Prognosen für 2026 nach unten korrigiert. HSBC, Bank of America und J.P. Morgan reagieren damit auf den stärkeren US-Dollar, steigende Marktzinsen und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank. Trotzdem rechnen die Institute weiterhin mit einer deutlichen Erholung des Goldpreises.

Die Banken senken ihre durchschnittlichen Goldpreis-Prognosen. Für das Jahresende erwarten sie jedoch weiterhin deutlich höhere Kurse.

Der Goldpreis hat seit dem Rekordhoch Ende Januar erheblich an Wert verloren. Zuletzt kostete die Feinunze rund 4.100 US-Dollar. Damit liegt das Edelmetall etwa ein Viertel unter seinem bisherigen Höchststand.

Mehr zum laufenden Marktgeschehen: Goldpreis aktuell – Übersicht und Live-Daten

Die jüngsten Prognosen der Banken zeigen: Der Optimismus ist kleiner geworden. Von einer grundsätzlichen Abkehr vom Gold sind die Analysten jedoch weit entfernt.

HSBC senkt durchschnittliche Goldpreis-Prognose

HSBC reduzierte seine durchschnittliche Goldpreis-Prognose für 2026 von 4.864 auf 4.560 US-Dollar pro Unze. Für 2027 erwartet die britische Großbank nun einen Durchschnittspreis von 4.925 US-Dollar. Zuvor waren es 5.000 US-Dollar.

Bemerkenswert ist jedoch, dass HSBC sein Kursziel für Ende 2026 unverändert bei 4.750 US-Dollar belässt. Ende 2027 soll Gold laut der Bank bei 5.025 US-Dollar stehen. Auch die längerfristigen Prognosen von 5.200 US-Dollar für 2028 und 5.300 US-Dollar für 2029 wurden nicht verändert.

HSBC rechnet für den Rest des Jahres mit einer breiten Handelsspanne zwischen 3.800 und 4.700 US-Dollar. Der Goldpreis könnte demnach zunächst noch längere Zeit auf dem derzeitigen Niveau verharren oder erneut unter Druck geraten. Zum Jahresende erwartet die Bank jedoch eine Erholung.

Goldpreis-Prognose HSBC bis 2029
Goldpreis-Prognose HSBC bis 2029

Die Differenz zwischen dem gesenkten Jahresdurchschnitt und dem unveränderten Jahresendziel ist entscheidend. HSBC stellt nicht das langfristige Potenzial von Gold infrage. Die Bank geht lediglich davon aus, dass die Schwächephase länger dauert als bisher erwartet.

Starker Dollar und hohe Zinsen belasten Gold

Als wichtigste Belastungsfaktoren nennt HSBC die veränderten Erwartungen an die US-Geldpolitik und den stärkeren Dollar. Höhere Zinsen machen verzinste Anlagen attraktiver und erhöhen damit die Opportunitätskosten des Goldbesitzes.

Gleichzeitig verteuert ein steigender Dollar das Edelmetall für Käufer außerhalb des US-Währungsraums. Das kann die internationale Nachfrage dämpfen.

Nach Einschätzung von HSBC waren diese Faktoren maßgeblich für die jüngsten Verkäufe am Goldmarkt verantwortlich. Die Bank erwartet jedoch, dass sich die umfangreichen Abflüsse aus Gold-ETFs im weiteren Jahresverlauf abschwächen könnten. Außerdem sollen hohe Haushaltsdefizite und die zunehmenden Risiken an den staatlichen Anleihemärkten den Goldpreis weiterhin unterstützen.

Bank of America korrigiert Prognose deutlich

Auch die Bank of America hat ihre Erwartungen zurückgenommen. Das Institut senkte den prognostizierten durchschnittlichen Goldpreis für 2026 demnach um 14 Prozent von 5.093 auf 4.360 US-Dollar.

Als Begründung nennt die Bank ebenfalls die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik der Federal Reserve. Hohe Energiepreise könnten die Inflation länger über dem Zielwert halten und die US-Notenbank zu weiteren Zinsschritten bewegen.

Das langfristige Kursziel von 6.000 US-Dollar wurde jedoch beibehalten. Die Bank of America erwartet dieses Niveau, sobald der geldpolitische Straffungszyklus endet.

Auch hier handelt es sich damit weniger um eine Abkehr von der bisherigen Goldmarkt-Einschätzung als um eine zeitliche Verschiebung. Die Analysten rechnen kurzfristig mit stärkeren Belastungen, halten den strukturellen Aufwärtstrend aber weiterhin für intakt.

J.P. Morgan bleibt am optimistischsten

J.P. Morgan gehört weiterhin zu den größten Optimisten am Goldmarkt und äußerte sich Anfang Juni positiv zu Gold. Die US-Bank erwartete im vierten Quartal 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 6.000 US-Dollar. Bis Ende 2027 hält das Institut Kurse von rund 6.300 US-Dollar für möglich.

Allerdings hat auch J.P. Morgan seine Prognosen gegenüber dem Frühjahr gesenkt. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Bank nun einen Durchschnittspreis von 5.243 US-Dollar. Zuvor waren es 5.708 US-Dollar.

J.P. Morgan macht die weitere Entwicklung vor allem von der US-Geldpolitik abhängig. Die grundlegenden Argumente für Gold – hohe Staatsschulden, Kaufkraftverluste, geopolitische Spannungen und die Diversifizierung der Zentralbankreserven – seien weiterhin gültig. Die zunehmende Wahrscheinlichkeit höherer US-Zinsen habe die erwartete Goldpreis-Erholung jedoch zunächst verzögert.

Banken erwarten sehr unterschiedliche Goldpreise

Die Bandbreite der aktuellen Prognosen ist erheblich. Während HSBC für Ende 2026 mit 4.750 US-Dollar rechnet, erwartet J.P. Morgan im Schlussquartal bereits einen Durchschnitt von 6.000 US-Dollar.

Goldpreis-Prognosen Großbanken 2026
Goldpreis-Prognosen Großbanken 2026

Vom aktuellen Kursniveau um 4.100 US-Dollar aus würde bereits das vergleichsweise vorsichtige HSBC-Ziel einem Anstieg von rund 16 Prozent entsprechen. Das J.P.-Morgan-Szenario setzt dagegen eine neue, kräftige Aufwärtsbewegung voraus.

Prognosen reagieren auf den Kursverlauf

Die jüngsten Anpassungen zeigen erneut ein grundsätzliches Problem von Bankprognosen. Viele Kursziele werden erst geändert, nachdem sich die Rahmenbedingungen und der Goldpreis bereits deutlich bewegt haben.

Nach dem starken Anstieg bis Januar hatten zahlreiche Institute ihre Prognosen angehoben. Nun reagieren sie auf die anschließende Korrektur mit niedrigeren Durchschnittswerten.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass die neuen Prognosen falsch sind. Anleger sollten sie jedoch nicht als zuverlässige Vorhersage eines exakten Goldpreises verstehen. Sie spiegeln vielmehr die jeweils aktuellen Annahmen zu Zinsen, Inflation, Dollar, ETF-Nachfrage und Zentralbankkäufen wider.

Ändert sich einer dieser Faktoren, werden auch die Prognosen erneut angepasst.

Mehr zum Thema: Goldpreis-Prognosen der Banken: Was taugen die Kursziele wirklich?

Durchschnittspreis und Kursziel nicht verwechseln

Bei der Einordnung ist außerdem zwischen dem erwarteten Jahresdurchschnitt und einem Kursziel zum Jahresende zu unterscheiden.

Ein Durchschnittspreis von 4.560 US-Dollar bedeutet nicht, dass HSBC Gold zum Jahresende auf diesem Niveau erwartet. Der Jahresdurchschnitt berücksichtigt sämtliche Handelstage – einschließlich der bereits erfolgten Kursverluste und möglicher weiterer Schwächephasen.

Ein unverändertes Jahresendziel von 4.750 US-Dollar signalisiert dagegen, dass die Analysten im weiteren Jahresverlauf wieder steigende Kurse erwarten.

Genau darin liegt die eigentliche Aussage der aktuellen Prognosekorrekturen: Die Banken rechnen mit einem schwierigeren und volatileren Weg. Die grundsätzliche Erwartung höherer Goldpreise wurde aber nicht aufgegeben.

Mehr zum Thema: Wie Banken den Goldpreis steuern – Strukturen, Macht, Mechanismen

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2 Kommentare

  1. Die Zahlen:
    Bank of America und JP Morgen vermelden satte Quartalsgewinne um über 25%.
    Nun ja, wenn man an der Steuer Konsole sitzt, ist das nicht zu schwer und eigentlich noch zu wenig Gewinn.
    Aber durch 3 fach Buchführung muss ja das Finanzamt oder die Aktionäre nicht alles mitbekommen.

    • @Maruti
      Na, wer wird wohl wieder einen Tag vorher gewusst haben, daß Goldlocke erneut den Iran angreifen und dadurch den Ölpreis um 10,5 % steigern wird ?
      Ich hätte doch was für den Wahlkampf spenden sollen (wäre aber sicher nicht genug gewesen, um auf DEN Verteiler für DIESE Infos zu kommen).

      Und mal ehrlich: 21 Milliarden Gewinn in 3 Monaten bei JP ist ja nix, wofür man sich besonders schämen müsste.
      Das sind ja auch nur 163.000 – je Minute (24/7).

      Außerdem kann man als Bank ja locker einen ganzen Goldberg ganz elegant verstecken: z.B. als Risikovorsorge im Kreditgeschäft.
      Im Vergleich zu Bankbilanzen waren die Gebrüder Grimm phantasielose Sachbuchschreiberlinge.

      Wir kennen das ja: glaube nix, was du nicht selbst erfunden hast.

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