Indien hat ein Goldproblem – doch die Käufer lassen sich nicht bremsen

Indien wollte die Goldkäufe mit höheren Zöllen und Appellen bremsen. Doch im Juli kamen Indiens Goldnachfrage und die Goldimporte wieder zurück.

Goldschmuck in Indien – Goldnachfrage zieht trotz höherer Zölle wieder an
Goldschmuck: Trotz höherer Importzölle und staatlicher Appelle bleibt Indiens Goldnachfrage hoch (Bild: Goldreporter)

Modi zügelt Goldkäufer

Indien hat ein Problem mit Gold. Das Land muss praktisch seinen gesamten Bedarf im Ausland kaufen, während gleichzeitig große Mengen Öl und Gas importiert werden. Beides belastet die Handelsbilanz und erhöht den Druck auf die indische Rupie.

Im Mai reagierte die Regierung. Neu-Delhi erhöhte den Einfuhrzoll auf Gold und Silber von 6 auf 15 Prozent. Gleichzeitig wandte sich Premierminister Narendra Modi direkt an die Bevölkerung. Die Inder sollten möglichst ein Jahr lang auf unnötige Goldkäufe verzichten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Indiens Regierung erhöhte im Mai den Gold-Importzoll von 6 auf 15 Prozent und rief die Bevölkerung zu Kaufzurückhaltung auf.
  • Zunächst ging die Nachfrage zurück, doch im Juli erholten sich Goldimporte, Schmuckkäufe und Händlerbestellungen wieder deutlich.
  • Gold bleibt in Indien kulturell verankert und dient vielen Haushalten als Wertspeicher – entsprechend begrenzt ist die Wirkung staatlicher Bremsmaßnahmen.

Das war für ein Land, in dem Gold bei Hochzeiten, Festen und als private Vermögensreserve eine wichtige Rolle spielt, eine ungewöhnliche Aufforderung.

Mehr dazu: Indien attackiert Goldmarkt: Gold-Zölle verdoppelt, Bürger sollen nicht mehr kaufen

Zunächst wurde weniger Gold gekauft

Der Appell zeigte durchaus Wirkung. Nach Angaben des World Gold Council war die Nachfrage von Mitte Mai bis Mitte Juni deutlich schwächer. Neben der saisonal ruhigeren Zeit machten sich der höhere Importzoll und die Aufforderung der Regierung bemerkbar.

Vor allem in den Städten hielten sich die Käufer zurück. Auf dem Land war davon weniger zu spüren. Dort wird Gold traditionell stärker als Vermögensreserve genutzt und diese Gewohnheit lässt sich offenbar nicht so leicht ändern.

Auch bei den Goldhändlern veränderte sich das Geschäft. Viele Kunden kauften nicht einfach neuen Schmuck, sondern brachten alte Stücke mit und tauschten sie gegen neue ein. Bei einigen Händlern erreichte der Anteil solcher Geschäfte laut World Gold Council 60 bis 70 Prozent.

Auf diese Weise lässt sich neuer Goldschmuck erwerben, ohne die gesamte Goldmenge noch einmal bezahlen zu müssen.

Indiens Goldnachfrage mit Comeback

Lange hielt die Kaufzurückhaltung allerdings nicht an. Das zeigt auch die Schweizer Exportstatistik. Denn im Mai waren die Lieferungen nach Indien auf nur noch 955 Kilo eingebrochen, im Juni und Juli erhielt das Land jeweils wieder mehr als 7 Tonnen. Allein im Juli waren es 8,26 Tonnen.

Mehr dazu: Schweizer Goldexporte: China erhält im Juli weitere 23 Tonnen

Bereits im Juli registrierten die Händler wieder mehr Kunden. Auch die Nachfrage nach Schmuck zog an. Nach Angaben des World Gold Council wurden zuvor verschobene Käufe nachgeholt, während sich Hersteller und Juweliere bereits auf die wichtige indische Festsaison vorbereiteten.

Noch deutlicher ist die Entwicklung bei den Goldimporten. Im Juni führte Indien nach Schätzungen des World Gold Council nur rund 20 Tonnen Gold ein. Im Juli waren es bereits wieder 40 bis 45 Tonnen. Innerhalb eines Monats hat sich die eingeführte Goldmenge damit ungefähr verdoppelt.

Auch der Wert der Importe zog kräftig an. Er stieg von 1,97 Milliarden auf 4,16 Milliarden US-Dollar.

Goldreporter hatte bereits Mitte August über diese Entwicklung berichtet. Gegenüber Juli des Vorjahres war der Importwert um 4,8 Prozent gestiegen. Und seit Beginn des indischen Fiskaljahres lagen die Goldeinfuhren wertmäßig weiterhin deutlich über dem Vorjahr.

Hoher Goldpreis bremst die Mengen

Ganz wirkungslos sind die hohen Preise und die Maßnahmen der Regierung trotzdem nicht geblieben.

Im zweiten Quartal sank die gesamte Goldnachfrage in Indien laut World Gold Council gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf 131 Tonnen. Bei Goldschmuck fiel der Rückgang noch deutlicher aus. Hier sank die Nachfrage um 15 Prozent auf 75 Tonnen.

In Tonnen wurde also weniger Gold gekauft.

Beim Wert sieht die Sache anders aus. Die indischen Käufer gaben im zweiten Quartal umgerechnet rund 21 Milliarden US-Dollar für Gold aus. Das waren 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch der Wert der Schmucknachfrage nahm trotz der geringeren Goldmenge um 34 Prozent zu.

Die hohen Goldpreise verändern deshalb zunehmend, wie die Inder Gold kaufen. Leichtere Schmuckstücke werden interessanter, teilweise wird auf einen niedrigeren Goldgehalt ausgewichen und vorhandener Goldschmuck wird häufiger eingetauscht.

Auf Gold verzichten wollen viele Käufer deshalb noch lange nicht.

Warum Gold in Indien schwer zu ersetzen ist

Genau hier stößt die Regierung an ihre Grenzen. Denn Gold ist in Indien nicht einfach ein Konsumgut, dessen Kauf sich mit höheren Preisen oder einem politischen Appell dauerhaft verhindern lässt.

Das Edelmetall gehört zu Hochzeiten und religiösen Festen. Schmuck wird innerhalb der Familie weitergegeben und gerade in ländlichen Gebieten dient Gold seit Generationen auch als eine Form der Ersparnis.

Bankkonten und andere Finanzanlagen haben zwar an Bedeutung gewonnen. Gold hat seine traditionelle Funktion deshalb aber nicht verloren.

Das erklärt auch, warum die Regierung immer wieder versucht, den privaten Goldbesitz stärker in das Finanzsystem einzubinden oder die Nachfrage auf andere Anlageformen zu lenken. Jeder Goldbarren und jedes Schmuckstück, das aus dem Ausland kommt, muss schließlich mit Devisen bezahlt werden.

Bei hohen Ölpreisen wird das Problem größer. Indien benötigt dann mehr Geld für seine Energieimporte und gleichzeitig Milliarden für Gold. Gerät zusätzlich die Rupie unter Druck, verteuern sich beide Importe.

Modis Goldappell stößt an Grenzen

Vier Monate nach dem Eingriff zeigt sich deshalb ein gemischtes Bild.

Der höhere Einfuhrzoll und Modis Aufforderung haben Indiens Goldnachfrage zunächst gebremst. Das war vor allem von Mitte Mai bis Mitte Juni zu erkennen. Im Juli kamen jedoch wieder mehr Käufer in die Geschäfte und die Goldimporte verdoppelten sich gegenüber dem Vormonat ungefähr.

Dabei kaufen die Inder nicht mehr unbedingt genauso Gold wie früher. Hohe Preise fördern den Tausch von Altgold und die Nachfrage nach leichterem Schmuck. Außerdem liegen die gekauften Goldmengen weiterhin unter früheren Niveaus.

An der grundsätzlichen Bedeutung von Gold scheint sich dagegen wenig geändert zu haben.

Das ist für die Regierung die eigentliche Schwierigkeit: Sie kann Gold durch höhere Zölle verteuern und die Bevölkerung zum Verzicht auffordern. Aber sie kann nur schwer ändern, warum die Menschen Gold besitzen wollen.

Mehr dazu: Goldmarkt international – Nachfrage, Förderung, Marktanalyse

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1 Kommentar

  1. Tja, der Modri will wie andere Regierungs Chefs auch, das Geld für was anderes haben. Aber Gold fürs eigene Täschle des Herrn Modri, darauf darf keinesfalls verzichtet werden. Denn dieses braucht er schon, wie einen Bissen Brot.
    Die Inder sind nicht blöd und umgehen diese Bestimmungen. Zu Recht.
    Abgesehen davon, dass das importierte Gold ja schliesslich von der Bevölkerung selbst bezahlt wird und nicht von Herrn Modri, wecher sich bezahlen lässt.

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