Kevin Warsh setzt auf Inflationsbekämpfung. Doch hohe US-Schulden und die gewaltige Fed-Bilanz begrenzen seinen Spielraum – mit Folgen für den Goldpreis. Eine Analyse von Goldreporter.

Trump wollte niedrigere Zinsen
Die Erwartungen in Washington waren eigentlich andere. Donald Trump hatte Kevin Warsh für den Vorsitz der Federal Reserve ausgewählt, weil er sich von ihm auch niedrigere Zinsen versprach. Zwar galt Warsh lange als geldpolitischer Falke. Vor seiner Nominierung hatte er sich jedoch offener für Zinssenkungen gezeigt. Nun ist er im Amt. Und der Ton hat sich geändert.
Das Wichtigste in Kürze
- Fed-Chef Kevin Warsh setzt trotz Trumps Forderung nach niedrigeren Zinsen vorerst auf Inflationsbekämpfung.
- Hohe Zinsen belasten Gold, verschärfen aber zugleich die Finanzierung der mehr als 40 Billionen USD hohen US-Staatsschulden.
- Eine Neubewertung der US-Goldreserven könnte über 1 Billion USD freisetzen – Warsh könnte darüber jedoch nicht selbst entscheiden.
Bei seiner Rede in Jackson Hole Ende August rückte der neue Fed-Chef die Inflation ins Zentrum. Der PCE-Preisindex lag zuletzt 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Auf sechs Monate hochgerechnet betrug die Teuerung sogar mehr als 4 Prozent. Gleichzeitig bezeichnete Warsh den Arbeitsmarkt als weitgehend vollbeschäftigt. Auch die Finanzierungsbedingungen seien kaum als restriktiv anzusehen.
Seine Botschaft: Die Fed muss handeln, wenn die Inflation nicht überzeugend in Richtung 2 Prozent fällt.
Die Märkte verstanden den Hinweis. Laut CME FedWatch stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von rund 36 Prozent vor der Rede auf zunächst 64 Prozent. Am 2. September wurden zeitweise Werte um 70 Prozent angezeigt. Der Goldpreis verlor am Tag der Rede mehr als 3 Prozent. Gut eine Woche vor der nächsten Fed-Sitzung wird ein Zinsschritt mit einer Chance von rund 58 Prozent gehandelt.
Warsh braucht einen eigenen Ruf
Dass sich Warsh nach seiner Amtsübernahme vom Weißen Haus absetzt, sollte nicht überraschen. Trump konnte ihn nominieren. Er kann ihm aber keine Zinsentscheidung diktieren.
Außerdem steht für Warsh einiges auf dem Spiel. Wer als gefügiger Mann des Präsidenten gilt, verliert schnell an Autorität – im Offenmarktausschuss, an den Finanzmärkten und in der Öffentlichkeit. Warsh muss deshalb zeigen, dass er dem gesetzlichen Auftrag der Fed folgt. Dazu gehören stabile Preise und eine möglichst hohe Beschäftigung. Die Finanzierung des Staatshaushalts gehört nicht dazu.
Warsh kennt die Institution. Er saß bereits von 2006 bis 2011 im Gouverneursrat und erlebte dort die Finanzkrise. Zuvor arbeitete der Jurist bei Morgan Stanley und als Wirtschaftsberater im Weißen Haus unter George W. Bush. Später wechselte er an die Hoover Institution und zum Duquesne Family Office des Investors Stanley Druckenmiller.
Während der Finanzkrise unterstützte Warsh zunächst die Notmaßnahmen der Fed. Dann wurden ihm die Anleihekäufe zu umfangreich und zu dauerhaft. Seitdem kritisiert er die starke Präsenz der Notenbank an den Finanzmärkten.
Keine Trump-Mehrheit in der Fed
Über die Zinsen entscheidet Warsh nicht allein. Im zwölfköpfigen Offenmarktausschuss besitzt er formal nur eine Stimme. Allerdings führt er die Sitzungen, setzt Themen und vertritt die Beschlüsse nach außen.
Neben den sieben Mitgliedern des Gouverneursrats stimmen der Präsident der New Yorker Fed sowie vier wechselnde Chefs regionaler Notenbanken ab. Von einer Trump-Truppe kann man dabei nicht sprechen. Michelle Bowman und Christopher Waller wurden während Trumps erster Amtszeit in den Gouverneursrat berufen. Das macht sie aber noch nicht zu Gefolgsleuten des Präsidenten. Jerome Powell wurde von Trump zum Fed-Chef ernannt, inzwischen gilt das Verhältnis als zerrüttet. Mehrere andere Gouverneure kamen unter Joe Biden ins Amt. Die regionalen Fed-Präsidenten bestimmt das Weiße Haus ohnehin nicht.

Bei der Sitzung Ende Juli stimmte Warsh noch mit der Mehrheit dafür, den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Drei Mitglieder wollten bereits erhöhen: Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan. Das Ergebnis lautete 9 zu 3.
Rückhalt für einen strafferen Kurs wäre also vorhanden. Offen bleibt, ob Warsh im September selbst für eine Zinserhöhung stimmt oder mit seiner Rede zunächst nur alle Möglichkeiten offenhalten wollte.
Der 40-Billionen-Dollar-Konflikt
Die Lage ist vertrackt. Denn eine Zinserhöhung könnte Gold kurzfristig weiter belasten, sie würde aber gleichzeitig ein Problem verschärfen, für das die Fed offiziell gar nicht zuständig ist: die Finanzierung des amerikanischen Staates, dessen Schulden Ende August auf rund 40,1 Billionen USD gestiegen waren.
Bis Juli summierten sich die Zinsausgaben im laufenden Haushaltsjahr bereits auf 1,17 Billionen USD. Und die Belastung dürfte weiter steigen, weil alte Anleihen mit niedrigen Kupons auslaufen und durch neue Papiere ersetzt werden müssen, für die Washington deutlich höhere Zinsen bezahlt. Der bisherige Durchschnittssatz von 3,45 Prozent bildet die aktuellen Finanzierungskosten noch gar nicht vollständig ab.
Trump will die Zinsen auch deshalb nach unten bringen. Allerdings steuert die Fed mit ihrer Federal Funds Rate zunächst nur das kurze Ende des Marktes, während sich die Renditen zehn- und dreißigjähriger Staatsanleihen nach Inflationserwartungen sowie Angebot und Nachfrage am Anleihemarkt richten. Was könnte die Notenbank also tun?
Sie könnte wieder im großen Stil US-Anleihen kaufen. Damit würde sie die Kurse stützen und die Renditen drücken, zugleich aber ausgerechnet jene Politik neu auflegen, die Warsh seit Jahren kritisiert und für einen Teil der heutigen Probleme verantwortlich macht.
Fed-Bilanz im Fokus
Von seinem Vorgänger hat er eine Fed-Bilanz von rund 6,7 Billionen USD übernommen. Darin stecken etwa 4,4 Billionen USD an Staatsanleihen und knapp 2 Billionen USD an Hypothekenpapieren – Überreste der großen Ankaufprogramme nach der Finanzkrise und während der Corona-Jahre, als die Bilanzsumme zeitweise 9 Billionen USD erreichte.
Der Abbau ist inzwischen weitgehend beendet. Seit Dezember 2025 kauft die Fed wieder kurzfristige Staatspapiere, damit die Banken über genügend Zentralbankreserven verfügen; außerdem werden fällige Treasuries vollständig ersetzt und die Rückzahlungen aus Hypothekenpapieren in kurzlaufende US-Anleihen investiert. Ein neues QE-Programm ist das nicht. Aber kleiner wird die Bilanz auf diese Weise auch nicht.

Dazu kommt ein sogenannter latenter Vermögenswert von rund 244 Milliarden USD, in dem die Fed ihre aufgelaufenen Verluste erfasst. Er entstand, weil die Fed auf die Einlagen der Banken zeitweise mehr Zinsen zahlte, als sie mit ihren älteren Anleihen einnahm. Solange dieser Fehlbetrag nicht durch neue Gewinne ausgeglichen ist, fallen auch die regelmäßigen Überweisungen an das Finanzministerium weitgehend aus.
Hat Warsh etwas für Gold übrig?
Direkt zum Goldpreis hat sich Warsh nur selten geäußert. Auch eine Empfehlung, Edelmetalle zu kaufen, ist von ihm nicht bekannt.
Auf den Goldstandard wurde er 2025 in einem Gespräch der Hoover Institution angesprochen. Seine Antwort fiel knapp aus: Die Welt habe sich weiterentwickelt, zum alten System gebe es keinen Weg zurück. Mit den Forderungen nach einer festen Goldbindung des Dollars kann Warsh demnach wenig anfangen, mit der dahinterstehenden Kritik an einer weitgehend freien Geldschöpfung dagegen schon.
Er fordert nachvollziehbare Regeln, weniger Eingriffe in die Finanzmärkte und einen stabilen Dollar, wobei er außerdem immer wieder darauf hinweist, dass Geldmenge und Geldschöpfung sehr wohl etwas mit Inflation zu tun haben. Für Gold wäre eine solche Politik zunächst ungünstig. Ein fester Dollar und steigende Realzinsen erhöhen schließlich die Kosten einer Anlage, die selbst keine laufenden Erträge abwirft.
Aber wie lange hält Warsh das durch? Bleiben die Zinsen hoch, nehmen die Belastungen für Wirtschaft, Staatshaushalt und Anleihemarkt zu; senkt die Fed dagegen trotz hartnäckiger Inflation, würde sie ihre gerade erst beschworene Entschlossenheit schon wieder infrage stellen. Dann dürfte Gold profitieren.
Mehr zum laufenden Marktgeschehen: Goldpreis aktuell – Übersicht und Live-Daten
Werden die US-Goldreserven neu bewertet?
Und noch eine Möglichkeit steht im Raum. Die amerikanischen Goldreserven könnten neu bewertet werden.
Die USA besitzen offiziell 8.133 Tonnen Gold. Das Metall gehört dem Finanzministerium, während die Fed im Gegenzug Goldzertifikate hält, die allerdings noch immer auf Basis des gesetzlich festgelegten Preises von 42,22 USD je Feinunze bilanziert werden. So kommen in den Büchern gerade einmal rund 11 Milliarden USD zusammen.
Zum Vergleich: Bei einem Goldpreis von 4.400 USD wären die Reserven etwa 1,15 Billionen USD wert. Es geht also um stille Reserven von mehr als 1,14 Billionen USD.
Der US-Finanzexperte Jim Rickards rechnet damit, dass die amerikanischen Goldreserven neu bewertet und die stillen Reserven zumindest teilweise aktiviert werden. In einem aktuellen Videobeitrag beschreibt er, wie das Finanzministerium neue Goldzertifikate zu einem höheren Wert ausstellen könnte, die anschließend von der Fed in die Bilanz genommen würden; auf dem staatlichen Konto erschiene dafür eine entsprechende Gutschrift, ohne dass auch nur ein Goldbarren verkauft werden müsste.

Mehr Geld wäre damit zunächst vorhanden. Die Schulden verschwinden jedoch nicht, und auch das laufende Haushaltsdefizit wäre keinen Dollar kleiner. Nach einiger Zeit stünde Washington deshalb erneut vor demselben Problem.
Entscheiden könnte Kevin Warsh über eine Neubewertung ohnehin nicht. Der offizielle Goldpreis ist gesetzlich verankert und das Metall gehört dem Finanzministerium. Allerdings müsste die Fed den Vorgang technisch umsetzen, sodass ihr Chef zumindest Stellung beziehen und auf mögliche Folgen für Inflation, Dollar und Unabhängigkeit der Notenbank hinweisen könnte.
Eine Analyse der Federal Reserve fiel bereits 2025 kritisch aus. Die untersuchten Beispiele zeigten zwar, dass sich durch eine Neubewertung kurzfristig Geld beschaffen lässt, aber nirgendwo wurden damit die strukturellen Haushaltsprobleme gelöst.
Für den Goldmarkt wäre der Vorgang trotzdem brisant. Denn sobald die USA ihren Goldbestand zur Finanzierung staatlicher Ausgaben nutzen, bekäme das Metall wieder eine sichtbare Rolle im Währungssystem – auch ohne Rückkehr zum Goldstandard. Davon könnte der Goldpreis profitieren.
Mehr dazu: „Wenn Gold wieder Geld wird“ – Sonderpublikation von Goldreporter



Ja, Herr Warsh, sie sagen es richtig. Die Welt hat sich weiter entwickelt. Es gäbe kein zurück. Also, weg vom Gold, hin zu Schulden hat sich die USA entwickelt und andere folgten dem bequemen Weg.
Goethes Faust und der Mephisto, wer das kennt.
Und nun ist die Welt und an erster Stelle die USA, voll und ganz in Teufels Hand. Aus dieser Hand gibt es tatsächlich kein Entkommen.
Nur der Allmächtige ist dazu in der Lage und er könnte das tun, was er schon öfters tat: Er schickt die Sintflut.
Wohl bekomms, Prosit euch allen Verursachern.
Maruti – toller Kommentar! Auch der Hinweis auf Mephisto zeigt seltene Allgemeinbildung. Danke und weiter so, lese alles mit.
https://m.youtube.com/watch?v=N2nsTYbrWvs&list=PL8IpYfvmmwGt_b4jhP45RZXdC0Bx4kslL&index=3&pp=iAQB0gcJCRoMAYcqIYzv
Ich lasse den Crashpropheten hier mal dieses Video als Warnung da. Da sah der Friedrich noch jung aus. Dürfte bald 20 Jahre alt sein das Video.
Das System scheint jedenfalls stabiler zu sein als der Marc damals dachte ..
@Weitl.
In den 20 Jahren haben Dollar und Euro ca. 90 % ihres Wertes gegenüber Gold verloren.
Sieht so ein stabiles System aus ?
Hätte man einfach NASDAQ o.ä. gekauft ohne Crashangst, würde man sehr gut dastehen, auch im Vergleich zu Gold.
@Weitl
Der Beitrag ist von 2014. Seither ist Gold um das
Dreifache gestiegen oder Geld um diesen Betrag
entwertet worden. Somit steht man auch mit Gold sehr
gut da. Ob du nun schleichend dein Geld verlierst oder
panisch vor einer geschlossenen Bank stehst, da
mögen die Crash Definitionen auseinandergehen.
Wie der Einzelne sein Vermögen anlegt, dürfte auch stark von
seinen bisherigen Lebenserfahrungen geprägt sein. Da würde
ich mich mit pauschalen Anlageratschlägen eher zurückhalten.
@Weitl:
Auch nach Steuern?
Und da gibt es noch viel mehr Vorteile wenn man hier regelmäßig liest.
Das Video wurde 2014 hochgeladen. Der Auftritt war früher. Damals stand der NASDAQ bei weit unter 5000 und jetzt bei über 25000 bzw fast 30000. Da sind Steuern Nebensache.
Mal ne blöde Frage. So blöd ist sie vielleicht gar nicht.
Mal angenommen, die Teuerungsrate bleibt hoch, dann ist das schlecht für Gold, weil die FED irgendwann mal die Zinsen anheben könnte?
Gold dient doch als Absicherung gegen Währungsverfall und die Teuerungsrate wäre doch der Beleg, dass die Inflation nicht unter Kontrolle ist!?
Mal weiter angenommen, die FED erhöht um sagenhafte 0,25 %. Dann wäre das schlecht für Gold? Warum denn? Die FED muss ja genau aus dem Grund erhöhen, weil die Teuerung weiter läuft, wo also Gold eigentlich die Absicherung wäre.
Und was ist mit den 30Y US Langläufern? Würden die überhaupt auf die 0,25% reagieren? Wären die nicht vielmehr maßgebend dafür ob sich Investment für Anleihen oder Gold oder X entscheiden?
Mir will einfach nicht in den Kopf, warum ein hoher CPI aus den USA schlecht für Gold wäre. Das wäre doch der Beleg, dass die Inflation nach wie vor brennt.
Versteht das jemand?
@Großer Bär
Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten mehr, die man verstehen könnte
oder sollte.
Es wird nur noch gelogen und betrogen.
Die überschuldeten Staaten bekommen ihre Staatsanleihen nicht mehr verkauft, die sie sogar aufnehmen müssen, um Zinsen für die laufenden Kredite zu bezahlen.
Und weil sie keine Käufer mehr finden kaufen sie den Müll selber.
Stellen Sie sich vor, Sie und Ihre Frau wären so total pleite, daß Sie nirgends mehr Kredit bekommen.
Dann schreiben Sie auf einen Zettel, daß Sie Ihrer Frau 1 Million Kredit geben und Ihre Frau macht es ebenso.
Prima, jetzt haben Sie 2 Mio. Sondervermögen und können shoppen gehen.
Komplett irre.
So jetzt ersetzen Sie in dem Spiel sich durch Finanzministerium und Ihre Frau durch Notenbank.
Na ?
Genauso machen die das.
Voodoo-Finanzen.
Fazit: als normal denkender Mensch wird man komplett Irre nie verstehen können.
Also keine Mühe machen, Metall kaufen solange es bezahlbar UND verfügbar ist und in aller Ruhe zugucken.
Entspannt unglaublich, glauben Sie es mir.
solche intelligenten Fragen sind nicht vorgesehen.
nächste Frage….
@Großer Bär
Kann es sein, dass hohe Zinsen und hohe Inflation gar nicht schecht für Gold sind?
Das was da erzählt wird ist (mit Verlaub) Unfug. Solange der Zinssatz niedriger ist als die Inflationsraten ist es gut für Gold. Je größer der Abstand, desto besser. Beachte, die CPI Daten werden gemanged bzw werden seit vielen Jahren nach unten angepasst.
Da alles irgendwie gemanaged wird kann ich gar nicht mehr sagen was der richtige Preis für Edelmetall ist. Ich vermute, er ist viel, viel zu niedrig. Ist aber letztlich Spekulation.
@Stillhalter
Sehe ich ähnlich. Also wenn die CPI tatsächlich real wären und fallen würden, dann wäre das doch eher schlecht für Gold, weil die Inflation unter Kontrolle käme.
Was Blackwood sagt macht schon sinn, da stimmt vorne und hinten nichts mehr.
Die müssen doch jetzt auslaufende Kredite mit niedrigen Kupons aus der Nullzinsphase mit solchen aus der jetzigen ersetzen.
Das bedeutet doch, dass das Schuldenstand alleine durch den Kupon-Aufschlag weiter wächst und zwar signifikant.
Welche Rolle da ein Zinsschritt von 0,25% haben soll erschließt sich mir ebenfalls nicht, zumal die Anleiherenditen ja noch Kuponaufschlag verlangen, also der Zentralbankzinssatz ist deutlich überboten. Was soll eine Zinsanhebung bringen außer ein Signal, dass die FED ein Falke sei?
Warum sollten die Anleiherenditen dadurch fallen? Der Aufpreis kann nur zwei logische Gründe haben: Der Markt rechnet mit mehr Inflation in den nächsten Jahren auf lange Sicht oder der Markt misstraut der USA, sozusagen das Rating wird schwächer. Beide Punkte sind miteinander verwoben und hängen direkt mit dem hohen Schuldenstand zusammen. Ein Zinsschritt der FED ändert nichts am Schuldenstand.
@Großer Bär
ich würde mal sagen Volltreffer. Genauso sehe ich das auch!
Hier noch ein Nachtrag: ich bin mir gar nicht sicher, daß die Inflation sinkt, wenn die Zinsen steigen (wie immer behauptet wird), sondern sogar das Gegenteil passieren wird. Grund: Alles ist kreditfinanziert, wirklich alles. Folgich muss alles teurer werden, wenn die Zinsen steigen. Folge: Die Inflation wird durch eine Zinsanhebung steigen, nicht sinken.
Früher war das bei einer geringen Staatsverschuldung mal anders, ich glaube aber, das funktioniert nicht mehr!
@Grosser Bär
Genau so ist es.
Zinsanhebungen bringen nur etwas, wenn eine Wirtschaft heissgelaufen ist, aber nichts, um eine Inflation durch Schuldenorgien unter Kontrolle zu bringen. Also durch Gelddrucken.
Genau so wenig, wie man eine Zahnkreme nicht mehr zurück in die Tube bekommt.
Das Geld ist nun mal aus der Tube raus.
Was hilft, ist nur eine neue Tube kaufen.
Also, Währungsreform mit neuem Geld.
Und das wird geschehen, zu 100%
Der Leidensdruck muss nur noch gross genug werden.
Alles große Ablenkung und absichtlich verbreitete Verwirrung, meiner Meinung nach. Bei den Korrekturen und Schönfärbereien, die dem US-Arbeitsmarktbericht und dem CPI jeden Monat widerfahren, kann man sicher sein, ihnen nicht trauen zu dürfen. Aber der „CPI“ ist halt eine (rechtfertigende) Requisite.
Teuerung und Inflation sind unterschiedliche Symptome, mit unterschiedlichen Ursachen. Meist medial völlig falsch verwendet (wohl kaum ein Zufall). Inflation, also „Aufblähung“ führt zu kontinuierlicher Entwertung vorhandenen Geldes und damit irgendwann zur Teuerung (um den Wertverlust der Währung auszugleichen). Es betrifft ganze Marktsegmente, jedoch nicht gleichzeitig.
Die reine Teuerung kann aus unterschiedlichsten Gründen entstehen, teurere Rohstoffe oder Energie, unterbrochene Lieferketten, Knappheiten und Mangel, Spekulation, Marktmanipulation, … und keinem dieser Gründe für Teuerungen kann die FED (oder irgendwer sonst) mit Zinsen etwas entgegensetzen. Mit Zinsen kann nur die Geschwindigkeit der Aufblähung der Währung (in Grenzen) reguliert werden und Kapital kann etwas „billiger“ oder „teurer“ sein.
Öl ist inzwischen teurer als vor dem Krieg (und wird es laaange bleiben), damit auch alle daraus und damit verarbeiteten Produkte. Und kein Zinssatz der Welt kann daran etwas ändern. (Absehbare) Knappheit und Versorgungsprobleme sind der Grund für hohe Dieselpreise in den USA, nicht die Inflation oder der aktuelle Zinssatz.
Ach ja, in vielen Bereichen wird die Auswirkung der ständigen Inflation gefeiert und gerne angenommen. Zum Beispiel bei Immos und Aktien. Da ist es auf einmal keine Inflation (sondern „Wertentwicklung“), wenn der Konzern an der Börse jedes Jahr wertvoller wird, die Gewinne aber kaum oder nicht entsprechend mitwachsen.
Mitleser:
Sehr guter Beitrag. Inflation und Teuerung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Zinssatz hat wohl einen psychologischen Effekt. Ist das Geld „billiger“, wird es leichter ausgegeben. Möglicherweise soll mit dem Theater um die Zinsanpassungen auch Normalität vermittelt werden.
Hallo Zusammen
Es kommen einige Daten in den nächsten Tagen aus den USA und der Markt wird Bocksprünge machen wenn er sie erhält.
Gold und Silber steigen oder fallen und das Geschrei wegen möglicher Zinsanstiege sollte man cool nehmen. Dass die USA einen Schuldenberg von 40 Billionen vor sich her schieben und pro Jahr 1.2 Billionen Zinsen blechen müssen, wird nicht gross erwähnt.
Japan ist dermassen in der Krise, dsss sie US Staatsanleihem verkaufen müssen, ob das dem US Finanzminister passt oder nicht.
Und die Japaner haben einen Riesenbestand von diesen Papieren. Und brauchen dringend US Dollars um Energie zu kaufen!!!
Der US Anleihemarkt dreht im roten Bereich.
Es spricht doch alles für Gold und Silber. Langfristig. Oder etwa nicht!
Grüsse aus der Schweiz!
@ Maruti ,Blackrock. So ist es Zinsanhebungen bringen nur etwas bei guter Wirtschaftskonjuntur in Verbindung mit schnell steigenden Löhnen.Wenn es aber schon so schlimm ist,daß man Kreditzinsen mit nur noch mit neuen Krediten bedienen kann, ist das Ganze eigentlich nur noch Konkursverschleppung.Die wird aber noch lange weitergehen,weil.man sonst zugeben müsste versagt zu haben.Man wird mit Sicherheit weiter auf Inflation setzen weil kein anderer Ausweg bleibt,notfalls auch galoppierend.Die deutschen Staatschulden von heut hätte man 1923 wahrscheinlich vom Gegenwert her mit einem Kg Butter bezahlen können.Das hat doch auch seinen Charm denke ich mir so für viele von den Berufsignoranten diesseits und jenseits des grossen Teiches. Ich lass mich von allem aber nicht verdrießen weil ich eine Inflatiosversicherung habe.Letztens war ich ne Woche auf Hiddensee und im Oktober fahre in nochmal 3 Tage.Dort oben geht einem das ganze Elend Lichtjahre am A…. vorbei und die das beruhigt ungemein.PS Das Beispiel mit dem Ehepaar und den Schulden ist wieder sehr treffend und anschaulich.
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