Trump attackiert Fed nach Zinserhöhung – Warsh in Gefahr?

Nach der jüngsten Zinserhöhung wächst der Konflikt zwischen Donald Trump und der US-Notenbank. Der Präsident fordert deutlich niedrigere Zinsen. Könnte er den Fed-Chef Kevin Warsh wieder aus dem Amt entfernen? 

Donald Trump und Fed-Chef Kevin Warsh im Streit über die US-Geldpolitik
Donald Trump fordert deutlich niedrigere Zinsen. Doch die rechtlichen Hürden für eine Entlassung von Fed-Chef Kevin Warsh sind hoch (Bild: KI-generiert).

Trump-Reaktion nach Zinserhöhung

US-Präsident Donald Trump hat die Zinserhöhung der Federal Reserve scharf kritisiert. Die US-Zinsen sollten bei „1 Prozent oder weniger“ liegen, erklärte er. Gleichzeitig bestätigte Trump, vor der Entscheidung mit Fed-Chef Kevin Warsh gesprochen zu haben. Er habe Warsh geraten, mit dem übrigen FOMC zu stimmen, da dessen Stimme am Ergebnis nichts ändern werde. Die Fed hatte den Leitzins am Mittwoch einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Trump erklärte dennoch, er habe weiterhin Vertrauen in Warsh, bezeichnete das FOMC aber als „sehr politisch“. 

Damit stellt sich eine Frage, die bereits während der Amtszeit von Warshs Vorgänger Jerome Powell immer wieder diskutiert wurde: Kann ein US-Präsident den Chef der Federal Reserve einfach wieder entlassen, wenn ihm seine hawkische Linie nicht passt?

Fed-Gouverneur besonders geschützt

Zunächst muss man zwei Ämter unterscheiden. Warsh ist einerseits Mitglied des siebenköpfigen Board of Governors. Andererseits wurde er zum Vorsitzenden dieses Gremiums und damit zum Fed-Chef ernannt.

Seine Amtszeit als Chairman läuft seit dem 22. Mai 2026 für vier Jahre bis zum 21. Mai 2030. Als Gouverneur ist Warsh dagegen sogar bis Januar 2040 bestellt.

Für den Gouverneursposten enthält der Federal Reserve Act einen ausdrücklichen Schutz. Ein Mitglied des Boards kann vom Präsidenten nur „for cause“, also aus einem hinreichenden sachlichen Grund, vorzeitig entfernt werden. Eine einfache politische Meinungsverschiedenheit reicht dafür nicht.

Gesetzliche Hürden

Genau diese Frage hat inzwischen auch der Supreme Court beschäftigt. Im Streit um Fed-Gouverneurin Lisa Cook entschied das Oberste Gericht im Juni 2026, dass Fed-Gouverneure nicht nach Belieben vom Präsidenten entlassen werden können. Der Supreme Court bezeichnete die gesetzliche Hürde für eine Entlassung als substanziell und betonte ausdrücklich die besondere Unabhängigkeit der Federal Reserve.

Damit dürfte klar sein: Dass Warsh Zinsen erhöht, obwohl Trump niedrigere Zinsen verlangt, wäre für sich genommen kein ausreichender Grund, ihn aus dem Board zu werfen.

Mehr dazu: Kevin Warsh steckt im Zins-Dilemma – was das für den Goldpreis bedeutet

Kann Trump Warsh den Vorsitz wegnehmen?

Interessanter wird es beim Amt des Fed-Chairman. Denn hier ist das Gesetz weniger eindeutig.

Der Federal Reserve Act legt zwar eine vierjährige Amtszeit für den Vorsitzenden fest. Die ausdrücklich genannte „for cause“-Klausel bezieht sich aber auf die Mitgliedschaft im Board. Ob ein Präsident einem Gouverneur deshalb lediglich den Vorsitz entziehen und ihn anschließend als normales Board-Mitglied weiterarbeiten lassen könnte, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Genau diese Frage wurde bereits während des Konflikts zwischen Trump und Jerome Powell als juristische Grauzone angesehen.

Trump könnte also theoretisch versuchen, Warsh als Chairman abzusetzen, ohne ihn aus dem Board zu entfernen. Ein solcher Schritt dürfte allerdings unmittelbar vor Gericht landen.

Hinzu kommt: Der Präsident könnte nicht einfach einen beliebigen Nachfolger einsetzen. Der Fed-Vorsitzende muss aus den Mitgliedern des Board of Governors bestimmt und vom Senat bestätigt werden.

Und noch eine Besonderheit gibt es. Warsh ist zusätzlich Vorsitzender des geldpolitisch entscheidenden Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee), kurz FOMC. Dieses Amt wird nicht direkt vom Präsidenten vergeben. Das FOMC selbst wählte Warsh nach dessen Amtsantritt zu seinem Vorsitzenden.

Trump kann Druck ausüben – aber nicht allein entscheiden

Damit bleiben dem Präsidenten vor allem politische Mittel. Er kann Warsh öffentlich unter Druck setzen, einen Rücktritt fordern oder versuchen, einen juristisch belastbaren Entlassungsgrund geltend zu machen.

Eine Entlassung allein wegen unterschiedlicher Vorstellungen über den richtigen Leitzins würde dagegen mit dem Federal Reserve Act und der jüngsten Supreme-Court-Rechtsprechung kollidieren.

Das schützt allerdings nicht vor einem neuen Machtkampf. Sollte Trump versuchen, Warsh den Vorsitz vorzeitig zu entziehen, könnte daraus ein weiterer Grundsatzstreit über die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank entstehen.

Was bedeutet ein Fed-Machtkampf für Gold?

Für den Goldmarkt wäre ein solcher Konflikt durchaus relevant. Unmittelbar nach der jüngsten Zinserhöhung geriet Gold zunächst unter Druck, weil die Märkte weitere Zinsschritte einpreisten und der US-Dollar anzog. Der Spotpreis verlor zeitweise mehr als ein Prozent.

Sollte Trump den Druck auf Warsh deutlich erhöhen, wären die Folgen dagegen weniger eindeutig. Erwartungen auf eine politisch erzwungene lockerere Geldpolitik könnten Dollar und kurzfristige Renditen belasten und damit Gold unterstützen. Gleichzeitig könnte ein offener Streit über die Unabhängigkeit der Fed Inflations- und Vertrauensrisiken erhöhen. Allerdings könnten dann auch langfristige US-Renditen steigen. Für den Goldpreis kämen damit mehrere gegenläufige Kräfte zusammen. Entscheidend wäre vor allem, ob die Märkte am Ende niedrigere US-Zinsen oder einen Verlust an geldpolitischer Glaubwürdigkeit einpreisen.

Mehr dazu: Was 40 Billionen Dollar Schulden für Gold bedeuten

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7 Kommentare

  1. Das ist jetzt die Hard-Core Aufklärung für die bisher Gutgläubigen:
    Außerhalb des Dorfes herrscht das Irrenhaus.
    Immer.
    Überall.
    In Reinform.

    Immerhin gibt es eine gute Nachricht: wenn Canada jetzt Partner der EU wird, gibt es dort endlich auch den an die Plastikflasche angepappten Flaschendeckel. Und gerade Gurken. Und Staubsauger mit max. 600 Watt, die nicht mehr saugen. Und….

    Bin schon gespannt, wann Donnie dann als Sanktion 1000 % Zölle gegen die EU (dann incl. Canada) verhängt.
    In der Folge kommen die Helden in Berlin sicher auf die glorreiche Idee, auch keine Energie (Flüssiggas) mehr aus den USA zu kaufen.

    Kleinkram: bei der US-Debt Clock gerne auch in den 3. Block links gucken:
    US-Gesamtverschuldung: 115 Billionen
    Gesamte Zinszahlungen: 7 Billionen (pro Jahr).

    Die steigenden Zinsen treffen logischerweise nicht nur die popeligen 41 Billionen Staatsschulden, sondern auch die Häuslebauer, die Industrie und hier insb. die auf Mega-Schulden aufgebaute KI-Blase.

    Schön, daß die Welt doch keine anderen Probleme hat, als die Frage, ob Blackrock seinen Fritz nun Sonntag oder Montag zurückgeschickt bekommt.

    Witz (oder doch nicht ? ) .
    Sitzen der Chefarzt der Psychiatrie und sein Vize in der Pause und hören die Nachrichten.
    Sieht der Chef den Vize an: Du, ich glaube, wir haben hier echt die Falschen in der Klapse.

    Ernsthaft:
    Ich glaube, das Zeitfenster für unsere nötigen Vorbereitungen schließt sich rapide.
    Bis zu den US-Zwischenwahlen in 7 Wochen würde ich fertig sein wollen.
    Zu dem Zeitpunkt hat Dummland auch keine Regierung mehr (ok, schlimmer kann es ohnehin nicht werden).

    So, zum Abschluß wirklich noch ein Witz:
    Franz: ich war gestern beim Blutspenden.
    Thomas: und, wie war es ?
    Franz: Ach, ich bin dann wieder gegangen. Die haben so viele private Fragen gestellt.
    Th: Was fragen die denn ?
    Fr: z.B. woher ich das Blut habe, wem das gehört……

      • Hallo Zusammen
        Die Welt ist ein Irrenhaus und die Börse auch! Heute wieder alles grün, Gold steigt Silber auch! Das heisst aber nichts. Morgen kann alles absacken.
        Oder auch nicht. Am besten man bewahrt Ruhe. Die Zinsen steigen, die Börsen auch. Früher sank die Börse wenn die Zinsen gestiegen sind.
        Ein Witz: Ein Kunde war gerade im Büro seines Anlageberaters in der deutschen Bank. Auf dem Gang fragt er einen anderen Bänker: Wo bitte ist die Toilette??
        Bänker: Das spielt keine Rolle wo die Toilette ist!
        Hier bescheisst jeder jeden!!

      • @Nivek
        Das ist eben das Ende des so hochgelobten Globalismus mit all seinen Entwicklungshilfen und der Scheckbuchmentalität. Und jetzt, wo all die Länder auf eigenen Füssen stehen, braucht man die Mentoren und Schirmherren nicht mehr
        Und letzere merken, dass man die Melkuh gewesen ist und von nun an wieder, wie immer, jeder für sich selbst.
        Mal sehen, wie lange die EU noch hält samt der hochverschuldeten Länder.
        So, man spekuliert mit einem Partner Canada.
        Warum nicht gleich Simbawe oder Kongo.
        Da gibts mehr Autos abzusetzen.Mercedes und Porsche zu 1 Mio Dollar, das Vehikel.
        Die werden dort händeringend gesucht, so der Bundesmichel die bezahlt.

    • …wieso ist das in einem Eimer?

      Zu Kanada und EU: Verlässt Kanada dann seinen Schirmherren UK? Nachdem auch Wales, Nordirland und Schottland beschlossen haben, Referenden zum Austritt aus dem UK vorzubreiten?
      Die Welt außenrum bröckelt immer schneller und deutlicher … manch Dörfler wundert sich nur, ob es diesmal „so weit ist“. Oder ob sie es wieder schaffen, die Regeln so zu ändern, dass alle weiter mitspielen (müssen).
      In wessen Taschen die tausenden Milliarden an Zinsen letztendlich landen, ist eine Frage aus dem Kaninchenbau. Und warum die „mächtigen“ Staaten das dulden. Manch König konnte sich seiner Schulden durch Beseitigen der Gläubiger entledigen – „Schuldenabbau durch Gläubiger-Verzicht“. Wieso sollten die Amis das nicht können (vor allem, wenn sie eh im Endspiel des Imperiums sind)?

  2. Verstehe den Trump nicht. Ist das so schwer als Präsident eine erpressbare Marionette als FED-Vorsitzenden zu installieren? Immer das gleiche Theater. Immer seine Kandidaten. Das ist doch peinlich.

  3. Ich gebe anlässlich der aktuellen Situation hier auch nochmal einen Witz zum besten:

    Was ist der Unterschied zwischen der Bundesregierung und dem Eifelturm?
    Beim Eifelturm sind die großen Nieten unten!

    Allen hier ein gewaltfreies, goldiges WE!
    Dokta

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