Die kreditfinanzierte Spekulation an den US-Börsen erreicht neue Rekorde. Historische Vergleiche der Margin Dept mahnen zur Vorsicht.
Das Volumen der kreditfinanzierten Wertpapierkäufe in den USA hat mit 1,4 Billionen US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Gegenüber dem Vorjahr stieg die sogenannte Margin Debt laut Finanzdiensten um 53 Prozent. Besonders die Rally vieler KI-Aktien und die Euphorie rund um den Börsengang von SpaceX trieben zuletzt die Kurse. Historisch gingen vergleichbare Verschuldungsniveaus häufig größeren Marktkorrekturen voraus. Denn sinkende Kurse können Margin Calls und damit zusätzliche Zwangsverkäufe auslösen.
Was soll schon schiefgehen, wenn ein erstklassiger Cash-Burner den größten Börsengang der Geschichte hinlegt? Und dann gleich einfrig daran gearbeitet wird, dauerhafte Kapitalströme durch Fonds, Pensionskassen, Aufnahme in Aktien-Index, etc. zu arrangieren. Vielleicht, damit die Gewinnmitnahmen nicht zu offensichtlich werden?
Die Leute, die buchstäblich Milliarden in Anteile gesteckt haben, werden einen Teil ihrer Gewinne sichern wollen. Dafür braucht es große institutionelle und auch ganz viele an die Zukunft glaubende Kleininvestoren.
Ein Schelm wer böses dabei denkt?
Zur IPO von SpaceX standen „der breiten Ă–ffentlichkeit“, also quasi uns, nur 4% aller Anteile zum Verkauf. Der Rest blieb in anderen Händen. Die gestaffelten Verkaufsregelungen und Konditionen („spacex-lockup-countdown“) sind interessant, vor allem, zu welchen Zahlen sie fĂĽhren.
Im späten Juli werden nochmal 4%, die bisher von „Nicht-Kleinanlegern“ gehalten werden frei und könnten verkauft werden. Wird sicher nicht mit allen passieren, aber es wird möglich. Handelbare Anteil bis in fĂĽnf Wochen verdoppelt. War da nicht mal was mit Angebot und Nachfrage?
Bis Ende September (im Sommerloch) werden nochmal 16% frei und bis November nochmal 24%. Damit sind ab Ende November theoretisch 48% aller Anteile zum Handel freigegeben.
Dann dĂĽrfen Mitarbeiter ihre rund 18% verkaufen (Dezember), womit wir zum Jahresebnde bei „schönen“ 66% sind. Im Juni 2027 dĂĽrfen Musk und Insider verkaufen, alles frei.
Nun das hässliche fĂĽr Spätanleger: Alle genannten Gruppen dĂĽrften deutlich unter dem „berechneten“ Startpreis von 135$ zu ihren Anrteilen gekommen sein. Und dem kleinen Wurm bleibt nur das Bangen: Hoffentlich wollen die die „frĂĽhen Vögel“ nicht zu viel Gewinn realisieren. Hoffentlich brauchen sie nicht zu viel Cash wegen Marktturbulenzen. Hoffentlich haben sie die Ă–ffentlichkeit nicht nur benutzt, um eine völlig absurde Bewertung mit unserem Geld zu erzeugen.
Große Börsengänge mit Beteiligung begeisterter Massen.
Da kommt mir alte Werbung für einen kleineren, aber irgendwie ähnlichen Börsengang mit Manfred Krug in den Sinn.
Kaum etwas schreiben die gleichgesteuerten Medien vom Rheinmetall Crash, welcher Anlegern mehr als 50% Verluste ihres Portfolio bescherten.
Man will doch nicht die Anleger verunsichern, damit die weiter das Papier in hohem Bogen rauswerfen.
Stattdessen schreibt man lieber, dass 3 chinesische Schiffe Hormuz passierten.
Ăśbrigens, wann schmeisst man nun Rheinmetall aus dem Dax und holt SpaceX rein, damit die Punkte endlich mal wieder grĂĽn anzeigen ?