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Wo bleibt die Inflation?

Ausufernde Inflationsraten hatten viele Marktanalysten prognostiziert nachdem Fed, EZB und die Bank of England im Zuge der Weltfinanzkrise die Geldschleusen bis zum Anschlag öffneten. Für viele ist die niedrige Teuerung nach wie vor ein Rätsel.

Inflation (Foto: Goldreporter)

Von Goldreporter EXKLUSIV

Starke Inflation, hoher Goldpreis

Es gibt unterschiedliche Inflations-Definitionen. Der strikteste Ansatz kommt von der Österreichischen Schule. Sie sieht alleine die überproportionale Ausweitung der Geldmenge gegenüber dem Wirtschaftswachstum des jeweiligen Währungsraumes als Inflation an. Die Verteuerung von Waren sei nur das Symptom.

Die allgemeine bzw. geläufige Inflations-Definition bezieht sich auf den Verbraucherpreisindex. Die Inflation gilt als einer der wichtigsten Katalysatoren für Gold – bzw. die Edelmetallpreise insgesamt. Die Gründe:

  • Starke Geldentwertung sorgt für eine höhere Nachfrage nach wertstabilen Formen der Vermögensspeicherung.
  • Hohe Inflationsraten schwächen die Inlandswährung. Wertet das Geld gegen den US-Dollar ab, dann steigt der Goldpreis gemessen in der betroffenen Währung.
  • Hohe Inflationsraten verringern die Realzinsen und lassen sie sogar ins Negative rutschen, wenn die Zentralbanken nicht mit entsprechenden Zinserhöhungen antworten. Erfahrungsgemäß lassen sich die Geldpolitiker aber relativ lange Zeit mit Zinsanhebungen, weil diese der Konjunktur schaden.
  • Die Zentralbanken wünschen sich sogar ausgeprägte Inflation. Denn das reduziert die reale Schuldenlast der Staaten und nimmt Druck von den Geldpolitikern. Auch für die Finanzminister ist eine gewisse Inflation deshalb wünschenswert.

Die allgemeine Inflation (besser: das Verbraucherpreisniveau) zieht aber nicht alleine dadurch an, dass die Zentralbanken die Geldmenge massiv ausweiten. Die schwache Inflationsentwicklung der vergangenen zehn Jahre in den USA, in Europa und in anderen großen Industrienationen ist Beweis genug.

Das Nachfrageproblem

Damit die Teuerung Fahrt aufnimmt, muss die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bei steigender Geldverfügbarkeit auf ein knappes Güterangebot stoßen. Wir haben es in den westlichen Industrienationen aber mit gesättigten Märkten zu tun („Jeder hat alles“). Die Geldmengenausweitung macht sich deshalb vor allem auf den von Finanzinvestitionen geprägten Asset-Märkten bemerkbar (Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst, Topfußballer etc.).

Eine deutliche Anhebung der Löhne könnte einen Preisanstieg in bestimmten Consumer-Märkten anheizen. Die Unternehmen verhalten sich jedoch gegenteilig. Die gesättigte Gesamtnachfrage fördert die Suche nach Auslandsmärkten und führt zu Kosteneinsparungen im Inland. Die vollkommene Preistransparenz durch das Internet und die fortschreitende Globalisierung drückt zusätzlich auf die Preise. Soweit die Rahmenbedingungen.

Schwache Währung, hohe Inflation

Hohe Inflationsraten, soweit man sie dieser Tage findet, resultieren vor allem aus Währungseffekten. Länder mit hohem Außenhandelsdefizit sind besonders anfällig. Denn wenn die Inlandswährung abwertet, steigen die Importpreise und das fördert hohe Inflation. Kommt eine Wirtschaftskrise hinzu und ist die Abhängigkeit von Waren aus dem Ausland besonders groß, dann wirkt sich dies überproportional auf die Teuerung aus.

Bestes Beispiel sind Länder wie Venezuela, Syrien, Südsudan und viele andere krisengeschüttelte Regionen. Auch in der Türkei ist die offizielle Inflationsrate deutlich angestiegen. Sie lag im zuletzt bei rund 11 Prozent. Die starke Abwertung der Lira hat einen großen Anteil daran. Die Lage ist noch brisanter, wenn sich die Unternehmen in Auslandswährung (US-Dollar/ Euro) verschuldet haben. Schauen wir uns einmal die Länder mit den derzeit höchsten offiziellen Inflationsraten an.

Offizielle Inflationsraten weltweit - Top 20

 LandJährliche Inflation
1Venezuela13.379 %
2Südsudan161,20 %
3Nordkorea55,00 %
4Sudan54,00 %
5Kongo46,47 %
6Syrien43,20 %
7Zentralafrikanische Republik38,04 %
8Argentinien25,60 %
9Angola20,22 %
10Libyen18,70 %
11Liberia17,80 %
12Sierra Leone15,33 %
13Usbekistan14,40 %
14Äthiopien13,70 %
15Ägypten13,10 %
16Ukraine13,10 %
17Haiti12,90 %
18Nigeria12,48 %
19Türkei10,85 %
20Guinea9,70 %
Quelle: Trading Economics (jeweils letzte gemeldete Daten)

Was schließen wir daraus?

Die westlichen Zentralbanken verzweifeln geradezu an der ausbleibenden Inflation. In den USA und in der Eurozone wünscht man sich einen nachhaltigen Inflationsanstieg auf jährlich mindestens 2 Prozent. Dies gelang zuletzt immer nur dann, wenn der Ölpreis im Vorjahresvergleich deutlich anstieg. Das heißt, Fed und EZB können es sich nach wie vor nicht erlauben, die Zinsen über die Maßen anzuheben. In Europa sind Zinserhöhungen ohnehin noch gar kein Thema.

Zwar sind in diesem Umfeld keine steil ansteigenden Edelmetallpreise zu erwartet. Die niedrigen oder gar negativen Realzinsen sind aber nach wie vor ein gutes Umfeld für hohe Gold- und Silberpreise. Die Edelmetalle werden aber umso stärker ansteigen, je deutlicher die Problematik in der öffentlichen Wahrnehmung sichtbar wird.

Das Inflationsmodell der Fed

Ein weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen hatte kurz vor Ende Ihrer Amtszeit mehrfach betont, dass man die schwache Inflation in den USA nicht verstehe. Nun muss man sich fragen, sind die Geldpolitiker dort so dumm (a) oder tun sie nur so (b)?

Die Antwort ist eindeutig. Sie lautet (b). Die Fed muss offiziell an ihrem Inflationsmodell festhalten. Es besagt, dass eine Ausweitung der Geldmenge bei anziehender Konjunktur und gleichzeitiger Verbesserung des Arbeitsmarktes zu höheren Verbraucherpreisen führen muss. Würde die Fed zugeben, dass sie mit ihrer (expansiven) Geldpolitik im Grunde keinen Einfluss mehr auf die Inflation hat, dann würde sie ihres vielleicht wichtigsten Instrumentes beraubt. Welches Instrument ist das? Es ist das Spiel mit dem schüren von Markterwartungen. Aussagen von Geldpolitikern reichen oft aus, um die Märkte in Stimmung zu versetzen – in positiver und in negativer Weise. Der eingestandene Kontrollverlust würde die Fed Glaubwürdigkeit und Einfluss, möglicherweise sogar die Daseinsberechtigung kosten.

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Eingetragen von am 30. Mai. 2018. gespeichert unter EZB, Fed, Gold, Hintergrund, Inflation, News, Währung. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Sie können zum Ende springen und eine Antwort hinterlassen. Bitte beachten Sie unsere Forenregeln. Pingen derzeit nicht möglich

9 Kommentare für “Wo bleibt die Inflation?”

  1. „…sie tun nur so (b)“ bzw. „müssen so tun als ob…“

    „US-Notenbankchef Bernanke erklärte im Juli 2013 vor dem Bankenausschuss des Senats, dass „niemand den Goldpreis wirklich versteht und ich auch nicht vorgeben will, ihn wirklich zu verstehen.“

    China, Rußland, Indien, die Türkei der Iran und Alan Grünspan (!)… „sind nicht so dumm…“:

    sie haben schon längst verstanden.

  2. Die Inflationsrate in Sachsen lag im letzten Jahr bei 2,2% in Verbindung mit 0,05 % Zinsen für Guthaben ein nicht unbeträchtlicher Wertverlust des bunten Papier.

  3. Wer bitte glaubt hier eigentlich noch einer bürokratisch drastisch heruntermanipulierten Inflationsrate? Realistisch sind längst 6-8 % anzusetzen!

  4. Sagen wir mal so, weil durch das Billigstgeld alle möglichen Firmen ihren Schrott auf den Markt werfen können, gibt es natürlich bei Schrott keine Inflation.
    Und diesen Schrott nimmt man gerne in den Warenlirb, a: weil billig und b: weil die Inflation dadurch verschleiert wird.
    Anders siehts bei hochwertigen Dingen aus, wie Seegrundstücke, Antiquitäten, Kunstwerke.Eigentlich auch Gold und Silber oder Diamanten, wenn man da nicht massiv intervenieren täte.
    Erst durch Vernichtung von Firmen, Arbeitsplätzen und ähnlichem würde eine richtige Inflation entstehen.Siehe Simbawe, Venezuela, Türkei etc.
    Fazit: Will Draghi eine gute Inflation, dann sofort Arbeitsplätze abbauen, Sozialleistungen weg und Firmen schliessen.
    Dann klappt es, bestimmt.
    Darüber wurde letztens auch bei der Bilderbergerkonferenz referiert.
    Allerdings ohne Pressevertreter.
    Wie man das erreichen will, wurde auch gesagt.
    Die Aktien und Bondmärkte crashen lassen und die Schuld den Russen oder Iranern geben, den dortigen staatlichen Hackern.
    Jetzt wird auch klar, weshalb die Notenbanken so sehr die Aktien und Bonds kaufen.
    Damit kann man Geld im Überfluss drucken ( eine Bedingung für die Infla)
    und man hat den Crash quasi auch in der Hand und kann ganze Firmenketten in die Pleite treiben.

    • @ taipan
      Vielen Dank für die stets sehr guten Kommentare.
      Bin seit 2013 im Forum, konnte viel dadruch lernen und denentsprechend
      mich vorbereitungen , für im Fall der Fälle. >Archenova
      Sie erinnern mich immer wieder an >ANACONDA<

      • @kondor
        Vielen Dank. Ich weiss nicht, ob der anaconda was bewirkt hat,ändern kann auch er nichts.Aber wenn er manche zum Nachdenken motivierte ist das schon mehr, als man hoffen kann.
        Nahezu jede Generation hat bisher ihr Erspartes und ihren Besitz verloren.
        Doch diesmal ist der eine oder andere aufgewacht und wird sich das nicht mehr gefallen lassen. Und nicht mehr hereinfallen auf tolle Versprechen und tausendjährigen Bestand.
        Wir bleiben kritisch, lieber den Spatz in der Hand, als Tauben auf dem Dach.
        Sollen andere mit ihren Schulden, Renditen oder Derivaten glücklich werden.
        Ich mache stets einen weiten Bogen um dieses Casino.
        Übrigens, auch wenn der eine oder andere schreibt, was schadets, ein wenig in Kryptos, Aktien oder Derivate zu investieren.
        Ich sage, es schadet, denn Glückspiel macht süchtig, immer.
        Man kann auch behaupten, was schadet ab und zu ein wenig Kokain oder Heroin, besonders wenn man es vom Dealer geschenkt bekommt ?
        Warum wohl zu Anfang geschenkt ?

      • Force Majeure

        @kondor

        Viele gute und praktikable detailgetreue Infos haben auch den eigenen Wissens-und Verhaltensbereich gestärkt, erweitert und erneuert. Wie vermutlich sehr viele hier auch der Meinung, ist taipan einfach unersetzlich und wir dürfen froh sein, dass er wie Anaconda in diesem Forum nicht nur teilnimmt sondern es geprägt hat.

        Der Karl Ziegler hat gesagt man soll sich nie entschuldigen. Recht hat er. Doch in diesem Fall möchte ich es für meine Person trotzdem tun, denn der respektvolle Umgang und die spürbare wirkliche Toleranz dieses genialen Schreiberlings hat schon immer Brücken bauen können und die eigene Person würde dies auch viel lieber tun und dem Beispiel folgen.

        Deswegen stimme ich voll zu und bin auch sehr dankbar.

        Selbstverständlich auch an alle anderen. “ Am Ende reden und wollen sie alle das Gleiche“ sagte einst ein berühmter Mann.

  5. Die Inflation ist längst in Form von Emigranten hier. Wir haben zu hohe Energiepreise, Tabakpreise, Mietpreise, Grundstückspreise, Immobilienpreise.

    Was, denken wohl da die meisten. Wo ist denn die Inflation ? Ja das muss man alles mal auf eine zurückgehende Indigene Bevölkerung ummünzen, da sieht die Sache dann ganz anders aus. Es braucht nur ein klein wenig passieren und dann ist unser Staat BRD so was von Pleite, das man einen ganzen Sattelauflieger braucht, um ein Brot zu kaufen. Eine Naturkatastrophe und Menschen mit Wurzeln im Ausland besinnen sich ihrer Wurzeln und die Verlogenheit und die Räuber und Betrüger treten zu Tage und machen sich ganz Flugs vom Acker. Ihr ahnt nicht wie viel Potenzial für eine riesen Inflation seit Jahrzehnten hier schon aufgebaut wurde. Seht genau hin, aber bekommt keine Angst, wenn ihr es seht, denn um Angst zu haben, ist es schon zu spät.

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  • Familienvater: hmmm. Der DAX mit 1,2% im Minus, Gold stabil, WTI stabil. Sieht nach einem ruhigen Morgen aus.
  • Wolfgang Schneider: Anstatt die Bank, die vielleicht noch der „ehrenwerten Gesellschaft“ gehört, mit viel...
  • saure: @stillhalter Ich dachte gersten auch ich seh nicht recht, was geht da nur ab beim WTI? Die Preise für Gold und...
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