Der Goldpreis überschreitet 5.000 USD. Neben strukturellen Faktoren sorgt der Renditeschock in Japan für zusätzliche Dynamik im Goldmarkt.

Gründe für die Goldpreis-Rally
Der Goldpreis hat die Marke von 5.000 USD überschritten. Die Gründe für den starken Kursanstieg sind vielschichtig. Im Wesentlichen ist Gold ist ein maßgeblicher Idikator für die systematische Entwertung unserer Währung. Das Edelmetall steht immer stärker im Mittelpunkt privater und institutioneller Absicherungsstrategien. Außerdem treiben geopolitische Unsicherheiten Anleger ins Gold und immer mehr Spekulanten, die von Kursexplosion angezogen werden, steigen in den Markt ein.
Steigende Japan-Renditen und Yen-Schwäche erhöhen das Risiko an den Märkten. Gold profitiert als sicherer Hafen.
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Kapitalumschichtungen zu Gunsten von Gold
Es gibt jedoch weitere Gründe, die weniger offensichtlich sind. Sie spielen sich im Hintergrund an den Finanzmärkten ab. Dabei handel es sich um weltweite Kapitalumschichtungen, von denen auch Gold profitiert.
Dazu gehören die jüngsten Turbulenzen am japanischen Anleihemarkt. Innerhalb weniger Tage sprangen die Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ein Anstieg um rund 25 Basispunkte an nur einem Handelstag galt früher als kaum vorstellbar. Inzwischen notieren 30- und 40-jährige Anleihen zeitweise über vier Prozent. Begleitet wurde der Ausverkauf von heftigen Schwankungen beim Yen. Für Investoren ist klar: Der japanische Anleihemarkt ist nicht länger ein Stabilitätsanker, sondern selbst zur Risikoquelle geworden.

Ende einer Finanz-Ära
Über weite Strecken des 21. Jahrhunderts galt Japan als verlässlicher Lieferant billiger Liquidität. Niedrige Zinsen machten den Yen zur klassischen Finanzierungswährung für globale Carry-Trades. Diese Phase scheint vorbei. Mit anziehender Inflation, dem Ende der Negativzinsen und einer schrittweisen Reduzierung der Anleihekäufe durch die Bank of Japan geraten die Märkte in eine Übergangsphase. Die Liquidität ist dünn, besonders am langen Ende der Zinskurve, während internationale Investoren heute einen deutlich größeren Anteil am Handel stellen als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.
Globale Ansteckungseffekte
Die Folgen bleiben nicht auf Japan beschränkt. Analysten verweisen darauf, dass jeder eigenständige Renditeschock in Japan spürbaren Aufwärtsdruck auf US-, britische und europäische Anleiherenditen ausübt. Japanische Investoren halten mehrere Billionen US-Dollar im Ausland. Steigende heimische Renditen erhöhen den Anreiz, Kapital zurückzuführen. Das trifft internationale Anleihemärkte – und indirekt auch Aktienmärkte, die zuletzt von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität profitiert haben.
Besonders verwundbar erscheinen gut gelaufene Aktienindizes. Höhere globale Renditen verteuern die Finanzierung, verschieben Bewertungsmaßstäbe und erhöhen die Volatilität. In diesem Umfeld wächst die Umschichtungsneigung institutioneller Investoren.
Yen-Schwäche als zusätzlicher Stressfaktor
Parallel zum Renditeanstieg steht der Yen unter Druck. Interventionen und Interventionsgerüchte sorgen zwar für kurzfristige Gegenbewegungen, ändern aber nichts am strukturellen Problem. Ein schwacher Yen verteuert Importe, verschärft die Inflationsdebatte und erhöht politisch den Druck auf Regierung und Notenbank. Für globale Märkte bedeutet die Yen-Schwäche zusätzliche Unsicherheit: Sollte Japan zur Stabilisierung der Währung Reserven verkaufen, könnten auch US-Staatsanleihen betroffen sein – mit weiterem Renditeauftrieb.
Was ist ein Carry-Trade?
Ein Carry-Trade ist eine Anlagestrategie, bei der Investoren Geld in einer Währung mit sehr niedrigen Zinsen aufnehmen und es in höher verzinste Anlagen investieren. Der Gewinn entsteht aus der Zinsdifferenz – solange sich der Wechselkurs nicht stark gegen den Anleger bewegt.
Der japanische Yen spielte dabei lange eine zentrale Rolle, weil die Zinsen in Japan extrem niedrig waren. Steigen jedoch die Zinsen in Japan oder wertet der Yen stark auf, müssen viele Investoren ihre Positionen rasch schließen. Das kann zu plötzlichen Kursbewegungen an Anleihe-, Aktien- und Devisenmärkten führen.
Wahl verstärkt die Nervosität
Hinzu kommt der politische Faktor in Japan. Die von Premierministerin Sanae Takaichi angesetzte Neuwahl Anfang Februar fällt mitten in diese fragile Marktphase. Sowohl Regierung als auch Opposition werben mit fiskalischen Entlastungen und höheren Ausgaben. Für Investoren rückt damit Japans ohnehin hohe Staatsverschuldung (Staatsschuldenquote über 230 Prozent des BIP) erneut in den Fokus. Marktteilnehmer fürchten, dass politische Unsicherheit und expansive Fiskalpläne die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik weiter belasten könnten – ein Muster, das Erinnerungen an frühere Bond-Krisen in anderen Ländern weckt.
Gold profitiert von Umschichtungen
In diesem Umfeld gewinnt Gold an Bedeutung. Steigende Renditen in Japan, mögliche Kapitalrückflüsse, Yen-Volatilität und politische Unsicherheit treffen auf Aktienmärkte, die bereits hohe Bewertungen aufweisen. Für viele Investoren spricht das für eine defensivere Positionierung. Gold profitiert dabei gleich mehrfach: als Absicherung gegen Währungsrisiken, als Schutz vor Marktverwerfungen und als wertstabile Alternative in einem Umfeld, in dem sowohl Anleihe- als auch Aktienmärkte unter Druck geraten könnten.
Fazit
Der Renditeschock in Japan markiert mehr als eine lokale Marktbewegung. Er steht für einen strukturellen Umbruch im globalen Finanzsystem. Steigende japanische Renditen, Yen-Schwäche und politische Unsicherheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit globaler Umschichtungen. Für gut gelaufene Aktienmärkte wächst damit das Risiko – während Gold als sicherer Hafen und Absicherungsinstrument erneut stärker gefragt ist.
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