Dienstag,17.Februar 2026
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Goldpreis: Japan-Schock treibt Gold über 5.000 USD

Der Goldpreis überschreitet 5.000 USD. Neben strukturellen Faktoren sorgt der Renditeschock in Japan für zusätzliche Dynamik im Goldmarkt.

Goldbarren vor der Skyline von Tokio – Yen-Schwäche und steigende Japan-Renditen belasten die Märkte
Gold profitiert von Yen-Schwäche und steigenden Anleiherenditen in Japan, während Anleger Risikoassets meiden.

Gründe für die Goldpreis-Rally

Der Goldpreis hat die Marke von 5.000 USD überschritten. Die Gründe für den starken Kursanstieg sind vielschichtig. Im Wesentlichen ist Gold ist ein maßgeblicher Idikator für die systematische Entwertung unserer Währung. Das Edelmetall steht immer stärker im Mittelpunkt privater und institutioneller Absicherungsstrategien. Außerdem treiben geopolitische Unsicherheiten Anleger ins Gold und immer mehr Spekulanten, die von Kursexplosion angezogen werden, steigen in den Markt ein.

Steigende Japan-Renditen und Yen-Schwäche erhöhen das Risiko an den Märkten. Gold profitiert als sicherer Hafen.

Mehr dazu: Goldpreis aktuell – Übersicht, Charts und Marktberichte

Kapitalumschichtungen zu Gunsten von Gold

Es gibt jedoch weitere Gründe, die weniger offensichtlich sind. Sie spielen sich im Hintergrund an den Finanzmärkten ab. Dabei handel es sich um weltweite Kapitalumschichtungen, von denen auch Gold profitiert. 

Dazu gehören die jüngsten Turbulenzen am japanischen Anleihemarkt. Innerhalb weniger Tage sprangen die Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ein Anstieg um rund 25 Basispunkte an nur einem Handelstag galt früher als kaum vorstellbar. Inzwischen notieren 30- und 40-jährige Anleihen zeitweise über vier Prozent. Begleitet wurde der Ausverkauf von heftigen Schwankungen beim Yen. Für Investoren ist klar: Der japanische Anleihemarkt ist nicht länger ein Stabilitätsanker, sondern selbst zur Risikoquelle geworden.

Rendite japanischer Staatsanleihen stark gestiegen. 10-Jahres-Chart.
Rendite japanischer Staatsanleihen stark gestiegen. 10-Jahres-Chart (Quelle: Trading Economics).

Ende einer Finanz-Ära

Über weite Strecken des 21. Jahrhunderts galt Japan als verlässlicher Lieferant billiger Liquidität. Niedrige Zinsen machten den Yen zur klassischen Finanzierungswährung für globale Carry-Trades. Diese Phase scheint vorbei. Mit anziehender Inflation, dem Ende der Negativzinsen und einer schrittweisen Reduzierung der Anleihekäufe durch die Bank of Japan geraten die Märkte in eine Übergangsphase. Die Liquidität ist dünn, besonders am langen Ende der Zinskurve, während internationale Investoren heute einen deutlich größeren Anteil am Handel stellen als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Globale Ansteckungseffekte

Die Folgen bleiben nicht auf Japan beschränkt. Analysten verweisen darauf, dass jeder eigenständige Renditeschock in Japan spürbaren Aufwärtsdruck auf US-, britische und europäische Anleiherenditen ausübt. Japanische Investoren halten mehrere Billionen US-Dollar im Ausland. Steigende heimische Renditen erhöhen den Anreiz, Kapital zurückzuführen. Das trifft internationale Anleihemärkte – und indirekt auch Aktienmärkte, die zuletzt von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität profitiert haben.

Besonders verwundbar erscheinen gut gelaufene Aktienindizes. Höhere globale Renditen verteuern die Finanzierung, verschieben Bewertungsmaßstäbe und erhöhen die Volatilität. In diesem Umfeld wächst die Umschichtungsneigung institutioneller Investoren.

Yen-Schwäche als zusätzlicher Stressfaktor

Parallel zum Renditeanstieg steht der Yen unter Druck. Interventionen und Interventionsgerüchte sorgen zwar für kurzfristige Gegenbewegungen, ändern aber nichts am strukturellen Problem. Ein schwacher Yen verteuert Importe, verschärft die Inflationsdebatte und erhöht politisch den Druck auf Regierung und Notenbank. Für globale Märkte bedeutet die Yen-Schwäche zusätzliche Unsicherheit: Sollte Japan zur Stabilisierung der Währung Reserven verkaufen, könnten auch US-Staatsanleihen betroffen sein – mit weiterem Renditeauftrieb.

Was ist ein Carry-Trade?

Ein Carry-Trade ist eine Anlagestrategie, bei der Investoren Geld in einer Währung mit sehr niedrigen Zinsen aufnehmen und es in höher verzinste Anlagen investieren. Der Gewinn entsteht aus der Zinsdifferenz – solange sich der Wechselkurs nicht stark gegen den Anleger bewegt.

Der japanische Yen spielte dabei lange eine zentrale Rolle, weil die Zinsen in Japan extrem niedrig waren. Steigen jedoch die Zinsen in Japan oder wertet der Yen stark auf, müssen viele Investoren ihre Positionen rasch schließen. Das kann zu plötzlichen Kursbewegungen an Anleihe-, Aktien- und Devisenmärkten führen.

Wahl verstärkt die Nervosität

Hinzu kommt der politische Faktor in Japan. Die von Premierministerin Sanae Takaichi angesetzte Neuwahl Anfang Februar fällt mitten in diese fragile Marktphase. Sowohl Regierung als auch Opposition werben mit fiskalischen Entlastungen und höheren Ausgaben. Für Investoren rückt damit Japans ohnehin hohe Staatsverschuldung (Staatsschuldenquote über 230 Prozent des BIP) erneut in den Fokus. Marktteilnehmer fürchten, dass politische Unsicherheit und expansive Fiskalpläne die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik weiter belasten könnten – ein Muster, das Erinnerungen an frühere Bond-Krisen in anderen Ländern weckt.

Gold profitiert von Umschichtungen

In diesem Umfeld gewinnt Gold an Bedeutung. Steigende Renditen in Japan, mögliche Kapitalrückflüsse, Yen-Volatilität und politische Unsicherheit treffen auf Aktienmärkte, die bereits hohe Bewertungen aufweisen. Für viele Investoren spricht das für eine defensivere Positionierung. Gold profitiert dabei gleich mehrfach: als Absicherung gegen Währungsrisiken, als Schutz vor Marktverwerfungen und als wertstabile Alternative in einem Umfeld, in dem sowohl Anleihe- als auch Aktienmärkte unter Druck geraten könnten.

Fazit

Der Renditeschock in Japan markiert mehr als eine lokale Marktbewegung. Er steht für einen strukturellen Umbruch im globalen Finanzsystem. Steigende japanische Renditen, Yen-Schwäche und politische Unsicherheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit globaler Umschichtungen. Für gut gelaufene Aktienmärkte wächst damit das Risiko – während Gold als sicherer Hafen und Absicherungsinstrument erneut stärker gefragt ist.

Mehr dazu: Geldpolitik & Zinsen und ihr Einfluss auf den Goldpreis

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8 Kommentare

  1. Mich erinnern diese steigenden Renditen irgendwie an die Eurokrise damals.
    Mal schauen was die sich einfallen lassen, bei uns hieß es damals Bazooka.

  2. Ich freue mich nicht über die jetzige und vor allem nicht über die zukünftige Entwicklung. Die Kurse stehen atemberaubend hoch und werden immer höher klettern. Das Lachen darüber wird uns im Halse stecken bleiben, denn wir werden nie dagewesenes und unvorstellbares Leid erleben. Was nützt es, vorgesorgt zu haben in einer zugrunde gehenden Welt, wo fast jeder ums Überleben kämpfen wird und das bloße Faustrecht gelten wird. Da sehne ich die Tage herbei, als Gold bei 1.000 USD herumdümpelte… So ist der Mensch. Er erkennt zumeist nicht, dass das größte Glück zumeist im JETZT steckt. Also genießt den Moment, denn bald ist wieder 15.04.1912.
    PS Vl. lässt der geschätzte GR mein Posting doch erscheinen. Danke.

    • Wir leben in der angekündigten Systemumstellung.
      Es geht größtenteils nur darum, Sachwerte mit „rüber“ zu nehmen.

    • @Butopi
      Unsinn. Gemessen an der wahren Inflation könnte der
      Goldpreis heute noch höher liegen. 10 Jahre erfolgreiche
      Manipulation haben das verhindert.
      Faustrecht und ums Überleben kämpfen: Man sollte
      die unsäglichen Science Fiction-Filme der Amis wirklich
      nicht an sich ran lassen.
      Als der Bitcoin Kurs von 20 T$ auf 115 T$ sprang,
      ging es ebenso unblutig ab, wie als der DAX in den letzten
      15 Jahren um das 5 fache stieg.
      Wenn Sie nun den Kurs von 1000 Euro wieder herbeisehnen,
      haben Sie vermutlich nicht für 3000 gekauft.

    • So schlimm muss es nicht kommen.

      Geld wandert, Werte bleiben. Werte werden in Geld gemessen, Werte sind vergleichbar. Es gibt immer mehr Geld, die Löhne steigen, die Schulden werden effektiv weniger, weil sie seniger Wert repräsentieren…

      Das einzige was ich den Eliten vorhalte, ist dass Sie die Sparer im unklaren lassen aber anderdrseits, heutzutage gibt es das Internet, voll mit wertvollen Informationen. Und noch mehr voll von Müll. Man muss nicht weise sein, das eine vom anderen zu unterscheiden.

  3. @BUT OPI
    Ich frage mich schon, warum das Leid in der Welt von einem Goldpreis um die 1.000 Dollar abhängig sein soll ?
    Ihre Antwort würde mich interessieren.
    Mein Nachbar Kübelblock meinte, das Leid der Welt würde vom Bierpreis und den Zigaretten Preisen abhängig sein und seine Tochter meinte, eher von den Netflix Preisen.

  4. Um die Banken und die Gold Basher zu beruhigen:
    Florian Grummes schreibt im Middas Report:
    „Auf der Unterseite hat die starke Gold-Rallye zuletzt mehrere offene Kurslücken (Gaps) hinterlassen:
    4.340 bis 4.381 US-Dollar
    4.509 bis 4.521 US-Dollar
    4.596 bis 4.645 US-Dollar
    Statistisch werden rund 80 % aller offenen Gaps früher oder später auch wieder geschlossen. Insofern gilt es momentan geduldig auf Rücksetzer in den Bereich zwischen 4.350 und 4.600 US-Dollar zu warten. Die schnell steigende 50-Tagelinie verläuft bereits bei 4.344 US-Dollar stellt das Maximalziel eines Rücksetzer dar.“
    Na, also, wie seit 50 Jahren, so erlebe ich das mit. Bloss kein Gold kaufen, es gibt Rücksetzer. Und kommt einer davon, schreibt der geiche Analyst, bloss kein Gold kaufen, es geht noch weiter runter und geht es wirklich noch einen Dollar runter, dann erst recht kein Gold kaufen, denn jetzt kommt die kräftigste aller Korrekturen. Golkd kann bis auf 666,44 Dollar runter gehen. (Das Gramm vielleicht, ist aber nicht so wichtig)
    Ich frage mich, wer bezahlt den Mann, dafür zu sorgen, die Menschen bloß vom Gold fernzuhalten.

    • Kurslücken können auch erst nach 15 Jahren geschlossen werden, oder in 20% dann gar nicht.
      Ich habe des Öfteren schon erlebt das Gaps zu reiten am meisten Rendite beschert. Momentan trifft das auch auf Gold und Silber zu, wie lange wird sich zeigen.

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