Banken prägen den Goldmarkt stärker als sichtbar. Der Artikel zeigt, wie OTC-Handel, Derivate und Zentralbanken den Goldpreis beeinflussen.

Banken dominieren den Goldmarkt
Der globale Goldmarkt gehört zu den komplexesten Handelsplätzen der Welt. Obwohl Gold heute ein frei gehandeltes Anlagegut ist, prägen weiterhin Strukturen und Akteure den Markt, die historisch aus der Zeit stammen, als Gold noch die Basis des internationalen Geldsystems bildete. Banken spielen dabei bis heute eine Schlüsselrolle – oft sichtbar an den Börsen, noch öfter im Verborgenen über bilaterale OTC-Beziehungen, Clearing-Netzwerke und Zentralbankkontakte. Ein Blick in diese Schichten zeigt, warum der Goldpreis nicht allein durch Angebot und Nachfrage erklärt werden kann.
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Banken steuern den Goldmarkt über OTC, Derivate und Zentralbankkontakte – weit stärker, als Charts es zeigen.
Börsenhandel vs. OTC – zwei Welten, ein Markt
Der sichtbare Teil des Goldhandels findet an Börsen wie der COMEX statt. Hier werden Futures gehandelt, die den internationalen Richtpreis maßgeblich beeinflussen. Die gehandelten Volumina sind hoch, die tatsächlichen physischen Auslieferungen jedoch gering. Gold bewegt sich im Futures-Handel überwiegend als Finanzkontrakt, nicht als Barren.
Parallel existiert der OTC-Markt der London Bullion Market Association (LBMA). Dieser Markt ist weitaus größer, aber deutlich intransparenter. Geschäfte werden direkt zwischen Banken, Händlern und institutionellen Käufern abgeschlossen. Dort werden Großbarren getauscht, Lagerorte verschoben und Lieferketten organisiert. Die LBMA bemüht sich seit Jahren um höhere Transparenz, veröffentlicht Clearing-Daten und gibt Mindeststandards für Good-Delivery-Barren vor. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil der Preisbildung innerhalb geschlossener Bankennetzwerke.
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Das London Fixing – ein Relikt mit Geschichte
Bis 2015 wurde der Goldpreis in einer Telefonrunde weniger Banken festgelegt. Das sogenannte London Gold Fixing existierte seit 1919 – und wurde nach einem Manipulationsskandal neu organisiert. Goldreporter gehörte zu den Medien in Deutschland, die diesen Vorgang kritisch begleiteten.
Heute gibt es ein elektronisches Auktionsverfahren, das theoretisch transparenter ist. Doch trotz Reformen bleibt der OTC-Markt ein Raum, in dem Preisbildung und Volumenflüsse nur teilweise sichtbar werden.
Dass die historischen LBMA-Preislisten seit dem seit 24. November 2025 nicht mehr öffentlich einsehbar sind, sondern nur noch die täglichen Londoner Gold- und Silberkurse, ist eher ein Rückschritt in Sachen Transparenz.
Warum Banken eine Sonderrolle haben
Dass Banken den Goldmarkt dominieren, hat historische Gründe. Gold war über Jahrhunderte Geld, später Deckung für Papiergeld. Der Goldstandard übertrug die gesamte Goldhaltung auf Zentralbanken. Ein privater Goldanlagemarkt entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg, und bis in die 1970er-Jahre wurden im Westen überwiegend Umlaufmünzen gehandelt – nicht Barren.
Diese Entwicklung führte dazu, dass Banken bis heute eine Art institutionelles Monopol besitzen:
- Sie verfügen über die Lagerstätten und die Infrastruktur zur physischen Abwicklung.
- Sie kontrollieren das Clearing zwischen Handelsplätzen.
- Sie agieren als Market Maker und stellen Liquidität.
Sie fungieren als Mittler der Zentralbanken, die ihre Goldtransaktionen nicht über öffentliche Märkte abwickeln.
Zentralbanken: Käufer im Verborgenen
Zentralbanken kaufen und verkaufen Gold nicht über Börsen, sondern über Bankennetzwerke. Die Goldbestände in deren Bilanzen sind notorisch intransparent. Es wird kaum unterschieden zwischen:
- physischem Gold,
- Goldswaps,
- Leasinggeschäften,
- oder Forwards.
Nur unter gesellschaftlichem Druck gaben einzelne Zentralbanken im Laufe der letzten Jahrzehnte Details zu Lagerorten preis. Welche Art von Goldpositionen heute im Monatsreport der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) steckt, bleibt unklar – Goldreporter dokumentiert diese Berichte regelmäßig.
Mehr dazu: Goldreserven weltweit: Aktuelle Zahlen, Länder-Raking und Entwicklungen
Die dominierende Macht weniger Banken
Die Konzentration des Marktes lässt sich an Zahlen illustrieren:
- JP Morgan und HSBC lagerten Mitte Februar 2026 zusammen über 17 Millionen Unzen Gold in ihren COMEX-Tresoren – 50 Prozent der gesamten Bestände der Börse.
- Der Report der US-Börsenaufsicht OCC zeigt, dass JP Morgan im 3. Quartal 2025 Edelmetall-Derivate mit einem Nominalwert von 437 Milliarden USD hielt – 62 Prozent aller Edelmetall-Derivate von US-Banken.
- Die Top-4 (darunter JP Morgan, Citibank und Bank of America) dominierten über 98 Prozent dieses Marktes.
- JP Morgan wickelt seine Edelmetall-Derivatgeschäfte vollständig OTC ab (Over-the-Counter), also nicht über Börsen (z.B. COMEX)

Diese Marktmacht wurde mehrfach juristisch relevant. Ab 2010 kam es zu Verfahren wegen Preismanipulationen im Edelmetallhandel. Händler wanderten ins Gefängnis, Banken wie JP Morgan zahlten hohe Vergleichssummen. Es war ein indirektes Eingeständnis, dass die Preisbildung auf engem Raum stattfand – und zum Teil missbraucht wurde.
Mehr dazu: Artikelübersicht Gold- und Silberpreis-Manipulation
Goldpreis, Papiergold und Hebelwirkung
Der größte Einfluss der Banken entsteht nicht über physische Bestände, sondern über den Futures-Markt. Dort lassen sich mit relativ wenig Kapital große Positionen aufbauen:
- Margin genügt, keine vollständige Bezahlung der Ware.
- Die meisten Kontrakte werden bar ausgeglichen.
- Ein großer Teil des Handels dient Absicherungs- oder Arbitragezwecken.
Goldreporter berichtet daher wöchentlich über die CFTC-Daten und die Positionsberichte der CME Group und monatlich über den Bank Participation Report, die Aufschluss geben über:
- Commercial-Positionen (darunter „Swap Dealers“ = Banken),
- Managed Money (Hedgefonds),
- Auslieferungsanträge,
- Netto-Positionen der US-Banken und Nicht-US-Banken
und Bestandsveränderungen in den Börsenlagern.
Die Daten sind eines der wenigen Fenster in einen Markt, der sonst schwer einsehbar ist.
Ein Wendepunkt: Die Corona-Krise und der Aufstieg Asiens
Die COVID-Krise markierte eine Zäsur. Lieferketten rissen, physisches Gold wurde knapp, und zum ersten Mal seit Jahrzehnten zeigte der asiatische Markt, dass er Preisimpulse setzen kann. Shanghai-Aufschläge erreichten bis zu 100 USD pro Unze. Wer in dieser Phase physisches Gold „auf den Markt werfen“ wollte, um Preise zu drücken, traf auf unmittelbare Gegenkäufe aus Asien.
Seitdem ist klar:
- Indien und China sind strukturelle Schwergewichte.
- Niedrige Preise werden schnell aufgesaugt.
- Die Marktmacht der westlichen Banken ist nicht verschwunden, aber sie wird eingehegt.
Viele Banken nutzen seitdem die Preisunterschiede zwischen Ost und West, um Arbitragegeschäfte zu tätigen – ein weiteres Beispiel für die technische Dominanz institutioneller Händler.
Fazit: Ein Markt zwischen Tradition, Macht und Modernisierung
Der Goldmarkt ist weder völlig manipuliert noch vollkommen transparent. Er ist ein hybrides System:
- Banken sind zentrale Infrastrukturen,
- Zentralbanken agieren im Hintergrund,
- Derivate bestimmen kurzfristig die Preisrichtung,
- Physische Flüsse sichern langfristig das Gleichgewicht,
- Und Asien ist heute ein Gegengewicht zum Westen.
Wer den Goldmarkt verstehen will, muss beide Ebenen betrachten: die sichtbaren Preise der COMEX – und die unsichtbaren Netzwerke, in denen Banken, Zentralbanken und große Händler agieren. Erst aus dieser Kombination entsteht das, was täglich als Goldpreis erscheint.


Gold ist eben doch Geld, denn sonst würden ja die Banken gar nicht damit handeln und dazu noch im Geheimen.
Man stelle sich vor, JO Motgan oder G&S handeln OTC mit Magerschwein und Lebendrind oder mit Braunkohle über den feinen Ladentisch.
Also, wozu meckern wir.
Solange die damit handeln, wissen wir, auch ohne Bretton Woods, dass Gold Geld ist und auch war und weiter sein wird.
Und ich kann auch jederzeit weiterhin Goldbarren bei der Volksbank, Reiffeisen- oder Postbank kaufen.
Ind da wie immer völlig anonym.
Bei diesen Banken musste ich bisher keinen Ausweis hinlegen. Komisch, nicht ?