Massive technische Korrektur bei den Edelmetallen: Der Goldpreis stürzte am Freitag um 9 Prozent ab, Silber sogar um 25 Prozent. Was passierte an der COMEX?

Goldpreis korrigiert
Der Goldpreis kassierte am Freitag den größten Tagesverlust seit dem 28. Februar 1983 – damals minus 12 Prozent. Gestern schloss der Goldpreis am US-Spotmarkt mit 4.985 USD (4.131 EUR) pro Unze und damit 9 Prozent bzw. 490 US-Dollar unter Vortag. Silber brach sogar um ungewöhnliche 26 Prozent ein auf 85,18 USD (71,87 EUR).
Die Korrektur folgt auf eine lange Strecke mit immer neuen Kursrekorden. Seit Jahresbeginn steht der Goldpreis immer noch 15 Prozent im Plus. Silber liegt weiter mit 19 Prozent vorn.
Mehr zu den Tagesbewegungen: Goldpreis aktuell – Übersicht und Live-Daten
CoT-Daten aktuell
Was geschah an den vergangenen Tagen am US-Terminmarkt? Dazu analysieren wir die aktuellen CoT-Daten mit der Positionierung der größten Händlergruppen in Gold-Futures-Handel per 20. Januar 2026.


Commercials: Die Netto-Short-Position der kommerziellen Händler lag bei 248.285 Kontrakten. Gegenüber der Vorwoche entspricht das einem Rückgang von 14 Prozent. Besonders deutlich reduzierten die Swap Dealers (u.a. Großbanken) ihre Verkaufspositionen. Ihre Netto-Short-Position sank um 16 Prozent.
Große Spekulanten: Bei den spekulativen Marktteilnehmern ging die Netto-Long-Position um 16 Prozent auf 205.396 Kontrakte zurück. Damit erreichte sie den niedrigsten Stand seit dem 25. November 2025.
Open Interest sinkt deutlich
Die Summe aller offenen Gold-Kontrakte ging zunächst um 7,5 Prozent zurück auf 488.463 Kontrakte (Dienstag). Bis zum Freitag ging es im Zuge des Kurseinbruchs noch einmal um 12 Prozent tiefer auf 428.864 Kontrakte. Im Wochenvergleich (Freitag bis Freitag) nahm der Open Interest um 22 Prozent ab. Das signalisiert eine deutliche Flucht aus Gold-Futures, die man als Gewinnmitnahmen oder Panikverkäufe bezeichnen kann.
Gold-Optionen: Steigende Calls
Im Gold-Optionsmarkt sorgte der Verfallstermin für einen deutlichen Abbau offener Positionen. Der Open Interest sank binnen einer Woche um 16 Prozent auf 791.515 Kontrakte. Gleichzeitig fiel die Put/Call-Ratio auf 0,676. Damit standen zuletzt 148 Call-Optionen je 100 Puts gegenüber, nach 127 in der Vorwoche. Der Optionsmarkt signalisiert damit wieder eine stärkere Ausrichtung auf steigende Goldpreise.
COMEX-Bestände gesunken
Die Goldbestände in den COMEX-Tresoren nahmen zuletzt ab. Nach Angaben der CME Group belief sich die gesamte Lagermenge per 29. Januar 2026 auf 35,74 Millionen Unzen. Das waren rund 400.000 Unzen weniger als eine Woche zuvor. Gleichzeitig stiegen die sofort verfügbaren Bestände der Kategorie „registered“ um 150.000 Unzen auf 19,03 Millionen Unzen. Ihr Anteil an den Gesamtbeständen lag damit bei stabilen 53 Prozent.
Bezogen auf die Lagerbestände veränderte sich die physische Deckung im Gold-Futures-Handel auf 73 Prozent, nach 66 Prozent in der Vorwoche. Im historischen Vergleich liegt dieser Wert im oberen Bereich. In den vergangenen Jahren reichte die Spanne von rund 30 Prozent bis zum Rekordwert von 98 Prozent im April 2025.
Auslieferungsanträge steigen deutlich
Für den ausgelaufenen Januar-Kontrakt summieren sich die Anträge auf physische Auslieferung auf 11.862 Kontrakte (ca. 37 Tonnen). Allerdings liegen in der ersten Woche des neuen Kontraktmonats bereits 27.520 „Delivery Notices“ vor. Das entspricht rund 85 Tonnen. Der historische Höchstwert wurde im Januar 2025 mit insgesamt 238 Tonnen erreicht.
Zur Übersicht: CoT-Daten Gold – Wöchentliche Auswertung
Goldpreis bricht ein bei hoher Volatilität
Am Mittwoch war Verfallstermin der Gold- und Silber-Futures. Schon am Donnerstag gab es bei den Edelmetallen einen kräftigen Kurseinbruch (Flash-Crash), der jedoch am Nachmittag noch von neuen Käufern aufgefangen wurde. Am Freitag folgte dann ein großer kontinuierlicher Rückgang und zeitweise mehr als 10 Prozent. Er beschleunigte sich nach Bekanntgabe der Nominierung von Kevin Warsh als nächsten Fed-Präsidenten.

Ausblick
Nun bleibt abzuwarten, wie viel Schaden der Mini-Crash auch auf technischer Seite angerichtet hat. Der starke Rückgang des Open Interests deutet darauf hin, dass kurzfristig bereits einiges an Übertreibung aus dem Markt genommen wurde. Kritisch kann es werden, wenn der Open Interest nach und nach bei sinkendem Goldpreis steigt. Denn dann zieht die Kursentwicklung mehr Short-Seller an und Gold könnte sogar für gewisse Zeit in einen Bärenmarkt übergehen.
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