ZukunftsForum Edelmetalle: Rohstoffkonflikt eskaliert – warum Gold strategisch gewinnt

Zum Abschluss des ZukunftsForum Edelmetalle rückt das große Bild in den Fokus: Der globale Rohstoffkonflikt verschärft sich – mit klaren Folgen für den Goldpreis.

ZukunftsForum Edelmetalle 2026: Am ersten Konferenztag stand Gold im Fokus. Tag 2 war vor allem Weißmetallen und Rohstoffmärkten gewidmet.
ZukunftsForum Edelmetalle 2026, Vortrag von Dr. Karsten Stromborn (Deutsche Bundesbank). Am ersten Konferenztag stand Gold im Fokus. Tag 2 war vor allem den Weißmetallen und den Rohstoffmärkten gewidmet (Bild: ZFE).

Vom Marktschock zum Systemblick

Zum Abschluss des zweiten und letzten Tages des ZukunftsForum Edelmetalle in Frankfurt verlagerte sich der Fokus. Nachdem am Montag vor allem der Status des Goldmarktes und die Ursachen des jüngsten Goldpreis-Einbruchs diskutiert wurden, rückte nun das übergeordnete Bild in den Mittelpunkt.

Die zentrale Frage lautete: Wie verändert der globale Wettbewerb um Rohstoffe die Perspektiven für Edelmetalle – insbesondere für Gold?

Der globale Rohstoffkonflikt verschärft sich – und stärkt die Rolle von Gold als strategischen Wertspeicher im geopolitischen Spannungsfeld.

Deutschland im Hintertreffen

Stefan Müller, DGWA GmbH
Stefan Müller, DGWA GmbH (Bild: ZFE)

Stefan Müller von der Deutschen Gesellschaft für Wertpapieranalyse (DGWA) zeichnete ein kritisches Bild der deutschen Rohstoffstrategie.

Deutschland habe den internationalen Wettbewerb um Ressourcen weitgehend verschlafen. Während andere Staaten gezielt Projekte sichern und finanzieren, werde hierzulande zu stark auf die Industrie vertraut.

Zudem wirkten Bürokratie und langsame Prozesse als strukturelle Bremse.
Müllers Warnung: Als hochindustrialisierte Volkswirtschaft sei Deutschland extrem verwundbar gegenüber Versorgungsunterbrechungen – selbst bei kleinen Mengen kritischer Metalle.

Erik Kirschbaum
Erik Kirschbaum, US-Journalist und Auslandskorrespondent (Bild: ZFE).

USA und Rohstoffe als Machtinstrument

Journalist und US-Korrespondent Erik Kirschbaum betonte den geopolitischen Kurs der USA unter Donald Trump.

Rohstoffe würden zunehmend als strategisches Druckmittel eingesetzt. Gleichzeitig wirke die aggressive Zollpolitik inflationär und könne die eigene Wirtschaft belasten.

Für den Goldmarkt entscheidend: Kirschbaum sieht die Rally der vergangenen Jahre vor allem als Ausdruck wachsender Unsicherheit – auch durch Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank.

China baut seine Dominanz aus

Dr. Christoph Hein (FAZ) richtete den Blick auf China und dessen langfristige Strategie. Durch gezielte Investitionen, Infrastrukturprojekte und Landkäufe sichere sich China globalen Zugriff auf Rohstoffe. Besonders in Afrika sei das Land bereits stark präsent.

Zugleich sei China zentraler Treiber der industriellen Nachfrage – etwa bei Silber für die Solarindustrie. Für Gold besonders relevant: Die physische Nachfrage werde zunehmend von der asiatischen Mittelschicht getragen. Damit verschiebe sich das Machtzentrum des Goldmarktes weiter nach Osten.

Konsens auf dem Podium: Rohstoffknappheit bleibt

In der Podiumsdiskussion verdichteten sich die Einschätzungen:

  • Der Wettbewerb um Rohstoffe wird härter und politischer
  • Knappheit dürfte ein dauerhafter Inflationstreiber sein
  • Europa muss strategisch enger zusammenarbeiten
  • Der Zugriff auf Ressourcen erfolgt zunehmend machtpolitisch

Ein zentraler Punkt: Rohstoffsicherung erfordert langfristige Planung über viele Jahre – deutlich länger als politische Zyklen.

Angebot unter Druck – Mining, Recycling und neue Quellen

Auch die Angebotsseite liefert keine kurzfristige Entspannung.

  • Peter Tallman (Klondike Gold) verwies auf Kanada als stabile Förderregion mit weiterem Potenzial für neue Goldvorkommen.
  • Lukas Braun (Solar Materials) zeigte, dass Recycling – insbesondere von Photovoltaik-Modulen – künftig eine wichtige Silberquelle darstellt. Allerdings bleibt die Skalierung eine Herausforderung.
  • Prof. Dr. Carsten Drebenstedt (TU Freiberg) machte deutlich, dass Space Mining zwar langfristig relevant sei, aber keine kurzfristige Lösung für die Versorgungslage darstellt.
Tim Schwerdtfeger, Volkswagen
Tim Schwerdtfeger, Volkswagen AG: Man baue eigene Bestände auf, um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu senken (Bild: ZFE).

Industrie priorisiert Versorgungssicherheit

Tim Schwerdtfeger, Rohstoff- und Devisenhändler bei der Volkswagen AG, gab einen Einblick in die Praxis eines Industriekonzerns.

Für Volkswagen steht nicht mehr die Preisoptimierung im Vordergrund, sondern die physische Verfügbarkeit von Edelmetallen.
Der Aufbau eigener Bestände und strategisches Hedging seien zentrale Instrumente.

Damit wird deutlich: Rohstoffe sind längst ein operatives Risiko geworden.

Marktstruktur im Wandel – Handel, ESG und neue Gold-Trends

Weitere Beiträge ergänzten das Bild:

  • Walter Hell-Höflinger, Gold & Co
    Walter Hell-Höflinger, Gold & Co. (rechts) vermittelte Fachwissen zum Thema Goldfälschungen (Bild: Goldreporter).

    Joachim Dünkelmann (BVJ) beschrieb eine Spaltung im Schmuckmarkt zwischen wachsendem Luxussegment und schwächelnder Mitte.

  • Hans-Werner Grunow (Capmarcon GmbH) betonte die zunehmende Bedeutung von ESG als Risikofaktor in Lieferketten.
  • Im Handel wurde von starken Nachfrageschwankungen, steigenden Logistikkosten und begrenzten Kapazitäten berichtet. Darüber referierte York A. Tetzlaff – Geschäftsführer, Fachvereinigung Edelmetalle.
  • Walter Hell-Höflinger (Gold & Co.) warnte als Sachverständiger vor den anhaltenden Risiken gefälschter Gold- und Silberprodukte in Europa.

Zudem gewinnt ein Trend an Bedeutung: Digital handelbares, physisch hinterlegtes Gold könnte die Marktstruktur langfristig verändern.

Fazit der Veranstaltung: Gold als strategischer Anker

Nach zwei intensiven Konferenztagen ergibt sich ein klares Gesamtbild:

Am ersten Tag stand der Goldpreis als kurzfristiges Marktphänomen im Fokus – geprägt von Liquidität, Technik und Kapitalströmen.

Am zweiten Tag wurde deutlich: Die eigentlichen Treiber liegen tiefer.

  • Geopolitische Konflikte verschärfen den Wettbewerb um Ressourcen
  • Rohstoffe werden zunehmend politisiert
  • Lieferketten geraten strukturell unter Druck
  • Inflation bleibt ein langfristiges Thema

Für Gold ergibt sich daraus ein strukturell unterstützendes Umfeld.

Denn Gold vereint mehrere Funktionen:

  • Absicherung gegen geopolitische Risiken
  • Schutz vor Kaufkraftverlust
  • strategischer Wertspeicher im globalen Systembruch

Die Quintessenz des ZukunftsForum Edelmetalle: Der aktuelle Preisrückgang ist Teil eines volatilen Marktumfelds – doch die langfristigen Argumente für Gold bleiben intakt.

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