Private Credit: Risiken im Billionenmarkt – Was bedeutet das für Gold?

Private Credit boomt weltweit und hat sich zu einem Billionenmarkt entwickelt. Gleichzeitig warnen Banken, Aufseher und Investoren vor möglichen Risiken für das Finanzsystem – mit indirekten Folgen auch für den Goldmarkt.

Symbolbild für Private Credit und Finanzsystemrisiken mit Geldstapeln, Goldbarren und Finanzcharts
Private Credit boomt weltweit. Wachsen die Risiken im Kreditmarkt, gewinnt Gold als Gegenpol zum Papiergeldsystem an Bedeutung.

Neue Kreditrisiken

Der Markt für sogenanntes Private Credit ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Laut aktuellen Berichten weist die Deutsche Bank allein ein Engagement von rund 26 Milliarden Euro (etwa 30 Milliarden US-Dollar) in diesem Segment aus. Gleichzeitig warnen Banken und Aufseher zunehmend vor Risiken in diesem Markt. Doch was steckt hinter dem Boom – und welche Folgen könnte er für das Finanzsystem haben?

Der boomende Private-Credit-Markt steht zunehmend unter Beobachtung – denn Kreditstress kann Finanzsysteme erschüttern und langfristig die Nachfrage nach Gold stärken.

Was ist Private Credit?

Unter Private Credit versteht man Unternehmenskredite, die nicht über klassische Banken oder öffentliche Anleihemärkte vergeben werden, sondern direkt von Fonds, Vermögensverwaltern oder spezialisierten Kreditgesellschaften. Zu den wichtigsten Akteuren gehören große alternative Asset-Manager wie Blackstone, Apollo Global Management, Ares Management oder KKR.

Das Kapital stammt meist von institutionellen Investoren – etwa Versicherungen, Pensionsfonds oder sehr vermögenden Privatanlegern. Der Markt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Schätzungen zufolge liegt das globale Volumen inzwischen bei rund 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar. Einige Prognosen gehen davon aus, dass der Markt bis 2030 sogar auf mehr als 4 Billionen Dollar anwachsen könnte.

Warum der Markt so schnell gewachsen ist

Der Boom hat mehrere Ursachen. Nach der Finanzkrise von 2008 wurden Banken stärker reguliert und müssen seitdem mehr Eigenkapital für riskante Kredite vorhalten. Dadurch wurde klassische Kreditvergabe in vielen Fällen aufwendiger und teurer. Private Kreditfonds füllten diese Lücke. Gleichzeitig suchten Investoren in der langen Niedrigzinsphase nach höheren Renditen. Private Credit bot genau das:

  • höhere Zinsen als Unternehmensanleihen
  • flexible Kreditstrukturen
  • individuelle Finanzierungen für Unternehmen

Viele dieser Kredite haben Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren und variable Zinssätze. Investoren erhalten häufig Renditeaufschläge von drei bis fünf Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren Anleihen.

Ein Markt im Schatten der Regulierung

Private Credit gehört zum Bereich der sogenannten Non-Bank Financial Institutions (NBFI) – häufig auch als Schattenbank-System bezeichnet. Im Gegensatz zu klassischen Banken gelten hier weniger strenge Kapital- und Transparenzregeln. Kritiker sprechen deshalb von „Regulatory Arbitrage“: Private Kreditfonds können Geschäfte durchführen, die Banken aufgrund regulatorischer Vorgaben kaum noch eingehen dürfen. Das macht den Markt flexibel – aber auch schwer zu überwachen.

Die wichtigsten Risiken

Der Boom hat auch Schattenseiten. Experten sehen mehrere strukturelle Risiken.

1. Intransparenz
Private Kredite werden nicht an öffentlichen Märkten gehandelt. Deshalb gibt es oft keine klaren Marktpreise.
Selbst Aufsichtsbehörden haben teilweise Schwierigkeiten zu beurteilen, wie hoch die tatsächlichen Risiken sind.

2. Illiquidität
Investoren können ihre Anteile oft nur eingeschränkt oder gar nicht kurzfristig verkaufen.
Kommt es zu größeren Rückgaben, müssen Fonds möglicherweise Vermögenswerte mit Abschlägen verkaufen.

3. Konzentrationsrisiken
Private Kreditfonds finanzieren häufig hochverschuldete Unternehmen oder Firmen, die von Banken keine Kredite mehr erhalten.
Steigt die Zahl der Insolvenzen, kann das ganze Kreditportfolios gleichzeitig treffen.

4. Verbindungen zum Bankensystem
Viele Banken sind indirekt beteiligt – etwa über Finanzierungen, Kreditlinien oder Investitionen in solche Fonds.
Genau hier sehen Aufseher mögliche systemische Risiken.

Der Internationale Währungsfonds warnte bereits, dass Probleme bei Nicht-Bank-Finanzinstituten auf Banken und damit auf das gesamte Finanzsystem übergreifen könnten.

Erste Warnsignale im Markt

Mehrere Ereignisse haben zuletzt die Aufmerksamkeit auf Private Credit gelenkt. Die Insolvenzen der US-Unternehmen First Brands (Autozulieferer) und Tricolor (Autokredite) im vergangenen Jahr lösten erhebliche Verluste bei Kreditgebern aus. Auch große Banken mussten Abschreibungen vornehmen.

Zugleich berichten Marktbeobachter von steigenden Ausfallraten bei privaten Krediten. Laut Ratingagentur Fitch erreichte die Quote 2025 mit 9,2 Prozent ein Rekordniveau. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Kredite werden restrukturiert oder verlängert, statt als Ausfall verbucht zu werden. Dadurch könnten Risiken teilweise verschleiert sein.

Parallelen zur Subprime-Krise?

Einige Analysten sehen sogar historische Parallelen zur Subprime-Krise von 2007. Damals galten Probleme bei US-Hypotheken zunächst ebenfalls als begrenztes Risiko. Erst später zeigte sich, wie stark die Verflechtungen im Finanzsystem waren. Heute ist der Private-Credit-Markt zwar deutlich kleiner als der damalige Hypothekenmarkt. Doch auch hier gibt es ähnliche Faktoren:

  • schwer bewertbare Vermögenswerte
  • hohe Verschuldung vieler Kreditnehmer
  • komplexe Finanzstrukturen
  • zunehmende Beteiligung institutioneller Investoren

Ob daraus eine größere Finanzkrise entstehen kann, ist umstritten. Doch viele Experten halten den Markt für einen potenziellen Stressfaktor in einem Abschwung.

Bedeutung für den Goldmarkt

Für den Goldmarkt sind Schieflagen im Kreditsektor immer relevant – allerdings sind die Auswirkungen oft nur schwer prognostiziertbar. In Finanzkrisen wirken meist mehrere gegensätzliche Kräfte gleichzeitig, sodass kurzfristige und langfristige Effekte auf den Goldpreis unterschiedlich ausfallen können.

Historisch profitieren Edelmetalle grundsätzlich von Vertrauensverlusten im Finanzsystem. Wenn Anleger Zweifel an Kreditmärkten, Banken oder Vermögensbewertungen bekommen, steigt häufig die Nachfrage nach realen Werten. Marktbeobachter sehen in solchen Phasen oft:

  • Kapitalumschichtungen aus riskanteren Anlagensteigende Nachfrage nach sicheren Häfen
  • verstärkte Goldkäufe durch institutionelle Investoren

Aber gleichzeitig kommt es in akuten Stressphasen häufig zu einem Run auf Liquidität. Marktteilnehmer müssen kurzfristige Verbindlichkeiten bedienen, Margin Calls erfüllen oder Kreditausfälle kompensieren. Gerade wenn sich Zahlungsausfälle kaskadenartig ausbreiten, wird zunächst verkauft, was sich schnell zu Geld machen lässt. Dazu gehört auch Gold. Typischerweise werden in solchen Situationen zuerst jene Vermögenswerte liquidiert, die zuvor stark gestiegen sind oder sich besonders leicht handeln lassen. Das Edelmetall erfüllt oft beide Kriterien.

Goldpreis kann auch fallen

Ein Beispiel liefert die Finanzkrise von 2008. Im Umfeld der Insolvenz von Lehman Brothers sprang der Goldpreis zunächst kurzfristig an. Doch in der anschließenden Liquiditätsphase geriet Gold mehrere Wochen unter Druck, weil Investoren weltweit Vermögenswerte verkauften, um Liquidität zu sichern. Erst danach setzte eine nachhaltige Aufwärtsbewegung ein.

Goldpreis-Entwicklung im Umfeld der Lehmann-Pleite 2008
Goldpreis-Entwicklung im Umfeld der Lehmann-Pleite 2008. Erst steiler Kursanstieg, dann 20-prozentiger Einbruch wegen Liquiditätsdruck. In den folgenden Monaten und Jahren ging es für Gold immer weiter bergauf. 

Mit den massiven Rettungsmaßnahmen der Zentralbanken – Bankenrettungen, Garantien für Versicherer und eine expansive Geldpolitik – entstand ein Umfeld, das langfristig wieder stärker für Gold sprach. Die Ausweitung der Geldmenge, niedrige Zinsen und steigende Staatsschulden sorgten schließlich für einen neuen Aufwärtstrend beim Edelmetall.
Genau deshalb lassen sich Marktreaktionen in einer möglichen Kreditkrise nicht eindeutig vorhersagen. Kurzfristig kann Gold unter Liquiditätsdruck geraten. Mittel- bis langfristig könnten jedoch gerade die geldpolitischen Reaktionen auf eine Kreditkrise – etwa expansive Maßnahmen nach dem Prinzip „Rettung um jeden Preis“ – wieder stärkere Argumente für Gold liefern.

Sollte es im Private-Credit-Markt tatsächlich zu größeren Turbulenzen kommen, könnten daher beide Effekte auftreten: kurzfristige Verkaufswellen aus Liquiditätsgründen – und später eine verstärkte Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen systemische Risiken.

Fazit – Private-Credit-Krise und Gold

Der Private-Credit-Markt hat sich von einer Nischenanlage zu einem wichtigen Bestandteil der globalen Unternehmensfinanzierung entwickelt. Für Investoren locken höhere Renditen, während Unternehmen flexibler an Kapital gelangen als über klassische Banken oder Anleihemärkte.

Gleichzeitig wächst mit der Größe dieses Billionenmarktes auch die Aufmerksamkeit von Banken, Aufsehern und Marktbeobachtern. Die Kombination aus begrenzter Transparenz, illiquiden Vermögenswerten und zunehmenden Verflechtungen mit dem Bankensystem macht den Sektor zu einem möglichen Stressfaktor in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten.
Für den Goldmarkt lässt sich daraus jedoch keine einfache Prognose ableiten. In akuten Krisenphasen kann es zunächst zu Liquiditätsverkäufen kommen, bei denen auch Gold kurzfristig unter Druck gerät. Gleichzeitig profitieren Edelmetalle historisch häufig von Vertrauensverlusten im Finanzsystem und von den geldpolitischen Reaktionen auf Finanzkrisen.

Sollten größere Turbulenzen im Private-Credit-Markt auftreten, wären bekannte Marktreaktionen denkbar: kurzfristige Verkaufswellen aus Liquiditätsgründen – aber mittel- und langfristig eine stärkere Goldnachfrage als Absicherung gegen systemische Risiken mit entsprechenden Goldpreis-Impulsen. 

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