Donnerstag,08.Januar 2026
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Goldpreis: US-Angriff auf Venezuela stärkt Argumente für Gold

Venezuela spielte in der Vergangenheit mehrfach eine politische Rolle am Goldmarkt. Der US-Angriff erhöht laut JP Morgan die Bedeutung von Gold als sicherem Hafen.

Gold profitiert von geopolitischer Eskalation nach US-Angriff auf Venezuela
Gold rückt nach US-Militäreinsatz in Venezuela erneut in den Fokus der Anleger. Venezuela hat eine politische Vergangenheit mit Gold.

Der Goldpreis legte zum Wochenauftakt deutlich zu. Der US-Angriff auf Venezuela und die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro stärkten laut JP Morgan die Argumente für Gold als sicheren Hafen. Zwar habe der Goldpreis nach einem kurzen Ausschlag wieder nachgegeben. Doch die zunehmende geopolitische Unsicherheit in Lateinamerika stütze den positiven Ausblick, heißt es. Der Ölmarkt dürfte kurzfristig kaum reagieren, da Venezuela trotz großer Reserven weniger als ein Prozent der globalen Förderung stellt.

Venezuelas Goldreserven: Bedeutung größer als die Menge

Venezuela rangiert auf der Liste der Länder mit den größten Goldreserven weltweit auf Platz 30. Die offiziellen Bestände belaufen sich derzeit auf rund 161,2 Tonnen Gold. Allerdings befindet sich ein Teil dieser Reserven weiterhin im Ausland. Zudem ist unklar, wie hoch die tatsächlich verfügbaren Bestände sind.

Gold spielte für Venezuela in den vergangenen Jahren immer wieder eine zentrale Rolle bei der Sicherung von Liquidität. Gleichzeitig war das Edelmetall Gegenstand politischer, juristischer und finanzieller Auseinandersetzungen.

Streit um Gold bei der Bank of England

Besonders bekannt ist der Rechtsstreit um rund 17 Tonnen venezolanisches Gold, die bei der Bank of England lagerten. Während der Corona-Krise wollte die Maduro-Regierung das Gold verkaufen, um nach eigenen Angaben die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern. Die venezolanische Zentralbank scheiterte jedoch vor britischen Gerichten.

Entscheidend war, dass Großbritannien – wie zahlreiche andere Staaten – die Maduro-Regierung nicht als legitime Führung Venezuelas anerkannte. Die Richter untersagten daraufhin die Herausgabe des Goldes. Der Fall verdeutlichte, wie stark politische Anerkennung und Goldverfügbarkeit miteinander verknüpft sind.

Goldverkäufe und verlustreiche Swap-Geschäfte

Venezuela nutzte Gold in der Vergangenheit wiederholt, um kurzfristig an Devisen zu kommen. Dazu zählten auch Gold-Swap-Geschäfte mit internationalen Großbanken, darunter die Deutsche Bank und die Citigroup. In mehreren Fällen verlor das Land dabei Gold, weil es seinen Verpflichtungen nach Ablauf der Verträge nicht nachkommen konnte.

So gingen unter anderem rund 20 Tonnen Gold an die Deutsche Bank verloren. Auch über die Citigroup wurden größere Mengen venezolanischen Goldes veräußert. Diese Geschäfte verschafften dem Staat zwar kurzfristig Liquidität, schwächten aber langfristig die Reserveposition.

Rückholung unter Chávez als Symbol der Souveränität

Einen Gegenpol dazu bildete das Jahr 2012. Der damalige Präsident Hugo Chávez organisierte eine groß angelegte Rückführung venezolanischen Goldes aus dem Ausland. Damals lagen die offiziellen Bestände noch bei rund 211 Tonnen. Etwa 160 Tonnen Gold wurden aus ausländischen Lagerstätten nach Caracas zurückgebracht.

Die Aktion wurde politisch als Akt der Souveränität inszeniert. Zugleich zeigte sie, welch hohe symbolische und strategische Bedeutung Gold für Venezuela besitzt – weit über seinen reinen Marktwert hinaus.

Intransparenz bleibt zentrales Problem

Bis heute ist unklar, wie viel Gold Venezuela tatsächlich noch zur freien Verfügung steht. Über Verkäufe, Verpfändungen und Lagerorte gibt es nur begrenzte und teils widersprüchliche Informationen. Gold bleibt damit ein politisches Macht- und Druckmittel – aber auch eine Quelle struktureller Unsicherheit.

Gold als geopolitischer Faktor

Der Blick auf Venezuela unterstreicht, warum Gold im aktuellen geopolitischen Umfeld an Bedeutung gewinnt. Nicht nur akute Konflikte, sondern auch Fragen nach Souveränität, Anerkennung und Reservekontrolle spielen eine Rolle. Vor diesem Hintergrund erscheint die Einschätzung von JP Morgan plausibel, dass geopolitische Risiken die strukturelle Nachfrage nach Gold stützen.

Goldreporter-Kommentar: Eine direkte Beziehung zwischen den Ereignissen in Venezuela am Wochenende und dem Goldpreis-Anstieg am Montag lässt sich nur schwer nachweisen. Vor allem deshalb, weil zuletzt andere Faktoren und hohe Volatilität die Edelmetall-Kurse dominierten. Der Silbermarkt ist von Knappheitsängsten geplagt. Die nach wie vor hohen Preisaufschläge in Shanghai sind ein Hinweis auf starke geografische Metall-Verschiebungen. Allerdings dürfte die Goldnachfrage vieler Schwellenländer weiter steigen, da der Aufbau unabhängiger Reserven angesichts geopolitischer Risiken an Bedeutung gewinnt.

Mehr dazu: Goldpreis aktuell – Übersicht und Live-Daten

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7 Kommentare

  1. Mit dem Platz 30 kann nach dem Beitrag des User Maruti vom
    Samstag eigentlich nicht sein. Zitat: „Übrigens, Venezuela besitzt
    ohnehin kein Gold mehr, das wurde schon vor Jahren vollständig verkauft“.
    Was denn nun?

    • @Digger
      Alles weg, wurde gegen Dollar verpfändet. Da ist nix mehr, auch wenn es noch auf dem Papier steht.
      Es ist, wie oben gesagt ium Ausland und damit weg vom Fenster und damit gilt der Spruch:
      Das Gold ist natürlich nicht weg, es hat nur ein anderer und das ist das, was ich meinte.
      Übrigens ist das abgewirtschaftete Venezuela, wie Cuba auch, nur eine Bananenrepublik und spielt in der Weltwirtschaft keine Rolle und geopolitisch, wie man sieht auch nicht, da man nach Belieben rein kann und Rädelsführer verhaften kann.
      Für diese Länder sei von Maruti der Rat gegeben:
      You cant beat them, so you have to join them

  2. Mittlerweile hat auch Platin sein ATH mit über 2.200 Dollar erreicht. Dieser Anstieg ist mehr als merkwürdig, hatten doch die Investoreren voll auf Palladium gesetzt und sich blutige Nasen geholt. Palladium steht bei 1700 Dollar und holt ein wenig auf.Möglich, dass die Investoren zu früh verkauften.
    Meine Meinung ist, man muss nun wirklich nicht alles kaufen, bloss weil es immer teurer wird.
    Es ist nämlich so, dass Gier das Hirn frisst

    • Ich hatte kürzlich etwas aufgeschnappt, daß Platin auch ein mehrjähriges Lieferdefizit aufweist. Was mich wundert, wo doch Verbrenner mit den Abgaskatalysatoren nicht gerade mehr der Renner sind.
      Aber vielleicht kauft China einfach auf Verdacht, weil man heute nicht ahnen kann, welche Zukunftstechnologie in 30 Jahren Platin benötigt.
      Macht ja auch Sinn. Wenn Edelmetallhändler jetzt meine Hemdsknöpfe akzeptieren, kaufe ich denen auch alles weg
      (für die Chinesen sind halt die US-Bonds identisch mit Hemdsknöpfen).

  3. @Digger: Als Goldeigentümer sollte man sein Metall nicht in fremde Hände geben. Vor allen micht in Schließfächer deutscher Sparkassen. Ob die bei den Briten eingelagerten 17 Tonnen venezolanisches Gold noch dort sind, bezweifle ich. Wahrscheinlich genauso verzockt wie das vermisste Gold von Australien und Argentinien. Man sollte daher in solche Goldeigentims-Rankings nur die Mengen einfließen lassen, die sich auf eigenem Boden befinden. Weiß eigentlich jemand genaueres über das 2014 aus Kiew audgeflogene Gold der Ukraine?

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