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Mehrwertsteuer-Senkung: Wird Edelmetall jetzt günstiger?

Im zweiten Halbjahr 2020 wird in Deutschland die Mehrwertsteuer gesenkt. Welche Auswirkungen wird dies auf die Edelmetall-Preise im Handel haben?

Silber, Silbermünzen, Mehrwertsteuer, Differenzbesteuerung (Foto: Goldreporter)

Das Aufgeld für Silbermünzen, Platin und Palladium dürfte mit der Mehrwertsteuer-Anpassung sinken, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht noch einmal wesentlich ändern. Stichwort: Corona-Krise, Edelmetall-Engpass (Foto: Goldreporter).

Mehrwertsteuer-Senkung

Die Bundesregierung hat am Mittwochabend eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes für den Zeitraum vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 bekanntgegeben. Der volle Satz wird von 19 Prozent auf 16 Prozent reduziert, der ermäßigte von 7 Prozent auf 5 Prozent. Welche Auswirkungen wird dies auf die Abgabepreise für Silber, Platin und Palladium in deutschen Edelmetall-Handel haben?

Gold, Silber, Platin, Palladium

Hintergrund: Beim Kauf von Silberbarren sowie Münzen und Barren aus Platin und Palladium fällt der volle Mehrwertsteuersatz an. Silbermünzen, die von Händlern aus Nicht-EU-Ländern eingekauft wurden, können differenzbesteuert angeboten werden. Das heißt, hier wird die Mehrwertsteuer nur auf die Händlermarge aufgeschlagen. Goldmünzen und Goldbarren in Anlageform sind von der Mehrwertsteuer befreit. Wir haben bei deutschen Edelmetall-Händlern nachgefragt, wie sich die Maßnahme ihrer Einschätzung nach auf die Preise der Weißmetalle auswirken wird.

Das sagen Edelmetall-Händler

Henry Schwarz, Geschäftsführer der GfM Gesellschaft für Münzeditionen GmbH (Anlagegold24), sagte uns dazu: „Ich denke, dass der Anleger dadurch die Möglichkeit hat, näher am Spot zu kaufen. Dies gilt vor allem für Platin und Palladium, die dann mit 16 statt der bisher 19 Prozent gehandelt werden können. Bei der Differenzbesteuerung müsste der Steuersatz dann statt von 7 auf 5 Prozent gesenkt werden und die Differenz nur noch auf 16 Prozent. Dies müsste auch Silber etwas günstiger machen. Wir werden auf jeden Fall die Senkung unserer Einkaufspreise in unserem Shop weitergeben, sodass die Kunden davon direkt profitieren“.

Umstellungsaufwand

Robert Hartmann, Mitgründer von Pro Aurum, erklärt gegenüber Goldreporter: „Zunächst gilt es erst einmal, die Handels-Systeme umzustellen. Das ist ein nicht unerheblicher Aufwand für die Edelmetallhändler. Sobald diese mit den künftig gültigen Mehrwertsteuersätzen ausgestattet sind, werden sich die Preise für den Endverbraucher entsprechend absenken. Die Mehrwertsteuer ist für uns Händler ein durchlaufender Posten. Die Reduzierung der Steuersätze geben wir somit vollständig an unsere Kunden weiter.“ Etwas kritisch sieht man die Sache auch bei Kettner Edelmetalle. Mitinhaber Dominik Kettner sagt: „Aufgrund der hohen Kosten für die  Umstellung in den ganzen technischen Systemen wird der Abschlag erstmal für den Handel zu Mehrarbeit und Mehrkosten in der Umstellungsphase führen. Danach werden die Preise sich auf dem Niveau einpendeln, sodass man die minimale Reduktion mit einem kleinen Zeitversatz bis Ende Dezember spüren wird. Gerade für Platin und Palladium aber auch Silberbarren und Zubehör ist das spannend. Bei Silber wird man aufgrund der geringen Preise im totalen den Unterschied nicht stark sehen, da durch die Differenzsteuer ja effektiv nur 2,1 -2,2 Prozentpunkte Veränderung durchgereicht werden.“

Unter dem Strich

Ähnlicher Auffassung ist Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service GmbH & Co. KG: „Im Gegensatz zum `normalen´ Einzelhandel rechnet der Edelmetall-Handel immer mit Nettopreisen, so dass ich, Stand heute, davon ausgehe, den Steuervorteil 1:1 an die Kunden weitergeben zu können. Der Unterschied von 3 Prozent bei Regelsteuer bzw. 2 Prozent bei Differenzsteuer entspricht aktuell jedoch fast normalen Tagesschwankungen bei den Weiss-Edelmetallen, so dass ich hier keine große Marktbeeinflussung auf der Absatzseite sehe.“ Auch Tim Schieferstein, Geschäftsführer der Solit Management Gmbh (GoldSilberShop.de), sieht keine großen Sondereffekte: „Für Silberbarren, Platin und Palladium erwarte ich keine gesteigerte Nachfrage aufgrund der Reduzierung der Mehrwertsteuer. Die 19%-ige Mehrwertsteuer ist – zu recht – für viele Edelmetall-Käufer ein Hemmnis, bei den Weißmetallen zuzuschlagen. Da lösen 2 Prozent Nachlass, was mehr oder weniger so viel ist, wie die übliche Preisschwankung an einem Tag ist,  keinen wirklichen Kaufanreiz aus. Für differenzbesteuerte Silbermünzen mag es vielleicht etwas besser aussehen. Unterm Strich ist es für uns eher ein Mehraufwand für die nötigen Anpassungen im Onlineshop, den Steuerdaten für die Buchhaltung etc. als dass wir dadurch einen Nachfrageschub verzeichnen werden.“

Silbermünzen

In Sachen Silbermünzen wird Schieferstein konkreter: „Da auch die Einfuhrumsatzsteuer von 7 auf 5 Prozent gesenkt wird, können Händler Silbermünzen um bis zu 2 Prozent günstiger anbieten. Vielleicht führt dies noch einmal Ende Juni dazu, dass beim einen oder anderen Händler Silbermünzen für zwei drei Tage knapp sind, da man sich als Händler überlegen muss, um man sich beispielsweise am 30.06. noch differenzbesteuerte Silbermünzen, die 7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer gekostet haben, auf Lager legt, wenn man diese einen Tag später mit nur 5 Prozent Einfuhrumsatzsteuer einführen kann. In den letzten Wochen konnten wir aufgrund des für Silber historisch günstigen Gold-Silber-Ratios eine höhere Nachfrage nach Silbermünzen verzeichnen. Ich denke, dass das Ratio aktuell der größere Kaufanreiz für Silber ist.“

Platin und Palladium

Christian Brenner von Philoro Edelmetalle sieht vor allem Vorteile bei Kauf von Platin-Metallen: „Bei Platin und Palladium werden Kunden bei Philoro unmittelbar einen Preisvorteil spüren. Dieser Vorteil kann – speziell bei Palladium – 150 bis 200 Euro betragen.“ Die Mehrwertsteuer-Abschläge werde man in jedem Fall an die Kunden weitergeben.

Goldreporter

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Eingetragen von am 4. Jun. 2020. gespeichert unter Deutschland, Edelmetall, Gold, Goldbarren, Goldmünzen, News, Palladium, Platin, Politik, Silbermünzen. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Sie können zum Ende springen und eine Antwort hinterlassen. Bitte beachten Sie unsere Forenregeln. Pingen derzeit nicht möglich

28 Kommentare für “Mehrwertsteuer-Senkung: Wird Edelmetall jetzt günstiger?”

  1. Auf jeden Fall werden einige Investitionen, vor allem in Konsumgüter, nach hinten verschoben. Also erstmal eine Art Mini-Deflation?
    Und ganz ehrlich… ich pfeife auf die Senkung. Wenn ich etwas anschaffen möchte, dann beobachte und vergleiche ich und warte auf gute Angebote. Aber vermutlich werden einige darauf anspringen und das nächste Eieiei-phone für ein paar Euro weniger, dafür wieder auf Pump kaufen.
    100€ extra für jeden bar in die Hand hätten da wahrscheinlich mehr geholfen.

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  3. 3 Euro bei 100 Euro wow – denke diese Mehrwertsteuersache wird ein riesen Erfolg…… ganz ehrliche Meinung dazu? Es wird nichts bringen!

    • Klapperschlange

      Wer vorhatte, diesen Monat einen Neuwagen (z.B. „gehobene Mittelklasse“) zu bestellen, kann bei 50.000,-€ gerade mal immerhin 1500,-€ sparen,- also verschiebt man den Kauf um einen Monat.
      Und das wird bei fast allen Neu-Anschaffungen/größeren Aufträgen für Handwerker eben um 1 Monat verschoben; das wird ein schlechter Monat Juni für die Wirtschaft.
      Dafür „brummt“ es dann ab Juli und der DAX kann die 15000 anvisieren.

      • @Klapperschlange: Vorausgesetzt der Händler (der mit dem Rücken zur Wand steht) die „gesparte“ 3% an den Kunden weitergibt oder versucht erst sein Geschäft zu retten.

  4. Das bring so eigentlich fast nix, die 3 Prozent interessieren mich ab Beträgen von 1000 Euro aufwärts und wie oft hat man solche Ausgaben…

    Als Ottonormalbürger hat man nix von den paar Cent falls die Produkte überhaupt billiger werden und die Preise nicht einfach gleich bleiben dann macht der Laden vielleicht etwas mehr Gewinn weil er weniger MwSt. abführen muß aber dafür müssen die dann wieder mehr Gewinn versteuern… ich denke der einzige der verdient ist wieder nur der Staat….

    Wenn sie gesagt hätten wir senken die bis Ende des Jahres auf 5 Prozent, dann hätte mn vermutlich von einm Ankurbeln des Konsums reden können aber so versickert etwaige Gewinne lediglich in der Bürokratie….

    • zum verständnis:die mwst. ist eine verbrauchersteuer oder auch konsumsteuer. sie belastet unternehmen in keiner weise. die unternehmen können die mwst. auf ihren produkteinkäufen bei ihrer abrechnung in abzug bringen. die abgeführten steuern haben sie von ihren kunden somit bei der abrechnung bereits erhalten. der abzug ist lediglich bei einzelunternehmungen auf den eigenbedarf nicht anwendbar, und muss abgeführt werden.

      hier ist es tatsächlich so dass der staat auf dem gesamten mwst.-belasteten BIP 3% weniger steuern eintreibt.

  5. Tja, die intelektuelle Qualität unserer Politiker spiegelt sich in der Qualität ihrer Entscheidungen. Bringt außer Mitnahmeeffekten: NIX.
    Wer kauft wegen 2 oder 3 % weniger Mehrwertsteuer irgendetwas, was er sowieso nicht braucht ?
    Zum obigen Beispiel des PKW: ich war im Dezember kurz vor Zulassungsschluss so mitfühlsam einem Neuwagenhändler noch eine Tageszulassung abzunehmen: gut 30 % unter Liste. Für ein Qualitätsfahrzeug (also kein VW-Diesel etc.). Da sind 3 % ein Witz.
    Der Clevere kauft in Juni oder wieder in Januar. Oder eben dieses komische bunte Metall, von dem hier immer alle reden……..

  6. Cool, erst mal Geld ausgeben was der Staat nicht hat (Kindergeld 300,00), danach die Steuern senken also für weniger Einnahmen sorgen. Super Kombination. Frage, wann kommt dafür die Rechnung?

  7. Auch ein Konjunkturprogramm geht einmal zu Ende…. nur was kommt danach wenn der Patient seine Medikamente nicht mehr bekommt? ich denke da kommt nichts gutes bei raus…..

  8. Ich hätte mich gefreut, wenn zumindest der Soli abgeschafft würde. Eine Senkung der Einkommenssteuern auf den OECD-Durchschnitt wäre auch fair gewesen. Aber so etwas kann man von unserer linksgrünen Regierung nicht erwarten.

    • Wolfgang Schneider

      @Michael
      https://www.wochenblick.at/urteilen-sie-selbst-das-sagt-trump-wirklich/
      Dafür sind unsere Medien integer und informieren uns gnadenlos ehrlich.

    • @Michael
      Und ich hätte mich gefreut, wenn die niedrigen Renten und Löhne sowie das Kurzarbeitergeld kräftig erhöht worden wäre. Dann wäre das Geld angekommen, wo es wirklich gebraucht und auch umgehend in den Wirtschaftskreislauf gebracht wird.
      Aber so etwas kann man von unserer kapitalhörigen Groko nicht erwarten.

      • Morty
        Das sehe ich auch so. Handelsexperten sagen schon jetzt, dass bis zu 50% des Handels die verringerte MwSt. nicht weitergeben wird. Nur der Lebensmittelhandel wird reduzieren.
        D. hat schon lange ein Problem mit der Binnennachfrage. Angesichts des großen Niedriglohnsektors und der seit vielen Jahren stagnierenden oder nur leicht wachsenden Löhne und Gehälter auch kein Wunder.
        War da nicht eine Corona-Diskussion über die lächerlich geringen Gehälter von Pflegekräften?
        Nein, ganz klar, man hätte die Massenkaufkraft stärken müssen. Und es muss endlich eine Vermögenssteuer für die Multimillionäre geben.

        • @Morty/Almut

          Die Massenkaufkraft mit Geld drucken mag kurzfristig funktionieren und ist auch sonst ein sympathisches Mittel, wird aber tendenziell zu weiteren inflationären Erscheinungen führen. Aber auch andersrum, ergo wie sich dies die Fans der freien Marktwirtschaft so vorstellen, wird es nicht besser. Wenn auf der Metaebene des gesellschaftlichen Gesamtkapitals nichts zu holen ist, kann auch nichts verteilt werden, außer Papier welches bekanntlich geduldig ist.

          Gold taucht gerade etwas ab, gut zum Einkauf, der Tag wann dieser Trend sich wieder umgekehrt, dürfte dennoch nicht allzu fern sein.

          Politisch darf man vermuten, dass man die SOZEN wieder ran lässt, erst gestern hat ein Hamburger Revolverblatt Frau Esken als Kanzlerin in der Warteschleife tituliert. Wenn die kommende Inflation die Ersparnisse auffrist, wird man sagen Corona hat es ausgelöst und die SOZEN hams versaut. Hat man 1918 ( Dolchstoßlegende ) und 1982 ( neoliberale Wende Kohl/Lambsdorf ) auch nicht anders gemacht.

  9. Ich reduziere solange den Konsum auf ein Minimum, bis den Sozialisten der Dreck um die Ohren fliegt. Ich sitze das einfach aus, eine andere Lösung gibt es nicht mehr.

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