Dienstag,23.April 2024
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Silbermünzen wieder billiger: Rückkehr der Differenzbesteuerung!

Demnächst werden prägefrische Silbermünzen vielfach wieder differenzbesteuert angeboten. Goldreporter liefert die Hintergründe.

Silbermünzen: Gekippte Differenzbesteuerung

Der deutsche Absatz von Silbermünzen zur Geldanlage ist im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen. Der Grund: Im Herbst 2022 kippte der Gesetzgeber die Anwendung der Differenzbesteuerung. (Silbermünzen: Finanzministerium kippt Differenzbesteuerung!)

Silber, Silbermünzen (Foto: Goldreporter)
Der deutsche Markt für Silberanlagemünzen galt für viele deutsche Edelmetall-Händler zuletzt als mausetot. Kann eine Initiative der SOLIT Gruppe und weiterer Händler das Silbergeschäft neu beleben? (Foto: Goldreporter).

Damit entfiel beim Verkauf von Silber in Deutschland generell der volle Mehrwertsteuersatz. Es gab eine Übergangszeit. Aber während der Durchschnittspreis für klassische Silber-Anlagemünzen Anfang 2022 noch bei weniger als 30 Prozent über dem reinen Materialwert lag, war zuletzt ein Aufgeld um 40 Prozent die Regel. Damit wurde der Kauf von Silbermünzen für viele Anleger endgültig unattraktiv. Zum Vergleich: Bei klassischen Goldanlagemünzen (Krügerrand, Maple Leaf) beträgt dieser Aufschlag typischerweise gerade einmal 4 Prozent (siehe: Gold kaufen: Aktuelle Lage und Preise im Handel)

Ausnahme bei Silber: Ware vom Sekundärmarkt verkaufen Händler auch heute noch vielfach differenzbesteuert an ihre Kunden. Das heißt, der volle Mehrwertsteuersatz entfällt nur auf die Händlermarge. Das ist das Prinzip dieser Besteuerungsart. Damit lassen sich beim Verkauf von Ankaufware immerhin Aufschläge von knapp unter 30 Prozent realisieren. Allerdings lässt sich damit aufgrund des begrenzten Volumens kein Massenmarkt bedienen. Außerdem möchten viele Anleger keine Sekundärware.

Rückkehr der Differenzbesteuerung

Nun bahnt sich eine Rückkehr der Differenzbesteuerung für prägefrische Ware an. Denn die SOLIT Gruppe (GoldSilberShop.de) kündigte gegenüber Goldreporter entsprechende Vorbereitungen an. „Der Weg hierhin war ein mühsamer und mit einigen Herausforderungen verbunden. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Differenzbesteuerung für prägefrische Silbermünzen im Laufe des Jahres 2024 wieder in Deutschland und damit auch anderen EU-Ländern durchsetzen wird“, sagt Tim Schieferstein, Geschäftsführer der SOLIT Management GmbH.

Der Kern der Sache: Laut Schieferstein können Händler Silbermünzen differenzbesteuert verkaufen, wenn diese in die EU über ein EU-Land eingeführt werden, das einen niedrigeren Einfuhrumsatzsteuersatz (EUSt) als Deutschland hat. Dann könne der Einkäufer die gezahlte EUSt auf seinen Einkaufspreis aufschlagen und die Münzen differenzbesteuert weiterverkaufen.

Silber-Importe aus Polen

Ein EU-Land, das für diese Abwicklung in Frage kommt, ist Polen. Dort beträgt der reduzierte Einfuhrumsatzsteuersatz 8 Prozent, gegenüber den 19 Prozent in Deutschland. „So ergibt sich eine maximale Ersparnis von 11 Prozent, wenn man Silbermünzen in Polen in die EU einführt und anschließend differenzbesteuert weiterverkauft“, so der SOLIT-Manager.

Für die praktische Umsetzung hat sein Unternehmen in Polen eine Tochtergesellschaft gegründet. Aufgrund dieses recht hohen logistischen Aufwands lohne es sich nicht für jeden Händler, diesen Weg zu gehen. Es sei auch zu berücksichtigen, dass bei einer Einfuhr in Polen auch anschließend der Transport sowie die Zollabwicklung von Polen nach Deutschland organisiert und bezahlt werden müsse.

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Silbermünzen günstiger: Beispielhafte Preiskalkulation mit und ohne Differenzbesteuerung (Quelle: SOLIT Gruppe)

Für den Aufbau einer solchen Lösung benötige man etwa sechs Monate Zeit, sowie die entsprechende Infrastruktur. „Nicht jeder `Direktbezieher´ wird dies stemmen können“. Deshalb glaubt Schieferstein nicht, dass wieder alle Silbermünzen in Deutschland differenzbesteuert erhältlich sein werden.   

Rechtliche Bedenken

Ohnehin sei dieser Umweg wohl nicht dauerhaft beschreitbar. Denn es liege bereits eine EU-Wettbewerbsbeschwerde vor. „Allerdings ist davon auszugehen, dass dieser Beschwerde erst in einigen Jahren nachgegangen wird – in diesem Fall ist es vorteilhaft, dass die Bürokratie der EU oftmals langsam ist“, so Schieferstein.

Ist dieses Verfahren überhaupt rechtens? Zur Beantwortung dieser Fragestellung habe SOLIT eine international tätige Wirtschaftsprüfungskanzlei engagiert. Hier kam man zu der Auffassung, dass es zulässig sei, Silbermünzen zum reduziertem Einfuhrumsatzsteuersatz
in Polen einzuführen und anschließend differenzbesteuert weiterzuverkaufen. Kurzgefasst: Die Einschätzung basiert auf der Feststellung, dass im polnischen Mehrwertsteuergesetzbuch Münzen aus Silber und anderen Metallen mit gesetzlichem Zahlungsmittel, die nicht allgemein als gesetzliche Zahlungsmittel verwendet werden, per Definition als Sammlerstücke eingestuft würden. Das Einholen einer verbindlichen Auskunft des polnischen Finanzamts zur Bestätigung werde aber noch vollzogen.

Schon bald differenzbesteuerte Neuware

Wann könnten die ersten prägefrischen Silbermünzen wieder differenzbesteuert angeboten werden? Schon in Kürze, wie Tim Schieferstein verspricht. Vermutlich bereits in der kommenden Woche. Bei GoldSilberShop.de gibt es bereits eine Auswahl an differenzbesteuerten Silbermünzen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen noch um Sekundärware. Die Neuware wird dann an gleicher Stelle ergänzt. 

Auch andere Händler arbeiten derzeit an entsprechenden Lösungen. Goldreporter wird verfolgen, ob und wie sich diese Initiative in den kommenden Wochen auf die Durchschnittpreise im Handel auswirkt. Verfolgen Sie einfach die Berichterstattung im Rahmen unserer jeweils freitags erscheinenden Markt- und Preisanalyse. Diese führen wir bereits seit dem Jahr 2010 durch.

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20 Kommentare

  1. Für mich sieht das aus wie Wettbewebsverzerrung. Ob das gut geht ?
    Wobei es ja nichts anderes ist wie Re – import bei Autos.
    Es dürfte sich dann wie ein Monopol auf verschiedene produkte auswirken….

  2. Dazu noch der Preisverfall bei Silber.
    Möglich, dass man diese Münzen fast geschenkt bekommt.
    Natürlich reduziert sich damit auch der Preis bei einem etwaigen Verkauf.
    Silber als Anlage sollte man meiden.
    Silbermünzen als Notgroschen, da kann man zugreifen.
    Im Zweifel kann man damit etwas kaufen, was es mit Bitcoin nicht zu kaufen gibt.

    • Naja, soweit sindwir noch lange nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern als um die 2000 er Jahre die Silberunze noch 8 Euro gekostet hat.
      Das ist zu heute schon eine verdreifachung.
      Von einem Notgroschen oder silberschrott zu sprechen ist da schon ein schlechter Scherz.
      Gold hat besser performt aber auf dem Sparbuch wären da die Euronen schon weg:-)

    • Ah, Tages-Soll wurde mit diesem Kommentar erfüllt: immer schön Werbung machen für das Schneeballsystem. Bitcoin hat einen intrinsischen Wert von 0.0. Aus diesem Grund gibt es auch keinen nachvollziehbaren Wert für Cryptowährungen, alles ist Spekulation. 1 Bitcoin kann für eine Billion oder für 0
      Wenn Bitcoin morgen vom Erdboden verschwindet, passiert gar nix. Bitcoin hat 0.0 praktischen Nutzen.
      Es benötigt außerdem enorme Energiemengen ‚gefördert‘ und transferiert zu werden. Mit Bitcoin zu bezahlen ist ein Witz, weil jede Zahlung mit hohen Kosten verbunden ist…

      • Hey Christoph, das mit den enormen Energiemengen ist einfach ein lächerliches Argument, zumindest wenn man, so wie wir hier beim GR, es eher mit Gold halten. Wenn sie im echten Leben mit solchen Argumenten ankommen, können sie es gleich lassen. Bei Gold wird nämlich ähnlich viel Energie für den Abbau benötigt und obendrein ein Haufen Umwelt zerstört. Ich bleibe trotzdem bei Gold, weil es die sicherste Anlage in unsicheren Zeiten ist, aber ein bisschen Selbstreflexion sollte man schon mitbringen.

      • @Christoph @Tecdaxschlecht
        Hey ihr beiden, seid ihr KI gesteuerte comment-bots?
        Falls nicht könnt ihr mir bestimmt folgende Fragen beantworten:
        @Christoph was werden Sie morgen früh als erstes tun?
        @Tecdaxschlecht Warum darf man nicht durch „0“ dividieren?

    • Habe 180Kg zwischen 16,40 und 18,50 gekauft, zusätzlich zu anderer Hardware und glaube,
      es hätte schlechter laufen können.

      Die Unzen werden ja nicht schlecht und irgendwann gehts sicherlich auch wieder ein wenig nach Norden.

  3. Ein paar hundert Kilo Silber mit ins Pöttchen kann nicht schaden. Dazu etwas Platin und Palladium und schon kann nichts passieren. Außer man will hochspekulativ zocken. Dann ruhig Kryptos.
    Aber physische bitte :-)

  4. @ Maruti

    Grüß dich servus, kann da nicht ganz zustimmen.
    Ich selbst besitze 1000 Silber Maple Leaf gekauft zum Kurs 14.52.- bis 17.19.- Euro auch wenn der Kurs nicht so stark stieg wie bei Gold, trotzdem kein schlechter Zuwachs, da ist eben Geduld gefragt.
    Ich besitze aber auch ein bisschen mehr als einen Bitcoin und ich weiß genau das in vielen Staaten schon zum ganz täglichen Leben dazu gehört mit Bitcoin oder Gold zu bezahlen, siehe Brasilien, Venezuela, Argentinien, El Salvator usw
    Für mich gehört zu Gold genauso der Bitcoin dazu, auch wenn Einige hier andere Meinung sind, was ich auch durchwegs verstehen kann !!!

    • Servus Ukunda

      Um 1 Drittel habe ich mehr Silber und im Schnitt um 1 – 2 Euro teurer eingekauft.
      Die ersten habe ich noch vom Soos in Wien zum Verwandten nach Stuttgart schicken lassen, wegen
      der Differenzbesteuerung.
      Zum Glück vorher und nachher alles auf Gold gesetzt.
      Habe mir erst gestern den vor 1 Woche bestellten Phil. abgeholt.
      1926 Euro inklusive Transport.

      Bitcoin ist sicher das beste Spekulationsobjekt und der kann auch auf 1 Million Euro steigen.
      Trotzdem für mich – eine Tulpen Blase.

      Aber wer weiß schon was passiert?
      Jetzt will der Staat Österreich jeden 100 000 Euro schenken, man braucht nur ein Haus zu bauen.

      Silber hat sicher extremes Potential.
      Eines Tages wird es in die Höhe schnellen, nach unten geht es sicher nicht mehr weit.
      https://www.derstandard.at/story/3000000208046/bis-zu-100000-euro-zuschuss-fuer-haeuslbauer-so-sieht-das-wohnbaupaket-der-sozialpartner-aus

      • Besser 150 Kg Silber im Keller als Bayer Aktien im Depot.
        Zum 80% Kursverfall soll jetzt auch noch die Dividende auf ein gesetzlich vorgeschriebenes Minimum reduziert werden. Vom letzten Jahr 2,40 Euro pro Aktie auf 0,11 Euro.
        Na herzlichen Glückwunsch an alle die dieses Papier halten.
        Ich denke jeder Bayer Aktionär wäre froh er hätte vor 10-15 Jahren Silber gekauft:-)

        • @TheMac
          Ich verstehe das ganze Gemosere um Silber nicht.
          Ich habe vor ca. 5 Jahren für um die 15 je Unze gekauft, oder den 1 kg Kokaburrra für um die 500, so schlecht ist das auch nicht.
          Man muss einfach etwas Geduld haben.

          Indianerspruch:
          Man muß sich nur etwas Zeit nehmen und gemütlich an den Fluss setzen, bis irgendwann die Leichen der Feinde vorbeigetrieben werden.

          So wird es uns mit dem Papierschrott gehen.
          Wir können doch jetzt schon jeden Tag zusehen.
          30 Minuten pro Tag Wirtschaftsnachrichten lesen (nicht bei SZ, ARD und ZDF) und schon sieht man die Hütte lichterloh brennen.
          Boshaft: die Lage ist so klasse wie im Dezember 1944 in Berlin.
          Wo bleibt der Angriff von Steiner ?

          • @M.E.: Um den Preis drehte es sich aber auch endlos. Vor 20 Jahren hat man fürs Kilo auch um die 400 bezahlt, dazwischen ging es hoch, runter und seitwärts,..der Kurs hat sich für viele enttäuschend und für viele gar ins Minus oder einfach nur gar nicht entwickelt. Bei Gold sieht das eindeutig um Welten besser aus. Auf den Nachholeffekt beim Silber wartet man auch schon ewig, wahrscheinlicher ist, dass es bei einem Preiseinbruch mal wieder viel härter absäuft als Gold. Mit Silber, auf einem Preishoch gekauft, hat man viele EM-Neueinsteiger verprellt.

    • @ Ukunda Stimmt ganz so schlech ist die Entwicklung bei Silber auch nicht.Habe so vor 8 Jahre mal einen 1Kg Kookabura für damals 498 gekauft weil es unter 500 war. Die Dinger sind jetzt auch so bei 700 bis 800, sicher nicht dee Hit aber noch annehmbar.

    • @ukunda
      So gesehen schon. Aber da war der Euro auch ein klein wenig mehr wert, die zwischenzeitige Entwertung des Euro muss man mit einrechnen.
      Verkauft man dazu noch auch nur eine Unze Silber,
      bekommt man heute
      1. Lediglich den Spotpreis
      2. Und den entwerteten Euro obendrauf
      3. Und trägt dann noch das Risiko letzteren wieder alegen zu müssen.
      Fazit: Musste man damals für eine Unze den Preis von 2 Schnitzel hinlegen, kann man froh sein heute für die Unze ein halbes zu bekommen.

  5. Und hier noch eine Zugabe von Hubert von Goisern (Erfinder des Alpenrocks; Hubert & die Alpinkatzen – die Älteren unter uns wissen es noch) – der hatte es schon vor mehr als 10 Jahren erkannt: „Wo is der Ploatz, wo der Deifi seine Kinder kriegt? Wo is der Ploatz wo ois z’sammrennt? Wo is des Feier, wo geht’n do der Blitz nieder ,wo der Stadl der brennt? A jeder woaß, dass der Geld net auf der Wiesn wachst und essen kann mans a net… Oaber brenna tuats guat…!“ (gekürzt).
    Oder „…wann die Hexn tanzen im Woald – wann der Freitag am 13. foallt…“ von Ludwig Hirsch.
    Reicht jetzt – Eine goldige Nachtruhe wünscht
    Der Dokta

  6. Ich muss auch mal was zum Silber loswerden. (VORSICHT: Meinung)
    Der monetäre Ansatz bei Silber schwindet, vielleicht weil weniger Menschen daran glauben. Ich kann Gegenteiliges berichten. Hier wird gekauft, was geht. unfassbar wie schnell hier ganze Masterboxen verschwinden. Silber ist anscheinend immer noch „Geld“ in vielen Köpfen.
    Reine Silberminen gibt es nur noch wenige. Silber ist hauptsächlich Nebenprodukt von Blei- und Kupferminen. Die liefern den Löwenanteil. Und deswegen folgt der Silbermarkt immer weniger dem Goldmarkt.
    Wir erleben gerade eine Zeit, in der sich Gold und Silber zunehmend entkoppeln.
    In 10 Jahren folgt Silber ausschließlich dem Rohstoffmarkt und Gold bleibt weiterhin „Politikmetall“
    Meine Meinung ohne Gewähr (308-Kaliber).

      • @TheMac
        Wenn es um diffbest. Silber geht, also angekauftes Silber dauert es nicht sehr lang bis das im sächsichen Raum unter die Leute gebracht wird. (Ich weiß aber auch, dass EM-Händler auch gern mal unter sich handeln.)
        Obwohl ich das so nicht geschrieben habe, aber manchmal reicht es wirklich nicht bis morgen.

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