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Unbemerkte Banken-Desaster in den USA

Es wurde von der Finanzpresse fast vollständig ignoriert. Am vergangenen Freitag kam es in den USA zu Bankencrashs, die in ihrer nominalen Gesamtheit der IndyMac-Pleite vom Juli 2008 gleichen. Die wöchentlichen Bankrottmeldungen der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) offenbaren aber noch mehr Ungemach. Sie zeigen die deutliche Differenz zwischen den bilanzierten Werten vieler US- Banken und dem wirklichen Marktwert ihrer Assets.

Europa steht im Fokus der Finanzwelt. Doch was sich derzeit in den USA abspielt, ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Am vergangenen Freitag mussten von der amerikanischen Einlagensicherung erneut sieben Banken liquidiert werden. Das ist zunächst nichts Außergewöhnliches. Man hat sich mittlerweile an die Pleitewelle im amerikanischen Hinterland gewöhnt. Seit Jahresanfang wurden bereits wieder 64 Banken weg gespült. Die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) wickelt die Fälle routiniert ab.

Doch die Dimension der kürzlich vorgefallenen Banken-Crashs ist bemerkenswert.

Mit dem Niedergang von drei Banken auf der Insel Puerto Rico sind am vergangenen Freitag 20 Prozent der gesamten Banken-Aktiva der amerikanischen Karibik-Region untergegangen. Gemeinsam verfügten die Finanzhäuser über eine Bilanzsumme von 20,3 Milliarden US-Dollar. Die größte der drei Karibik-Banken, die Westernbank Puerto Rico, wies zuletzt alleine 11,94 Milliarden an Aktiva aus.

Die US-Einlagensicherung wird durch die drei Pleiten 5,28 Milliarden US-Dollar verlieren. Hinzu kommen noch rund 2 Milliarden Dollar an Belastung durch die vier Pleiten auf dem amerikanischen Festland. Der Event vom vergangenen Freitag hat damit in seiner Gesamtheit die Dimension der IndyMac Bank-Pleite im Juli 2008 (Bilanzsumme: $ 32 Mrd.). Der Bankrott des US-Hypotheken-Finanzierers kostete die FDIC seinerzeit 8 Milliarden Dollar.

Der genaue Blick auf die Zahlen der FDIC verrät aber ein noch weit größeres Problem. Die Daten zeigen, in welchem Ausmaß die Unternehmenswerte der US-Banken überbewertet sind. Auf diesen Umstand machte der amerikanische Rohstoff-Experte Jim Sinclair („Mr. Gold“) kürzlich in seinem Blog aufmerksam.

Jede Pressemeldung der FDIC enthält Angaben zu den Assets (Aktiva/Bilanzsumme), die die Banken zuletzt auswiesen. Aus der Differenz zwischen dem Wert der Einlagen und dem durch die Pleite entstandenen Verlust für die FDIC, lässt sich eine Zahl ermitteln, die die Überbewertung der Bankenaktiva repräsentiert.

Beispiele: Die Westernbank Puerto Rico meldete zuletzt Assets in Höhe von 11,94 Milliarden Dollar und Einlagen (Finanzaktiva = Sichteinlagen, Wertpapiere etc.) im Umfang von 8,62 Milliarden Dollar. Auf dem Papier würde man das Institut als kerngesund ansehen. Der FDIC ist durch die Schließung der Bank eigenen Angaben zufolge aber ein Verlust von 3,31 Milliarden Dollar entstanden. Diese entstehen durch die Neubewertung der Bilanzwerte. Zieht man diesen Verlust von den Finanzaktiva ab, dann verbleiben lediglich 5,31 Milliarden an wahren Asset-Werten, statt den bilanzierten 11,94 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Überbewertung der Bilanzwerte von rund 125 Prozent.

Man kann diese Rechnung auf alle vergangenen Pleitebanken anwenden und kommt durchweg auf eine Überbewertung der Aktiva zwischen 50 und 150 Prozent.

Weitere Beispiele der vergangenen Wochen:

8. Januar 2010: Horizon Bank, Washington
Gemeldete Assets: $ 1,3 Mrd.
Einlagen: $ 1,1 Mrd.
Kosten für FDIC (Werteverlust): $ 539,1 Mio.
Marktwert der Assets: $ 560,9 Mio.
Überbewertung der gemeldeten Assets: 131 Prozent

19. Februar 2010: Jolla Bank, Kalifornien
Gemeldete Assets: $ 3,6 Mrd.
Einlagen: $ 2,8 Mrd.
Kosten für FDIC (Werteverlust): $ 829,3 Mio.
Marktwert der Assets: $ 1,97 Mrd.
Überbewertung der gemeldeten Assets: 82,7 Prozent

Anmerkung: Die von der FDIC gemeldeten Bankenpleiten waren nie von Betrugsfällen oder Unterschlagungen begleitet, die eine Neubewertung der Assets nahegelegt hätten. Die Einlagen der geschlossenen Institute wurden in der Regel von anderen Banken übernommen.

Die chronische Überbewertung von US-Finanz-Aktiva gegenüber den realen Marktwerten der Assets ist unter anderem das Resultat der nach Ausbruch der Finanzkrise eingeführten Lockerung der Bilanzierungsrichtlinien.

Fazit: In den USA besteht weiterhin eine gefährliche Schieflage zwischen geschönten Buchwerten und realen Asset-Preisen. Die FDIC-Daten sind nur ein Anhaltspunkt. Das Abschreibungspotenzial bei den Finanzinstituten erscheint weiter gewaltig. Das wird zu neuen Bankenpleiten führen und auch das bereits ausufernde amerikanische Staatsdefizit weiter belasten. Denn die US-Einlagensicherung ist durch die massive Zunahme der Bankrotts vergangenes Jahr tief in den roten Zahlen gerutscht. Auch die interne Mittelaufstockung in Höhe von 45 Milliarden Dollar, die bis 2012 geplant ist, dürfte den Schaden nicht decken. Das riecht nach erneutem Bail-out durch den amerikanischen Steuerzahler.


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Eingetragen von am 6. Mai. 2010. gespeichert unter Banken, Hintergrund, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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