Montag,27.Mai 2024
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Geld- und Finanzpolitik der USA treibt Edelmetall-Hausse an

US-Staatsanleihen scheinen nicht mehr der einzige finanzielle Referenzwert im internationalen Währungssystem zu sein – wie die Goldpreis-Entwicklung andeutet.

Von Laurent Maurel

Rückkauf von US-Staatsanleihen

Das US-Finanzministerium hat diese Woche sein Anleihekaufprogramm gestartet. Das Finanzministerium hat Staatsanleihen im Wert von 200 Millionen $ zurückgekauft, die es im Laufe der letzten Jahre selbst ausgegeben hatte:

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Diese Rückkäufe werden mit Hilfe der Federal Reserve Bank in New York (FRBNY) und deren System FedTrade durchgeführt. Das Finanzministerium wickelt die Transaktionen ausschließlich über von der FRBNY autorisierte Broker ab und die Kunden können mittels dieser Makler Zugang zu den Operationen erhalten.

Markt für US-Bonds

Das US-Finanzministerium gibt kurzfristige Anleihen (Treasuries) heraus, um Anleihen mit langer Laufzeit zurückkaufen zu können. Da sich am Anleihemarkt zunehmend Spannungen bemerkbar machen, soll er mittels dieser Strategie mit zusätzlicher Liquidität versorgt werden. Die Spannungen sind in erster Linie auf den Anstieg der Zinsen zurückzuführen: Für Anleihen, die bis 2022 ausgegeben wurden, finden sich kaum noch Käufer. Das Eingreifen des Finanzministeriums ist notwendig, um das Funktionieren dieses Marktes sicherzustellen, der im Finanzsystem eine entscheidende Rolle spielt. Die US-Staatsanleihen werden in großer Menge in verschiedenen gehebelten Finanzprodukten verwendet. Fehlende Liquidität in diesem Markt könnte daher das Fundament des Finanzsystems selbst bedrohen.

Die ersten Rückkaufoperationen (Buybacks) betreffen zahlreiche Schuldverschreibungen, die zwischen 2014 und 2022 emittiert wurden. Zwei dieser Anleihen erreichen ihr Fälligkeitsdatum erst in ferner Zukunft, im Jahr 2050, und haben einen lächerlichen Zinssatz:

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Das Finanzministerium hat also Anleihen zurückgekauft, deren Rendite praktisch null war. Man kann sich vorstellen, dass diese außerhalb des Finanzministeriums selbst wenig Abnehmer fanden, d. h. der Markt für dieses Finanzprodukt ist praktisch verschwunden. Es ist von entscheidender Bedeutung, die nicht realisierten Verluste im Zusammenhang mit diesen Anleihen zu begrenzen und ihre Liquidität wiederherzustellen, um zu garantieren, dass der Markt für staatliche Schuldpapiere wie gewohnt funktioniert.

Liquidität sicherstellen

Das US-Finanzministerium übermittelt eine klare Botschaft: Selbst in Zeiten, in denen der Anleihemarkt unter Druck gerät, gibt es eine Notlösung. Diese Intervention soll die fortgesetzte Verfügbarkeit von Liquidität sicherstellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Finanzministerium auf diesen Kniff zurückgreift, um die Liquidität bestimmter Anleiheprodukte nach einer Zinserhöhung zu sichern. Tatsächlich wurde diese Strategie bereits Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre angewendet.

Doch im Gegensatz zu damals kann sich der amerikanische Staat heute nicht auf einen Haushaltsüberschuss stützen. Ganz im Gegenteil: Die USA startet ein kostspieliges Rückkaufprogramm für Staatsanleihen, während das Land gleichzeitig ein Rekorddefizit von 1,7 Billionen $ bei den öffentlichen Ausgaben verbucht.

Langläufer durch Kurzläufer ersetzen

Um die langfristigen Anleihen zurückkaufen zu können, emittiert der Staat kurzfristige Schuldverschreibungen, obwohl dies die Konzentration der US-Schulden auf sehr kurze Laufzeiten verstärkt. Anleihen mit einer Laufzeit von weniger als 2 Jahren machen bereits 38 % der Staatschulden des Landes aus:

USA, Staatsanleihen, Fälligkeit

Ein Drittel der Schulden muss bis Ende nächsten Jahres refinanziert werden.

Das Problem: Aufgrund des erhöhten 2-Jahres-Zinssatzes steigen die Refinanzierungskosten dieser Schulden immer weiter. Infolgedessen haben die jährlichen Zinskosten der US-Staatsschulden erstmals die Schwelle von 1 Billion $ überschritten.

Kosten, Schuldendienst

Steigende US-Staatsausgaben

Die Zinszahlungen auf die Schulden sind dabei, der größte Posten in den Staatsausgaben zu werden und selbst das Verteidigungsbudget zu übersteigen.

Zu Beginn dieses Jahres befinden sich die Vereinigten Staaten aus finanzieller Sicht auf einem sehr beunruhigenden Weg.

Die Ausgaben liegen weiterhin auf Rekordniveau …

US-Staatsausgaben

… ohne dass die Einnahmen das Loch in der Staatskasse stopfen könnten.

USA, Staatseinnahmen

Das im Februar verbuchte Haushaltsdefizit ist fast ebenso groß wie auf dem Höhepunkt der Coronakrise:

USA, Haushaltsdefizit

Im Februar haben die USA mehr als doppelt so viel ausgegeben, wie sie eingenommen haben.

Deficit Spending und Inflation

Heute sind die Ausgaben nicht der Gesundheitskrise geschuldet – das Defizit ist allein auf die erhöhten Zinszahlungen für die Staatsschulden zurückzuführen.

Während der Pandemie hatte das US-Finanzministerium Liquidität in die Märkte gepumpt, was zur ersten Inflationswelle geführt hatte.

Dieses Mal verabreicht es den Märkten Finanzspritzen, indem es kurzfristige Schatzanweisungen ausgibt, um sein Defizit zu finanzieren uns das Funktionieren des Marktes für Staatsanleihen zu gewährleisten.

Diese neue Liquiditätszufuhr ist nun dabei, eine zweite Inflationswelle auszulösen. Ein Anstieg der Inflationsrate hat logischerweise zur Folge, dass die Fed ihren Leitzins nicht senken kann, was die Refinanzierungskosten der kurzfristigen Schuldverschreibungen erhöhen wird.

Geld- vs. Finanzpolitik

Wenn die Fed die Zinsen senkt, während die Inflation wieder zunimmt, könnte dies als Änderung ihrer geldpolitischen Ziele interpretiert werden. Es könnte der Eindruck entstehen, dass die Notenbank zum Instrument der Finanzpolitik wird, statt sich auf die Stabilisierung der Inflationsraten zu konzentrieren.

Wenn eine Zentralbank die Finanzierung der Staatsschulden des Landes zum Ziel hat, bricht ihre Währung ein. Dieses Phänomen lässt sich in zahlreichen Ländern beobachten. In den Vereinigten Staaten war es bislang allerdings nicht so offensichtlich erkennbar, da der US-Dollar weltweit als Reservewährung genutzt wird und weil die US-Staatsanleihen als stabilstes und zuverlässigstes Fundament des Finanzsystems galten.

Gold und Staatsanleihen

Diese Epoche scheint sich nun ihrem Ende zuzuneigen, wie die Entwicklung des Goldpreises andeutet. Die US-Staatsanleihen scheinen nicht mehr der einzige finanzielle Referenzwert im internationalen Währungssystem zu sein:

Gold, Goldpreis, Anleihen

Die schnelle, gesteigerte Emission von Anleihen mit sehr kurzen Laufzeiten ist eine typische Praxis von Schwellenländern, aber nicht von den Herausgebern der globalen Reservewährung und anderen Reserveassets, die als neutral betrachtet werden.

Diese Flucht nach vorn des US-Finanzministeriums birgt die Gefahr, den Dollar zu einer zweitklassigen Währung zu degradieren und die US-Staatsschulden in Risikoaktiva zu verwandeln.

Indem sie ihr Doppelmandat von Maximalbeschäftigung und Preisstabilität ignoriert, scheint die Fed mit der Ankündigung einer Zinssenkung einen der Finanzpolitik geschuldeten Eingriff vorzubereiten. Das könnte den Status des Dollars in den Währungsreserven anderer Zentralbanken weiter unterhöhlen.

Goldpreis

Die Goldkäufe dieser Zentralbanken spiegeln die wahrgenommene Strategieänderung der amerikanischen Geld- und Finanzpolitik wider.

Der Goldpreis bricht zu Beginn dieses Monats indessen einen Rekord nach dem anderen und bestätigt damit seinen Ausbruch nach oben im März:

Goldpreis, Gold, Goldchart

Silberpreis

Das andere Edelmetall, Silber, ist seinerseits dabei, eine Widerstandslinie der vor 3 Jahren begonnenen Konsolidierungsphase erneut zu testen:

Silber, Silberpreis, Silberchart

Wenn sich der Ausbruch des Silberpreises aus dieser Bullenflagge bestätigt, müssen sich die Leerverkäufer an den Terminmärkten und beim Silber-ETF SLV, die in den letzten Wochen Short-Positionen in Rekordhöhe aufgebaut haben, wirklich Sorgen machen.

Letzte Woche hat ein einzelner Marktteilnehmer an nur einem Handelstag eine Short-Position im Wert von einer viertel Milliarde Dollar auf den SLV aufgenommen.

Wer würde angesichts der aktuellen Hausse des Silberkurses ein solches Risiko eingehen?

Sollte Silber seine dynamische Rally fortsetzen, bestünde bald die Gefahr eines echten Shot Squeeze, da an diesem äußerst eigenen Markt aktuell sehr umfangreiche und stark gehebelte Short-Positionen offen sind.

Quelle: Goldbroker

LAURENT MAUREL in Edelmetall- und Bergbauanalyst. Als ausgebildeter Ingenieur arbeitete er in verschiedenen Sektoren (Telekommunikation, Softwaretechnik, Astrophysik …) in Kanada, den Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen im Rahmen von Gastbeiträgen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder. Sie stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Goldreporter dar.

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9 Kommentare

  1. Das mache ich mit meiner Frau schon lange.
    Beide haben ein kleines Unternehmen.
    Ich leihe Ihr das Geld, kassiere dafür Zinsen, sie schreibt das steuerlich als Dahrlehen ab, dann geht das Geld retour mit umgekehrten Verlauf.
    Wir schieben die eigene Kohle hin und her und damit ist die Liqidität gesichert und die Steuer wird zudem reduziert.
    Kann man machen. Geld muss zurkulieren, sagt auch Herr Tenhagen

    • @Maruti
      Unter Steuerfreaks hat das sogar einen ganz netten eigenen Namen: Ehegattenschaukel.
      Ha, das gibt es nicht nur im Kamasutra, sondern auch im angeblich so trockenen Steuerrecht !!!
      Man kann sich sogar gegenseitig Immos (die man bisher auch schon hatte) auf Kredit verkaufen und damit zusätzlich noch mal das Abschreibungsvolumen aufblasen.
      Tja, was man von Politikern alles für schöne Gesetze kaufen kann…….

  2. Weiß nicht wie oft ich schon geschrieben habe das der US Pleitestaat vor dem Bankrott steht aber wir kommen diesem Ziel mit großen schritten immer näher da nützt es auch nicht mehr ob sie die Zinsen anheben oder senken und zwar einfach deshalb weil es kaum abnehmer für die US schrottpapiere gibt außer vielleicht ein paar ihrer Vasallen die aber selbst am absaufen sind .

    Und ich wiederhole mich nochmal die BESTE Zeit für die Edelmetalle steht erst noch bevor .

  3. Man sollte die Fähigkeit des Westen die Edelmetallpreise zu manipulieren nicht unterschätzen. Glaube nicht das sie die Kontrolle verloren haben es ist wahrscheinlich ein Versuch der Brics Druck zu machen. Die FED wird die Zinsen anheben um auf die anziehende Inflation zu reagieren danach wird sich Kapitalflucht aus Emerging Markets massiv verstärken bis in China der Immobilienmarkt vollends kollabiert! Danach werden die Zinsen wieder auf null gesetzt und die Inflation laufen gelassen bis alle gängigen Währungen im Eimer sind und kommt mit CBDC‘s halt was neues! Alle Staatsschulden sind dann weg! Es ist auch der Grund warum der US Staat massiv Geld raushaut und die Neuverschuldung keine Rolle spielt! Die fed hingegen betreibt Quantitative tightening und völlig unzureichende Zinserhöhungen mit der man die Inflation von vornherein nicht bekämpfen konnte! Damit die US Märkte nicht wegkippen zauberte man KI Häschen aus dem Hut und Magnificent Seven hielten die Märkte bei steigenden Zinsen oben! Vielleicht doch jetzt Kasse machen und in dem kurzen deflationären Schock wenn China kippt nachkaufen? Aber vielleicht zwingt China vorher doch die Comex in die Knie oder sie greifen Taiwan an! Alles reine Spekulation! Aber extrem spannende Zeit!

    • China steht wirtschaftlich um lichtjahre besser da als der US Pleitestaat wenn einer zuerst umkippt dann die USA . Der US Pleitestaat kriegt schon jetzt kaum luft mit den 5% Leitzins wie man an der explodierenden Verschuldung und sinkenden Wirtschaft sieht höhere Zinsen wären wohl der endgültige Todesstoß für den defacto Pleitestaat . Die einzige Option die dem US Pleitestaat bleibt ist einen großen Krieg zu starten um zu verhindern das es zu inneren Unruhen kommt und bei der privaten Fed zu betteln das sie all ihre Falschgelddrucker zum glühen bringen .

      Es wird leider erst alles viel Schlimmer werden bevor es hoffentlich besser wird ,das worst case wäre ein Atomkrieg dann ist sowieso alles vorbei hoffen wir das es nicht soweit kommt .

      • @Blockbuster
        Leider sehe ich das auch so. Die USA bekommen immer mehr Probleme ihre Defizite zu finanzieren. Was bleibt ist Geld drucken oder Krieg.

    • @HB
      Alles nach chinesischer Manier.
      Damals, als ich in Shanghai weilte, sagte mir ein wohlhabender Händler und Geschäftsman:
      „ Bei uns, hier in China, versteht man unter Geschäft und Handel nichts anderes als Krieg. Es ist gleichbedeutend“
      Ist es ein Kunde, wird er nieder gemacht, ist es ein Handelspartner, muss er besiegt werden.
      China pazefistisch ? Von wegen. Weder bei den Menschenrechten, noch bei den Frauen, noch in der Wirtschaft.
      Und wehe, die werden militärisch zu stark, dann wird nicht mit Worten oder Kassabüchern Krieg geführt, sondern mit echten Waffen.
      Das ist die eigentliche Gefahr und die USA weiss das, nur wir nicht.

  4. @Blockbuster
    Sie haben voll den Punkt getroffen – genauso sieht es aus!
    Die Grafiken zeigen ganz deutlich, wo es z. Zt. hingeht!
    Und JA – die beste AU-Zeit steht noch bevor…
    In aurum veritas!
    Der Dokta

  5. @maruti historisch betrachtet ist China mit wenigen bis gar keinen expansiven Bestrebungen aufgefallen! Asiatische Länder und deren Bevölkerung sind auch im allgemeinen deutlich friedlicher und weniger aggressiv!(Japan auch bis zur Industriellen Revolution)Große Konflikte in Asien nach innen wie außen waren meist durch den Westen, durch Weltanschauungen (Kommunismus) oder innere Einigungskiege (China,Japan) geprägt! Japan hat damals im 19.Jah. nach erzwungener Öffnung erkannt das der Westen gierig nach Gold und Silber ist also haben die massenhaft bessere Waffen für selbiges von ihnen gekauft und plötzlich waren sie unabhängig,innovativ und ach Wunder selbst expansiv! Vom Zopf zum Zylinder in zehn Jahren! Die haben keine billigen T Shirts für uns genäht wie der Rest um sie rum! Bei China das Gleiche sie hatten erkannt das der Westen gierig nach Profiten ist,haben ihre Bevölkerung fürn halben Dollar am Tag arbeiten lassen alles kopiert und dabei halt viel gelernt.Jetzt versuchen wir sie wieder auszubremsen mit zweifelhaftem Ausgang! Die USA werden ihre Vormachtstellung hierbei auf jeden Fall verteidigen und sind schon bei! China hat massig Dollarkredite in Afrika und entlang der neuen Seidenstraße vergeben deren Anschlussfinazierung bei steigenden Zinsen unmöglich wird! Und China kann keine Dollar drucken aber die USA auch kein Gold…..hoffe es geht glimpflich aus!

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