Freitag,22.September 2023
Anzeige

Gold hebt ab, Bankenkrise spitzt sich zu

LBO, Credit Suisse, Bankenkrise (Bild: Goldreporter)
LBO: Eine neue Gefahr schwebt über dem Bankensektor – die Kreditvergabe im Rahmen fremdfinanzierter Firmenübernahmen. Der Preis für Gold steigt weiter an (Bild: Goldreporter).

In der Bankenbranche geht die Angst vor einer neuerlichen Kreditklemme um. Welche Rolle spielen LBO-Finanzierungen? Der starke Goldpreis-Anstieg ist ein deutliches Warnsignal.

Gold hebt ab

Der Goldpreis steigt steil an. Am heutigen Nachmittag um 16:30 Uhr kostete eine Feinunze Gold am Spotmarkt 1.925 US-Dollar (+1 % gegenüber Vortag) beziehungsweise 1.826 Euro (+3 %). Damit ist auch charttechnisch endgültig der Knoten geplatzt. Aber das ist nicht der eigentliche Grund für die jüngste Kursbelebung. Am Wochenanfang entwickelten sich drei Bankenpleiten als Problem für den US-amerikanischen Markt. Aber spätestens am heutigen Mittwoch ist die Bankenkrise in Europa angekommen.

Krise in Europa angekommen

Europäische Bankaktien stürzten am Mittwoch erneut ab. Denn Nachrichten zur Schweizer Großbank Credit Suisse schürten nun auch hierzulande Ängste hinsichtlich einer aufkommenden Kreditklemme im Bankensektor. Das Institut gilt seit einiger Zeit als  angeschlagen. Es hagelte Verluste. Kunden zogen Geld ab. Und nun brachte ein aktuelles Bloomberg-Interview das Fass offensichtlich zum Überlaufen. Die Aktie der Credit Suisse brach am Vormittag um mehr als 20 Prozent ein.

Denn ein Vertreter der Saudi National Bank, größter Aktionär des Geldhauses, erklärte auf Nachfrage, dass man im Ernstfall nicht bereit sei, mehr Kapital nachzuschießen. Das eigentliche Problem dürfte aber tiefer begraben sein – nicht nur das der Credit Suisse, sondern der gesamten Bankenbranche. Auslöser sind die zuletzt stark gestiegenen Zinsen.

Lehman lässt grüßen

Dabei könnte eine Entwicklung für noch größere Sorgenfalten bei Investoren und Bankern an der Wall Street, in der City of London und in Frankfurt hervorrufen. Denn wie schon vor der Weltfinanzkrise von 2008 wurden in den vergangenen Jahren erneut problematische Kreditverträge veräußert. Allerdings verbriefen diese nun keine faulen Hypotheken-Kredite, sondern Gelder aus dem Bereich der mit Fremdkapital finanzierten Firmenübernahmen. Stichwort: LBO = Leveraged Buyout. Kurz: Banken haben in den vergangenen Jahren in großem Stile Unternehmensübernahmen mit geringer Eigenkapitalbeteiligung finanziert. Mit den zuletzt stark gestiegenen Zinsen und den Problemen der Tech- und Start-Up-Branche drohen diese Kredite den Instituten nun auf die Füße zu fallen. Lehman lässt grüßen.

Problem LBOs

Schon vor einem Jahr gab es hier ernste Warnungen, auch im Rahmen eines Bloomberg-Artikels. Die Rede war von LBO-Finanzierungen im Umfang von vielen Milliarden und einer schwindenden Nachfrage bei Verkauf dieser Kredite. Beispiel: Alleine für die Übernahme des Software-Entwicklers Citrix Systems im Jahr 2022 sollen Credit Suisse, Bank of America und Goldman Sachs 15 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt haben. Nun bleibt abzuwarten, was zu diesem Thema noch an die Oberfläche gespült wird.

Steigende Credit Spreads

Derweil sind auch die Credit Default Swaps (CDS) im Bankensektor deutlich angestiegen, insbesondere die Prämien für Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall der Credit Suisse (siehe Tabelle unten). Hierbei handelt es sich aber um Daten vom gestrigen Dienstag. Im Umfeld der Lehman-Pleite stiegen die Werte im Bankensektor in der Breite auf über 400 Basispunkte an. Die weitere Entwicklung muss man nun beobachten.

CDS, Credit Default Swaps, Banken, Bankenkrise
Credit Default Swaps, Indikator für die Bankenbonität: Die angegebenen Basispunkte sind die Basis für die Versicherungsprämie, die der Versicherungsnehmer zu entrichten hat, um sich gegen einen Ausfall der Schuldverschreibungen des jeweiligen Unternehmens abzusichern. (Quelle: BNP Paribas; Deutscher Derivate Verband / Goldreporter)

Zentralbanken gewarnt

Die große Gefahr besteht aber darin, ebenfalls wie 2008/2009, dass sich die Banken untereinander nicht mehr trauen, die Branche erneut in eine Liquiditätskrise rutscht und ein flächendeckender „Bankenansturm“ womöglich Geldhäuser in den Bankrott stürzt. Die Zentralbanken werden diese Entwicklung mit großer aufmerksam verfolgen. Zur Not müssen die Märkte erneut mit jeder Menge Liquidität versorgt werden. Gepaart mit der großen Hoffnung, dass das Vertrauen in die Finanzinstitutionen auch diesmal nicht verloren geht.

Gold-Perspektive

Natürlich wird auch der Goldpreis weiter stark von dieser Entwicklung tangiert. Der Euro gab am Mittwoch erheblich gegenüber dem US-Dollar nach (-1,9 %). Dieser Umstand beflügelte Gold auf Eurobasis. Aber im Zuge einer Liquiditätskrise könnte erneut auch Edelmetall auf den Markt geworfen werden, wie schon 2008. Damals zogen Silber- und Goldpreis aber in den folgenden Jahren aber kräftig an, angesichts billionen-schwerer Rettungsmaßnahmen durch Zentralbanken und zusätzlicher  Schuldenaufnahme durch die Regierungen. Wie geht die Sache diesmal aus?

Goldreporter-Ratgeber

Genial einfach, sicher und günstig: Gold vergraben, aber richtig!

Was tun bei Goldverbot oder Goldengpass? Notfallplan für Goldanleger

Abonnieren Sie den kostenlosen Goldreporter-Newsletter und erhalten Sie den Spezial-Report "Vermögenssicherung mit Gold" (PDF) kostenlos! Weitere Informationen?

23 Kommentare

  1. Die Börsen-Indizes sind dunkelrot angemalt und folgen der Schwerkraft;
    was aber mit Sicherheit bald steigen wird, ist das FED-Balance-Sheet ,
    sobald Jerome Powell die $-Geld-Drucker auf „ volle Kraft voraus“ schaltet
    und wir das nächste „QE-5-Programm“ begrüßen dürfen.

    ᕙ(⇀‸↼‶)ᕗ ✌

    • Wenn die Notenbanken zur endgültigen Retten blasen wird es für Gold und vor allem Silber kein halten mehr geben.
      Dann dürfte der dümmste verstanden haben das dieses System nicht mehr zu retten sein wird.
      Allzeithoch im gold dürfte dann bald Geschichte sein…!

    • Sie haben jetzt die Möglichkeit, entweder retten sie alle, ergebniss hyperinflation. Oder ist ein totaler systemcrash vorgesehen.
      Beides möglich…
      Nach der C-Pandemie halte ich auch zweitbestes für möglich

  2. Die Credit Default Swaps [CDS] in Sachen Credit Suisse [CS] dürften bald, sehr bald noch sehr viel teurer werden.

    Die CS hat einen Hilferuf abgesetzt.

    Die Schweizer Zentralbank wird um ein Signal der Unterstützung gebeten. Auch die Schweizer Aufsichtsbehörde FINMA wird gebeten, sich zu äußern, um bitte bitte das Vertrauen zu stärken.

    https://www.bloomberg.com/news/articles/2023-03-15/credit-suisse-asks-swiss-central-bank-to-signal-its-support?srnd=premium#xj4y7vzkg

    Konfuzius sagt: Über dem Rettungsschirm ist nur noch der blaue Himmel.

  3. Diesmal wird es KEINE BANKENRETTUNG geben. Sie haben es damals gemacht und China hat das eingewilligt damals. Aber jetzt will CHINA mit am Tisch sein.

      • Nein. Da helfen nur Tabletten. Für den Otto Normalverbraucher empfehle ich Ag und Au vorwiegend in 1oz form.
        ____________________
        Jedoch bin ich kein Arzt und kein Apotheker.

  4. Ich war heute bisl wandern..
    Die Bank unterwegs sah gut aus!
    Massiv gebaut und keinerlei Personen die Teile von ihr verspekuliert oder weggenommen haben. Noch alles dran. :) Ich sass gut!

  5. Schlaumerei des Tages: wo kommt das Wort „Bankrott“ her ?
    Aus Italien, logisch !
    Aber anders, als Ihr denkt.
    In den Handelsstädten Italiens hatten im Mittelalter die Geldwechsler auf den Märkten ihre „Marktstände“, oft nur ein einfacher Tisch, die „Banca“.
    Wenn sie betrogen haben, kam die Marktaufsicht und hat diese Bank mit Schwert oder Axt zerschlagen.
    „Banca rotta“.
    So einfach.

    Manchmal wünsche ich mir, heute wäre die Bankenaufsicht auch so reaktionsschnell und „schlagkräftig“.
    Der betrügerische Geldwechsler hat damals auch was anderes bekommen als einen Millionen-Bonus.

    Neben dem Humor auch mal ein „negativer Gedanke“:
    Gestern war die normale Unzen-Münze schon zwischen 1930 (Degussa) und 1997 (Kettner).
    Noch so eine Woche und es gibt die Münze nicht mehr anonym.
    Dann müsst Ihr zum Urlaub nach felix Austria.
    Da es nur ordinäres Metall ist, gilt in der EU freier Warenverkehr, also (NOCH !) keine Transportbeschränkungen (Zuladung des Autos beachten !!).
    Aus CH dürft Ihr nix einführen.

  6. Na, das war mal ein Geschäft mi gestrig gekauften Credit Suisse Papieren. Bank gerettet und 20% im Plus.
    War aber klar und deutlich abzusehen.
    Und wieder nix mit System Ende.:)
    Jedoch, Gold hält sich noch wacker. Fragt sich, wie lange noch.

  7. Komisch, nicht ?
    Da steigen die Zinsen ganz ordentlich und die Aktien erholen sich nach anfänglichem Schock ebenfalls mit sage und schreibe 1.6%.
    Da ich mir nicht vorstellen kann, dass die Otto Normalverbraucher Anleger erst ihre Papiere aus dem Depot werfen um eine Sunde dieselben Papiere nun deutlich teurer wieder kaufen, muss es wss anderes sein ?
    Also, 3 mal darf man raten, wer nun die aus dem Depot geflogenen Papiere kurz vor Börsenschluss gekauft hat.
    Ich rate lieber nicht, sonst ergeht es mir wie Trevor, dem Schaaf.
    ( Sie wissen schon, dem mit dem Mann, dem Hund und der Verschwörungstheorie).
    Eigentlich hätte nun Gold runter gemusst, Sie wissen schon, das Narrativ mit den Zinsen, aber vielleicht überlegen es sich die Hausfrauen noch und verkaufen zum Betthupferl, wenn Sie wissen, was das ist.

    • @Maruti
      Morgen ist Freitag. (Der ohne Robinson.) Und Freitag ist Balkontag.
      The Gold-bug Anthem
      To honour the PPT (Plunge Protection Team)
      https://www.youtube.com/watch?v=9ETrr-XHBjE

      Oh, say can you see by the DOW’s early light
      How the gold-price we pressed at the twilight’s last gleaming?
      Gold-bugs‘ eyes popping out from the gold price’s plight,
      O’er the ounce price we watched, naked shorts are all streaming.
      Ev’ry bond, ev’ry share, bubbles bursting in air,
      Gave proof through the night that „Our Team“ was still there.
      Oh, say does that PPT hammer yet wave
      O’er the land of the freak and the home of the slave?

  8. @ Alle Silberfreunde: echt schlechte Nachricht aus dem Fraunhofer-Institut in Freiburg: die Jungs haben eine Methode erfunden (und schon patentiert), mit der man das Silber auf den PV-Zellen (für die Leiterbahnen) durch Kupfer ersetzen kann.
    Soll etwa 20 % der weltweiten Silberproduktion einsparen.
    Produktionsbeginn spätestens 2024.
    Patente sind gesichert, ein Spinn Off ist schon geründet. momentan geht es in die Umsetzung.

    Jetzt hilft nur noch eine Banken- und/oder Währungskrise.
    Schade, dass sowas völlig unrealistisch ist.

    • @Meister Eder

      Von dem Ersatz von Silber bei PV-Anlagen habe ich auch schon gehört. Ob dieses Verfahren in der langfristigen Praxis wirklich was taugt muss sich aber noch zeigen.

  9. Gestern Abend ist das passiert, worauf ich gerade noch gewartet habe: Olaf der Vergessliche war im Radio und hat versichert, dass unserer Bankeinlagen sicher sind.
    Na dann ist ja alles super.
    Blöd nur, dass er sich daran in 2 Wochen höchstwahrscheinlich nicht mehr erinnern kann.

    Jetzt warten wir also geduldig auf die finale Absicherung: Olaf S. und Christian L. am Sonntag Abend in den heute-Nachrichten und der Tagesschau mit der amtlichen Versicherung, dass alles unter Kontrolle ist und wir uns keine Sorgen machen müssen.
    Als Remake von IM Angela und Steinbrück, die weiland auch gelogen haben, dass sich die Balken biegen.
    https://www.ardmediathek.de/video/panorama/das-versagen-der-politik-in-der-bankenkrise/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS8yYjhlNWI5My00ZTQzLTQwNzUtOTdiNC1jNjJjZDExOWIxOTc

    Ist doch schön, wenn man sehen kann, wie sich in Krisen immer dieselben Verhaltensmuster wiederholen.
    SVP ist nur ein Einzelfall, logisch.
    First Republic auch.
    Das war Bear Sterns im Mai 2008 auch. Auch die wurden von einer Großbank „übernommen“, um die unvermeidliche Pleite zu vertuschen.
    Mitte September 2008 gab es damals den nächsten „Einzelfall“, Lehman.
    Ob die Credit Suisse so lange durchhält, oder sie noch von einem anderen großen Kandidaten überholt wird ?
    Ich hoffe ja immer noch auf die Deutsche Bank.

    Der Goldpreis liegt schön stabil auf dem nächsthöheren Treppchen. Sieht so aus, als würde die Gemeinde den Sprüchen der Politiker nicht trauen.

    Zwei Dinge nicht vergessen:
    1.) Irgendwer wird Olaf notfalls daran erinnern, dass es das SAG-Gesetz gibt.
    2.) Noch so eine Woche und es gibt die Standard-Unze nicht mehr anonym.

    Ein beruhigtes Wochenende an alle Goldbugs !

  10. Humor mit Zahlen:
    Gerade eben kostet der 1 OZ Krügerrand bei Degussa 1923 Euro.
    Ich habe einen Screenshot gemacht, für „später“.
    An was denkt Ihr bei der Zahl 1923 ?

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie Ihren Namen ein

Anzeige

Letzte Beiträge

 

Unsere Spezialreports und Ratgeber sind erhältlich im Goldreporter-Shop!

Anzeige