Sonntag,21.Juli 2024
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Gold-Rally: Das rätselhafte Verhalten der ETF-Investoren

Auch der jüngste Rekord-Reigen beim Goldpreis führte nicht zu einer Rückkehr von Investoren in den größten Gold-ETF. Im Gegenteil.

Goldpreis

Der Goldpreis hat sich nach der jüngsten Rekord-Rally zuletzt auf hohem Niveau etabliert. Aber es gibt bereits Anzeichen auf eine mögliche Konsolidierung, was nach einem solchen fulminanten Anstieg alles andere als ungewöhnlich wäre. Allerdings weist der Goldpreis im Vorwochenvergleich noch einmal eine Kursteigerung aus.

Denn am gestrigen Mittwoch ging der Goldpreis mit 2.180 US-Dollar pro Unze aus dem amerikanischen Futures-Handel (April-Kontrakt). Das entsprach 1.991 Euro. Damit ergibt sich ein Anstieg um 1 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent (in Euro) innerhalb der vergangenen fünf Handelstage.

Gold, Goldpreis, Goldbarren, Gold-ETF (Bild: Goldreporter)
Physisches Gold ist auf dem Weltmarkt stark gefragt, dagegen sehen wir weiterhin „Gewinnmitnahmen“ bei „Papiergold“-Investoren, wie im Falle des SPDR Gold Shares (GLD). Hier war die Metallbestände nun elf Wochen in Folge rückläufig und auch an der COMEX schwanden zuletzt die Vorräte.

Und auch der Silberpreis verzeichnete in diesem Umfeld weitere Kursgewinne. Denn innerhalb einer Woche verteuerte sich dieses Edelmetall um 2,7 Prozent oder 2,2 Prozent auf 25,16 US-Dollar beziehungsweise 22,97 Euro.

Gold-ETF nicht gefragt

Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis mittlerweile um mehr als 5 Prozent zugelegt. Aber trotz der positiven Goldpreis-Entwicklung in den vergangenen Wochen gibt es bislang kein Come-Back bei den ETF-Investments. Denn mittlerweile verzeichnet der größte dieser Gattung, der SPDR Gold Shares (US-Börsenkürzel: GLD) seit mittlerweile elf Wochen in Folge Kapital- und Metall-Abgänge.

So meldet der Betreiber per 13. März 2024 ein Inventar von 816,86 Tonnen Gold. Damit ergibt sich gegenüber Vorwoche eine weitere Abnahme um 0,58 Tonnen. Begleitet war diese Bestandsminderung von einem erneut erheblichen Abfluss an den Finanzmitteln. Denn Investoren zogen innerhalb einer Woche netto 435 Millionen US-Dollaraus dem ETF ab.

ETF-Eigenschaften

Pro ausgegebenem Anteilsschein muss der Fondsbetreiber eine Zehntel Unze Gold physisch einlagern. Allerdings gibt es oft eine zeitliche Diskrepanz bei der Meldung von Kapitalflüssen und Fondsbeständen. Auf dem Goldmarkt gibt es üblicherweise eine 2-Tages-Frist, in der physische Bestände nach einem Vertragsabschluss geliefert werden. Der GLD wurde eigentlich aufgelegt, um Investoren mit einem physische gedeckten Wertpapierprodukte eine Teilhabe an der Goldpreis-Entwicklung anzubieten.

Größter Silber-ETF

Parallel nahmen auch die Lagerbestände des iShares Silver Trust (SLV) weiter deutlich ab. Denn mit 13.028,40 Tonnen wurden im Vorwochenvergleich noch einmal 184,93 Tonnen Silber ausgebucht. Diese Entwicklung war begleitet von einem Nettokapitalabfluss in Höhe von 196 Millionen US-Dollar. Pro ausgegebenem Anteilsschein ist dieser Edelmetall-Fonds offiziell mit einer Unze Silber physisch gedeckt.

Gold, ETF, GLD, SLV, Silber, Bestände

Einordnung Goldpreis und ETFs

Vergangene Rallys bei Silber- und Goldpreis waren regelmäßig von deutlich steigenden Beständen in den entsprechenden Silber- und Gold-ETFs begleitet. Allerdings sind die Fonds-Bestände eher Nachläufer, die einem steigenden Silber- und Goldpreis mit zunehmendem Inventar folgen. Dann nämlich, wenn sich vor allem institutionelle Investoren über dieses Instrument („Papiergold“) auf dem Edelmetallmarkt positionieren. Abgesehen davon, erfreuten sich diese ETFs in den vergangenen Jahren steigender Beliebtheit unter jungen US-Anlegern, die Anteile über immer stärker verbreiteten Discount-Broker erwerben.

Aktuelle Situation

Die zuletzt Schwache Nachtrage im ETF-Sektor lässt sich zum einen auf anhaltende Gewinnmitnahmen zurückführen. Schließlich kann mit dieser Art von Wertpapier „Gold“ schnell auf Knopfdruck kaufen und verkaufen, was die spekulative Verwendung des Investments begünstigt. Und gerade jüngere Investoren scheinen nun verstärkt auf Bitcoin zu setzen, dessen Kurs auch seit Wochen in die Höhe schießt (aktuell: 73.370 US-Dollar pro Einheit). So kommt es mitunter zu Kapitalumschichtungen.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass physisches Gold auf dem internationalen Goldmarkt derzeit sehr gefragt ist und weiterhin große Mengen an Metall aus dem Westen Richtung Fernost abwandern – wo teilweise mehr für eine Unze gezahlt wird als an den Dollar-Börsen.

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17 Kommentare

  1. Für mich ist es verwunderlich, daß überhaupt in Edelmetall-ETFs investiert wird.

    Wenn man schon in Edelmetalle investiert – dann nur physisch!.
    Will man „zocken“, oder mit Hebeln handeln will bieten sich die Minenaktien an.

    Wenn man die COMEX (Papier-EMs) mit den Notierungen in Shanghai Exchange (physisch vorhandenes EMs) vergleicht, stellt man auch einige Diskrepanzen zugunsten der Shanghai-Exchange-Notierungen fest.

    • ich sehe das auch so. Noch dazu haben btc etf schon 60 Prozent der Gold etfs erreicht. Momentan wird halt lieber mit BTC gezockt statt mit Gold. Alles gut.

  2. Diese ETFs haben nichts mit Investment zu tun, sie wurden erschaffen, damit eine Minderheit eine ahnungslose Mehrheit bequem abzocken kann.
    Kann mir irgendjemand vernünftig erklären, wozu diese ETFs gut sein sollen ?
    Wenn jemand meint, damit Kleinanleger am Markt partizipieren können, betrachte ich das als Aprilscherz.
    Also, bitte, eine vernünftige Erklärung,
    meint maruti

    • @Maruti
      Sehr geehrter Herr Maruti
      Ihre Kritik an ETFs sind so nicht richtig.
      Wenn man einen Gold ETf z.b. in der Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank kauft, nimmt man an den Gewinnen oder an den Verlusten des Goldpreises teil. Der Gold ETF verursacht die gleichen Spesen wie ein Aktienkauf. Man muss also das Gold nicht physisch kaufen, die Lagerungskosten oder Probleme fallen weg.
      Der Gold und Silber und Platin ETF der ZKB sind hoch liquide und können jederzeit verkauft werden. Es sind Anleger die mit Edelmetallen spekulieren wollen. Auch eine physische Lieferung beim ETF ist möglich aber nicht empfehlenswert. Zu viel Spesen.
      Grüsse aus der Schweiz

      • @geronimo
        Sie sagen es ja, man nimmt teil an den Gewinnen und Verlusten. Man ist lediglich Teilnehmer. Alleine das Wort ssgt schon alles. Trilnehmer mit dem Glauben und der Hoffnung, dass sich alle Teilnehmer einschliesslich der Kantonalbank fair und auf Treu und Glauben verhalten, den Vertrag bedingungslos zu erfüllen.
        Das hört sich alles sehr schön an, alleine mir fehlt der Glaube, dass es tatsächlich so ist, in allen gegenwärtigen und zukünftigen Geschehnissen, bekannter und unbekannter Art.
        Gerade die heute und Bürgern „ unbekannte Art“ ist es, welche mir Sorgen bereitet.
        Ist schon merkwürdig, meine Unze am Meeresgrund bereitet mir weniger Sorgen.
        Wie gesagt, man muss halt glauben können.

  3. Das rätselhafte Verhalten von Goldhändlern:

    Anlagegold24.de verkauft den Krügerrand aktuell für 1.988 EUR und kauft ihn für 1.974,50 EUR an.

    Wann hat es so ein Verhältnis in der Vergangenheit gegeben? Eine Differenz von gerade einmal 0,0068%, weniger als1/1.00. Mit so einer Marge kann man wohl kaum die Kosten decken. Wollen die verkaufen, oder sammeln die ein? Vielleicht werden solche Händler bald sogar mehr bezahlen als einfordern? Pro aurum verlangt für diese Münze 2.095,50 EUR, gibt aber „nur“ 1.957,50 EUR bei Ankauf. Rätselhaft.

    • @Nivek:
      Erklärungsversuch: je bekannter ein Händler ist, desto höher kann er den Spread ansetzen. Die Masse der Käufer/Verkäufer kennt ihn und rennt eben dort hin. Ohne vorher online Preisvergleiche zu machen.
      Im Prinzip wie bei Tankstellen.
      Ich habe schon ewig nichts mehr bei Pro Aurum oder Degussa gekauft, weil die fast immer 50 Euro je Unze teurer sind als z.B. GVS.
      Beispiele von gerade eben: Krüger, verschiedene Jahrgänge
      2012 Degussa
      2040 GVS
      2032 Pro Aurum
      2194 Kettner (das habe ich noch nie kapiert, wer da einkauft)
      Da habe ich auch keine Erklärung für.
      Ein kleiner privater (wirklich seriöser, seit Jahrzehnten im Markt) Händler in München kauft zu 1980 an, er ist fast komplett ausverkauft.
      Seht Euch das an:
      goldstube24

      Fazit: es läuft.

        • @ Maruti
          Kettner hat diese Woche in einem Interview erklärt, daß bei ihm nur ca. 1 % der Kundentransaktionen Ankäufe sind.
          Es wird fast ausschliesslich Ware an Kunden verkauft.
          Mal sehen, ob echte Ware absehbar auch bei den großen Händlern knapp wird.

          • @meister eder
            bin ich dumm oder macht das einfach keinen Sinn?
            Goldstube hat kein Gold mehr zu verkaufen und bekommt kein Gold zum Ankauf von den Kunden. Ja wieso erhöhen die dann nicht die Ankaufspreise und die Verkaufspreise? Bedarf scheint ja da zu sein und Luft zu den anderen Händlern zum erhöhen ist auch da. Freier Markt und so.

    • @ Nivek Anlqgegold24 war schon immer etwas speziell ,sie hatten und haben die niedrigsten Verkaufspreise ,dafür aber auch die längsten Lieferzeiten.Zum Beispiel KG 2024 über 2 Monate aber man bekommt sein Zeug zum günstigen Preis.

  4. Habe da auch keine vernünftige Erklärung…
    Aber vllt. haben die AU-Interessenten ja erkannt, dass nur das „physische“ das „Wahre“ ist…??? Sollte es jetzt vermehrt zu Vernunftsentscheidungen kommen, wo einigen der instrinische AU-Wert bewußt wird…
    Was meint Maruti dazu?
    Der Dokta

    • @Golden Eye
      die Goldhändler gehören zu den commercials und
      haben meistens den Riecher.
      Wenn die die Unze 100 Euro unter dem Verkaufspreis ankaufen, dann ist höchste Vorsicht angebracht.
      Manche kaufen sogar noch unter dem Spotpreis an.
      man rechnet also in naher Zukunft mit fallenden Preisen.
      Und die Händler haben Twitter.
      Kein Händler kann es sich leisten, eine Unze zu 2.000 anzukaufen, wenn die anderen mit 1800 Euro rechnen.
      Und wenn sich die Händler irren ?
      Dann besser billig angekauft, ist immer profitabel.
      In solch einem Umfeld würde ich keine Unze zu solchen Preisen verscherbeln.
      Aber wenn jemand inbedingt heute noch einen Tüv braucht ?
      6 Monate ohne Tüv gibt lediglich ein Bussgeld von 60 Euro. Kann sich lohnen.
      Apropos verkaufen, wieso nicht privat.
      Mit vielleicht 50 Euro Abschlag und ohne Ausweis beiderseits. ?
      Manchmal kann die Bahnhofstrasse ganz nützlich sein, mal dort bei Alis Trödelladen nachzufragen.

      • Danke für diesen Gedanken lieber Maruti. Die Händler bzw. der Goldpreis haben ja noch vier Monate Zeit, bis sie mich wieder sehen. Darf ich fragen, was ist Ihre Preisprognose für den August?

  5. Bei all dem Für und Wieder physisches Gold, ETF, Aktien oder Kryptos mussman sich immer die Frage stellen und ehrlich beantworten:
    Weshalb horten alle Zentralbanken, Regierungen (und vermutlich auch Mächtige) dieser Welt ausschliesslich
    physisches Gold in solchen Mengen und stocken es auch noch auf ?
    Weshalb nicht stattdessen ETF, Aktien oder Bitcoins ?
    welche schnell handelbar und leicht aufzubewahren sind, bei deren eigenen Banken ?
    Maruti schliesst sich dem Grossbänker an, welcher sagte, mit physischem Gold kann man, wenn man will, seine eigene Zentralbank sein.

  6. @Goldington
    Die Goldstube ist (war ? ) ein reiner kleiner Familienbetrieb, der Eigentümer so um die 60 Jahre (plus x).
    Vielleicht gibt es da auch ein persönliches/gesundheitliches Problem.
    Kann das leider nicht prüfen, weil ich nicht mehr in der Nähe wohne.
    Im Optimalfall geht die Familie nach erfolgreichen Jahrzehnten im Geschäft auch einfach nur verdient in Rente.
    Gönnen würde ich es den Zöbeleins.

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