Freitag,09.Dezember 2022
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Goldpreis: Beschleunigter Ausverkauf am US-Terminmarkt

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Mit dem fallenden Goldpreis holen sich mehr US-Terminhändler das echte Gold am Vertragsende anstatt das Geschäft in bar auszugleichen. Das COMEX-Goldlager ist nunmehr neunzehn Wochen in Folge geschrumpft.

Goldpreis unter Druck: Die Spekulanten erhöhen ihre Netto-Long-Position auf Gold und der Metall-Abzug aus den COMEX-Goldlagern beschleunigt sich. 

Goldpreis unter Druck

Langsam muss man von einem kompletten Ausverkauf im Handel mit Gold-Futures sprechen. Während der Goldpreis vergangene Woche deutlicher unter die Marke von 1.700 US-Dollar abrutschte, wurden die Wetten auf weiter fallende Notierungen am US-Terminmarkt noch einmal aufgestockt. Wir betrachten die aktuellen CoT-Daten mit den Gold-Futures-Positionen der größten Händlergruppen an der COMEX per 20. September 2022.

CoT-Daten

Hier sank die Netto-Short-Position der „Commercials“ gegenüber Vorwoche um gewaltige 32 Prozent auf nur noch 75.428 Kontrakte. Auf der Gegenseite nahm die Netto-Long-Position der „Großen Spekulanten“ ebenfalls um nahezu ein Drittel ab auf 65.722 Kontrakte. Dabei verdoppelte die Untergruppe des „Managed Money“ (Hedgefonds, Investmentgesellschaften) noch einmal ihre Netto-Verkäufe gegenüber Vorwoche auf 36.695 Kontrakte. Damit standen diese besonders trendorientierten Spekulanten die dritte Woche in Folge in Sachen Goldpreis auf der Verkaufsseite.

Gold, CoT-Daten, Positionen, COMEX

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Short-Position des „Managed Money“

Gleichzeitig hielten sie die größte Netto-Short-Position auf Gold seit dem 27. November 2018. Damals war diese Gruppe mit 58.390 Kontrakten Netto-Verkäufer. Und seinerzeit gab es einen langen Zeitraum in dem diese Sondersituation vorherrschte. Auf dem Höhepunkt war das „Managed Money“ am 21. August 2018 mit 90.028 Kontrakten netto-short. Und diese Phase dieser Positionierung dauerte insgesamt 25 Wochen an von 26. Juni bis 11. Dezember 2018. Mit dem Jahreswechsel startete seinerzeit dann die große Gold-Rally, die den Goldpreis auch im Zuge der Corona-Krise von 1.200 US-Dollar mit Zwischenkorrekturen bis auf das 2020er Allzeithoch bei 2.069 US-Dollar beförderte.

Open Interest

Doch zurück zu aktuellen Geschehen. Open Interest, also die Summe aller offenen Gold-Kontrakte an der COMEX, stieg gegenüber Vorwoche um 1,2 Prozent auf 469.395 Kontrakte. Allerdings ging es bis zum Handelsschluss am gestrigen Freitag wieder um 0,4 Prozent zurück auf 467.540 Kontrakte.

Goldpreis-Entwicklung

Der Goldpreis im US-Futures-Handel beendete die Handelswoche mit 1.651 US-Dollar pro Unze (Dezember-Kontrakt). Damit kam der Kurs im Vorwochenvergleich noch einmal um knapp 2 Prozent zurück. Allerdings hatte der Goldpreis am Mittwoch und Donnerstag im Rahmen der jüngsten US-Zinsentscheidung noch Anstalten gemacht, über die 1.700er-Marke zurückzukehren. Am Freitag wurde der Kurs aber in den frühen Morgenstunden (MEZ) mit aller Kraft nach unten gedrückt (siehe Grafik).

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Goldpreis in US-Dollar, Wochenchart (5 Min.), Basis: US-Futures (Dezember-Kontrakt); Quelle: CME Group)

COMEX-Gold-Lager

Unterdessen sanken die Goldbestände in den COMEX-Tresoren in der neunzehnten Woche in Folge. Denn per 22. September 2022 summierten diese sich auf 26,77 Millionen Unzen. Damit wanderten weitere 360.000 (Vorwoche: -310.000 Unzen). Dabei fielen die zur sofortigen Auslieferung an Kunden verfügbaren Edelmetall-Bestände der Kategorie „eligible“ um rund 210.000 Unzen auf 13,63 Millionen Unzen.

Erkenntnis: Bei einem Open Interest von 467.540 Kontrakten wurden Ende der Woche insgesamt 46.754.000 Unzen Gold in Form von Standard-Futures gehandelt (100 Unzen pro Vertrag). Das heißt, der Gold-Futures-Handel an der COMEX war offiziell zu rund 57,2 Prozent mit entsprechenden Lagerbeständen gedeckt (Vorwoche: 58,2).

Lieferanträge

Diese Unterdeckung wird vom Börsen-Betreiber damit gerechtfertigt, dass nur ein Bruchteil der Futures-Verträge tatsächlich physisch abgewickelt werden. Das heißt, am Ende des Kontrakt-Monats schließen die Parteien ihre Positionen hauptsächlich per Barausgleich. Wie hoch der Anteil ist, kann man ebenfalls aus einer wöchentlichen Pflichtmitteilung ersehen.

So meldete die Börsenaufsicht CFTC in der ersten Woche des neuen Kontrakt-Monats nun 10.758 Anträge auf physische Auslieferung. Das heißt, vergangene Woche kamen 4.998 hinzu (Vorwoche: 1.878). Der Abzug von Goldbarren aus den COMEX-Lagern nimmt also an Tempo zu. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordmonat Juni 2020 wurden insgesamt 55.102 Anträge auf physische Gold-Lieferung eingereicht. Im vergangenen Monat waren es 33.716 „Delivery Notices“.

Einordnung Goldpreis / Short-Seller

Die extrem pessimistische Positionierung des „Managed Money“ am US-Terminmarkt hat sich in dieser Woche deutlich verschärft. Wie wir am Beispiel von 2018 oben dargestellt haben, dann sich eine solche Phase über einen längeren Zeitraum ausdehnen. Am Ende dieser Entwicklung haben wir in der Vergangenheit aber oft einen starken Goldpreis-Anstieg erlebt.

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7 Kommentare

  1. So ein beschleunigter Ausverkauf ist immer eine sehr gute Möglichkeit, seine Goldbestände aufzustocken.
    Man kann es nur immer wieder wiederholen:
    Je bärischer und bpessimistischer der Markt, desto günstiger der Goldkauf.
    Ist eben wie der Kauf von Winterjacken.
    Je heisser und trockener der Sommer im Juli, desto günstiger die kuschelige Winterjacke.
    Aber auch da muss man nicht den absoluten Tiefstpreis erwischen, denn, der August kann noch heisser werden und die Prognose vom September tropisch.
    Jetzt heisst es wirklich aufpassen und das Geld bereit zu halten. Wenn der Goldpreis unter 1600 rauscht, so gegen 1550, zuschlagen. Auch auf die Gefahr der 1480 Dollar.
    Denn es kommt auf den Europreis an. Der Dollar kann nicht lange so stark gegenüber dem Euro bleiben und spätestens da wird der Goldpreis in Dollar wieder rauf gehen. 1500- 1550 EUR für die Unze wären echte Schnäppchen in diesen unsicheren Zeiten.
    Man höre nicht auf Harry Dent und Co, welche demnächst von unter 1.000 Dollar oder sogar wieder mal von 480 Dollar reden.
    Das sind Fallen !

    • @Maruti
      Habe aus vertraulicher Quelle erfahren, dass ein bekannter EM Händler mit Geschäft mitten in der Innenstadt als Kundenservice ab 01.01.2024 eine neue Kooperation anbietet.
      Neuer Partner ist der Landmarkt Graf in Münsing am Starnberger See.
      Warum ?
      Graf hat eine befahrbare Waage, da kann man den PKW-Anhänger mit den Euroscheinen wiegen lasssen.
      Mit dem Wiegezettel kann man sich dann 20 Gramm oder mit Glück eine Unze Wertvolles in München abholen.

    • Die Frage ist ob der Euro in der jetzigen form überhaupt die nächsten 24 monate überlebt ,bleiben die Russland Sanktionen bestehen dann sehe ich schwarz und der schnelle Todesstoß würde kommen wenn die EU vasallen tatsächlich auch noch Sanktionen gegen China verhängen würden .

      So wie es jetzt momentan wirtschaftlich bergab in Deutschland geht muss man damit rechnen das jederzeit es zu Kapitalverkehrskontrollen ,Enteignungen und sonstige finanzielle repressionen kommt und wer sich nicht geschützt hat wird es definitiv bereuen . Der Denkfehler die die meisten machen ist das sie Gold als Investment betrachten und nicht als das ECHTE Geld und gar nicht realisieren dass das Falschgeld in ihrer Geldbörse kontiuierlich weniger wert und langfristig das ungedeckte Papier immer richtig Null bewegen wird während Gold über die Jahrtausende hinweg seinen Wert erhält .

      • Goldi:
        Fällt Deutschland, fallen die EU und der Euro mit. Allerdings wird man versuchen, diese Folge abzuwenden oder zu verzögern. Der Finanzbedarf wird enorm sein und den Staat überfordern. Dieser wird seine Bürger zur Kasse bitten. Natürlich wird das unangekündigt geschehen. Ich gehe davon aus, dass es ähnlich wie in Griechenland oder Zypern geschehen wird. Man wird die Konten einfrieren und die Guthaben bis zu einer gewissen Grenze einziehen. Ein Goldverbot ist m.E. ebenso naheliegend. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen EM-Preise geradezu ein Geschenk. Aber auch ungeachtet der Preise sollte man wohl die noch verbleibende Zeit nutzen und zukaufen.

    • @Maruti
      Kaffeesatzlesereien und Glaskugel-Meditationen sind das Eine.
      Mich beunruhigt eher das Tourette-hafte hinter diesen e w i g e n Dollar- und Euro-Milchmädchenrechnungen.
      Rechnungen, die ohne den Wirt gemacht werden, dem Geist in der Maschine des Finanzkapitalismus.
      Vollständig faktenfreie Kontemplationen.

      im Gras liegen

      Wärme
      auf der Haut
      spüren

      nicht
      denken
      aber ganz genau
      wissen

      Anke Maggauer-Kirsche (also leider nicht von mir ;-)

  2. Vom £$¥€-Währungs-Nachrichten-Ticker frisch auf den Tisch:

    Das Britische £ Pfund stürzt [ ] heute um bis zu 500 Basispunkte ab . . .
    (Quelle: Zerohedge)
    [Wechselkurs £ : $; Anm.d.Finanzred.] und damit
    auf den tiefsten Stand seit 1985,
    (hier mehr.)

    Blick auf die Italien-Wahl: Postfaschisten unter Meloni stehen vor absoluter
    Mehrheit; im EZB-Tower herrscht Schnappatmung und „Krisenstimmung“.
    ☭ (·̿Ĺ̯·̿ ̿) ⚡

  3. Ich sehe den BESCHLEUNIGTEN Ausverkauf vor allem beim DAX und ein Ende ist nicht abzusehen.Werde noch Telekom vetkaufen und dann sind nur noch Au-Minen übrig.Beim DAX steige ich dann bei 3000 wieder ein dad ist ne faire Bewertung.

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