Mittwoch,28.September 2022
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Goldpreis: Dieser Termin kann die Märkte erschüttern!

Die EZB muss in dieser Woche energisch handeln. Aber wie reagieren Goldpreis und Aktienmärkte auf eine womöglich kräftige Leitzinserhöhung in Europa?

Gold, Euro, Goldpreis, EZB (Foto: Goldreporter)

Von Jürgen Fröhlich

Goldpreis

Erneut steht eine womöglich richtungsweisende Handelswoche an. Denn der Goldpreis befand sich zuletzt knapp oberhalb von 1.700 Euro vor einer wichtigen technischen Unterstützung. Und die Ereignisse der kommenden Tage können das Währungsgefüge und damit auch Edelmetalle und Aktienmärkte ordentlich durcheinanderwirbeln.

EZB in Zugzwang

Die Europäische Zentralbank ist in Zugzwang. Die Inflationsrate im Euroraum hat im August mit 9,1 Prozent ein neues Rekordkoch erreicht. In den USA werden weitere kräftige Zinserhöhungen erwartet. Schon jetzt liegt die Federal Fund Rate mit 2,25 bis 2,50 Prozent deutlich über den aktuell 0,5 Prozent im Euroraum. Und für den 21. September wird ein weiterer Schritt von mindestens 50 Basispunkten erwartet. Das Zinsgefälle belastet den Euro und verteuerte die Importe hierzulande. Der Goldpreis in Euro profitiert von der Schwäche der Gemeinschaftswährung. Besser: Der Euro werte gegenüber Gold ab, genauso wie gegenüber vielen anderen Währungen wichtiger Industriestaaten.

Großes Dilemma

Aber mehr noch als die Fed steht die Europäische Zentralbank vor einem riesigen Dilemma. Denn angesichts zahlreicher Belastungsfaktoren droht eine schwere Rezession. Während der Präsident der US-Notenbank zuletzt deutlich machte, dass man die Inflation auch auf Kosten einer sich abschwächenden Wirtschaftsleistung bekämpfen will, steht die EZB diesbezüglich vor eine viel größeren Problem. Denn die Eurozone besteht aus vielen unterschiedlich leistungs- und belastungsfähigen Volkswirtschaften. In den vergangenen Jahren hat sich die EZB vor allem bemüht, die Wirtschaft am Laufen zu halten und Kosten der Staatsfinanzierung einzudämmen.

Immer schon wollten die am Hebel sitzenden EZB-Geldpolitiker höhere Inflation. Der Vorteil: Sie reduziert die Last der enorm gestiegenen Verschuldung. Jetzt soll sie plötzlich ihr eigentliches Mandat erfüllen und die Zinsen (möglichst kräftig) anheben? Um die Inflation zu bekämpfen und den Außenwert des Euro zu stärken.

EZB-Entscheidung

Am Donnerstag um 14:15 Uhr ist es soweit. Und die Frage lautet nur noch: Wie hoch werden die Zinsen im Euroraum steigen? Eine Anhebung von 50 Basispunkte reicht schon lange nicht mehr aus, um die Markterwartungen zu treffen. Im Gegenteil, es wäre eine große „Enttäuschung“. Denn mittlerweile werden unter Analysten Zinsschritte von bis zu 1 Prozent gehandelt.

Wie reagiert der Goldpreis?

Wie kann der Goldpreis auf die verschiedenen Szenarien reagieren? Meine Einschätzung: Jede Zinsentscheidung unter einem Prozent wird den Euro weiter schwächen. Sollte es tatsächlich 125 Basispunkte werden, ist mit einem kräftigen Börsenbeben an den europäischen Märkten zu rechnen. Der Euro könnte in eine Rally übergehen, der Goldpreis in US-Dollar steigen oder seitwärts laufen und die Euronotierung des Edelmetalls unter Druck geraten.

Nervöse Märkte

Ich gehe aber davon aus, dass die Märkte in jedem Fall kräftig reagieren werden, egal wie das Sitzungsergebnis ausfällt. Denn die Investoren sind nervös und solche feststehenden Termine dienen immer wieder dem Spannungsabbau. Und erst kürzlich haben wir dafür ein eindrucksvolles Beispiel erhalten.

DAX, Future, 02.09.22, Tageschart
Nervöse Märkte: DAX-Future (L&S-Indikation) am Freitag, den 2. September 2022. Erst kam die Euphorie und dann die Panik (Quelle: GodmodeTrader).

Am vergangenen Freitag kam es in Europa zunächst zu einer kräftigen Aktienmarkt-Rally. Erst ging die Angst unter Anlegern um, etwas zu verpassen – begleitet von einem „Short Squeeze“, weil mittlerweile viele Investoren auf der Verkaufsseite positioniert sind. Aber dann führte die Ankündigung von Gazprom, gar kein Erdgas mehr durch die Nordstream-1-Pipeline zu schicken, zu einer panikartigen Gegenbewegung beim DAX-Future. Denn erst ging es mit dem Index im Tagesverlauf um mehr als 300 Punkte oder 3 Prozent nach oben, um dann nach 18 Uhr bis zum Handelsschluss wieder um 350 Punkte abzustürzen.

Zerreißprobe

Das EZB-Statement und der Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde eine dreiviertel Stunde nach der Zinsentscheidung kann für die kommenden Wochen richtungsweisend sein. Geht der Euro in eine Rally über oder erleben wir jetzt einen richtigen Ausverkauf? Es steht viel auf dem Spiel. Und dessen ist man sich auch im Frankfurter Bankenturm bewusst. Somit wird es spannender denn je.

Goldpreis in Gefahr?

Auch für den Goldpreis kann diese Woche richtungsweisend sein. Der Goldpreis am Spotmarkt notiertem am Montagvormittag um 8:00 Uhr mit 1.713 US-Dollar pro Unze. Das entsprach 1.732 Euro. Damit konnte das Edelmetall gegenüber Vorwoche wieder etwas Boden gutmachen. Dagegen rutschte der Euro noch stärker ab auf Kurse unter 0,99 US-Dollar. In Zeiten steigender Unsicherheiten ist Gold zwar gefragt. In diesem Kontext wird die Geldpolitik in dieser Woche bemüht sein, das Vertrauen in den Euro und damit in die eigene Institution zu stärken. Dabei ist ein steigender Goldpreis sicher hinderlich. Insofern hat dieser Termin auf die ein oder anderen Weise das Potenzial, die Märkte zu erschüttern.

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16 Kommentare

  1. Dilemma der EZB ist noch milde ausgedrückt.
    Wenn die Hütte lichterloh brennt und die Feuerwehr verzweifelt versucht, wenigstens die Nachbarhäuser zu retten, kann man wohl nicht mehr vom Dilemma reden.
    Die Katastrophe, lange als Verschwörungs Ideologie oder
    Doomday Gesülze abgetan, wird nun Wirklichkeit.
    Jeder Einzelne von uns wurde (hier sowieso) informiert und hätte vorsorgen können. Viele aber haben nur gelacht und meinten es wäre Geschwurbel und Panikmache.
    Doch jetzt, wo der Bademeister das Wasser ablässt, wird jedermann sehen können, wer nackt geschwommen ist.
    Nun kommt die Quittung und es ist Zahltag, liebe Leute.
    Das werden auch noch so viele Entlastungspakete nicht verhindern.
    Es passiert genau das, was sich offenbar SPD und Grüne immer wünschten. Die meisten werden viel, viel ärmer und die ohnehin schon Super Reichen noch viel reicher.
    Die klassische Umverteilung von Unten nach oben beginnt zu galoppieren und wird eine neue Sklavenwirtschaft installieren.
    Für die anderen, welche klug genug waren, seit etwa 1998 vorzusorgen, könnte noch mal die Gelegenheit kommen, die Goldvorräte günstig aufzustocken, bevor alles auseinander fällt und eine neue Weltordnung geschaffen wird. Hierarchisch und streng.
    In weniger als 2 Jahren wird Deutschland ein anderes Land sein. Eines, welches sich selbst die kühnsten Pessimisten nicht zu erträumen wagten.
    Oder auf den Punkt gebracht: „Aus die Maus“.

  2. Theoretisch ist alles drinnen, aber eben nur theoretisch.
    Wie sagte mal mein militärischer Ausbilder:
    Das war bisher alles Theorie, jetzt kommt die Praxis.
    https://www.goldseiten.de/artikel/550553–Gold—Es-wird-wieder-haarscharf.html
    Dazu kommt noch das Euro/Dollarverhältnis. Glücklicherweise hat das bisher immer die schwersten Verwerfungen beim Dollarpreis etwas abgefedert.
    Somit sind Preise unter 1700 EUR beim Gold für denjenigen, welcher nicht so genau auf den Pfennig achten muss, akzeptabel und beim Silber so 18 Euro.
    Pfennigfuchser allerdings sollten es riskieren auf Preis um 1600 EUR bei Gold und 16 EUR beim Silber zu hoffen.
    Aber spätestens dann gnadenlos und beinhart zuschlagen.:).
    https://m.youtube.com/watch?v=Pmi0XqTlEY8

    • Maruti:
      Die genannten Preise versehe ich für mich mit einem Fragezeichen. Im Frühjahr 2020 gab es nur ein kleines, für Käufer interessantes Zeitfenster. Dann erhöhten die Händler die Aufpreise und die Nachfrage durch private Käufer nahm merklich zu.
      Dennoch ist im Frühjahr 2020 nur ein Bruchteil des privaten Sparvermögens auf den Markt geworfen worden. Geht man davon aus, dass kommende Ereignisse die Menschen in finanzieller Hinsicht sehr viel stärker betreffen werden als es bei der Corona-Krise der Fall war, so ist es wahrscheinlich, dass eine Geldlawine in Bewegung gerät. Gut möglich, dass dann alles gekauft wird, was werthaltig und -beständig ist. Dann wird die Preisdrückerei nicht mehr funktionieren und Angebot und Nachfrage werden den Preis bestimmen.

    • @ Maruti

      Ich hatte am 1 September hier im Forum geschrieben, US$ 1680 sind ein sehr starkes Postament und wird vom Kartell aus gutem Grund respektiert, was aber nicht heißt, dass 1680 die Untergrenze des Möglichen darstellt. Ein, wenn auch nur kurzer Durchbruch dieser magischen Linie stellt vermutlich den Startschuss für eine sehr, sehr langfristige Aufwärtsbewegung dar. Wann dies passieren wird, ist allerdings noch unklar.
      Aus diesem Grund erscheinen mir US$ 1600 mir zwar möglich, aber doch eher unwahrscheinlich zu sein.

      • @derSchrauber
        @Racew
        Nachdem, was die letzte Zeit so passiert ist
        ( Ich meine die letzten 12 -14 Jahre), scheint mir absolut nichts mehr Unmöglich.
        Ich meine, wer es sich leisten kann, soll auf das sog. Unmögliche pfeifen und jetzt Gold oder Silber kaufen.
        Wer sich jedoch nicht zu den Betuchten zählt, soll einfach abwarten, derweil es dann ohnehin schon egal ist, wenn Gold noch teurer wird.
        Und statt dessen lieber lebensnotwendige Dinge speichern.
        Welche man durchaus gegen Gold eintauschen wird können.

  3. @GR

    Im letzten Absatz des Artikels würde ich gerne einen kleinen „Schreibfühler“
    korrigieren:
    Damit konnte das Edelmetall gegenüber Vorwoche wieder etwas Biden
    gutmachen.“

    Sollte der Begriff „Biden“ jedoch eine mir unbekannte Maßeinheit sein, betrachten
    Sie bitte meinen „Besserwisser-Kommentar“ als gegenstandslos.
    (>‿◠)✌

  4. Ich glaube nicht, das kurz vor oder nach der Ezb sitzung viel mit den Gold und silberkursen passieren wird, unmöglich ist in dieser zeit aber nichts. Viel eher glaube ich das wir ab
    mitte – ende Oktober einen massiven Bullenmarkt erleben werden, Gold wird deutlich die
    2000 € oder $ überschreiten, Silber etwas zäher aber um die 25. Die leute stellen fest das das dritte oder achte entlastungspaket nicht wirklich wirkt, die hütte wird kalt und der kühlschrank leer. Die Fiathalter sind dann jedoch im vorteil, lassen sich die bunten Baumwollzettelchen wunderbar als brennstoff verwenden….

    • @Klapperschlange
      In Euroland ist das ganz einfach:
      Ita hat eine Staatsanleihe von 100 plus 1 % Zins draußen.
      Bevor die getilgt wird, nimmt man eine neue zu 110 auf und versenkt sie bei der EZB.
      Nach einer Zinserhöhung nimmt man dann eben eine neue zu 130 oder 150 auf und versenkt die bei der EZB.
      Märchenland.
      Irgendwann bekommt man dann 3 Euro für den Franken, dann 30 , dann 300…..
      Alles schon mal da gewesen.

  5. https://www.reuters.com/world/europe/eu-voices-concern-over-turkeys-hostile-remarks-against-greece-2022-09-05/
    Das hat uns noch gefehlt zum Glücklichsein. Am besten noch einen 2. Krieg in Europa. Nur zur Erinnerung: Ihr wißt ja, was ich arbeite. Die Asylheime in Deutschland sind proppenvoll; es kommen grad mehr Leute ins Land als 2015. Was jetzt kommt, muß mangels Quartieren in kommunalen Wohnungen untergebracht werden. Dre zu erwartende EM-Preisanstieg interessiert mich da nur am Rande. Gestern fleißig Birnen gepflückt und gesammelt, heute früh in der Mosterei abgeliefert und weitere 38 Saftbomben á 5 Liter mit jahrelang haltbarem Saft eingekellert. Werde in der Lage sein, was zu trinken gegen was zu essen zu tauschen.

  6. Nun wird sich zeigen, ob die 1700 Dollar halten.
    Wie der Schrauber geschrieben hat, dürften die 1680 zum Wochenschluss ? nicht wesentlich unterschritten werden.
    Geschieht das, kann man sich mit Fug und Recht auf 1620/1640 Dollar einstellen. Darunter ist alles offen.
    Ukunda meinte noch vor einem halben Jahr, die 1640 wären noch nicht vom Tisch.
    Wie gesagt, wer Bauchgrimmen hat, ob der allgemeinen Lage in Ost und West, sollte jetzt nachkaufen.
    Wer keines hat, kann das Richtung Jahresende abwarten.
    Doch dann, was dann ?
    Man kann noch so viele Analysen tätigen und lesen, zerreden, zerkleinern, um und aufarbeiten.
    Es ändert nichts an der Tatsache, dass nicht der Mensch regiert sondern eine höhere Macht.
    Man kann auch ewig warten und zaudern, irgendwann erledigt sich nahezu jedes Problem von selbst.

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