Montag,29.November 2021
Anzeige

Inflation: Wie uns der Cantillion-Effekt ruiniert

„Die Inflation ist temporär“, behaupten die Zentralbanken, aber nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Immerhin speisen sie die Geldflut selbst mit ihren unermüdlichen Druckerpressen. Sie sind die Ursache des Problems.

Von Philippe Herlin

Steigende Verbraucherpreise

Der Großhandel erwartet einen Anstieg des Preisniveaus im Lebensmittelsegment, wie aus einem Artikel von Le Figaro hervorgeht. Michel-Edouard Leclerc, Vorsitzender einer Supermarktgruppe mit gleichem Namen, hat das präzisiert und von einem „verdammten Preisanstieg bereits in diesem Monat“ gesprochen. Man braucht sich darüber nicht zu wundern. Eine der wenigen Wirtschaftstheorien, die tatsächlich funktionieren, hat diese Entwicklung bereits vorausgesagt: Der Cantillon-Effekt.

Cantillon-Effekt

Richard Cantillon (1680-1734) war ein Financier und Ökonom irländischer Herkunft, der in Frankreich ein Vermögen gemacht hat, da er den Zusammenbruch des Geldsystems von John Law (dem Erfinder des Papiergeldes) voraussah. Er setzte sich mit der großen Inflation des 16. Jahrhunderts auseinander, die eine Folge der beträchtlichen Mengen an Gold war, welche nach der Eroberung der Neuen Welt nach Europa flossen. Er erklärt – und das ist das Interessante an seiner Analyse – dass sich die Preiserhöhungen nicht gleichmäßig, sondern in Wellen vollzogen.

Die Zunahme des Goldangebotes, die für die damalige Zeit erheblich war, geht auf den spanischen König Philipp II. zurück, der das Gold hauptsächlich in die Aufrüstung investiert, namentlich in den Bau der Spanischen Armada, die der britischen Marine die Stirn bieten soll. Die Flut an neuen Aufträgen lässt die Preise im Rüstungssektor steigen und vergrößert damit den Reichtum der Fabrikanten und in einem geringeren Maße auch den der Zulieferer (Holz, Eisen). Dies setzt sich mit abnehmender Intensität weiter fort, bis zum Agrarsektor am unteren Ende der Leiter. Der Bauer, der Bretter und Nägel für die Reparatur seines Karrens kaufen möchte, stellt fest, dass die Preise gestiegen sind, ohne dass er seine eigenen ebenfalls erhöhen konnte. Er macht folglich einen Verlust. Wenn dann schließlich auch in der Landwirtschaft die Preise steigen, zieht die Teuerung im Rüstungssektor umso stärker an, da der Zufluss an Edelmetallen anhält. Die Preisstruktur wird so kontinuierlich deformiert: zum Vorteil derer, die dem Goldzufluss nahestehen, und zum Nachteil derer, die sich am Ende der Kette befinden. Der Wohlstand der einen steigt, während der Wohlstand der anderen sinkt. Das ist der Cantillon-Effekt.

Quelle des Reichtums

Welche Verbindung besteht nun zu den heutigen Entwicklungen? Wir beobachten das gleiche Phänomen. Die Quelle des Reichtums ist heute nicht das Gold der Inka, sondern das Geld der Notenbanken. In den USA, in Japan und in Europa haben die Zentralbanken seit der Finanzkrise 2008 beschlossen, ihre Leitzinsen auf etwa 0 % zu senken und eine Geldpolitik der „quantitativen Lockerungen“ (Quantitative easing) zu betreiben, welche darin besteht große Mengen Staatsanleihen aufzukaufen, um die Finanzierung der Haushaltsdefizite zu erleichtern, die im Zuge der Corona-Krise explodiert sind. Von dieser Geldflut profitieren vor allem die Banken und der Finanzsektor im Allgemeinen (dessen Umfang im Verhältnis zum BIP unaufhörlich wächst), deren Hauptanlageklassen (Aktien und Anleihen) und die bankenfinanzierten Branchen (Immobilien).

Asset Price Inflation

An den Finanzmärkten macht sich die Inflation schon seit Langem bemerkbar (Aktien- und Immobilienmärkte), doch nun erreicht uns die letzte Welle des Cantillon-Effekts mit Preisniveausteigerungen bei alltäglichen Konsumgütern (Energie, Lebensmittel, langlebige Gebrauchsgüter). Die Rohstoffproduzenten, die angesichts der Druckerpressen der Zentralbanken einen Kaufkraftverlust befürchten, beschließen ihre Preise zu erhöhen und die Inflation hält Einzug in allen Branchen.

Inflation kommt in Wellen

Richard Cantillon lehrt uns, dass sich Inflation nicht gleichmäßig ausbreitet, sondern in Wellen. Dies beinhaltet auch eine Deformierung der Preisstruktur, die keine Folge realwirtschaftlicher Gegebenheiten, sondern vielmehr ein monetäres Phänomen ist. Die Preisen senden daher fehlerhafte Informationen aus, was wiederum Mini-Blasen (Erdgaspreise), Versorgungsengpässe (Halbleiter) und eine ganze Reihe von Störungen in der Wirtschaft hervorruft.

„Die Inflation ist temporär“, behaupten die Zentralbanken, aber nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Immerhin speisen sie die Geldflut selbst mit ihren unermüdlichen Druckerpressen. Sie sind die Ursache des Problems. Die Inflation und ihre schädlichen Auswirkungen sind daher noch lange nicht aus der Welt geschafft.

Quelle: de.GoldBroker.com

Philippe Herlin ist ein Finanzanalyst und Doktor für Wirtschaftswissenschaften beim Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris. Als Befürworter von Risikotheorien, wie sie von Vordenkern wie Benoît Mandelbrot und Nassim Taleb entwickelt wurden, und als Verfechter der Österreichischen Wirtschaftsschule wird er seine Ansichten zur aktuellen Krise, zur Eurozone, zur Staatsverschuldung und zum Bankensystem einbringen. Nachdem er bereits ein Buch zum Thema Gold geschrieben hat, welches heute ein Standardwerk der Branche ist („L’or, un placement d’avenir“, Eyrolles 2012), hofft er, dass das Edelmetall in unserer Wirtschaft künftig wieder eine bedeutendere Rolle einnehmen wird, bis hin zur vollständigen Monetarisierung.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen im Rahmen von Gastbeiträgen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Goldreporter dar.

Goldreporter

Abonnieren Sie den kostenlosen Goldreporter-Newsletter!

Genial einfach, sicher und günstig: Gold vergraben, aber richtig!

Was tun bei Goldverbot oder Goldengpass? Notfallplan für Goldanleger

24 KOMMENTARE

  1. Anzeige
  2. Und tatsächlich:
    in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens sind Preiserhöhungen feststellbar;
    nicht nur die Höhe der Bußgelder explodiert (neuer Bußgeldkatalog),
    sondern auch
    die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte sind im September 2021 um
    13,3 Prozent höher gewesen als im Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische
    Bundesamt (Destatis) am Montag mit.“

    Gestiegene Preise gegenüber dem Vorjahresmonat September:

    Raps: ……………………………..…….+49,2 Prozent
    Speisekartoffeln: …….……….+35,5 Prozent.
    Getreidepreise:…………..……. +34,4 Prozent
    Salat: Salat:…………….…………..+ 38,3 Prozent
    Schnittblumen:…….……………+20,6 Prozent
    pflanzliche Erzeugnisse:..+21,9 Prozent
    Rindfleisch:…………….……………+20,1 Prozent
    Milch:…………………….……………….+13,1 Prozent
    Tanken und Heizen:………….+23,3 Prozent
    usw.

    Für alle Hausfreunde und „Kupferstecher“ noch ein Chart für den Kupferpreis:

    https://stockcharts.com/h-sc/ui?s=%24COPPER&p=D&st=2020-03-25&id=p82632271015

    Für die „Baumwoll-Fetischisten“ und Notenbanker wird bald die Stunde
    der Wahrheit kommen: die Ursache für die weltweit zunehmende Inflation
    (Tsunami-Geldflut der Notenbanken) läßt sich nicht mehr verleugnen,
    weil im Banker-Jargon „vorübergehend“ bzw. „temporary“ nicht nur
    3-6 Monate, sondern eben auch 2-3 Jahre bedeuten kann.

    Der „zaghafte“ Versuch der US-Notenbank, die Anleihenkäufe ab diesem
    Monat um „schlappe“ $10 Milliarden USD zu reduzieren, wird durch
    die täglichen Anleihenkäufe von durchschnittlich 80 US-Banken
    im Umfang von ~$1,4 BILLIONEN USD („Reverse REPO-Markt“) ad
    absurdum geführt . . .

    (≖᷆︵︣≖)✌

  3. @Klapper
    Habe bei meiner täglichen Fahrradstreunerei
    wieder beim Fahrradhändler reingeschaut:
    Ab Januar neue Preiserhöhung 15%, obwohl
    schon im Laufe des Jahres um 35% erhöht
    wurde.
    Positiv ist, daß ich keine Blumen esse und daß
    unsere Wintergäste, die Silberreiher wieder da
    sind.

  4. Die Inflation ist leicht zu bekämpfen. Jeder von uns kann das. Fas Motto lautet wie schon vor 10 Jahren:
    Konsumverweigerung und Geiz ist geil.
    Man braucht kein Getreide, Salat oder Gurken im Winter.
    Auch keine Milch oder Rindfleisch.
    Und Tanken ? Auto stehen lassen. Heizen ?
    Nicht jedes Zimmer muss beheizt werden.
    All das geht, man muss sich nur Gedanken machen.
    Und all diese elektronischen Schnickschnacks, wie Vernetzung der Kaffeemaschine mit dem Kühlschrank,Internet rund um die Uhr, überall Netzteile hängen haben und alle Geräte auf Standby, all das weg damit.
    Wusste hie jemand, dass eine angeschlossene 3 Fach Steckerleiste auch dann Strom verbraucht, wenn alle drei
    Zugänge gar nicht angeschlossen sind ?
    Nein ? Kapazitive Blindleistung nennt sich das.
    Also, Rotstift ansetzen und den Inflations Kartellen den Finger zeigen. Die wollen sich nämlich nur billig entschulden.
    Ich werde meinen Maruti ab sofort solange weiter fahren, bis denen die Tränen kommen. Zur not auch ohne deutschen Tüv. Mit Maltesischem Kennzeichen.

    • @Maruti,
      Normale Haushalte müssen Blindleistung nicht zahlen, weil die Zähler diese nicht messen. Nur die Wirkleistung muss entrichtet werden. Sind wir einmal froh drum, sonst müssten wir alle Blindleistungskompenstion in unsere Haushalte installieren. Aber ja, übermässige Blindleistung ist trotzdem nicht gut. Ich empfehle bei einer Steckerleiste mit festgestelten kapazitiven Anteil, mit dem Zuleitungskabel eine Spule zu wickeln. Am besten das Kabel direkt um einen Metallstab aufwickeln und selbigen zu einem Ring biegen. Der induktive Anteil könnte dann mit viel Glück den genannten kapazitiven Anteil etwas kompensieren. Vorteil: Keine Rückwirkung auf das Netz und der Nachbar ist ob des schönen Sinus glücklich ;-) Aber Vorsicht, keinen Schwingkreis mit genau CosPhi=1 bilden, sonst gibts Überspannungen.
      PS: Wer gleubt, das Netz hat einen perfekten Sinus, der soll sich das Geschwurbel einmal zeigen lassen. Man müsste eigentlich das alte ironische Sprichwort ergänzen: „Der Strom kommt perfekt aus der Steckdose“

    • @Toto

      Exellente Idee, zurück ins Mittelalter oder am Besten gleich in die Eiszeit, Konsequenz ist in diesen schweren Stunden schließlich oberstes Gebot . Hungern und frieren oder am Besten gleich verhungern und erfrieren, was macht das schon, wenn wir damit den Geldwert stabilisieren können.
      Denn der Kapitalismus muss leben auch wenn wir sterben müssen.

      Oder für Freunde der gehobenen Lyrik

      Und wenn wir verhungernd erfrieren
      und alles in Scherben fällt,
      denn heute zerstören wir Deutschland
      und morgen den Rest der Welt.

      Eines hab ich noch, aber das ist nicht von mir

      Knigge für Unbemittelte

      Ans deutsche Volk, von Ulm bis Kiel:
      Ihr esst zu oft! Ihr esst zu viel!
      Ans deutsche Volk, von Thorn bis Trier:
      Ihr seid zu faul! Zu faul seid ihr!

      Und wenn sie auch den Lohn entzögen!
      Und wenn der Schlaf verboten wär!
      Und wenn sie euch so sehr belögen,
      dass sich des Reiches Balken bögen!
      Seid höflich und sagt Dankesehr.

      Die Hände an die Hosennaht!
      Stellt Kinder her! Die Nacht dem Staat!
      Euch liegt der Rohrstock tief im Blut.
      Die Augen rechts! Euch geht’s zu gut.

      Ihr sollt nicht denken, wenn ihr sprecht!
      Gehirn ist nichts für kleine Leute.
      Den Millionären geht es schlecht.
      Ein neuer Krieg käm ihnen recht,
      So macht den Ärmsten doch die Freude!

      Ihr seid zu frech und zu begabt!
      Seid taktvoll, wenn ihr Hunger habt!
      Rasiert euch besser! Werdet zart!
      Ihr seid kein Volk von Lebensart.

      Und wenn sie euch noch tiefer stießen
      und würfen Steine hinterher!
      Und wenn Sie euch verhaften ließen
      und würden nach euch Scheiben schießen!
      Sterbt höflich und sagt Dankesehr.

      Erich Kästner:

      • @Krösus
        So gut wie Erich Kästner bin ich nicht. Die Relotius-Hymne

        Es zittern die morschen Knochen der Welt vor der großen Lüg‘.
        Mit der Wirklichkeit ham‘ wir gebrochen, für uns war’s ein großer Sieg.
        Wir werden manipulieren bis alles in Scherben fällt.
        Denn heute verblöden wir Deutschland und morgen die ganze Welt.
        Wir werden manipulieren bis alles in Scherben fällt.
        Mit „heute“ verblöden wir Deutschland, mit BILD und mit Springers WELT.

        • @WS ich habe den Jahreswechsel 1978 miterlebt wohnend in der Nähe des Krafterk Boxberg.Mit der heutigen überelektronisierten Weicheitechnik wäre nach Dauerregen gefolgt von 20 Grad minus innerhalb 12 Stunden für einen Monat Schicht im Schacht.Bis die die Autobahnen frei von ausgefallenen LKW bekommen würden wäre es Frühling.

      • @Krösus
        Ob Sie es nun glauben oder nicht, in einer Inflation werden Sie den Gürtel enger schnallen müssen.
        100%. Da verwette ich das Nachthemd meiner Erbtante.
        Sie werden schon sehen.

    • @Eifelgold
      Sicher, das wäre dann freie Energie, also solche umsonst.
      Natürlich kostet das und Sie bezahlen die auch.
      Nennt sich Grundgebühr.

  5. @Dummkof 2
    Ahrtal : Sicher begrenzt lokal war das eine Katastrophe, insbesondere, weil die Verantwortlichen die 4 Tage vorher bereits bekannten Warnungen nicht an die Menschen weitergegeben haben.
    In den USA gibt es 5 Tage vor einen Hurrican eine genaue Warnung, alle 30 Minuten aktualisiert mit Pflichtevakuierungen etc. (da klopft die Polizei an jeder Haustüre).

    Hurricans: die 300 kmh Wind würden bei unserer Bauweise ausreichen, komplette Häuser (normale Ziegelbauweise) wegzublasen, es drück zuerst die Fenster rein und dann schlicht die Wände raus.
    Deshalb war unser Häuschen (Bauvorschrift !) so stabil gebaut wie bei uns Tiefgaragen: 40cm Stahlbeton als Aussenwand, mobile Stahlplatten für die Fenster etc…..)

    Zudem ist die Luft bei 300kmh nicht „sauber“, da fliegen 40-Tonner LKW. Ein normaler Holzbalken schafft es ohne Probleme durch den Kühlschrank (durch das Blech von vorne nach hinten durch, war ein Test der Forscher).
    6-Meter Flutwellen mit Booten etc. drin.
    Ich stand z.B. bei Hilton Head Island am Strand im Wasser, dort wo es 1 Monat vorher noch 100 Meter bis zum Strand gewesen wäre.

    Was hat das mit Edelmetall zu tun ?
    Ganz einfach:
    Man darf dem Staat und seinen offiziellen Stellen zur Not NULL vertrauen.
    Man muss selbst denken, sich vorbereiten und selbst (zusammen mit Freunden) handeln.
    Es wird sicher nicht vorher in den Nachrichten kommen, wenn unser Finanzsystem umkippt und der Euro sich in Luft auflöst.
    Man muss selbst vorsorgem.
    Und das sind wir bei EM.

    Wir können viel von anderen Ländern lernen. Bei uns funktionieren ja noch nicht mal die Sirenen.

    • Meister Eder:
      Als ich im Sommer 2019 in Polen war, hatte ich unerwartet eine Behörden-SMS auf englisch bekommen. Man hatte eine Weltkriegsbombe gefunden. Alle Ausländer in einem bestimmten Umkreis wurden gewarnt.
      Vorletzte Woche geschah dasselbe in Bezug auf eine Warnung vor einem Sturm und einem möglichen Stromausfall.
      In Deutschland undenkbar. Die NINA-App ist untauglich, aber wahrscheinlich war sie wenigstens sauteuer.

  6. Anzeige
  7. @Meister Eder Beim Ahrtal spielte Behördentiefschlaf eine ausschlaggebende Rolle. Im MdR Fernsehen kündigte der Wetteronkel Th.Globig einen Tag vorher an dass die Situatiion mir der in Sachsen um 2000rum 100% ig identisch sein wird.Gekümmert und interessiert hat das keinen.Ist ja sehr bequem wenn man für eigenes Versagen den Klimawandel verantwortlich machen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Please enter your comment!
Bitte geben Sie Ihren Namen ein

Anzeige

Letzte Beiträge

 

Unsere Spezialreports und Ratgeber sind erhältlich im Goldreporter-Shop!

Anzeige