Sonntag,23.Juni 2024
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Rekordhoch des Goldpreises – ein Alarmsignal?

Der Crash hat womöglich bereits stattgefunden, und zwar am Anleihemarkt. Er war die Folge der abrupten Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken.

Von Philippe Herlin

Goldpreis-Rekord

Der Goldpreis hat sowohl in Dollar (2146 $ je Unze) als auch in Euro (1903 €) ein neues Allzeithoch verzeichnet. Auch der Bitcoin steigt, bleibt aber noch weit unter seinem Hoch von 2021. Gleichzeitig geht es auch am Aktienmarkt leicht aufwärts (zumindest für den S&P 500 und den DAX, der CAC 40 ist dagegen seit 1. Januar stabil), während die Lage im Immobiliensektor rund um den Globus mehr oder weniger deprimierend ist. Es tut sich etwas. Gibt es abgesehen von konjunkturellen Erklärungen (ein Rückgang der Inflation, der auf ein Ende der Zinserhöhungen durch die Zentralbanken hoffen lässt) nicht noch tieferliegende Gründe?

Crash hat schon stattgefunden

Wir weisen auf eine interessante Beobachtung des Finanzanalysten Didier Darcet hin, der behauptet, dass die Megakrise in Wirklichkeit bereits eingetreten ist, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Der Crash hat bereits stattgefunden, und zwar am Anleihemarkt. Er war die Folge der abrupten Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken zur Bekämpfung der Inflation. All die alten Anleihen, die mit niedrigen oder gar negativen Zinssätzen ausgegeben wurden, erleiden einen beträchtlichen Wertverlust, wenn neu emittierte Schuldverschreibungen zu 3 %, 4 % oder mehr verzinst sind. Die folgende Grafik illustriert die Verluste in den USA:

Anleihen, unrealisierte Gewinne, crash

Das ist beeindruckend (und in Europa ist die Situation vergleichbar), doch es ist größtenteils unbemerkt geblieben, erklärt der Analyst, weil die meisten dieser Anleihen von den Staaten ausgegeben werden, und diese haben die Möglichkeit zu warten oder die Steuern zu erhöhen. Ein Bankrott oder eine Senkung der öffentlichen Ausgaben zählen dagegen nicht zu ihren Optionen. Aus diesem Grund ist nichts zu bemerken.

Gefahr unrealisierter Verluste

Es ist allerdings von entscheidender Bedeutung, dass diese Anleihen zu den Aktiva der Finanzinstitutionen zählen. Sollten sich diese im Krisenfall gezwungen sehen, die Wertpapiere zu verkaufen – zum Beispiel, weil ihre Kunden die Einlagen abziehen – könnten die so erlittenen Verluste ihr Eigenkapital übersteigen und damit zu ihrer Insolvenz führen. Genau das ist der Silicon Valley Bank in den USA und der Versicherungsgesellschaft Eurovita in Italien passiert (wir hatten im März darüber berichtet).

Pleitegefahr

Tatsächlich hat es seitdem keine weiteren Pleiten gegeben, aber können wir nicht dennoch ein dumpfes Knirschen vernehmen? Zur Zeit der Subprime-Krise leuchteten im April 2007 die ersten Warnzeichen auf, als der Hypothekenmakler New Century Financial Corporation insolvent wurde, gefolgt vom Einfrieren von drei Fonds des amerikanischen Ablegers der BNP Paribas. Die Krise kam jedoch erst ein Jahr später mit der aufsehenerregenden Pleite von Lehman Brothers tatsächlich zum Ausbruch. Der plötzliche Wertverlust der Anleihen würde zahlreiche Finanzinstitutionen in eine gefährliche Zwangslage bringen, ohne dass dies öffentlich bekanntgemacht würde. Eine Strategie zur Risikovermeidung ist vor diesem Hintergrund für alle gut Informierten der Kauf von Gold, was dessen jüngste Preisentwicklung erklärt. Diese Hypothese scheint durchaus glaubwürdig. Diese Anleihekrise wird nicht an uns abperlen wie Wasser am Gefieder einer Ente.

Quelle: GoldBroker.com

Philippe Herlin ist ein Finanzanalyst und Doktor für Wirtschaftswissenschaften beim Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris. Als Befürworter von Risikotheorien, wie sie von Vordenkern wie Benoît Mandelbrot und Nassim Taleb entwickelt wurden, und als Verfechter der Österreichischen Wirtschaftsschule wird er seine Ansichten zur aktuellen Krise, zur Eurozone, zur Staatsverschuldung und zum Bankensystem einbringen. Nachdem er bereits ein Buch zum Thema Gold geschrieben hat, welches heute ein Standardwerk der Branche ist („L’or, un placement d’avenir“, Eyrolles 2012), hofft er, dass das Edelmetall in unserer Wirtschaft künftig wieder eine bedeutendere Rolle einnehmen wird, bis hin zur vollständigen Monetarisierung.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen im Rahmen von Gastbeiträgen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Goldreporter dar.

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3 Kommentare

  1. In Argentinien wurden die Verluste bereits über Nacht durch eine mehr als
    50 % ige Abwertung des Pesos
    realisiert. Der neue Wirtschaftsminister heißt
    C a p u t o
    (kein Witz)!
    Auch der Schrott€ wird früher oder später diesen Weg gehen.
    Natürlich wird die Schuldenbremse ausgehebelt werden. Die Energiewende und Aufrüstung wird in den nächsten Jahren garantiert mehr als eine Billion € kosten.
    Bald wird der lupenreine Demokrat Kiew mit seinen Panzern umzingeln, als nächstes ist dann das Baltikum dran.
    Zum Glück gibt es als Schutz den bewährten
    Goldglobo
    (die Münze mit dem Bock). Mit 32 Stück kann man ca. 1 kg Feingold rollieren und es anschließend bequem einmauern.
    Unter 1750 € eine segensreiche Strategie!

    • @Donaustreuner
      Tja, unmerklich für die dumme Masse hat der Euro schon seine Halbierung hinter sich gebarcht:

      1.) Für den Schrotti hat man mal 1,68 CHF bekommen, aktuell 0,94.
      Das sind auch ohne Taschenrechner mehr als minus 70 %.

      2.) Dito beim USD: von 1,60 auf 1,07.

      Und das im Verhältnis zu Papierwährungen.
      Wie es im Verhältnis zu Metall aussieht, muss man hier in diesem Forum eigentlich gar nicht mehr erwähnen.
      Aber weil es so schön ist:
      https://www.solit-kapital.de/wertentwicklung-von-edelmetallen-gleich-wertverlust-der-waehrungen/#iLightbox%5B22cfdb14d552ca0e7a5%5D/0
      Fast 90 % Wertverlust.

      Wie sagt es Egon v.G. so schön: die restlichen 10 % sind aus heutiger Sicht aber nochmal eine 100 % Vermögensvernichtung.
      Da bin ich mal Optimist: das schaffen Olaf, Robert und Christine schon noch !.

  2. @Donaustreuner
    Ich hab’s nicht so mit springböcken, dafür habe ich Gold Maples und Sovereigns eingemauert. Ist auch was feines, hilft sogar bei der Statik des Hauses :)
    Was den Lupenreinen Demokraten angeht wie Sie ihn bezeichnen, weder er noch seine Landsleute wollten diesen Konflikt. Es war von Anfang an für jede Seite klar, keine NATO Osterweiterung. Wenn Sie glauben das Ukraine das einzige Spielfeld ist oder wäre, dann täuschen Sie sich. Sowas haben unsere Freunde und Beschützer auch bei Kasachstan probiert, ist wohl nach hinten losgegangen. Shit happens, wie die Amis sagen.

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