Dienstag,27.Februar 2024
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Silberpreis in Gefahr? US-Banken erhöhen Short-Position

Laut der US-Aufsichtsbehörde CFTC haben US-Banken ihre Netto-Short-Position auf Silber gegenüber Vormonat um 89 Prozent erhöht. Gefahr für den Silberpreis?

Gold- und Silberpreis

Am heutigen Montagvormittag um 9 Uhr kostete eine Feinunze Gold am Spotmarkt 2.021 US-Dollar. Das entsprach 1.829 Euro. Währenddessen notierte der Silberpreis mit 25,65 US-Dollar beziehungsweise 23,20 Euro. Damit haben sich die Edelmetall-Kurse etwas von dem Kursrückgang am Freitag erholt, zumindest auf Eurobasis.

Silber, Silberbarren, Silberpreis (Bild: Goldreporter)
US-Banken verkauften Anfang Mai auf dem US-Futures-Markt umgerechnet 3.385 Tonnen Silber auf Termin. Das entspricht einer Zunahme um 89 Prozent gegenüber Vormonat. Der Silberpreis hat zuletzt ein 12-Monats-Hoch erreicht (Bild: Goldreporter).

Lagebestimmung

Dabei steht die Frage im Raum, ob wir nach dem mehrfachen Scheitern an den Rekordkursen nun eine Top-Bildung bei Gold gesehen haben, oder ob der große Ausbruch unmittelbar bevorsteht. Die großen US-Investmentbanken haben theoretisch einen starken Einfluss auf den Goldpreis. Unter anderem bilden sie als Market Maker häufig die Gegenposition zu den „long“ ausgerichteten Spekulanten. Dabei verrät uns der monatlichen Bank Participation Report der US-Börsenaufsicht CFTC, wie stark dieses Institute im Handel mit Gold-Futures auf der Verkaufsseite stehen. Hier sind die Zahlen per 2. Mai 2023.

Banken-Beteiligung an Gold- und Silber-Futures

So betrug die Netto-Short-Position aller Banken zu diesem Zeitpunkt bei 83.130 Kontrakten. Das entspricht Vorwärtsverkäufen im Umfang von umgerechnet 258 Tonnen. Damit ging die diese Short-Position gegenüber Vormonat um 6,3 Prozent zurück, nachdem sie im März um 51 Prozent gestiegen war. Engagiert waren hier insgesamt 28 Institute.

Schaut man differenzierter auf die Zahlen so zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den fünf aufgeführten (nicht namentlich genannten) US-Banken und den 23 Nicht-US-Banken. Denn während die Nicht-US-Banken ihre Netto-Short-Position um knapp 9,8 Prozent auf 36.859 Kontrakte erhöhten, ging jene der US-Banken um 10,5 Prozent zurück auf 49.258 Kontrakte.

Was bedeuten die Zahlen? Obwohl der Goldpreis zuletzt mit dem Rekordhoch flirtete ist die Netto-Short-Position der Banken weit von den Höchstständen von 2020 entfernt. Auch dieser Umstand deutet daraufhin, dass wir bei Goldpreis trotz des aktuell hohen Niveaus keine großen, korrekturbedürftigen Übertreibungen sehen.

Stark erhöhte Silber-Short-Position der US-Banken

Bei Silber sieht die Lage zwar auch nicht vollkommen konträr. Aber wir sehen hier kurzfristig einen starken Anstieg der Vorwärtsverkäufe bei den übermächtigen US-Banken. Denn deren Netto-Short-Position auf Silber stieg gegenüber Vormonat um 89 Prozent auf 21.768 Kontrakte. Damit standen diese (fünf) Institute unter dem Strich mit 3.385 Tonnen Silber auf der Verkaufsseite. Hier besteht also theoretisch ein steigendes geschäftliches Interesse an einem niedrigeren Silberpreis, um Verlustrisiken zu minimieren.

Silber, US-Banken, Short-Position
Die Netto-Short-Position der (fünf) US-Banken auf Silber gegenüber Vormonat um 89 Prozent erhöhte auf 21.768 Kontrakte. Das Rekordhoch liegt bei 46.281 Kontrakten Anfang Februar 2019 (Quelle: CFTC; Grafik: Goldreporter)

Allerdings ist auch hier der Abstand zu den Höchstständen noch groß. Zum Vergleich: Im Februar 2019 hatte die Netto-Short-Position der US-Banken 46.281 Kontrakte erreicht. Damit standen diese Geldhäuser damals mit umgerechnet 7.197 Tonnen Silber auf der Verkaufsseite – also mehr als dem Doppelten der aktuellen Netto-Short-Position. Kurz darauf knickte Silberpreis deutlich ein. Denn von März bis Ende Mai 2019 sank Silber um 12 Prozent auf 14,30 US-Dollar pro Unze. 2020 kam der große Silberpreis-Einbruch (40 Prozent in zwei Monaten) nachdem die US-Banken eine Netto-Short-Position von 36.289 Kontrakten (5.643 Tonnen) aufgebaut hatten.

Hintergrund

Allerdings lassen sich daraus keine unmittelbaren Schlüsse über Ursache und Wirkung ableiten. Nur so viel: Die Banken agieren als Market Maker, handeln Silber und Gold aber auch auf eigene Rechnung. In der Vergangenheit bauten die Banken bei steigendem Goldpreis / Silberpreis regelmäßig parallel zu den Long-Positionen der Spekulanten ihre Netto-Short-Position auf, während sie bei fallenden Kursen Terminverkäufe glattstellten.

Allerdings hat sich hier in den vergangenen Jahren etwas geändert, so dass der klare Zusammenhang (Korrelation) zwischen Preis und Banken-Positionen insbesondere bei Gold etwas an Stichhaltigkeit verloren hat (siehe Grafik zu den Gold-Short-Positionen der Banken oben). Wir haben 2020 schon einmal darüber berichtet: Goldpreis-Rally 2020: Das ist diesmal anders! 

Vor allem sind neue Spekulanten hinzugekommen, die auch die Short-Seite einnehmen und somit auf einen sinkenden Preis bei den Edelmetallen wetten. Dieser Zusammenhang ist erkennbar an der folgenden Grafik.

Gold, Banken, Short, Anteil am Open Interest

Denn diese zeigt die Entwicklung des Anteils der Short-Positionen aller Banken am Open Interest, also der Summe aller offenen Gold-Futures-Kontrakte an der COMEX. Und der ist seit 2020 von mehr als 45 Prozent auf 30 Prozent gefallen. Aber wie bereits oben erwähnt, bleibt ein Zusammenhang ganz sicher bestehen: Je mehr Short-Positionen die Banken aufbauen, desto stärker steigt deren Interesse an fallenden Notierungen.

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7 Kommentare

  1. Es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, daß das Angebot an Silber
    hinter der Nachfrage hinterher „hinkt“ – zudem kann die US-Münze („Mint“)
    die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl Münzen für den US-Markt wegen
    Mangel an „Silber-Rohlingen“ nicht erfüllen.

    In den USA müssen Käufer inzwischen heftige Aufschläge für den Silber-
    Eagle 2023 bezahlen: für eine Unze zahlt man bei „APMEX“ im Schnitt 47,-
    Dollar.

    https://www.apmex.com/product/258627/2023-1-oz-american-silver-eagle-coin-bu

    Die im Artikel (oben) genannte „Short-Positionierung“ der US-Großbanken
    ist ein deutliches Zeichen dafür, daß man ein Ausbrechen des Silber-Preises
    nach oben unbedingt verhindern will: „whatever it takes“.

    Sobald die nächste US-(Regional-)bank das „banka rotta“-Handtuch wirft,
    kommen die „Silber-Shorts“ zum Einsatz.

    Ob’s hilft?

  2. Naja, ob apmax jetzt einen repräsentativen Anbieter darstellt möchte ich hier bezweifeln. Man könnte genauso gut bei diversen deutschen Händlern schauen die Mondaufpreise auf Silberunzen nehmen, wer da bestellt ist selber Schuld. Tatsächlich kann man an Silber immer noch günstig kommen und seit dem Wegfall der Differenzbesteuerung für neuen Münzen ist der Spread kleiner geworden…Top für alle Anleger. Man kann auch so viel bestellen wie man will, also Knappheit sieht für mich anders aus. Kindersäfte mit Penicillin sind z.B. knapp das bekommt man nirgendwo mehr. Klar ist Banken /Notenbanken wollen einen niedrigen Gold/Silberpreis Anleger, die was im Stock halten wollen dass der Preis steigt. Glück auf an alle Anleger.

  3. Hallo Kollegen
    In den USA droht eine Gewerbe Immobilien Krise, die heftig ausfallen könnte. Dagegen scheint die jetzige US Bankenkrise eine Kinderparty zu sein. Habe mir mal den Chart von Vonovia angeschaut. Der Aktienkurs ist komplett abgestürzt, das Unternehmen hat einen Milliardenverlust ausgewiesen.
    Es könnte noch hässlich werden.
    Grüsse aus der Schweiz

    • @Geronimo

      Erste Alarmzeichen aus dem US-Geldmarktfond? ⚡

      Am 5. Mai (Freitag) zeigte der Zinssatz für einmonatige US-Staatsanleihen
      einen noch nie dagewesenen Anstieg ⚡ um 100 Basispunkte.

      https://www.investing.com/rates-bonds/u.s.-1-month-bond-yield

      Es gibt einige mehrere Gründe für den Anstieg, darunter der Streit um
      die Schuldenobergrenze, die Bankenkrise und Sicherheitsprobleme
      im globalen Währungssystem.

      Die Ampel im US-Geldmarktfond wechselt von „gelb“ auf „rot“;
      exakt 2 Tage nach der letzten FED-Zinserhöhung.

      @(·̿Ĺ̯·̿ ̿) ⚡

  4. Die Umverteilung geht weiter, interessant ist es das die „Einschläge“, sogenannte Krisen in kürzeren Abständen kommen. Von Aktien der Immobilien Konzerne und Banken, lasse ich die Finger. Einzige Ausnahme, selbstgenutzte Immobilie und Ferienhaus, -Wohnung zum vermieten über die Sommermonaten. Das selbstverständlich in Ausland, Italien, Griechenland, u.a.
    Habe die Tage ein Gespräch mit meinen Vater gehabt, er ist ja sehr konservativ was Finanzanlagen angeht. Nach den Motto auf der Bank ist alles sicher, noch 2% Zinsen obendrauf. Was kümmert eine Inflation von 15, 20%?
    Habe ihn mein aktiendepot gezeigt und zwar die Position von BYD, ca. 10-12% Wertzuwachs auf den Aktienwert und zwar weniger als 1 Jahr. Sein ungläubigen Blick hat Bände gesprochen. Auf meine Frage hin, bei welchen Bank bekomme ich 12%. Sagte er mir bei keiner, gibt’s nicht, aha!
    Nur noch 2 Monate, dann lässt das Mittelmeer grüßen. Haben wir uns auch wirklich verdient, yea!

    • @big Driver
      Natürlich kann man mit Aktien einen Wertzuwachs in Fiat Money haben. Sonst gäbe es ja keine Aktionäre.
      Nur mit einem Festgeld bei der Bank kann man das nicht vergleichen. Es ist das Risiko, welches den Ausschlag gibt.
      Während Bankeinlagen bis 100.000 Euro pro Konto von der Notenbank ( welche ja oben genanntes Fiat Money herausgibt) abgesichert sind, ist das bei Aktien eben nicht so und kann böse enden.
      Wirecard stieg ebenfalls in diesem Ausmass an und noch kurz vor dem Ende, welches keiner ahnte, stand doch die Bundeskanzlerin überzeugend dahinter, wurde lauthals verkündet:
      Investieren Sie in Wirecard, die werden ihnen noch viel Freude bereiten. Bei der Telekom war es ähnlich.
      Es ist aber das Risiko. Und an der Börse ist erst bei Null schluß.
      Man muss sich immer vor Augen halten:
      Jeder Zins, jede Dividende ist ist nichts weiter als die Risikoabgeltung für den Investor.
      Und bei Aktien muss man immer noch jemanden selbst finden, welcher bereit ist, mehr zu bezahlen.
      BYD ect tut es nicht.
      Wenn man argumentiert, ach, am Markt findet man immer jemanden.
      Ja, zum Kurs der vorigen Minute, da hat einer gekauft.
      Was nicht heisst, dass am nächsten Tag es noch einen gibt.
      Genau das ist der Unterschied zum Festgeld, zum Bond.
      Und Gold spielt wieder in einer ganz anderen Liga.
      Man kann es nicht vergleichen, weil man Äpfel mit Birnen nicht mir deren Schnaps vergleichen kann.

  5. @Maruti
    Sie haben wohl etwas falsch verstanden, ich habe nicht Gold mit Aktien verglichen. Habe ja öfters geschrieben das für mich alle Anlagenklassen ihre Berechtigung haben, sei es Gold, Aktien, Immobilien, Bitcoin, u.a. Jeder wie er mag. Für mich persönlich Gold, Aktien, Immobilien und kleiner Bargeldbestand, d.h. Kontoguthaben.
    Das mit der Einlagensicherung der Banken, Sie können es glauben und darauf vertrauen, ich tue es nicht. Das mit Wirecard, Telekom, ja Sie haben Recht. Wer hat nochmal diesen Mist empfohlen, genauso wie bei der Riesterrente?
    Bei Aktien Kennzahlen schön und gut, viel wichtiger ist hat das Unternehmen eine gute Zukunftsperspektive? Sind die Produkte und Dienstleistungen auch Zukunftsfähig und kann man gegen die Konkurrenz bestehen?
    Ich lasse jetzt mal tech Aktien mal aus, nur 2 Beispiele. Wie lange existieren John Deere & Caterpillar? Wie gut haben die und wie schnell wieder erholt, nach mehreren Finanzkrisen? Das Gold ist eine Absicherung und bestenfalls Vermögenstransfer in Zukunft, es produziert nichts. Produzieren tun nur Unternehmen und Menschen die in diesen Prozess integriert sind. Ohne Produktion, kein Wachstum, ohne Arbeit, Sozialer Abstieg und Soziale Unruhen. Wollen Sie solche Zustände?
    Nicht falsch verstehen bin positiv auf Gold, deswegen kaufe ich es weiterhin. Aber ich kann nicht Tag ein Tag aus, mit meinen Gold rumsitzen und auf den Weltuntergang warten.

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