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Die mysteriösen Gold-Swap-Geschäfte der BIZ

Zentrale der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (Bild: BIZ)

Berichte über Gold-Swap-Geschäfte der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beschäftigte die Finanzmedien in den vergangenen Tagen. Seit Dezember 2009 hat die BIZ (die Zentralbank der Zentralbanken) ihre Goldbestände im Rahmen solcher Verträge um 346 Tonnen vergrößert. Das geht aus einem umfangreichen Marktbericht hervor, den die BIZ in der vergangenen Woche veröffentlichte.

Was sind Swaps?
Zunächst einmal ist die Frage zu klären, worum es sich bei Swaps eigentlich handelt. Swap ist der englische Begriff für “Tausch”. Im Rahmen eines Swap-Geschäftes schließen zwei Parteien einen Kaufvertrag ab, der gleichzeitig eine Rückkaufvereinbarung enthält. Im Grunde ist es also nichts anderes als ein Verleihgeschäft. Gegenstand von Swap-Geschäften können beliebige Vermögenswerte sein: Devisen, Aktien, Anleihen und eben auch Rohstoffe oder Edelmetalle wie Gold.

Was wurde “geswapt”?
Die BIZ hat von Zentralbanken oder Geschäftsbanken (das ist weiterhin offen) Gold zu einem bestimmten Preis erworben und gleichzeitig eine Vereinbarung über den Rückkauf der festgelegten Edelmetallmenge zu einem festgelegten Preis und Zeitpunkt getroffen. Genaueres ist nicht bekannt. Für den Verleiher wirkt das Geschäft wie ein Kredit. Deshalb gehen Marktbeobachter davon aus, dass sich klamme Länder aus Südeuropa auf diese Weise Liquidität verschafft haben.

Was passiert mit dem Gold?
Zunächst einmal dürfte sich das Gold rein physisch gar nicht bewegt haben. Es lagert vermutlich weiterhin am gleichen Lagerort. Es wurde entweder in den Bestandsbüchern des Lagerunternehmens einem anderen Besitzer zu geordnet, oder bestenfalls innerhalb der Lagerräume in ein anderes Gitterabteil verschoben.

Auswirkungen auf den Goldpreis
Die BIZ könnte das Gold innerhalb des Vertragszeitraums auf den Markt werfen. Das zusätzliche Goldangebot könnte sich dann kurzfristig negativ auf den Goldpreis auswirken. Die BIZ ist jedoch im Rahmen des Swap-Geschäftes gezwungen, dass Gold am Vertragsende an die Banken zurückzugeben. Verkauft die BIZ das Gold also auf dem Markt, dann muss sie es irgendwann von dort oder aus anderen Quellen zurückkaufen. Das wiederum würde sich zu diesem Zeitpunkt positiv auf den Goldpreis auswirken.

Gefahren für den Goldpreis
Angenommen Spanien hätte der BIZ Gold geliehen und dafür Zahlungen erhalten. Angenommen das Land schlittert einige Zeit später in die Staatspleite, noch bevor das Swap-Geschäft endet. Nehmen wir weiter an, Spanien ist dann finanziell nicht mehr in der Lage ist, dass Gold wie im Swap-Geschäft vereinbart zurückzukaufen. Hat die BIZ das Gold nicht ohnehin schon verkauft, dann könnte sie endgültig gezwungen sein, die betroffenen Bestände am Markt zu veräußern.

(Kurzfristige) Auswirkungen auf den Goldpreis haben die Swap-Transaktionen nur dann, wenn Teile oder die Gesamtheit der gehandelten Bestände auf den freien Markt gelangen. Handelt es sich um eine reine Liquiditätsmaßnahme der BIZ (das Gold wird nur als “Pfand” einhalten), dann ergibt sich daraus kein unmittelbarer Einfluss auf den Goldpreis.

Schlussfolgerungen
Derartige Swap-Geschäfte unter Notenbanken waren in den Jahrzenten nach dem Ende der letzten großen Gold-Hausse (1981) weit verbreitet. Die Geschäfte dienten auch dazu, den Goldpreis künstlich zu drücken. Im Rahmen des europäischen Rettungsschirms im Umfang von 750 Milliarden Euro sollte den gebeutelten PIGS-Staaten eigentlich genügend Liquidität zur Verfügung stehen. Es darf also zumindest bezweifelt werden, dass es sich bei den Gold-Swap-Geschäften der BIZ um eine reine Liquiditätsmaßnahme handelt. Sollten also tatsächlich PIGS-Staaten als Kontrahenten bei den Swap-Geschäften aufgetreten sein, dann könnte dies folgende Hypothesen zulassen:

a) Der Gold-Verleiher will alternative Geldquellen anzapfen, weil man die möglichen negativen Signale beim Griff in den Rettungstopf scheut.
b) Die PIGS-Staaten wurden im Rahmen des Rettungs-Schirm-Abkommens gezwungen, Teile ihrer Goldbestände zu swapen.
c) Die Zentralbanken möchten den wahren Finanzbedarf der betroffenen Staaten verschleiern. (“Seht her, der Rettungstopf wird gar nicht benötigt”).
d) Das Gold dient dazu, den Goldpreis gezielt unter Druck zu setzen.

Adrian Douglas vom Gold Anti-Trust Action Comittee (GATA) bringt noch ein weiteres Szenario ins Spiel. Er hält es für möglich, dass mit dem Gold, dass aus Zentralbankbeständen von PIGS-Staaten stammen könne, ein Banken Bailout stattgefunden hat. Dann nämlich, wenn eine Bullion Bank dringend physisches Gold benötigte, um Lieferverpflichtungen bedienen zu können.

Aber ganz egal, was hinter den Kulissen abgelaufen ist. Es zeigt wieder einmal, welche Angst die Währungshüter vor der Macht des Edelmetalls haben müssen. Ein altväterliches Sprichwort sagt: „Wenn Gold redet, schweigt alle Welt“. Also versucht man, das Metall möglichst selten zu Wort kommen zu lassen.
Anders kann man sich kaum erklären, warum Transaktionen auf diesem Markt immer wieder wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden.

Goldreporter

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Eingetragen von am 11. Jul. 2010. gespeichert unter Banken, Gold, Hintergrund, Marktkommentare. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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