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Immobilien-Krise in Florida: Ein Vorort-Bericht

Goldreporter war auf Reisen. Die Redaktion konnte sich in den USA ein eigenes Bild von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise machen. Erkenntnis: Im September ist Hurricane Season in Süd-Florida. Und auch auf dem Immobilienmarkt stehen die Zeichen auf Sturm.

Florida gehört zu den vom Immobilen-Crash am stärksten betroffenen Bundesstaaten der USA. Wenn man in Miami Beach gen Himmel schaut, fragt man sich tatsächlich, wer in den unzähligen Hochhaustürmen mit unzähligen Appartements eigentlich wohnen soll.

Die Aushänge der vielen Maklerbüros sind gut gefüllt. Miet- und Kaufangebote, Leasing. Fantastische Finanzierungs-Konditionen. Für die Zurschaustellung der bunten Exposés stellen sogar Internetshops ihre Fensterflächen zur Verfügung. 600 Quadratmeter-Penthouse-Wohnung mit Meerblick gefällig? Kosten: 27 Millionen US-Dollar! Nicht gleich erschrecken. Wir sind uns sicher, bei den Abschlussverhandlungen erhalten Sie einen kleinen Discount.

Abb.1: Immobilien-Wahnsinn: Penthouse für 27 Millionen Dollar

Verräterisch sind die Abende. Dann sieht man an der Anzahl der beleuchteten Fronten, hinter wie vielen Fenstern sich wirklich Leben verbirgt. Sonderlich viel Licht ist nicht erkennbar. Auch die Statistik sieht düster aus. Bis Ende Juni verhandelten die Gerichte in Miami 52.000 Fälle von Zwangsvollstreckung. Das waren mehr Fälle, als man zuvor jemals innerhalb eines Jahres registrierte. Insgesamt haben sich bereits 79.000 Gerichtsakten in der Metropole angestaut. So viel wie in keinem anderen amerikanischen Bundesstaat.

Abb.2.: Wohnsilos in Miami Beach am Abend. Kaum beleuchtet, kaum bewohnt.

Die Hotelkomplexe in South Beach sind gigantisch. Die Art-Deco-Bauten ragen – genau wie die Condominium-Burgen (Condominium = Wohnung in einem Hochhausblock) – weit in den Himmel hinein. Doch dazwischen findet man immer wieder verlassene Baustellen. Nie ist so ganz klar, ob es sich um ein stillgelegtes Renovierungsvorhaben oder schlicht um eine Ruine handelt.

In den fensterlosen Gemäuern „lebt“ der ein oder andere Wohnsitzlose. Das ganzjährig heiße Klima lädt jene zum Verbleiben ein, die gar nichts mehr haben. Außer dem was sie am Körper tragen, plus Cola-Flasche, Pullover als Kopfkissen für den harten Beton und ein Zweithemd für alle Fälle. Leute die hier hausen, tauchen in keiner Arbeitsmarktstatistik mehr auf.

Abb. 3: Bau-Ruinen werden zum Domizil Wohnsitzloser

An den Orten wo sich vornehmlich die Reichen und Schönen tummeln, etwa am bekannten Ocean Drive oder auf der belebten Lincoln Street, ist auf den ersten Blick nichts von Krise zu spüren. Schaut man aber in einen der vielen Läden: Kauflust sieht anders aus. Die Restaurant-Manager gehen aktiv auf Kunden-Jagd. Die Konkurrenz ist groß. Also steht vor jedem Schlemmerladen eine attraktive Lady, die um Kunden wirbt. Wie ein Verkäufer auf einem tunesischen Basar. In die Flagship-Stores des iPhone-Anbieters Apple braucht man die Menschen offensichtlich nicht lange zu bitten. Die Auslagen des High-Tech-Herstellers sind stets dicht umlagert.

Abb. 4: Lincoln Street in Miami, Restaurantbesitzer werben auf der „Fressmeile“ aufdringlich für ihr Lokal.

Die zahlreichen Leasing-Angebote für Geschäfts-Immobilien sprechen ebenfalls eine klare Sprache. Sinnbild: Ein Shopping-Mall-Komplex in einem Vorort Miamis steht am Rande des Highways völlig leer. Die Tageszeitung Miami Herald berichtet über einen Bankenreport. Nur 56,8 Prozent der Verträge von bestehenden US-Gewerbeimmobilien würden sich demnach für eine Anschlussfinanzierung qualifizieren. Erkenntnis: Die Geschäfte laufen im amerikanischen Einzelhandel allenfalls gut, weil sich der Umsatz auf immer weniger Läden aufteilt.

Abb. 5: Freie Gewerbeflächen gibt es in Hülle und Fülle

Die Bankenkrise: Trotz der zahlreichen Pleiten – bereits 125 gefallene Institute in diesem Jahr – gibt es in den USA Regional-Banken wie Sand am Meer. Praktisch an jeder Straßenecke findet man neue Namen: Florida Capital Bank, Florida Gulf Bank, Florida Citizens Bank, Seacost National Bank Florida, etc. Und viele davon sitzen auf faulen Krediten. Die amerikanische Einlagensicherungsbehörde FDIC hat die Anzahl der „Problembanken“ erst kürzlich auf 829 erhöht.

Folge: Eine Ereigniskette nimmt erbarmungslos ihren Lauf. Die Immobilien-Preise sinken weiter. Finanzierungen platzen reihenweise. Zwangsvollstreckungen nehmen zu. Privatpersonen, Firmen und Regionalbanken gehen pleite. Der Konsum bricht ein. Die US-Wirtschaft kommt nicht aus dem Jammertal.

Abb.6: Regionalbank in Orlando. Im SunTrust-Gebäude ist noch Gewerbefläche frei.

Ja, das porträtierte Bild stammt vom September. Da fliegen in Süd-Florida die Hurrikans, nicht etwa die Löcher aus dem Käse. Sprich: Es ist Nachsaison. Dennoch sind die Zeichen unverkennbar. Die Krise in den USA ist noch lange nicht vorbei. Sie wird nach dem Crash des Wohnimmobilienmarktes durch die gleichen Probleme im gewerblichen Sektor eine Fortsetzung erfahren. Und das dürfte auch für den Rest der Welt nicht ohne Folgen bleiben.


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Eingetragen von am 26. Sep. 2010. gespeichert unter Hintergrund, Konjunktur, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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