Donnerstag,07.Juli 2022
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Gold findet zu seinem stabilen Geldwert zurück

Gold findet in einem angespannten geopolitischen Kontext zu seinem stabilen Geldwert zurück. Beim Euro-Goldpreis zeichnet sich ein parabolischer Anstieg ab.

Von Laurent Maurel

Hohe Inflation

Nach dem Vereinigten Königreich in der letzten Woche, wollen wir den Fokus in diesen Tagen auf Europa lenken, wo die Inflationszahlen erwartungsgemäß weiter in die Höhe schießen. Der Wert des Erzeugerpreisindex im Februar gab bereits die Richtung vor. Was wir im Winter schrieben, bestätigt sich heute: „Die Folgen dieses Schocks [werden] an den Verbraucherpreisindices nicht spurlos vorübergehen und die von den Konsumenten wahrgenommene Inflation steigen lassen.“ In Deutschland übertrifft die Inflation heute sogar die Rekorde der 1970-er Jahre:

Inflation, Deutschland, HistorieMit einer Inflationsrate von 7,9% und Leitzinsen, die noch immer bei 0 liegen, geht die EZB ein enormes Risiko ein, den Kontinent in eine beispiellose soziale Krise zu stürzen:

Leitzinsen, Bundesbank, EZB, Inflation, Deutschland

Noch nie war die Diskrepanz zwischen dem Zins der EZB und der Inflation so stark.
Die Inflation in Deutschland erreicht ihren höchsten Stand seit 60 Jahren!
Da der Erzeugerpreisindex noch immer steigt und zudem eine beträchtliche Verzögerung zwischen den Erzeugerpreisen und den Verbraucherpreisen besteht, ist leider festzustellen, dass sich die deutschen Inflationszahlen nicht kurzfristig wieder in die andere Richtung entwickeln werden. Den aktuellen Daten zufolge verzeichnet der Erzeugerpreisindex im Vergleich zum Vorjahr sogar ein Plus von 33,5 %! Das ist der höchste Wert seit 1949!

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Verbraucherpreise in Europa

Auch in Spanien legt die Inflation überraschend erneut zu, nachdem im Vormonat ein Rückgang gemeldet wurde. Aktuell liegt sie bei 8,5 %, obwohl die meisten Beobachter erwarteten, dass sie weiter sinkt.

Spanien, Inflation

Der erneute Anstieg ist in erster Linie auf rein strukturelle Komponenten zurückzuführen (sogenannte Kerninflation):

Spanien, Kerninflation

In Frankreich liegt der Verbraucherpreisindex auf einem niedrigeren Niveau (+5,2 % gegenüber dem Vorjahr, +4,8 % im April), aber der schlechte Wert des Erzeugerpreisindex (+27,8 %) lässt einen Anstieg der Inflation im Sommer befürchten.

Die Inflation in Europa ist dabei, die fünf letzten Vorhersagen der EZB-Ökonomen deutlich zu übertreffen.

Die gescheiterten Prognosen der Europäischen Zentralbanken werden als ernster Fehler in der Lenkung der monetären Angelegenheiten des Kontinents im Gedächtnis bleiben:

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EZB mit schwacher Trefferquote

Nennen Sie mir auch nur ein börsennotiertes Unternehmen, dessen Board nicht das Management auswechseln würde, nachdem es sich auf solch realitätsfremde Vorhersagen verlassen hatte.

Nur bei der EZB hat eine derartige Trefferquote kein Hinterfragen der aktuellen Strategie zur Folge.

Während sich die Zentralbank nicht vom Fleck bewegt, erwacht der europäische Rentenmarkt. Die Rendite der 10-jährigen Anleihen südlicher Länder (Italien, Spanien, Griechenland) beginnen zu steigen und drohen eine neue Episode der Staatsschuldenkrise in der Eurozone auszulösen.

Die Kreditzinsen der südlichen Staaten können diesmal nur zum Preis einer höheren Inflation verteidigt werden, doch letztere hat bereits ein nicht langfristig tragbares Niveau erreicht. Die EZB hat viel weniger Handlungsspielraum, um einen Bankrott der südlichen Eurostaaten zu verhindern. Die Staatsschulden dieser Länder können nur zum Preis einer deutlichen Abschwächung des Euro verteidigt werden, was aus sozialer Sicht nicht haltbar ist, da der Kaufkraftverlust schon jetzt die gesamte europäische Mittelschicht betrifft.
Im Vergleich zu den USA ist das Lohnniveau der Inflationsrate hierzulande kaum gefolgt:

Einkommen, Vermögensverlust

Der Rückgang der Reallöhne könnte sich in Europa in den nächsten Monaten sogar beschleunigen, während wir bei der Produktionstätigkeit einen mit Anfang 2020, zu Beginn der Corona-Krise, vergleichbaren Einbruch gesehen haben.

Eurozone, PMI

Die Auftragslage in der Eurozone ist stark rückläufig und aktuell schlechter als während ihres Tiefs von 2011.

Der Kurs des Euros spiegelt unterdessen die Machtlosigkeit der EZB gegenüber der explodierenden Inflation wider.

Goldpreis in Euro

Das zeigt sich daran, wie nah die Parität zwischen Euro und Dollar gerückt ist, aber auch am Goldpreis in Euro.

Im Goldchart in Euro zeichnet sich ein parabolischer Anstieg ab. Die empfindliche Korrektur des Goldkurses in US-Dollar hat sich im Euro-Chart kaum ausgewirkt. Zur Umkehr dieses Trends wäre eine radikale Wende in der Geldpolitik der EZB notwendig. Ohne einen solchen Richtungswechsel könnte sich der Aufwärtstrend beschleunigen und dem parabolischen Muster weiter folgen:

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Goldpreis in Euro

Die Chartformation der Tasse mit Henkel, die wir zu Jahresbeginn eingezeichnet hatten, hat gut funktioniert. Der Goldpreis in Euro testet derzeit seine Hochs von 2020, die nun zur Unterstützung der Konsolidierung geworden sind.

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Gold in Euro, Tasse-Henkel-Formation

Run auf Gold

Diese Situation bringt zahlreiche Zentralbanken dazu, ihre Goldreserven zu erhöhen.
Im Herzen von Europa erleben wir sogar einen regelrechten Run auf Gold.

Ales Michl, der nächste Präsident der Tschechischen Nationalbank (ČNB), hat angekündigt, dass die Goldreserven des Landes von 11 auf mehr als 100 Tonnen aufgestockt werden, sobald er sein Amt angetreten hat.

Nach Polen und Ungarn ist die Tschechische Republik damit das dritte zentraleuropäische Land, welches beschlossen hat, seine Goldbestände auszubauen.

Gold findet im zunehmend angespannten geopolitischen Kontext auf logische Weise zu seinem stabilen Geldwert zurück, während sich in Bezug auf die zukünftige Energieversorgung des Kontinents viele Fragen stellen und wir das höchste Stagflationsrisiko seit dem Zweiten Weltkrieg haben.

Quelle: Goldbroker

LAURENT MAUREL in Edelmetall- und Bergbauanalyst. Als ausgebildeter Ingenieur arbeitete er in verschiedenen Sektoren (Telekommunikation, Softwaretechnik, Astrophysik …) in Kanada, den Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen im Rahmen von Gastbeiträgen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Goldreporter dar.

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4 Kommentare

  1. Als man nach 2008 jegliche Hemmungen verloren hatte und die Maastricht Verträge quasi zerrissen und in den Ofen geschmissen hatte, begann das exorbitanteste Gelddrucken nach 1945. Und schon damals war klar, wohin das führen musste. Nur, vorerst geschah nicht viel.
    Die Wirtschaft wurde satt, die Aktien boomten ohne Punkt und Komma. Selbst Schrottpapiere, wie Wirecard gingen weg wie warme Semmeln.
    Es fehlte eben der zündende Funke. Nun aber hat es gezündet und man reibt sich erstaunt die Augen, wie es kommen konnte.
    Noch kann man Gold und Geld trennen, noch.
    Bekommt man aber die Inflation nicht in den Griff, weil Gewerkschaften und Rentnerverbände wie auch Transferempfänger aller Couleur schon mit den Hufen scharren und murren hat man nur noch 2 Möglichkeiten:
    Zinsen auf 15-20% ( Notwendig wären 40%) oder man läuft stehenden Fusses in die Währungsreform.
    Wird über eine solche aber nur halblaut nachgedacht, ist der Weg für Gold frei. Dann ist nur noch der Himmel die Grenze.
    Übrigens is es egal, wen man als Schuldigen für den zündenden Funken ausmacht. Das interessiert die Leute nur am Rande. Was die Leute aber interessiert ist, wie es momentan beschaffen ist, mit der Gegenwart, nicht der Zukunft oder der Vergangenheit.

  2. @Maruti
    Ihrem Kommentar zu dem ohnehin guten Artikel kann man sich nur anschließen. Da wir uns event. einigen
    können, Zinsen von 15 – 20 % niemals sehen werden, ich glaube nicht einmal an 3%, bleibt ja dann wohl nur die Währungsreform. Geschichte wiederholt sich nicht, tatsächlich?

    • @Goldhase
      Man könnte schon die Zinsen übergebührlich anheben und das der Wirtschaft als “ vorübergehend“ verkaufen.
      Die Inflation soll ja auch nur vorübergehend sein.
      Möglicherweise ein Witz von mir. Aber Witze können es manchmal in sich haben.
      Eine Währungsreform des Euro würde wahrscheinlich auch gleich das Ende des Euro bedeuten. Ob das politisch gewollt ist ?
      Da werden die Politiker eher die Kröte mit den den Zinsen, den vorübergehenden, schlucken wollen.
      Aber egal ob Zinsen oder Inflation ( mit Währungsreform)
      für Gold kann das letztendlich nur positiv sein.
      Denn, Zinsen kann keiner zahlen und die Inflation, wie man sieht, auch nicht.
      Viele Staatenlenker haben schon so einen Verdacht und kaufen Gold für ihre Zentralbanken ein. Auch weil man sich nicht so unbedingt auf Dollar und Euro schon gar nicht, verlassen will.
      Rubel und Yuan oder Jen kommen auch nicht gut an und die Schweiz oder Norwegen sind viel zu klein dafür.
      Und der Bitcoin und Co ? eher ein Witz.
      Was bleibt, ist eben Gold, wie schon seit Jahrtausenden.
      Verschwiegen, unzerstörbar und letztlich auch mobil.
      Mit 10 oder 15 Kg Gold kann man sogar bei Nacht und Nebel abhauen, mit einem PKW sogar mit mehr, mit einem Haus und Grundstück eben nicht, wie man in der Ukraine in nächster Nähe mit bekommt.
      (Übrigens wiegt mein Wanderrucksack meist 25 Kg, ich weiss, was man so tragen kann). Das vor dem Hintergrund, da so manche solch Gewicht als Übergewicht täglich mit sich herumtragen :).

  3. Gold 1854 Dollar, Öl 120 Dollar ( finanzen.net)
    Das bedeutet eine Öl Gold Relation von 15.
    Und das ist der Normalzustand.
    Und das bedeutet weiter, eine absolut günstige Gelegenheit Gold zu kaufen.
    Das nur so am Rande.
    Fällt die Relation sogar unter 15, wäre Gold ein Schnäppchen.

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