Donnerstag,20.Juni 2024
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Stagflation & Gelddrucken: Explosive und für Gold günstige Mischung

Gold ist ein hervorragender Vermögenswert zur Diversifizierung der eigenen Anlagen, ein tausendjähriger Wertspeicher, den selbst der Aktienindex S&P 500 um seine Performance beneidet.

Von Slimane Himora

2024 manövriert sich die US-Notenbank Federal Reserve durch ein komplexes Wirtschaftsumfeld, welches von hartnäckiger Inflation, stagnierendem Wachstum und verschiedenen geopolitischen Konflikten geprägt ist, die die internationalen Spannungen anfachen.

Bislang zeigt die Fed in Bezug auf ihren Leitzins eine feste Haltung, doch sie verfolgt die Entwicklung des Arbeitsmarkts aufmerksam mit.

Das konnten wir bei Veröffentlichung der jüngsten Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (NFP) beobachten. Im April wurden in den USA lediglich 175.000 Stellen geschaffen, der niedrigste Wert seit der Rezession 2020. Zudem hat sich die Arbeitslosenquote seit April 2023 um 0,4 % erhöht, was die leichte Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt unterstreicht.

Warum ist eine Zinssenkung aktuell unwahrscheinlich?

Wie wir in einem früheren Artikel gesehen haben, entspannen sich die Finanzbedingungen weiter und nähren dadurch die Rally der Risikoaktiva. Das beweisen die Technologiewerte, die ihre stärkste Hausse seit 2021 verzeichnet haben.

Trotz des erklärten Kampfes der Fed gegen die Inflation lockern sich die finanziellen Bedingungen weiter.

Finanzbedingungen und Zinssätze
Finanzbedingungen und Zinssätze, Bloomberg

Wie die obenstehende Grafik zeigt, haben sich die finanziellen Bedingungen so weit entspannt, dass sie ihr Niveau von 2021 wieder erreicht haben, vor den ersten Zinsanhebungen.

Kann die Fed wirklich gegen die Inflation kämpfen, wenn sie zulässt, dass sich die finanziellen Verhältnisse derart lockern?

Meiner Einschätzung nach könnten die Zinssätze noch eine Zeit lang erhöht bleiben, solange wir keine eindeutigen Indikatoren für eine Rezession beobachten. Im Moment sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der aktuelle Zyklus geldpolitischer Straffung weniger ausgeprägt ist als frühere Zinserhöhungszyklen im Durchschnitt.

Das sehen wir auch, wenn wir die PCE-Inflationsrate von der Federal Funds Rate abziehen.

Es ist durchaus vorstellbar, dass die Fed ihren Leitzins erneut anhebt, wenn die nächsten Inflationsdaten negative Signale liefern, selbst im Kontext einer stagnierenden Wirtschaft, wie wir sie heute erleben.

US-Leitzins und PCE
US-Leitzins und PCE, Bloomberg

Zudem hat der Markt seine Prognosen für künftige Zinssenkungen seit Januar stark angepasst, von mindestens vier Zinsschritten auf mittlerweile nur einen.

Stagflation: Eine günstige Umgebung für den Goldpreis?

Beginnen wir mit einer Definition von Stagflation. Es handelt sich dabei ganz einfach um eine Situation, in der:

  • das Wirtschaftswachstum stagniert
  • die Arbeitslosigkeit zunimmt
  • die Inflationsraten erhöht bleiben.

Für die Fed ist die Stagflation besonders problematisch, da sie ihr Handeln verkompliziert. Es wird schwierig sein, die Zinsen schnell anzuheben, ohne die Wirtschaftslage weiter zu verschlechtern. Noch schwieriger wird es sein, sie zu senken, ohne eine neue Inflationswelle auszulösen. Es besteht das Risiko eines ähnlichen Szenarios wie in den 1970er und 1980er Jahren, als zwei Inflationswellen aufeinanderfolgten. Diese Möglichkeit muss man im Hinterkopf behalten, falls die US-Notenbank die Zinsen bis zum Jahresende senken sollte.

Prognosen für BIP und PCE, Stagflation
Prognosen für BIP und PCE (Stagflation), Bloomberg

Ein anderer Indikator, der Licht auf das angespannte Wirtschaftsklima werfen kann, ist der Economic Surprise Index (wirtschaftlicher Überraschungsindex).

Zuerst, was ist der Economic Surprise Index (CESIUSD)?

Dieser Index misst die Differenz zwischen tatsächlichen Wirtschaftsdaten und den Prognosen der Ökonomen und Marktanalysten.

Wenn die tatsächlichen Daten die Erwartungen übertreffen, steigt der Index, und wenn sie hinter den Erwartungen zurückbleiben, sinkt er.

Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass zahlreiche Akteure bei schlechten Wirtschaftsnachrichten üblicherweise mit Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur seitens der Zentralbank rechnen (beispielsweise quantitative Lockerungen, Zinssenkungen etc.), was aktuell die Fortsetzung der Hausse bei den Risikoaktiva erklärt.

Öl ins Feuer gießen?

Neue geldpolitische Maßnahmen sind vorgesehen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Fed Jérôme Powell wird die US-Notenbank ab Juni die Geschwindigkeit verringern, mit der sie Staatsanleihen auslaufen lässt und die monatliche Summe von 60 Milliarden $ auf 25 Milliarden $ verringern. Bei den Hypothekenanleihen soll die monatliche Reduzierung um 35 Milliarden $ (Tapering) jedoch konstant bleiben.

Diese Politik wird dafür sorgen, dass am Markt weiterhin reichlich Liquidität vorhanden ist, was den Inflationsdruck erhöhen könnte.

Statt die Inflation zu bremsen, scheint die Fed zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen, indem sie zu viele Dollars in die Wirtschaft pumpt und eine Lockerung der finanziellen Bedingungen zulässt. Zwar scheint die Inflation für den Moment teilweise eingedämmt zu sein, doch deuten die jüngsten Daten des Indikators PCE auf ihr Fortbestehen hin.

Das ist, als würde man versuchen, ein Feuer mit Papier zu löschen: Es wird die Flammen nur noch weiter anfachen. Zudem könnte diese Strategie dem Wert des Dollars abträglich sein und sich als günstig für Gold erweisen.

Schlussfolgerung / Gold

Der Goldkurs zeigt seit Jahresbeginn eine interessante Performance. Außerdem entwickelt sich das Edelmetall bis heute im Allgemeinen besser als der S&P 500 – ein Trend, der sich vor dem Hintergrund einer für den Aktienmarkt noch immer sehr ungünstigen Risikoprämie fortsetzen könnte. Gold erfüllt seine Rolle als Wertspeicher perfekt. Meiner Ansicht nach lohnt sich eine Investition in das gelbe Metall noch immer, auch wenn es die 2000-$-Marke bereits weit hinter sich gelassen hat. Es ist nicht garantiert, dass es in diesen Preisbereich zurückkehren wird. Sicher ist jedoch, dass der Dollar langfristig an Wert verlieren wird, dass das Gelddrucken fortgesetzt wird, und dass Ihre Kaufkraft im Laufe der Zeit weiter abnehmen wird.

Gold, Goldpreis

In den letzten 50 Jahren hat Gold seine Widerstandsfähigkeit gegenüber den schwersten Krisen, die die Finanzwelt erlebt hat, unter Beweis gestellt. Die Daten sprechen für sich: In diesem Zeitraum entwickelte sich der Goldpreis deutlich besser als der S&P 500.

Gold ist ein Vermögenswert zur Diversifizierung der eigenen Anlagen par excellence, ein tausendjähriger Wertspeicher, den selbst der Aktienindex S&P 500 um seine Performance beneidet.

Quelle: GoldBroker.de

Slimane Hirmora ist Geschäftsführer des Unternehmens Himora Finance und unabhängiger Trader, der zwei Jahre lang bei einem Privatfonds beschäftigt war. Experte in im Bereich Makroökonomie und Fundamentalanalyse der Märkte.

Hinweis: Meinungen oder Empfehlungen im Rahmen von Gastbeiträgen geben die Einschätzung des jeweiligen Verfassers wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Goldreporter dar.

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11 Kommentare

  1. Stagflation ist tatsächlich eine brisante Mischung! Wenn’s gut ist für AU – warum nicht…?
    Die ganze Situation ist für alle nicht besonders witzig – jedoch gilt für uns AU-Silberrücken: lieber die Blinde im Bett, als die Taube auf’m Dach! :-) Alle die, welche den Zug (schon mehrfach!) verpaßt haben, bleiben halt auf dem Abstellgleis…
    Erstmal ist heute Freitag mit ganz gutem, stabilen Start. Mal sehen, wie es sich heute noch entwickelt… Sprung nach Norden oder erneuter Angriff des Drücker-Kartells…?
    Der optimistische Dokta

    • @Goldeneye
      Nie vergessen, wie wir hier vor sehr wenigen Monaten über den unüberwindlichen Deckel bei 2.000 diskutiert haben (Am 14. Februar noch 1.992 USD)
      Und nun, 3 Monate später ?
      Schön bei 2.400 und klarer Trend.
      Wer hätte das vor 3 Monaten ernsthaft erwartet ?
      Könnte echt schlechter laufen.

      Wenn das so weitergeht, muß ich im August mit dem Auto zur „Salzburg-Connection“ anreisen, weil ich den Sack Papiermüll, den ich dann für 3 Krüger brauche, gar nicht mehr aufs Moped bekomme.

  2. Der gute Mann versteht unter Performance eine Entwicklung gegenüber FIAT money, also der Druckmaschine. Doch dieses Modell ist, wie alle Modelle falsch, kann aber manchmal für den einen oder anderen ganz nützlich sein.
    Ich meine, Gold performt nicht, höchstens gegenüber der Unfähigkeit der Lenker des Geldes und des Volkes:

  3. Vielleicht will man die Inflation auch gar nicht bremsen. Diese bringt den maroden Staatshaushalten Gewinne über die Inflationssteuer. Ein Instrument zur inflationären Defizitfinanzierung der öffentlichen Haushalte über die Zentralbanken. Ungerechter für die Einkommensschwachen geht es kaum noch .

    • @Goldhase: Deshalb werden dort immer abstrusere Sozialleistungen verteilt, bis in die Mittelschicht. Nur wer davon gar nichts abbekommt, weil mit viel Aufwand darüber, der hat real Einbußen und darf noch die anderen mitfinanzieren. Viele der Geschröpften wissen das aber gar nicht wirklich.

      • @Semmel
        Wenn es sich wenigstens um steigende Sozialleistungen im Krankenhaus und Pflegebereich handeln würde wäre es ja in Ordnung. Und um die Rente
        nicht völlig kollabieren zu lassen, werden die Beiträge der schon genug belasteten AN
        weiter erhöht. Grundsätzlichen gebe ich Ihnen recht.

    • @ Goldhase Der Staat kann mit der Inflation bestens leben das ist klar. Erst mal höhere Einkommenssteuern durch Steuerprogression auch wenn man mam für das höhere Einkommen eher weniger bekommt.Dann noch fettere Mehrwertsteuern bei hochinflationierten Preise für alles und auch für alle Dienstleistungen.

  4. @ Maruti Ja Gold ist quasi eine Unfähigkeitsversicherung,wobei die Unfähigkeit im Gegensatz zu herkömmlichen Versicherungen nicht die Person des Versicherungsnehmers betrifft.Dass diiese notwendig ist hat mir die Euroeinführung 2002 schon gezeigt und damals war diese auch nicht billig aber sehr,sehr preiswert.

  5. @MeisterEder
    Vorschlag unter alten AU-Silberrücken: gegenüber des Objektes in der Schallmoser gibt es einen Kurzparkstreifen – ich könnte Ihnen beim Ausladen des Papiermülls helfen! Sofern Sie dann bei mir auch mit anpacken…!? Ich seh schon die Gesichter der Jungs im Laden, wenn wir die mit den Kartons zubomben – unbezahlbar! Für alles andere gibt es… (alter Werbespruch).
    Stärkung erfolgt danach beim „Tomaselli“ – großer Brauner + Tomaselli-Torte…
    In genußfreudiger Erwartung
    der Dokta

    • @Dottore
      Klasse, den gleichen Gedanken in Sachen Schallmoser-Transportlogistik hatte meine böööhhhse Phantasie auch schon.
      Ob ich mir, wenn das so weitergeht, im Augiust einen Ducato von meinem Freund ausleihen muß ?
      Der hat sogar so einen IVECO mit Zwillingsreifen hinten und Ladebordwand für schwere Heizkessel.
      Klappt aber doch nicht, die Eingangstüre bei Schallmoseres ist zu schmal für Europaletten, dazu die Stufe.

      Beim Blick auf die Wertqualität von Christinchens Papierschnipsel wäre das da wohl das sachgerechte Transportmittel
      https://www.yumpu.com/de/document/view/51243458/dungstreuer-de-lely

      Wenn es nicht die brutale Wahrheit über den FIAT-Wert wäre, könnte man fast drüber lachen

  6. @MeisterEder
    Nachtrag: angemessen wäre natürlich die „Kaisertorte“ – aber die gibt’s halt nur beim „Zauner“! Da ist das „Tomaselli“-Hausgebäck eine gute Zwischenlösung! :-) Zur Abrundung auf’m Heimweg kommt dann noch die ooooberleckere „Prinzregententorte“ beim Dallmayr…
    Übrigens: kennen sie den „Zauner-Stollen“? Gibt’s ganzjährig; davon fahren immer noch einige mit in meine nordische Heimat! Ist auch online bestellbar! Wenn ich den mit ins Büro nehme, fällt die Belegschaft darüber her wie eine Horde Paviane über eine Bananenstaude!
    Frohes Fest!
    Der Dokta med. vet. aller Pfingstochsen

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