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Immer neue Goldderivate – Wann platzt die Papiergoldblase?

An New Yorker COMEX kann man demnächst über ein neues Finanzprodukt mit noch geringerem Kapitaleinsatz Gold auf Termin handeln. Die Verwerfungen zwischen physischem und nicht-physischem Goldmarkt nehmen damit weiter zu und das könnte den Goldpreis eines Tages in ungeahnte Höhen treiben.

Mit Futures handelt man Waren, die nicht sofort, sondern erst in der Zukunft geliefert werden. Da es sich lediglich um eine verbriefte Lieferverpflichtung handelt, nicht um die sofortige physische Übertragung von Waren, spricht man im Falle des Goldmarktes auch von Papiergold. Zu diese Kategorie gehören auch Gold-Optionen, Anteile an Gold-ETFs oder Gold-Zertifikate.

Terminmarkt
Händler nutzen Preisunterschiede zwischen Terminmarkt und Spotmarkt (Gold zur sofortigen Lieferung) zu Arbitrage-Geschäften. Dies führt zu einem Angleich der Kurse auf beiden Märkten. Da ein Vielfaches des wirklich vorhandenen Goldes in Form von Papiergold gehandelt wird, hat der Handel mit Papiergold entsprechend großen Einfluss auf den Goldpreis.

Um mit Papiergold zu handeln, sind jeweils nur Bruchteile des tatsächlichen Warenwertes aufzubringen. Im Falle von Futures muss lediglich eine Sicherheitsleistung (Initial Margin) hinterlegt werden. Mit relativ wenig Geld kann somit relativ viel Gold gehandelt werden.

Manipulationsgefahren
Das ist auch der Grund, warum Kritiker immer wieder auf manipulative Handelsaktivitäten auf dem Terminmarkt hinweisen. Denn wenige große Banken können in einem engen Markt wie bei Gold und Silber kurzfristig eine Menge (Papier-)Edelmetall bewegen und mit Terminverkäufen starken Druck auf die Preise ausüben.

Noch mehr Papiergold
Lange Rede, kurze Nachricht: Der COMEX-Betreiber CME Group führt am 3. Oktober den Handel mit so genannten E-micro Gold Futures ein. Mit diesem neuen Finanzprodukt lässt sich (Papier-)Gold künftig mit noch geringerem Kapitaleinsatz auf Termin handeln.

Mit einem Kontrakt (Vertrag) handelt man lediglich 10 Unzen anstatt den an der COMEX üblichen 100 Unzen Gold. Entsprechend geringer ist der Kapitalbedarf, um überhaupt am Terminmarkt handeln zu können. Im Falle eines Goldpreises von 1.250 Dollar ginge es bei einem normalen Future um mindestens 125.000 Dollar (1 Kontrakt = 100 Unzen Gold). Mit einem E-micro Gold Future könnte man in diesem Beispiel schon mit 12.500 Dollar auf dem Terminmarkt aktiv werden. Futures werden damit einer noch breiteren Investorengruppe zugänglich gemacht.

Konsequenzen
Mit jedem neuen Wettangebot auf die künftige Goldpreisentwicklung – was anderes sind diese Futures nicht – triften der Papiermarkt und der physische Goldmarkt weiter auseinander. Dabei steigen gleichzeitig die Risiken eines so genannten Defaults.

Von einem Default spricht man, wenn Lieferverpflichtungen von Kontrahenten nicht mehr eingehalten werden können. Denn was passiert, wenn die große Mehrheit der Käufer bei Fälligkeit auf physische Lieferung des Edelmetalls besteht?

Eine exorbitante Nachfrage würde auf ein stark begrenztes Angebot stoßen. Dies käme einem Bankrott der entsprechenden Goldschuldner (Halter von Short Futures) gleich, vergleichbar mit den Verhältnissen bei einem Bankenansturm, wenn nicht genügend Bargeld zur Verfügung steht, um alle Abhebungswünsche der Kunden zu befriedigen. Der Goldpreis würde in einem solchen Umfeld, entsprechend der ökonomischen Gesetze, durch die Decke gehen.

Fazit
Papiergold ist wie ungedecktes Papiergeld beliebig vermehrbar, das zugrunde liegende physische Gold dagegen nicht. Mit jedem neuen Goldderivat wird das echte Gold in ihrem Tresor wertvoller. Auch wenn der offizielle Marktpreis das nicht sofort signalisiert.


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Eingetragen von am 11. Sep. 2010. gespeichert unter Banken, Gold, Hintergrund, Marktkommentare, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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