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Paukenschlag auf dem US-Hypothekenmarkt: Führt das zum finalen Kollaps?

Freie Gewerbefläche in Miami

In den USA kam es in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Zwangsversteigerungen von Häusern, deren Besitzer nie eine Hypothek abgeschlossen haben. Laut aktuellen Informationen des Senders MSNBC wird möglicherweise über Jahrzehnte hinweg unklar bleiben, wer Schulden in Höhe von insgesamt 45,5 Billionen US-Dollar zu begleichen hat. Hier schlummert ein neues Finanzinferno, das den finalen Crash des Weltfinanzsystems einläuten kann (inkl. Video).

Die Verbriefung von US-Hypotheken schlechter Schuldner und deren Distribution über den gesamten Globus gilt als einer der Gründe für die Entstehung der 2007 in Gang gekommenen Finanzmarktkrise. Kreditverträge wurden gebündelt und weiter verkauft, um Risiken zu verschieben und gleichzeitig Anlageprodukte mit hohen Renditen zu schaffen.

Nachdem wir in den vergangenen drei Jahren Teil 1 dieser Sub-Prime-Krise erlebt haben, droht nun möglicherweise eine zweite verheerende Welle.

Zwangsversteigerungs-Wahnsinn
In den USA kommt es seit langer Zeit massenhaft zu Zwangsversteigerungen, weil Immobilienkredite platzen. Hauskäufer können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Das ist soweit nichts Neues. In den vergangenen Wochen haben sich auf dem Hypothekenmarkt allerdings seltsame Dinge abgespielt. Es wurden von Banken Zwangsversteigerungen über Häuser veranlasst, deren Besitzer nie eine Hypothek aufgenommen hatten. Wie kommt das?

Der Fall der Familie Earl
Derzeit beschäftigt ein Fall die amerikanischen Medien, in den 11-köpfigen Familie Earl involviert ist. Sie wurde aus ihrem Heim in Kalifornien ausgesperrt. Die Familie hatte zuvor aber hohe Tilgungszahlungen geleistet. Die Schulden wurde jedoch nicht weniger, sondern überraschenderweise sogar mehr. Die Earls brachen schließlich in ihr eigenes Haus ein, um es wieder zu bewohnen und beauftragten einen Anwalt. Dieser sprach in der vergangenen Woche mit dem TV-Sender MSNBC über diesen Fall und die unglaublichen Vorgänge auf dem US-Hypothekenmarkt.

Schuldner unbekannt
Anwalt Michael Pines in der Dylan Ratigan Show auf MSNBC: „Hier geht es nicht nur um Wohnimmobilien, es geht auch um Gewerbeobjekte. Ich sage mit einem hohen Grad an Überzeugung, dass niemand in diesem Land genau weiß, wer hier welche Immobilien besitzt, privat oder gewerblich. Die einzigen Immobilien über die wir uns sicher sein können, wo wir wissen, wer die Besitzer sind, sind möglichweise jene, die vor den Achtzigerjahren abgezahlt wurden, bevor die Verbriefung startete.“

Banken tricksen und vertuschen
Moderator Dylan Ratigan schildert, was die Hypothekenfinanzierer in den USA derzeit treiben. Demnach würden viele Hausbesitzer mit hohen Kosten belastet, die über das Volumen hinausgehen, welches die Banken für die betroffene Immobilie als Restschuld annehmen. Danach werde ein beschleunigtes Verfahren zur Zwangsversteigerung angestoßen.

Dylan Ratigan: „Die Banken vermeiden es, sich damit auseinanderzusetzen zu müssen, dass sie nicht beweisen können, wem das Haus gehört“. Außerdem wolle man verhindern, dass Informationen über Kreditpakete an die Öffentlichkeit gelangen, die nun bei den verstaatlichten Finanzierern Fanny Mae und Freddy Mac lagern. Es gehe um „Billionen oder hunderte von Milliarden“ an toxischen Krediten, die zu damaliger Zeit möglicherweise nicht in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Standards abgeschlossen wurden.

45,5 Billionen Dollar im Feuer
Michael Pines dazu: „Nach den Informationen von Gretchen Morgenson von der New York Times, die dies sehr genau verfolgt, umfasst das gesamte Geld, das hier involviert ist, 45,5 Billionen Dollar. Ungefähr doppelt so viel, wie die Kapitalisierung der New Yorker Börse. Meine Vermutung ist, dass Anwälte über die nächste zwei, drei, vier Jahrzehnte darüber streiten werden, wer für diese 45,5 Billionen Dollar zahlen wird. Ich glaube nicht, dass wir so viel Geld haben, so dass die Regierung diese 45,5 Billionen Dollar aufbringen könnte.“

Wir fassen zusammen

– In den USA gibt es nach wie vor riesige Berge an toxischen Hypotheken, die vor allem in den Büchern der nun staatlichen Finanzierer „Fanny“ und „Freddy“ stehen.

– Diese Hypotheken können jederzeit platzen, weil …
a) man wegen der Hypothekenbündelung die Häuser den Schuldnern nicht mehr zuordnen kann.
b) möglicherweise viele der Kreditverträge beim Abschluss nicht gesetzeskonform waren und nachträglich für nichtig erklärt werden könnten.

Die Gefahr: Massivste Kreditausfälle und der endgültige Kollaps des Finanzsystems, der dieses Mal nicht mehr vom Steuerzahler aufgefangen werden kann. Die USA wären unwiderruflich bankrott, mit ebenso fatalen Folgen für den Rest der Welt! Und ganz nebenbei: Wer weiß denn, welche Papiere in der Bad Bank lagern, die die deutsche Hypo Real Estate kürzlich ausgelagert hat?

Der Beitrag auf MSNBC:


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Eingetragen von am 18. Okt. 2010. gespeichert unter Banken, Hintergrund, News, USA. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag verfolgen über RSS 2.0. Kommentar- und Ping-Funktion derzeit deaktiviert

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