Dienstag,27.Juli 2021
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Gold und Silber: So sind die Banken positioniert!

Gold, Banken, short (Foto: Goldreporter)
Die Banken sind in Bullenmärkten als Market Maker am Terminmarkt systematisch netto-short positioniert. Wenn die Kurse bei Gold fallen, stellen sie normalerweise Verkaufspositionen glatt (Foto: Goldreporter).

Mit dem gesunkenen Goldpreis haben die Banken am US-Terminmarkt verstärkt Short-Positionen glattgestellt. Und wir sehen ein Stück Rückkehr zur „Normalität“.

Gold und Banken

Einmal am Monatsanfang veröffentlicht die US-Börsenaufsicht CFTC Daten zur Positionierung der Banken am US-Terminmarkt. Der Bank Participation Report per 6. April 2021 zeigt folgendes Bild hinsichtlich der Bankenbeteiligung im Handel mit Gold-Futures an der COMEX.

Die US-Banken, fünf nicht namentlich genannte Institute, hielten zu diesem Zeitpunkt eine Netto-Short-Position auf Gold im Umfang von 59.250 Kontrakten. Das entsprach Terminverkäufen von umgerechnet 184 Tonnen. Gegenüber Vormonat gab es nur eine marginale Veränderung (-0,6 %). Seit Jahresbeginn ergibt sich dagegen ein Rückgang von 22 Prozent.

Banken mit 382 t Gold short

Und eine ähnliche Entwicklung ist für alle Banken gemeinsam dokumentiert (US-Banken und Nicht-US-Banken). Anfang April betrug die Netto-Short-Position dieser insgesamt 37 Institute 123.024 Kontrakte, was 382 Tonnen Gold entspricht. Gegenüber Vormonat errechnet sich ein Plus von 0,17 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang 11 Prozent.

Gold, Futures, Banken, Short
Netto-Short-Position der Banken auf Gold, jeweils per Monatsanfang und Goldpreis-Entwicklung seit 2009 (Quelle: CFTC, Grafik/Berechnung Goldreporter). Es war ungewöhnlich, dass die Netto-Verkäufe der Banken im vergangenen Jahr abnahm, während der Goldpreis bis zum August auf ein Rekordhoch stieg. Seit Jahresbeginn sehen wir wieder die gewohnte Entwicklung: Goldpreis und Short-Positionen der Banken gegen in eine Richtung – zuletzt nach unten.

Silber-Futures

Wie ist die Lage bei Silber? Hier betrachten wir die Netto-Short-Position der US-Banken an der COMEX, wo mit JP Morgan der mit Abstand größte Silber-Händler agiert. Zuletzt entfiel auf vier US-Banken eine Netto-Short-Position von 32.923 Kontrakten, was Terminverkäufen von 5.120 Tonnen Silber entspricht. Hier sehen wir einen Rückgang von 15 Prozent in den vergangenen beiden Monaten und Minus 3 Prozent gegenüber Vormonat. Seit Jahresbeginn stieg die Netto-Short-Position aber um 0,4 Prozent.

Silber, Futures, Banken, Short
Netto-Short-Position der US-Banken auf Silber seit 2009, jeweils Monatsanfang (Quelle: CFTC, Grafik/Berechnung Goldreporter). Hier sieht man immer wieder enorme Schwankungen von Monat zu Monat.

Hintergrund

Die Short-Positionen der Banken erreichen in Bullenmärkten oft im Bereich der Höchstkurse ihr Maximum. Denn die Institute nehmen im Futures-Handel in der Regel die Gegenpositionen zu den trendorientierten Spekulanten ein.

Im Falle des Goldmarktes war dies schon einige Monate vor dem Allzeithoch der Fall. In der letzten Haussephase bis zum August 2020 sank die Netto-Short-Position der an der COMEX im Gold-Futures-Handel involvierten Banken.

Machtverschiebung bei Gold?

Im vergangenen Jahr traten viele neue, teils jungen Investoren in den Goldmarkt ein, angelockt von Discount-Brokern, die ganz neue und bequeme Anlagemöglichkeiten über das Smartphone erlaubten.

Diese Entwicklung hat die Machtverhältnisse in vielen Marktsegmenten zumindest kurzfristig verschoben – auch auf dem Edelmetallmarkt. Sie fand ihren Höhepunkt in den vereinten Handlungen einer Internet-Community, die Aktienwerten, eigentlich dem Verfall geweiht waren, durch konzertierte Kaufaktionen in die Höhe treiben (Stichworte: WallStreetsBets/Gamestop/Silversqueeze). Aber auch der Metall-Engpass an der COMEX im vergangenen Frühjahr und Sommer war ungewöhnlich.

Rückkehr zur Normalität?

Zuletzt hat sich die Lage bei den Edelmetallen deutlich beruhigt. Durch den einsetzenden Abwärtstrend ging die Attraktivität dieses Marktes für viele Zocker verloren. Und so sehen wir auch bei den Gold-Futures eine Rückkehr Trends, die wir lange Jahre gewohnt waren:

Banken decken bei fallenden Kursen Short-Positionen ein und befreien sich gleichzeitig von den Risiken mittel- oder langfristig steigender Edelmetall-Preise. Noch vor ein paar Jahren konnte man diese Entwicklung mit Marktmanipulationen in Verbindung bringen. Dann nämlich, wenn im Zuge sehr hoher Short-Positionen im Bankensektor Gold- und Silberpreis wie aus heiterem Himmel einbrachen. Anders ausgedrückt: Mit zunehmend steigendem Goldpreis, stieg auch das Interesse von Bankenvertretern an einer kräftigen Kurskorrektur. Hierfür gibt es viele Beispiele, etwa aus den Jahren 2013 bis 2017 (Gold: „Flash-Crash“ am Vormittag wirft Fragen auf).

Marktbereinigung

Heute muss man diese Entwicklung vorwiegend als natürliche Marktbereinigung einstufen. Der Open Interest, also die Summe aller offenen Kontrakte und damit die Handelsaktivität im Bereich der Gold-Futures hat insgesamt abgenommen. Außerdem wetten weniger Futures-Händler auf einen steigenden Goldpreis („long“). Somit bedarf es auch weniger an Einsatz durch die Gegenseite („short“). Denn jeder Futures-Vertrag wird ja zwischen zwei Handelspartner geschlossen, die auf unterschiedliche Marktbewegungen wetten.

Goldreporter

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16 KOMMENTARE

  1. Irgendetwas an den Börsen spielt verrückt:

    Es werden jetzt netto mehr „Put-Optionen“ zur Börsen-Eröffnung verkauft als
    normalerweise zur Eröffnung gekauft werden.“

    „Wie man in der Grafik unten sehen kann, ist dies (Verhältnis der CALL:PUT-Optionen)
    ein ziemlich seltenes Phänomen, und die vorherigen Male, in denen es auftrat, war
    nach großen Marktausverkäufen – nicht nach Allzeithochs, wie wir sie jetzt haben.“

    https://cms.zerohedge.com/s3/files/inline-images/EyutCzTXIAE6AWJ.jpeg

    Quelle: Zerohedge

      • @Stillhalter

        Wirklich erstaunlich, welche sog. „Experten“ sich dort zu Wort melden dürfen.
        Höhere Inflation führt zu negativen Renditen – das ist sehr schlecht
        für die Aktienmärkte und die Edelmetalle.
        Hoffentlich kennt „n-tv“ noch jemanden, „der wo jemanden kennt,
        der wo sich mit der Inflation und Zinsen auskennt“ und der Auswirkung
        am EM-Markt.

        “Dummheit, die man bei anderen sieht,
        wirkt meist erhebend aufs Gemüt.“

        (Wilhelm Busch)

      • @Stillhalter

        Das Stichwort ist der „Anstieg der realen Renditen“. Gemeint ist der Surplus, vulgo der Profit, der aus den Inflationserwartungen heraus entsteht. Grundsätzlich ist die flottierende Inflation qua niedrigem oder gar negativem Realzins ‚gut‘ für unsere Precious Metals – hier ist aber was anderes gemeint:

        Die Fixsterne [stellae fixae] sind wieder einmal die Anleihenmärkte. Die US-Verbraucherpreisdaten, die morgen fällig sind, könnten – so die Denkweise – zu höheren Anleiherenditen führen. Aber warum, verflucht noch eins, steigen längerfristige Renditen mit den Inflationserwartungen?

        Die Logik dahinter muss man schon verstehen wollen: Höhere Verbraucherpreise würden auch den Wert der Anleihen im Laufe der Zeit unterminieren – der ‚Wert‘ sinkt also. Und wenn der ‚Wert‘ einer Anleihe sinkt, muss mit höheren Zinsen [Risikogratifikationen, Anm. der Red.] gegengehalten werden, damit sie überhaupt noch Abnehmer finden.

        Deshalb wird der der sog. ‚CPI-Druck‘, sprich die Inflationserwartungen, als Katalysator für den Zinsmarkt gehandelt. „Reale Renditen“ sind hier die kurzfristig wirksamen Opioide des Finanzkapitalismus. Was die Inflation bezüglich des Realzinses ansonsten noch auslöst, liegt jenseits der Quartalsergebnisse.

        https://www.reuters.com/article/usa-bonds-supply/analysis-big-us-treasury-auctions-could-restart-rise-in-yields-idUSL1N2M223I

        • @thantos

          Das die vielleicht den Rendite Anstieg meinen könnten ist mir schon klar. Das kann man vermuten. Geschrieben haben die das aber nicht.

        • @Thanatos

          Wie einfach ist es dagegen von Manipulation zu sprechen!

          Der schnelle Profit zählt!
          Egal mit was. Mit aktuell Holz (!) oder mit Lebensmitteln oder mit Anleihen oder auch beizeiten mit Gold und Silber – EGAL!

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  3. Also laut Goldreporter gibts jetzt keine Manipulation mehr sondern nur „natürliche Marktbereinigung“ , vielleicht sollte man hinzufügen dass das nur eine meinung von Goldreporter ist . Es gibt genug Experten die da in der materie tiefer drin sind und genau das gegenteil behaupten .

    FAKT ist das Gold der todfeind der möchtegern „Währungen“ ist und das da enormes interesse besteht das der Goldpreis eben nicht stark steigt weil man natürlich daran den zerfall des Falschgeldes sieht .

      • @gr
        Nun, Goldi meint, dass der Markt zu
        99% aus Banken besteht und 1% aus wild gewordenen Zocker Kids.
        Und das aus gutem Grund.
        Die Banken konzentrieren sich zu sehr aufs Gold und übersehen, dass das Vertrauen der Menschen in Banken und Geld quasi nicht mehr vorhanden ist.
        Man sieht das, dass kaum noch gespart wird und man versucht, die Papierscheine schnell los zu werden.
        Wenn jetzt das Gros der Menschen den Bitcoin entdeckt und der sich etabliert, haben die Banken verloren und mit ihm das Fiatmoney und die Schuldenmacherei.
        Wir werden es noch erleben, alle.
        Den Untergang des Geldes und der Banken.
        Letztlich soll Goldi doch froh sein, dass der Markt der Banken schöne Sonderangebote anbietet.
        Denn, billig ist das wahrlich nicht für das Bankenkartell. Sonst müjssten die nicht andauernd gerettet werden.

  4. Es ist irgendwie doch alles recht vorhersehbar. Heute haut man auf EM wieder mal drauf. Morgen werden Inflationszahlen gemeldet.

    Sieht so aus, als möchte man verhindern, dass Gold über die 1760 steigt. Wenn der Abstand gross genug ist, wird es nicht passieren. Man beugt da schon mal etwas vor, damit der Kurs unten bleibt, jedenfalls noch eine Zeitlang.

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  6. @Stillhalter

    Die Inflationszahlen sind doch von den Börsen schon längst „eingepreist“.
    Was die Börsen jedoch überhaupt nicht mögen, sind unkalkulierbare Risiken wie
    „geopolitische“ Ereignisse.
    Stichwort „Kriegsgefahr“ zwischen der Ukraine und Rußland – beide Seiten haben
    die letzten Tage massiv „aufgerüstet“; Putin hat ca. 80.000 Soldaten entlang der
    Grenze auffahren lassen, sogar Spezialeinheiten aus Sibirien.

    Die USA kippen natürlich Öl in‘s Feuer und schicken voll beladene Militärtransporter
    mit Hightech-Waffen nach Kiew – die Ukraine soll gefälligst den „Stellvertreter“
    für die US-Administration spielen und den „Kopf hinhalten“.

    Wie werden „Gold & Silber“ reagieren, wenn Rußland diese Situation „kurz und
    schmerzhaft“ im Sinne Putin‘s abwickelt,
    (siehe hier:)

    Da macht es natürlich Sinn, wenn man im Vorfeld dieses Ereignisses den
    Gold-/Silberpreis tiefer legt.

      • @Stillhalter

        Schon klar: JPM hat vor einigen Tagen i.A. des Anti-Goldkartells so richtig schön (und durchschaubar) Reklame für Bitcoin gemacht:

        https://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/jp-morgan-tippt-bitcoin-preis-auf-130000-dollar-206013/

        Das Ziel ist doch klar: Aktien- und Gold-Anleger sollen „umschichten“ und in Bitcoin investieren – bis die Falle zuschnappt.

        Aber schau‘ mal hier (@Bauernbua hat bei der Münze Österreich bestellt und nichts bekommen):

        Offenbar sind Edelmetalle gefragt wie nie: Die Münze Österreich kommt mit der Produktion des Wiener Philharmonikers in Gold, Silber und Platin kaum mehr nach und fährt Doppelschichten. Vor allem Silber ist derzeit wie vom Markt gefegt und praktisch ausverkauft. Für jede Unze, die produziert wird, gibt es Vorbestellungen!“

        https://www.krone.at/2388187

        • @KLAPPERSCHLANGE

          Interessante INFO. War klar, dass das mal kommen würde. Eigentlich eine gute Nachricht für den Preis in Richtung Norden.

          Ob man sich darüber freuen sollte, weis ich aber auch nicht so genau. Kann mir nicht so richtig vorstellen was passiert, wenn das Kartenhaus einstürzt.

          Finanziell bin ich darauf eingestellt, aber ob das reichen wird?

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