Mittwoch,10.August 2022
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Gold aus Russland boykottieren: Was bringt der G7-Beschluss?

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Kann man Russland mit einem Importstopp für Gold schaden? Die G7-Maßnahme könnte sogar zum Bummerang werden (Foto: Goldreporter).

Auf dem G7-Gipfel haben die Politiker den Importstopp für Gold aus Russland beschlossen. Doch dafür dürften sie im Kreml nur Gelächter ernten.

Importstopp für russisches Gold

Auf dem G7-Gipfel in Deutschland haben sich die Teilnehmer auf weitere Sanktion gegen Russland geeinigt. Dazu zählt der Importstopp für Gold aus der Russischen Föderation. Angeblich will man damit ein weiteres Milliarden-Geschäft Putins stoppen.

Schon im vergangenen März sanktionierte man den russischen Goldhandel auf Zentralbank-Ebene. In einem Beitrag hatte sich Goldreporter dazu geäußert: Russlands Goldreserven sperren: Geht das überhaupt?

Auch der jüngste G7-Vorstoss dürfte unserer Einschätzung nach nur eine geringe, zusätzliche Wirkung entfalten. Die wichtigen Märkte in London (LBM) und New York (COMEX) haben russischen Firmen bzw. Goldbarren bereits vor einige Monaten faktisch den Zugang zum westlichen Goldmarkt geschlossen: Russland vom Londoner Gold-Handel ausgeschlossen. Das betrifft die Großhandelsebene.

Goldhandel mit dem Ausland

Außerdem taucht russisches Gold seit Jahren in immer geringerem Umfang in westlichen Außenhandelsstatistiken auf – mit einer Ausnahme. Die Schweiz ist das größte europäische Drehkreuz im Bereich der physischen Gold-Transaktionen im Privatsektor. Ganz nebenbei: sie ist keine G7-Mitlied.

Die Raffinerien des Landes bedienen aber bis zu zwei Drittel des weltweit nachgefragten verarbeiteten Goldes. Dort wird Gold aus Minen der ganzen Welt angeliefert und in Form gebracht – vor als Barren. Außerdem gießen die Betriebe bestehende Goldbarren für die Anforderungen auf den internationalen Märkten um.

Die Rolle der Schweiz

Goldreporter analysiert die Außenhandelsdaten der Schweiz seit die Eidgenössische Zollverwaltung Detaildaten zu den beteiligten Ländern veröffentlicht. Also seit 2013 (Internationaler Goldhandel: Schweiz enthüllt jetzt Herkunft und Empfänger). Im vergangenen Monat lieferte Russland tatsächlich etwa mehr als 3 Tonnen Gold in die Schweiz (Weltweite Gold-Lieferungen stark gestiegen). Und substanzielle monatliche Gold-Transaktionen aus Russland von bis zu 7 Tonnen waren noch bis Dezember 2016 zu beobachten. In den Jahren 2016 und 2017 kamen jeweils etwas mehr als 20 Tonnen russischen Goldes in die Schweiz. Zur Einordnung: 2017 hatten die russischen Goldexporte in die Schweiz einen Wert von rund 890 Millionen CHF – damals umgerechnet rund 738 Mio. Euro).

Ab 2018 waren größere russische Goldlieferungen (ab 1 Tonnen pro Monat) in die Schweiz eher die Ausnahme. Folgende Gesamtmengen haben wir in unserer Statistik in den vergangenen Jahren festgestellt (basierend auf den Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung):

  • 2019: 575 Kilo
  • 2020: 10,23 Tonnen
  • 2021: 14,41 Tonnen
  • 2022: 8,23 Tonnen

Von der Schweiz nach Russland wurde nie viel Gold geliefert. Demnach wurde das Edelmetall tatsächlich zum Verkauf an andere Länder exportiert.

Russland half dem Westen mit Gold aus

Allerdings hat Russland bis März 2020 immer mehr Gold in die staatlichen Reserven eingebracht. Im gleichen Jahr bediente man aber die große Goldnachfrage im Westen. Corona-bedingt entstand ein Goldengpass an der US-Warenterminbörse COMEX und am Londoner Goldmarkt. Und russische Firmen halfen offensichtlich aus: Russland lieferte tonnenweise Gold in den Westen (Goldreporter, 11.08.20)

So wurden alleine im ersten Quartal 2020 insgesamt 25,7 Tonnen Gold in den Westen geliefert. Vor allem nach Großbritannien. Das russische Metall stammt aus den Minen des Landes.  Lesen dazu Sie auch: Überraschung: USA erhielten Gold aus Russland!

Goldabnehmer in Asien

Aber: Die wichtigsten Partner im Handel mit russischem Gold sind ehemalige Sowjet-Republiken (Kasachstan, Usbekistan) und vor alle China. Und auch in dieser Hinsicht hat Russland schon vor Jahren wichtige Weichen gestellt. Denn schon 2015 beschloss man den Ausbau der Gold-Handelsbeziehungen mit China: Goldhandel: Russland und China schmieden Allianz.

In Fernost wird Russland immer Abnehmer für das eigene Gold finden – vor allem in Indien und China. Das sind ohnehin die beiden Länder mit der weltweit größten Goldnachfrage. Allerdings machen die Goldexporte auch nur einen Bruchteil der Energielieferungen aus. Eine Abhängigkeit des Landes von Goldexporten besteht nicht, vor allem nicht vom Westen. Im Gegenteil, Russland nutzte das Edelmetall in den vergangenen Jahren, um das eigene Standing gegenüber den östlichen Handelspartnern zu stärken.

Unwirksame Maßnahme?

Sollten die G7-Politiker diese Sanktionsmaßnahme (Goldimportverbot aus Russland) als potenziell wirksame Sanktion feiern, dann überschätzen sie sich. Und das gilt auch für die Annahme, man könnte russische Oligarchen damit schädigen, wie man zusätzlich argumentiert. Denn warum sollten diese Milliardäre, ausgerechnet von russischem Gold anhängig sein? Sie kaufen in ihren Auslandsdomizilen ja auch keinen russischen Treibstoff um ihre Jachten oder Privatjets zu betanken.

Womöglich hat der Gold-Importstopp sogar einen negativen Effekt auf den Westen. Denn Russland ist der drittgrößte Goldproduzent der Welt. Und hätte es im Frühjahr 2020 das russische Gold nicht gegeben, dann wären die westlichen Goldbörsen womöglich in noch ernstere Probleme geraten. Und vor diesem Hintergrund könnte die G7-Maßnahme sogar den Goldpreis über kurz oder lang stärken.

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5 Kommentare

  1. Das einzige, was der sog. Westen damit erreichen könnte, so es denn klappt, Gold wird knapper und damit wiederum teurer. Ähnlich wie beim Öl und Gas wird Russland dann übergebührlich profitieren. Denn der Westen muss sich ja das Gold physisch beschaffen um sein Fiat Money stabil zu halten oder in Kauf nehmen, dass der Goldpreis deutlich steigt, wovon wiederum Russland profitiert und der Dollar weiter inflationiert.
    So etwas nennt man Zwickmühle oder sich ins eigene Bein schiessen.
    Und so marutis Frage, wird die Comex die 66% Deckung des Papiergoldes halten können oder deckt man dann mit 45% ?
    Wahrscheinlich ist es egal, eigentlich bräuchte man es gar nicht physisch decken, es will ja ohnehin keiner ausgeliefert haben. Und wenn, beruft man sich auf die Notlage, wegen Putin und so und bittet um etwas Geduld.
    Ist ja nur vorübergehend, meint Powell und seine Consorten.

  2. Im Westen nichts Neues frei nach Remarque- Divide et impera. China und Russland sollen eingedämmt werden mit Geld das man nicht hat , um Leute zu beeindrucken die man nicht leiden kann.

  3. Sollte das Gold im Westen wieder knapp werden war es ein weiterer Schuß ins Knie. Mir kommt es so vor das der Wertewesten wild um sich schlägt und nicht weiss was er tut !

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