Im US-Futures-Handel ging der Goldpreis knapp über 3.000 US-Dollar pro Unze ins Wochenende. An der COMEX steigen die Goldbestände und der Open Interest.
Goldpreis steigt auf 3.000 US-Dollar
Der Goldpreis hat am Freitag erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar pro Unze überschritten. Dabei wurde im US-Futures-Handel ein neues Rekordhoch von 3.001,10 US-Dollar erreicht. Fundamentale Impulse kamen aus den USA. Die Inflation in den Vereinigten Staaten hat sich im Februar verlangsamt und die Inflationsrate fiel mit 2,8 Prozent niedriger aus als erwartet. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Erzeugerpreise stiegen im Vorjahresvergleich mit 3,2 Prozent weniger stark als prognostiziert. Das heißt, aus Sicht der US-Notenbank gibt es wieder mehr Spielraum für weitere Zinssenkungen. Der nächste mögliche Zinsschritt wird derzeit frühestens im Juni erwartet.

CoT-Daten
Was geschah vergangene Woche im amerikanischen Goldhandel? Dazu betrachten wir zunächst die aktuellen COT-Daten mit den Positionen der größten Händlergruppen im Geschäft mit Gold-Futures per 11. März 2025.
Hier sank die Netto-Short-Position der „Commercials“ in der fünften Woche in Folge – zuletzt um 2 Prozent auf 265.188 Kontrakte. Auf der Gegenseite verringerte sich die Netto-Long-Position der „Großen Spekulanten“ um 3 Prozent auf 236.100 Kontrakte.
Dagegen ist der Open Interest erstmals seit fünf Wochen wieder gestiegen. Denn gegenüber der Vorwoche verzeichnete die Summe aller offenen Gold-Kontrakte an der COMEX eine Zunahme um 4,5 Prozent auf 511.276 Kontrakte. Zu erklären ist dies, mit einem Anstieg der Handelsaktivitäten innerhalb der Handelsgruppen.
Bis zum Handelsschluss am Freitag erhöhte sich der Open Interest um weitere 4 Prozent auf 532.814 Kontrakte. Damit ging es im Vorwochenvergleich (Freitag bis Freitag) um 6 Prozent nach oben.
Gold-Optionen
Im Gold-Optionshandel ist der Open Interest gegenüber der Vorwoche um 6 Prozent angestiegen auf 918.089 Optionen. Dabei erhöhte sich die Put/Call-Ratio auf 0,634 (Vorwoche: 0,621). Das bedeutet, dass auf 100 Put-Optionen zuletzt 158 Call-Optionen entfielen, gegenüber 161 in der Vorwoche.
Goldpreis-Entwicklung
Der Goldpreis vollzog im US-Futures-Handel einen kontinuierlichen Anstieg in der vergangenen Woche. Die Volatilität blieb dabei gering. Am Freitag fiel dann die nächste 1.000er-Schwelle, mit einem Schlusskurs von 3.001,10 US-Dollar (April-Kontrakt). Damit stieg die Notierung gegenüber der Vorwoche um 3 Prozent.

Auf Euro-Basis steht der Goldpreis mit 2.758,62 Euro noch 3,2 Prozent unter dem Rekordhoch vom 10. Februar 2025. Im Vorwochenvergleich legte der Kurs um 2,5 Prozent zu. Hier wirkt sich die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar negativ aus.
COMEX-Gold-Lager mit weiterem Zuwachs
Werfen wir einen Blick auf die Goldlagerbestände an der COMEX. Hier kam es in den letzten Wochen zu einem ungewöhnlich starken Anstieg des Inventars. Und auch vergangene Woche kam weiteres Gold hinzu.
Denn die CME Group meldet per 13. März 2025 Gesamtbestände von 40,43 Millionen Unzen. Damit kamen 670.000 Unzen hinzu (Vorwoche: +500.000). Dabei stiegen die zur sofortigen Auslieferung an Kunden verfügbaren Gold-Bestände der Kategorie „eligible“ um 440.000 Unzen (Vorwoche: -260.000 Unzen) auf 20,45 Millionen Unzen (alle Zahlen gerundet). Dieses Gold gehört Händlern, nicht etwa den Bullionbanken. Das bedeutet, es kann jederzeit abgezogen werden.
Hohe Golddeckung
Bei einem Open Interest von 532.814 Kontrakten handelten Futures-Trader Ende der vergangenen Handelswoche insgesamt 53.281.400 Unzen Gold in Form von Standard-Futures (100 Unzen pro Vertrag). Das heißt, der Gold-Futures-Handel an der COMEX war am Freitag weiterhin zu hohen 76 Prozent durch Lagerbestände gedeckt, nach 79 Prozent in der Vorwoche.
In den vergangenen Jahren war die physische Deckung der US-Gold-Futures-Handels deutlich geringer – teilweise nur 30 Prozent. Vom Börsenbetreiber wird diese Unterdeckung damit gerechtfertigt, dass nur ein Bruchteil der Futures-Verträge tatsächlich physisch abgewickelt wird. Das heißt, am Ende des Kontrakt-Monats schließen die Parteien ihre Positionen hauptsächlich per Barausgleich. Der Anteil kann ebenfalls aus einer wöchentlichen Pflichtmitteilung entnommen werden.
Lieferanträge
So meldet die Börsenaufsicht CFTC für den aktuellen Kontraktmonat nun 17.135 „Delivery Notices“, also Anträge auf physische Auslieferung von Gold. Damit kamen in einer Woche 3.564 hinzu (Vorwoche: +3.196). Das heißt, es stehen nun 53 Tonnen Gold (1,71 Millionen Unzen) zur Auslieferung Ende März an. Im vergangenen Monat war mit 76.567 „Delivery Notices“ (entspricht 238 Tonnen) ein neuer Rekord aufgestellt worden.
Gold-Aufschläge in China
Auch von China gehen weiterhin Goldpreis-Impulse aus. Denn am Donnerstagnachmittag um 14:30 Uhr (7:30 Uhr MEZ Berlin; 2:30 Uhr New York) notierte Gold an der Shanghai Gold Exchange mit 684,56 Yuan pro Gramm. Zu diesem Zeitpunkt lag der Goldpreis in Shanghai bei umgerechnet 95,66 US-Dollar bzw. 2.975 US-Dollar pro Unze.
Gleichzeitig kostete die Feinunze Gold am europäischen Spotmarkt (FOREX) 2.936 US-Dollar. Das bedeutet, dass Gold in China in der dreizehnten Woche in Folge über dem internationalen Goldpreis gehandelt wurde. Allerdings hat sich der Abstand verringert auf 39 US-Dollar (Vorwoche: 56 US-Dollar). Damit lag der Kurs noch 1,3 Prozent über dem europäischen Goldpreis. In den Hochphasen des Jahres 2024 erreichten die Goldpreis-Aufschläge in Shanghai bis zu 90 US-Dollar gegenüber den westlichen Kursen.
Goldpreis-Ausblick
Die Aussichten auf weiter steigende Zinsen und die Pläne für eine gigantische Schuldenaufnahme in Deutschland und der EU begünstigen die Goldpreis-Entwicklung.
Was lässt sich aus den Terminmarktdaten ablesen? Ein steigender Open Interest bei gleichzeitig stark steigendem Goldpreis ist ein Zeichen für Marktstärke. Die Logik dahinter: Wenn Open Interest und Goldpreis gemeinsam zulegen, dann müssen gewillte Käufer ihr Preisangebot erhöhen, um neue Verkäufer in den Markt zu locken.
Es bleibt unklar, warum die Goldbestände an der COMEX so stark ansteigen. Als Kernargument dienten bislang die Ängste vor US-Importsteuern auf Gold. Diese könnten zu unkalkulierbaren finanziellen Problemen führen, wenn short-positionierte Händler sich zu deutlich höheren Kosten mit Gold eindecken müssten. Bislang gibt aber weiterhin keine Anzeichen auf solche Tarife.
Aus fundamentaler Sicht könnten die zuletzt weniger stark gestiegenen Inflationsindikatoren auch die Annahmen einer Konjunkturschwäche in den USA stützen. An den Aktienmärkten konnte man zuletzt eine größere Nervosität feststellen. Ein erneuter Abverkauf wie am vergangenen Montag und eine Liquidationswelle könnten kurzfristig auf den Goldpreis unter Druck setzen. Das Kursniveau von 3.000 US-Dollar wäre dann für Gold zunächst nicht zu halten.
Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA geben in der kommenden Woche die neuen Einzelhandelsdaten (Montag) und das Ergebnis der Fed-Sitzung am Mittwochabend.









































